Bundesliga-RückschauReden wir über Dortmund, müssen wir über Nazis reden

In Dortmund verschärft sich das Problem mit den Rechtsextremen. Hoffenheim stellt auf SAP um. Und Schweinsteiger erhält Artenschutz. Alles Wichtige zum 22. Spieltag von 

Ein Banner auf der Dortmunder Osttribüne

Ein Banner auf der Dortmunder Osttribüne  |  © Kevin Kurek/picture alliance/dpa

Wer spielte wie gegen wen?

VfL Wolfsburg – Bayern München 0:2
Hamburger SV – Borussia Mönchengladbach 1:0
Bayer Leverkusen – FC Augsburg 2:1
Werder Bremen – SC Freiburg 2:3
FSV Mainz 05 – FC Schalke 04 2:2
Fortuna Düsseldorf – SpVgg Greuther Fürth 1:0
Borussia Dortmund – Eintracht Frankfurt 3:0
1. FC Nürnberg – Hannover 96 2:2
TSG Hoffenheim – VfB Stuttgart 0:1

Welche Spiele durften Sie auf keinen Fall verpassen?

Wie so oft die von Freiburg und Mainz, die sind stets unterhaltsam (solange sie nicht gegeneinander spielen). Zudem bleiben beide Teams erfolgreich. Nach einer guten Hinrunde standen sie auf Europapokalplätzen. Momentan deutet alles darauf hin, dass auch in der Rückrunde mit ihnen zu rechnen ist. Besonders bemerkenswert: Die beiden Underdogs versuchen es nicht mit Mauern und Treten, sondern mit Stürmen und Drängen. Auch am Wochenende waren Mainz und Freiburg bei den chancen- und torreichsten Partien beteiligt. Die Freiburger jagten neunzig Minuten lang den Ball und versetzten die Bremer Abwehr in Himmelsängste. Die Mainzer schalteten gegen die mit Nationalspielern gespickten Schalker immer wieder den Turbo ein, auch wenn nur ein Unentschieden heraussprang. Ein weiteres Verdienst von Freiburg und Mainz ist: Sie widerlegen die radikale Geld-schießt-Tore-Lehre, mit der so mancher im deutschen Fußball seine Ideenlosigkeit kaschieren will. Natürlich gibt es einen Zusammenhang zwischen Budget und Tabelle. Aber es ist ein Irrtum, nennen wir ihn Morbus Bruchhagen, dass man mit Fleiß und Köpfchen dieses vermeintlich eherne Gesetz nicht ein gutes Stückchen außer Kraft setzen kann.

Welches Spiel konnten Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Dortmund gegen Frankfurt. Ok, drei Tore sind nicht schlecht. Aber Marco Reus hätte, nach den Gesetzen des Lehrbuchs und des Teamgeists, bei den ersten beiden abspielen müssen. Julian Schieber hat was falsch verstanden bei seinem Auftrag, Robert Lewandowski adäquat zu ersetzen. Überhaupt ging es an diesem Spieltag wieder einmal vor allem um die Wechselgerüchte des Polen. Dabei schlug etwas anderes viel mehr ins Gewicht: Reden wir über Dortmund, müssen wir über Nazis reden. Im Umfeld des BVB fühlen sich die Rechten schon lange wohl, obwohl mancher Fußballstar dort einen polnischen Namen trägt und selbst die Deutschen Ilkay heißen. Vorige Woche verprügelten zwei Neonazis in Donezk den Fan-Beauftragten Thilo Danielsmeyer in der Stadiontoilette. "Einer von denen hat mich getreten, auch in den Rücken. Er hat immer wieder versucht, meinen Kopf gegen die Wand zu schlagen", sagt Danielsmeyer. Die FAS nennt den Vorfall einen "brutalen Tabubruch", weil die Rechtsextremen von den Fan-Beauftragten trotz deren antifaschistischer Haltung bislang ihre Hände gelassen hatten. Immerhin, viele BVB-Fans solidarisieren sich mit Danielsmeyer. Auch der Verein hat das Problem inzwischen erkannt und seine Stadionordnung geändert. Allerdings, ist dort zu lesen, will er schärfer gegen rechts- und linksradikale Propaganda vorgehen. Diese Gleichsetzung, beliebt in konservativen Kreisen, war schon immer fraglich.

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Wer stand im Blickpunkt?

Robbie Rogers wegen seines Coming-outs. Der US-Nationalspieler bekannte in seinem Blog, dass er schwul sei. "In den vergangenen 25 Jahren hatte ich Angst zu zeigen, wer ich wirklich bin", schrieb Rogers. Nun sei er ein freier Mann. Rogers erhielt von vielen Seiten Solidaritätsbekundungen. "Wir sind stolz auf Robbie", hieß es seitens des US-Verbands. Sein Ex-Mitspieler AJ DeLaGarza twitterte: "Ich liebe Dich, Bruder." Viele andere stimmten ein, selbst Sepp Blatter: "Das ist 2013. Danke." Mit diesen Reaktionen hatte Rogers offenbar nicht gerechnet. Dennoch: Der große Durchbruch im Kampf gegen Homophobie im Fußball ist das nicht: Der 25-Jährige kündigte zugleich seinen sofortigen Rücktritt an. Dabei ließ er offen, ob er eine Fortführung seiner Karriere unter den neuen Umständen für unmöglich hält oder ob er ohnehin aufhören wollte. Rogers war in den vergangenen Jahren meist verletzt, außerdem als Unternehmer aktiv. 2013 ist erst, wenn sich ein aktiver Profi zur Homosexualität bekennt.

Leserkommentare
  1. "...schärfer gegen rechts- und linksradikale Propaganda..."

    Seit wann gibt's denn in Fußballstadien Linksradikale? Nicht einmal die klassischen Linksaußen sind heute mehr zu bestaunen. Dürfen demnächst Linksfüßler nicht mehr mitkicken? Werden auch die vom Verfassungsschutz beobachtet? Macht sich, wer links am Gegner vorbeigeht, verdächtig? War Stan Libuda deshalb Kommunist?
    Vielleicht sollte man den Herren Fußballfuntionären erklären, dass es sich bei der Totalitarismustheorie um eine Verirrung des Kalten Krieges handelt. Aber warum sollen die begreifen, was auch eine Ministerin nicht begreift?
    Der Feind steht rechts! Womit nichts gegen Rechtsaußen gesagt sein soll. Pardon: Gegen Angreifer auf der rechten Außenbahn, wie es heute fußballerisch korrekt heißt.

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    Es gibt sehr wohl auch Linksradikale in den Fussballstadien. Ein gutes Beispiel dafür ist natürlich der FC St. Pauli, aber auch die Rostocker Fan-Szene besteht zu großen Teilen aus der Linken-Szene. Die Frage ist nur, ob es dem Fussball genauso schadet wie die Rechtsradikalen in den Stadien?

  2. 2. Nunja

    Es gibt sehr wohl auch Linksradikale in den Fussballstadien. Ein gutes Beispiel dafür ist natürlich der FC St. Pauli, aber auch die Rostocker Fan-Szene besteht zu großen Teilen aus der Linken-Szene. Die Frage ist nur, ob es dem Fussball genauso schadet wie die Rechtsradikalen in den Stadien?

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    In St. Pauli? Der Schenkelklopfer des Tages! Sie verwechseln Partyvolk und Vereinsmarketing mit politischen Szenen. Hört sich genauso gehaltvoll an, wie "Freiheit statt Sozialismus" aus den 70ern.

    Die Verharmlosung der rechten Szene durch umgehenden Verweis und Gleichsetzung mit der linken, hat in Deutschland Tradition. Der bekennende strammkonservative Unionsfreund aus dem Sauerland Watzke, befindet sich da in logischer Kontinuität. Das Problem muss benannt werden, so wie es sich in der Realität darstellt: Die Trottel stehen rechts!

    • lxththf
    • 18. Februar 2013 12:06 Uhr

    nur sollte Fußball generell eher Politikfrei sein und damit meine ich nicht neutral. Ich finde die Aktionen gut, wenn sich Vereine zu Toleranz, Integrität, Weltoffenheit bekennen und auch Dortmund hat da mehr als einmal schon Zeichen gesetzt. Allerdings macht es keinen Sinn, den einen Radikalismus zu ächten, während man den anderen nicht erwähnt. Damit unterstützt man leider das oft von rechten Gruppen vorgetragene "Wir armen Märtyrer werden immer härter bestraft". Extremismus jedweder Art sollte keinen Platz im Fußballstadion haben, denn da geht es um Verbindendes, Einigendes.
    Bzgl. der Rostocker Fanszenen. Ich finde das sehr interessant, steht die Hansakogge doch immer im Verdacht eher rechte Schlagseite zu haben?
    Im Fußballosten gibt es Unterstützer aus beiden politischen Lagern und dies führte früher mehr als einmal zu Eskalationen. Erinnert sei an die LOK - Chemie Leipzig Derbys und darum ist es schön zu sehen, dass sich da die Lage etwas entspannt und entpolitisiert hat.

    Es kann zu beiden Seiten keine gleichen Extreme geben. Heisst wer Links gewaltaetig ist äussert sich nur als Linker verhaelt sich aber als Rechter. Pol und Gegenpol...

    Doch hier in diesem Forum und eigentlch ueberall scheint es Magnete mit gleichen Polen zu geben. Wahnsinn.

    Mann könnte die Welt besser und gerechter sein wenn sich vermeintlich intelligente Leute nicht ständig so naiv verhalten würden.

    In welchen Dingen hat man es noch geschafft Euch den Wolf als Schaf zu verkaufen???

  3. In St. Pauli? Der Schenkelklopfer des Tages! Sie verwechseln Partyvolk und Vereinsmarketing mit politischen Szenen. Hört sich genauso gehaltvoll an, wie "Freiheit statt Sozialismus" aus den 70ern.

    Die Verharmlosung der rechten Szene durch umgehenden Verweis und Gleichsetzung mit der linken, hat in Deutschland Tradition. Der bekennende strammkonservative Unionsfreund aus dem Sauerland Watzke, befindet sich da in logischer Kontinuität. Das Problem muss benannt werden, so wie es sich in der Realität darstellt: Die Trottel stehen rechts!

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    Antwort auf "Nunja"
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    Es sind in den letzten Monaten einige Stadionverbote gegen
    rechtsradikale "Fans" vom BVB verhängt worden. Die Stadt Dortmund hat die größte rechte Szene in NRW, damit ist auch statistisch eine größere Anzahl "Fans" beim BVB rechtsradikal. Nach dem Überfall bzw. Angriff auf die Fanbeauftragten haben die echten Fans die 3 Nazis vor dem Stadion in Donezk ordentlich durchgelassen. Das nenne ich Selbstreinigung. Und den BVB jetzt für seinen "Radikalenerlass" zu kritisieren, weil er das komplette Spektrum abdeckt ist einfach schäbig. Die rechten sind trainierte Schläger, die machen auch mal Hausbesuche bei Ultras und auf Grund ihrer Gewaltbereitschaft wäre eine breite Unterstützung in der Öffentlichkeit besser als immer mit dem Finger auf den Verein zu zeigen und so zu tun, als ob die Nazis beim BVB geduldet werden. Extremismus ist immer zu verurteilen, mir ist auch nicht bekannt das Herr Watzke jemals von einem Problem mit linksextremen in Dortmund geredet hätte, aber er benennt klar das das Problem die rechten sind.

    • lxththf
    • 18. Februar 2013 12:06 Uhr

    nur sollte Fußball generell eher Politikfrei sein und damit meine ich nicht neutral. Ich finde die Aktionen gut, wenn sich Vereine zu Toleranz, Integrität, Weltoffenheit bekennen und auch Dortmund hat da mehr als einmal schon Zeichen gesetzt. Allerdings macht es keinen Sinn, den einen Radikalismus zu ächten, während man den anderen nicht erwähnt. Damit unterstützt man leider das oft von rechten Gruppen vorgetragene "Wir armen Märtyrer werden immer härter bestraft". Extremismus jedweder Art sollte keinen Platz im Fußballstadion haben, denn da geht es um Verbindendes, Einigendes.
    Bzgl. der Rostocker Fanszenen. Ich finde das sehr interessant, steht die Hansakogge doch immer im Verdacht eher rechte Schlagseite zu haben?
    Im Fußballosten gibt es Unterstützer aus beiden politischen Lagern und dies führte früher mehr als einmal zu Eskalationen. Erinnert sei an die LOK - Chemie Leipzig Derbys und darum ist es schön zu sehen, dass sich da die Lage etwas entspannt und entpolitisiert hat.

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    "...Verbindendes, Einigendes" in Fußballstadien.

    Ihre Auffassung in Ehren. Dem Fußball wäre jedoch nicht gedient, wenn man die Stadien zu Domen der Nächstenliebe und der besinnlichen Einkehr umfunktionierte. In den Stadien soll es hoch hergehen, schließlich ist es den Zuschauern dort erlaubt, ausufernd emotional und auch einmal verbal ungehobelt zu sein. Allerdings hat diese Emotionalität weit vor rechtsradikalen Exzessen zu enden. Gewalt geht in diesem Land seit mehr als zwei Jahrzehnten vom Rechtsextremismus aus. Das gilt auch für Fußballstadien!

    • lxththf
    • 18. Februar 2013 12:11 Uhr

    es geht medial etwas unter, aber mittlerweile mehren sich die Überfälle an Raststätten auf Fußballfanbusse. Wenn man an die letzten Wochen denkt, so gab es da mehrere Vorfälle und da bleibt die Hoffnung, dass dies kein Trend ist.

  4. "...Verbindendes, Einigendes" in Fußballstadien.

    Ihre Auffassung in Ehren. Dem Fußball wäre jedoch nicht gedient, wenn man die Stadien zu Domen der Nächstenliebe und der besinnlichen Einkehr umfunktionierte. In den Stadien soll es hoch hergehen, schließlich ist es den Zuschauern dort erlaubt, ausufernd emotional und auch einmal verbal ungehobelt zu sein. Allerdings hat diese Emotionalität weit vor rechtsradikalen Exzessen zu enden. Gewalt geht in diesem Land seit mehr als zwei Jahrzehnten vom Rechtsextremismus aus. Das gilt auch für Fußballstadien!

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    • lxththf
    • 18. Februar 2013 13:29 Uhr

    Fangruppen können sich vollgrölen, sich in Grund und Boden singen, ihr Team anfeuern und Unterstützen, aber am Ende eint alle Fans die Liebe zum Sport. Ich bin nicht Fan von XY weil mir die Trikots gefallen, oder irgendwas, sondern weil ich in erster Linie Fußballfan bin und darum verbindet Fußball. Naiv wäre es zu glauben, dass dies nicht immer auch gern instrumentalisiert wird. Ein kleiner Blick auf die Geschichte vom BFC Dynamo Berlin zeigt das leider überdeutlich und solange es Massenveranstaltungen geben wird, so sehr werden sich auch immer Extremisten dazu hingezogen fühlen um sich und ihre Vorstellungen publik zu machen, oder um zu provozieren und da ist es wichtig, dass Vereine und Fans klare Zeichen setzen, dass man da keinen Nährboden findet. Der ein oder andere Verein hat dies vielleicht bisher zu wenig gemacht.

  5. Hier werden wohl die Begriffe "Patrioten" und "Nazis" verwechselt.
    Dortmund besitzt viele Patrioten aber kaum Nazis wie man an den Wahlergebnises nachweislich sehen kann.

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    Hierbei handelt es sich ja wohl um die leider gängigste Form der absolut verantwortungslosen Verharmlosung. Grauenvoll! Und selbst wenn es so wäre: Seien Sie gewiss, ich brauche auch keinen einzigen "Patrioten" im Stadion, ob er nun auch noch Nazi ist oder nicht!

    • michl30
    • 18. Februar 2013 13:09 Uhr

    ... als beantwortet werden. Waren es ukrainische Neonazis die den Fanbeauftragten in Donezk beim Toilettenbesuch heimsuchten? Wieso werden die Täter als Neonazies bezeichnet, soll heißen: was haben sie gemacht, außer zu Prügeln?

    Auf all das geht der Text nicht ein.

    So wie Volk und Justiz vor 100 Jahren auf dem rechten Auge blind sind, so sind sie es heute auf dem linken. Täglich auf Zeit online und deren Foren nachzulesen...

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    ...fällt mir nicht mehr viel ein.
    Nur so viel: Der link in dem Text zur Meldung von Spiegel online zeigt, dass es Dortmunder Nazis waren. Alternativ auch auf anderen Medien, bspw. Ruhrnachrichten nachzulesen.
    Sie, aus der Ferne, wissen aber natürlich dass es keine Nazis waren, sondern sie ncihts gemacht haben, außer zu prügeln.
    Und generell ist das natürlich acuh kein problem, unser Problem ist links, das will nur niemand sehen.
    Könnten sie ihrem Kommentar evtl. etwas erklärendes hinzu fügen, ansonsten kann dieser nicht mehr als bloßes Kopfschütteln bei mir erzeugen.
    Grüße

    Der Vater und seine beiden Söhne haben Parolen der rechten gesungen wie "Dortmund gehört uns" und dann haben die beiden Brüder einen feigen Überfall auf den Fanbeauftragten gemacht und dabei darauf hingewiesen das Dortmund rechts bleibt und das sich die rechten nicht vertreiben lassen. War in allen Tageszeitungen seit Donnerstag zu lesen, auch im Kicker, Reviersport und Sportbild, natürlich auch online. Ich kann mir nicht vorstellen, das Sie das nicht mitbekommen haben.

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