Spielerfrauen"Einige geben meinem Mann die Hand und mir nicht"

Seit acht Jahren ist Nina Christmann mit einem Bundesligaprofi zusammen. Sie will nicht mehr als reiche, dumme, schicke Spielerfrau gelten. Das Vorurteil stimme nicht. von 

Nina Christmann und ihr Lebensgefährte Patrick Ochs

Nina Christmann und ihr Lebensgefährte Patrick Ochs  |  © privat

ZEIT ONLINE: Wie reagieren Sie, wenn Sie als Spielerfrau bezeichnet werden?

Nina Christmann: Damit habe ich ein Problem. Dieses Wort bedeutet für viele, dass man kein eigenständiger Mensch ist, kein eigenes Leben führt und nur die Frau von … ist. Es mag Damen geben, die sich gerne in diese Rolle fügen, wie zum Beispiel Victoria Beckham. Mein Anspruch ist das nicht. Ich habe einen Job, ein Kind, fünf Hunde, bin Vorsitzende eines Tierschutzvereins und Jungunternehmerin. Ich habe mehr zu tun, als dass ich mich nur über meinen Mann definieren könnte.

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ZEIT ONLINE: Wann werden Sie als Spielerfrau wahrgenommen?

Christmann: Das kommt von Leuten, die mich nicht kennen, aber wissen: Ach ja, der Mann spielt Fußball. Dann geht sie sicher nicht arbeiten, aber den ganzen Tag einkaufen. Diese Vorurteile bekommt man von außen aufgedrückt. Das ist ein gesellschaftliches Phänomen, dem wir alle verfallen: Menschen erst einmal in Schubladen einordnen und dann gucken, was wirklich ist. Ich nehme es den Leuten deshalb auch nicht übel, versuche sie dann aber vom Gegenteil zu überzeugen.

ZEIT ONLINE: Wieso wird man als Spielerfrau genau in diese Püppchen-Schublade gesteckt?

Nina Christmann
Nina Christmann

Nina Christmann, 34, hat Soziologie studiert, in der Marketingabteilung von Neckermann gearbeitet. Seit einem Jahr ist sie Geschäftsführerin eines Onlineshops für Tierbedarf, seit acht Jahren mit dem Bundesligaprofi Patrick Ochs zusammen.

Christmann: Da spielt auch Neid eine Rolle. Die Leute wissen, was ein Bundesligaprofi verdient – die Gehälter stehen ja in der Bild-Zeitung. Dann entsteht so ein Bild: reich, wenig im Kopf, gut aussehend und nur deshalb an der Seite des Mannes. Und die Boulevardpresse unterstützt dieses Denken noch: Die leben davon, Menschen in Überschriften, Bilder, Kategorien zu pressen. Man wird reduziert, auf das, was die Leute sehen wollen.

ZEIT ONLINE: Steckt nicht in jedem Klischee auch ein wenig Wahrheit?

Christmann: Ich kenne fast keine Spielerfrau, die nicht ihr eigenes Leben führt, die nicht arbeiten geht und sich auf Kosten ihres Mannes einen Lenz macht.

ZEIT ONLINE: Hat sich das Bild der Spielerfrau im Laufe der Zeit verändert?

Christmann: Ich glaube, in den vergangenen Jahren bröckelt das Bild der Spielerfrau ein wenig. Sylvie van der Vaart, die auch ohne ihren Mann eine erfolgreiche TV-Moderatorin war, ist ein Beispiel dafür. Aber natürlich wird man noch oft mit dem Klischee konfrontiert. Es hat auch einen Vorteil: Es ist besser, erst für doof gehalten zu werden und dann das Gegenteil zu beweisen als umgekehrt.

ZEIT ONLINE: Gibt es Frauen, die das Klischee der Spielerfrau mögen und deshalb ganz bewusst einen Spieler verführt haben?

Christmann: Hmm, davon weiß ich so nichts. Aber es gibt auf jeden Fall viele, ich nenne sie mal Groupies. Also Damen, für die es erstrebenswert ist, im Umfeld von so hübschen, sportlichen, jungen, reichen Männern zu sein.

ZEIT ONLINE: Nutzen Sie die Bekanntheit Ihres Partners zu Ihrem Vorteil?

Christmann: Ja, das mache ich, eiskalt! Wir haben vor zwei Jahren einen Tierschutzverein gegründet. Mit der Popularität von Patrick ist es viel einfacher, dafür Aufmerksamkeit zu erzeugen. Manchmal versteigert er ein Trikot, sammelt Spenden, gibt Autogramme – dann verbinde ich das mit dem Verein. Von mir unabhängig arbeitet er auch ab und an mit Peta für deren Kampagnen zusammen.

ZEIT ONLINE: Haben Sie schon mal verschwiegen, dass Sie Spielerfrau sind? 

Leserkommentare
    • prr
    • 08. Februar 2013 10:58 Uhr

    Sie wollen sich also von den Klischees befreien, begehen jedoch gleich bei der ersten Frage selber den Fehler und beschuldigen bestimmte Damen zu Unrecht dessen, was sie bestreiten. Sie sagen Victoria Beckham würde sich der Rolle der Spielerfrau fügen, wohingegen Sylvie van der Vaart auch ohne ihren Mann eine erfolgreiche Tv-Moderatorin ist. Leider verdrängen sie, dass Victoria Beckham schon lange vor ihrem Mann bekannt wurde, nämlich als Sängerin einer mehr oder weniger bekannten Gruppe namens "Spice-Girls". Auch nach ihrer Heirat mit David war und ist noch als Sängerin, Designerin oder was auch immer selbstständig. Mit einer Geschäftsführerin eines Onlineshops für Tierbedarf kann sie allerdings nicht mithalten...

    34 Leserempfehlungen
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    Über die Behandlung als Spielerfrau kann man sich beschweren, sicherlich.
    Aber gleichzeitig anderen Spielerfrauen unterstellen, sie hätten es mehr oder weniger verdient so behandelt zu werden, weil sie sich so verhalten, ist (gelinde gesagt) mindestens unsolidarisch von ihr.

    • Infamia
    • 08. Februar 2013 10:58 Uhr

    Ich kann mir nicht helfen, aber die Vorteile werden ja auch prima bedient. Schaut man sich die Riege der Spielerfrauen an, sind dies alles hübsche, bestens gekleidete junge Dinger, wohingegen so mancher Spieler schon rein optisch eher einen bescheidenen Eindruck macht. Die Frage ist halt, ob der Spieler X auch mit dieser Frau eine Beziehung hätte, wäre er einfacher Sachbearbeiter in einer xbeliebigen Firma, die Schrauben herstellt. Und spätestens da kommen des öfteren Zweifel auf.

    Letztlich sind wir wohl leider mehr Opfer unserer Urinstinkte, als uns lieb ist. Mann sucht sich schöne Frau, wo er davon ausgehen kann, dass er sich mit ihr optimal verpaaren kann und Frau sucht Beschützer, Versorger ect, der den Nachkommen optimale Startbedingungen bietet. Und wer passt da besser zusammen, als gut bezalter Fußballprofi und gut aussehende Spielerfrau?

    Ich denke, es gibt für eine Spielerfrau schlimmeres, als als Spielerfrau bezeichnet zu werden. Mit manchen Dingen muss man leben können. Bei dem Schmerzensgeld könnte ich es, wäre ich Frau.

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    • wombatt
    • 08. Februar 2013 11:15 Uhr

    ist das junge Ding aber 6 Jahre älter als der Mann :)

    Oft ist bei solchen Aussagen aber auch eine gehörige Portion Neid herauszuhören. Man(n) sieht die hübsche Frau, und redet sich ein, der Spieler (konkurrierender Mann) habe bei dieser Frau nur aufgrund Bekanntheit und Gehaltscheck eine Chance. Darüber, warum wer mit wem zusammen ist lässt sich letztlich nur mutmaßen, aber grundsätzlich finanzielle Absichten zu unterstellen halte ich doch für etwas fragwürdig.

    Zum Thema: Ich kann nachvollziehen, dass es ein Ärgerniss für Frau Christmann ist, ständig auf die Rolle der Spielerfrau reduziert zu werden. Dennoch muss man sich auch dessen bewusst sein, dass viele Begegnungen eben nur aufgrund dieser Tatsache stattfinden. Die Alternative zu "Sie sind doch die Frau von..." ist ein Nicht-Wahrnehmen der Person. Das mag betroffenen Personen zwar lieber sein, die Ansprache auf ihren Mann wird aber trotzdem immer wieder vorkommen. Btw. ich kam noch nie auf die Idee, Spielerfrauen als shoppende, faule Dummchen anzusehen.

    Und noch am Rande: Warum Frau Beckham als typische Klischee-Spielerfrau bezeichnet wird, währen Frau Van der Vaart als eigenständig gilt, versteh ich nicht. Beide Frauen waren schon vor ihrer Beziehung erfolgreich, und sind dies immer noch.

    • postit
    • 08. Februar 2013 13:37 Uhr

    ist es sehr schwierig, über Vorurteile zu schreiben, ohne selber in die Falle der Verallgemeinerung zu geraten.

    Schönen Tag noch
    postit

    • Derdriu
    • 08. Februar 2013 10:58 Uhr

    Es mag ja sein, dass es Vorurteile gibt, einige Spielerfrauen haben auch gehörig zu dem Bild beigetragen. Neid der anderen ist das aber selten. So attraktiv sind Fußballer jetzt nicht.

    Es ist allerdings so: Wenn sie sich im Business-Bereich des Mannes aufhält (alles mit Fußball), dann ist sie eben nur Spielerfrau und abgemeldet. Wenn ihr Mann sich in ihrem Business-Bereich aufhält (was auch immer das ist), dann ist er der Mann von Frau X und ihr Anhang- wenn nicht, ist sie wohl beruflich doch nicht so erfolgreich/ relevant.

    Interessant finde ich, dass sie sich über die Vorurteile aufregt, aber zu keinem Punkt sagt was sie denn arbeitet. "Tierschutz" o.ä. ist doch auch etwas, womit sich "Society Ladys" brüsten, wenn sie sonst nichts machen.

    11 Leserempfehlungen
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    • Infamia
    • 08. Februar 2013 11:29 Uhr

    "Interessant finde ich, dass sie sich über die Vorurteile aufregt, aber zu keinem Punkt sagt was sie denn arbeitet. "Tierschutz" o.ä. ist doch auch etwas, womit sich "Society Ladys" brüsten, wenn sie sonst nichts machen."

    Stiftungen sind auch gerne genommen und ganz hoch im Kurs stehen auch Schmuckdesignerinnen. Ach, ich liebe Vorurteile. ;)

    • wombatt
    • 08. Februar 2013 11:15 Uhr

    ist das junge Ding aber 6 Jahre älter als der Mann :)

    3 Leserempfehlungen
    • konne
    • 08. Februar 2013 11:17 Uhr

    jeer Mensch wird abgestempelt und in eine Schublade gesteckt. Das ist die Gesellschaft. Am schlimmsten haben es Ausländer auch Deutschen, ide im Ausland leben wird der Stempel Quadratkopf aufgedrückt oder sogar, wenn man konsequent ist mit "Hit.." verglichen. Man sollte einfach imun sein, sich ein dickes Fell aneignen und das vergessen.Wir leben nur einmal und sollten uns das Leben nicht selbst erschweren,Manchmal hilft sogar die Ironie . Mich grüsste mal jemand bei der Arbeit systematisch nicht. Den Grund kannte ich nicht. Es störte mich auch nicht sonderlich und fand diese VErhaltensweise ein bisschen dumm. So kam ich auf die Idee viel netter zu sein. Und jedes mal wenn ich ihn sah. Machte ich eine grosse Verbeugung (wie in mittelalterlichen Filmen und sagte: Sehr vererhter Herr.... ich wünschen Ihnen von ganzem Herzen einen schönen guten Morgen. In weniger als einer Woche berüsste mich wieder der Mann. Das Büro lachte immer wenn sie mich sahen.( Dr Mann galt schon immer als sehr mürrisch im Büro)

    2 Leserempfehlungen
    • oranier
    • 08. Februar 2013 11:21 Uhr

    Ich dachte zuerst, "Spielerfrauen", das seien Zockerfrauen. Würden nicht vom Boulevard, den bunten Blättern und der ZEIT solche "Portraits" veröffentlicht, gäbe es diese Kategorie Mensch nicht. Oder hat man schonmal was von Schleckerfrauen-Männern oder von Parkhauswächter-Frauen gehört?

    8 Leserempfehlungen
    • Infamia
    • 08. Februar 2013 11:29 Uhr

    "Interessant finde ich, dass sie sich über die Vorurteile aufregt, aber zu keinem Punkt sagt was sie denn arbeitet. "Tierschutz" o.ä. ist doch auch etwas, womit sich "Society Ladys" brüsten, wenn sie sonst nichts machen."

    Stiftungen sind auch gerne genommen und ganz hoch im Kurs stehen auch Schmuckdesignerinnen. Ach, ich liebe Vorurteile. ;)

    6 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Ui, Komplexe"
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    Zur Zerstörung von Vorurteilen passt die nicht. Sie arbeitet nicht im klassischen Sinne, sondern hat ein Hobby. Auch wenn das Hobby vielleicht seinen Sinn hat. Sie könnte es sich wohl kaum leisten, wenn Sie nicht, ja Spielerfrau wäre.

    • Tohain
    • 08. Februar 2013 11:35 Uhr

    ...sondern bezeichnet wohl eher den Umstand, dass die meisten Ehefrauen/Lebensgefährtinnen/Freundinnen mitgeprägt werden duch den Beruf ihres Mannes. Denn es ist ja (leider) nicht so, dass ein Spieler noch 8, 10, 15 Jahre bei einem Verein bleibt. Viele wechseln so im Abstand von 3-5 Jahren den Arbeitgeber - und das noch nicht mal immer im gleichen Land. Dann stehen die Frauen/Familien aber vor der Wahl: wohnhaft zu bleiben wo auch immer das ist und eine Fernbeziehung zu führen (Wochenendbeziehung während der Saison ist ja auch schwierig) *oder* mit dem Partner den Standort zu wechseln.
    Daraus ergibt sich im Folgeschluss, dass sich die Frau dem Beruf des Mannes anpassen würde/müsste; was auch in anderen Berufen vorkommt, wo es häufige Standortwechsel gibt. Dort fehlt nur die Popularität, als dass man von "Ingenieursfrauen" sprechen würde - oder von "Ingenieursmännern". Ob das nun gut ist, dass sich (meist Frauen) dem Beruf des Partners unterordnen müsse ist allerdings wieder eine andere Frage...

    Frau Christmann wird diesen Umstand sicher selbst kennen, da die strecke Frankfurt-Wolfsburg-Hoffenheim jetzt nicht unbedingt eine Kurzpendler Strecke ist...

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