Tor-Technik im FußballChip im Ball, Videobeweis oder Zauberkreide
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Gutgläubige erhoffen sich mehr Transparenz in der Fifa

Für viele Fußballfans ist die Ablehnung von Technik eine Kulturfrage, obwohl es nur um "Tor oder nicht" geht und sich die Spielwirklichkeit nur minimal ändern dürfte. Fehler gehören zum Fußball, sagen sie. Hawk-Eye scheint zudem skalierbar, fürchten einige. Deren Big-Brother-hafte Verschwörungstheorie geht so: Erst geht es nur um die Torfrage, als nächstes um Abseits, Elfmeter und Einwurf.

Andere fürchten Manipulation. Bakhramov soll ja kurz vor seinem Tod im Jahr 1993 gestanden haben, dass er seine Entscheidung aus Rache für Stalingrad getroffen habe. Und in einem Internetforum merkte ein User besorgt an, die Magnetspulen von GoalRef könnten den Ball auf wundersame Weise vom Tor fernhalten. So könnte immerhin Tim Wiese wieder Nationaltorwart werden.

Die Befürworter erwarten eine Entlastung der Schiedsrichter, deren menschliches Auge oft überfordert ist. Fehlentscheidungen können bekanntlich zu unangenehmen Begleiterscheinungen führen, etwa Buhrufen oder Morddrohungen. Besonders Gutgläubige erhoffen sich durch die neue Technik mehr Transparenz in der Fifa.

Crowdlining

Eine kleine Umfrage unter ZEIT-ONLINE-Usern kann vielleicht helfen. Kai Butterweck schlägt einen Sensor vor, der auf ein Material reagiert, das sich nur auf der Oberfläche der Bälle befindet. Der Follower Jonas Holtkamp reicht einen Bewegungsmelder ein: "Wenn ein Tor fällt, gehen rote Warnleuchten an." Eine Regelinnovation bringt der Twitterer Adrian ins Spiel: "Wie beim Tennis: Das Team muss den Hawk-Eye-Einsatz aktiv einreichen. Liegt es falsch, bekommt der Gegner ein Tor." Dr. Erik Meyer glaubt an die allwissende Datenbrille von Google. David Gruber schreibt: "RFID Transponder im Ball und Empfänger in den Torstangen. Quasi 1a Diebstahlsicherung wie in Einkaufshäusern."

Die revolutionärste Idee entstammt Erich Sass: "Man könnte einen Mann mit gutem Auge auf den Platz schicken. Der könnte dann bei einem Tor pfeifen. (Frau geht auch.)" Am einfachsten wäre es natürlich, wenn sich die Herren Engländer angewöhnen würden, den Ball dorthin zu schießen, wohin er gehört: ins gute, alte Netz.

Die Fifa weiß um die Sensibilität ihrer Reform und stellt es allen Verbänden frei, ihr zu folgen. Die Bundesliga hält sich zurück. Michel Platini, der Präsident der Uefa, entdeckte angesichts der Kosten (bis zu 300.000 Euro pro Installation) sein Herz für die Basis. "So viele Millionen für ein oder zwei Tore. Das gebe ich lieber den Amateuren oder der Jugend."

Welches System gewinnt, ist offen. Hawk-Eye dürfte Favorit sein, denn der Fifa-Sponsor Sony ist dafür verantwortlich. Immerhin hat die Fifa zu weiteren Einsendungen aufgerufen, in der Hoffnung auf weitere Ideen. Ob sie auch für traditionellere Methoden wie die Klingelschnur beim Kegeln oder Zauberkreide offen ist, weiß man nicht.

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Leserkommentare
    • timonb
    • 20. Februar 2013 20:32 Uhr

    Muss beim Kamera-System wirklich erst das Material gesichtet werden, wie in diesem Artikel beschrieben? Denn gestern hieß es noch in einem Newsticker-Artikel auf zeit.de, dass durch einen Computer sofort ein Signal an die Armbanduhr des Schiedsrichters gesendet werden würde (http://www.zeit.de/news/2...).
    Es scheint also im Fussball ein wenig anders zu laufen wie im Tennis, was eigentlich fast ein bisschen schade ist, denn die Spannung in einem Topspiel, wenn sich alle fragen ob der Ball nun im Tor war oder nicht, dürfte riesig sein. Aber dann müsste die verschwendete Zeit wieder als Nachspielzeit hinzugefügt werden...

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  • Schlagworte Fifa | Sony | Michel Platini | Schiedsrichter | England | London
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