Tuvia Tenenbom © Isi Tenenbom

Willkommen bei Kieser, wo ich bald Mitglied sein werde.

Was ist Ihr Ziel?, werde ich gefragt, sobald ich hereinkomme, und sofort bin ich verwirrt.

Ich weiß nicht, was ich erzählen soll, und ob ich überhaupt etwas erzählen soll, denn ich bin mir über meine Ziele nicht im Klaren.

Früher war es einfach. Viele viele Jahre lang war es mein Ziel, schwarz zu sein, doch dieser Tage, da ich mehr und mehr deutsch werde, habe ich keine schwarzen Träume mehr. Der Grund ist einfach: Je mehr Zeit ich in Deutschland verbringe, desto mehr wird mir klar, dass schwarz zu sein vielleicht "drüben" eine gute Idee sein mag, aber nicht hier. Ja, ich bin auf jeden Fall für einen schwarzen US-Präsidenten, aber einen schwarzen Kanzler halte ich für keine so gute Idee. Stellen Sie sich bloß mal Eddie Murphy im Bundestag vor, oh Gott! Wir sind europäisch, wir sind traditionsbewusst und wir mögen geistig junggebliebene Anführer wie Ratzinger oder Berlusconi.

Ich für meinen Teil wäre, wenn ich ganz ehrlich sein darf, gerne Berlusconi.

Es wäre schön, ein paar Medienunternehmen zu besitzen, neben allem anderen, und jeden Nachmittag eine neue Puppe zu haben. Und vor allem dieser Puppen-Teil hat mich, das gebe ich zu, zu Kieser geführt: Puppen verlangen hervorragende Muskeln und Kieser ist, so hört man, der Muskelmeister.

Doch darf ich so offen heraus zugeben, dass mein Ziel die Puppen sind? Nein. So ein Gedanke ist politisch sehr unkorrekt. Es sei denn, man ist schwul und die Puppen, von denen man träumt, sind junge Burschen, was hier jedoch nicht der Fall ist.

Außerdem befindet sich die Kieser-Filiale, die ich heute besuche, in Hamburg, einer Stadt, deren Bewohner eine emotionale Bindung zu Bäumen und zur Elbe haben, aber nicht zu Puppen, männlichen oder weiblichen. Sie würden meinen Berlusconi-Traum gar nicht verstehen.

Was soll ich also erzählen?

Ich denke darüber nach und analysiere eilig jeden Aspekt der heiklen Lage, in der ich mich befinde. Dann beschließe ich, mein dringendstes Anliegen mit ihnen zu teilen. Ich frage sie: Werde ich schlauer, je mehr ich bei Kieser trainiere?

Zum Glück liebt man hier Intellektuelle. Mein Trainer bestätigt mir freudig erregt: Ja, ich kann schlauer werden, wenn ich meine Muskeln trainiere.

Toll!

Und da ich jeden Tag typisch deutscher werde, könnte es in meinem Fall geschehen, dass ich bei ausreichend Muskeltraining zu einem deutschen Intellektuellen werde.

Das ist natürlich der feuchte Traum eines jeden Menschen.

Und so fange ich an zu trainieren.