Fett wie ein TurnschuhIch trainiere, bis ich so viele Puppen wie Berlusconi habe

Schöne Frauen verlangen schöne Muskeln, denkt unser Kolumnist Tuvia Tenenbom. Er trainiert, er mag es, und er wird in einem bestimmten Fitnessstudio immer schlauer. von Tuvia Tenenbom

Tuvia Tenenbom

Tuvia Tenenbom   |  © Isi Tenenbom

Willkommen bei Kieser, wo ich bald Mitglied sein werde.

Was ist Ihr Ziel?, werde ich gefragt, sobald ich hereinkomme, und sofort bin ich verwirrt.

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Ich weiß nicht, was ich erzählen soll, und ob ich überhaupt etwas erzählen soll, denn ich bin mir über meine Ziele nicht im Klaren.

Früher war es einfach. Viele viele Jahre lang war es mein Ziel, schwarz zu sein, doch dieser Tage, da ich mehr und mehr deutsch werde, habe ich keine schwarzen Träume mehr. Der Grund ist einfach: Je mehr Zeit ich in Deutschland verbringe, desto mehr wird mir klar, dass schwarz zu sein vielleicht "drüben" eine gute Idee sein mag, aber nicht hier. Ja, ich bin auf jeden Fall für einen schwarzen US-Präsidenten, aber einen schwarzen Kanzler halte ich für keine so gute Idee. Stellen Sie sich bloß mal Eddie Murphy im Bundestag vor, oh Gott! Wir sind europäisch, wir sind traditionsbewusst und wir mögen geistig junggebliebene Anführer wie Ratzinger oder Berlusconi.

Ich für meinen Teil wäre, wenn ich ganz ehrlich sein darf, gerne Berlusconi.

"Fett wie ein Turnschuh"

Hantelschwingen und Bodypumpkurse boomen: Allein in Deutschland gibt es knapp 6.000 Fitnessstudios. Dort trainieren mehr als sieben Millionen Menschen – mehr als der größte deutsche Sportverband, der DFB, Mitglieder zählt. Fast jeder zehnte Deutsche packt demnach seine Sporttasche und schwitzt an schwerem Gerät oder in Gymnastikkursen. Wieso ist der Fitnesssport so erfolgreich? Was fasziniert die Menschen daran? Und wieso?

Für unsere Kolumne Fett wie ein Turnschuh schicken wir den (noch) etwas korpulenten New Yorker Autoren Tuvia Tenenbom in die Welt der Fitten und Starken. Er lernt die Fitnessjünger kennen und nimmt ab. Alle zwei Wochen berichtet er auf ZEIT ONLINE von seinen Erlebnissen. Ausgewählte Kolumnen erschienen im illustrierten Buch Fett wie ein Turnschuh.

Es wäre schön, ein paar Medienunternehmen zu besitzen, neben allem anderen, und jeden Nachmittag eine neue Puppe zu haben. Und vor allem dieser Puppen-Teil hat mich, das gebe ich zu, zu Kieser geführt: Puppen verlangen hervorragende Muskeln und Kieser ist, so hört man, der Muskelmeister.

Doch darf ich so offen heraus zugeben, dass mein Ziel die Puppen sind? Nein. So ein Gedanke ist politisch sehr unkorrekt. Es sei denn, man ist schwul und die Puppen, von denen man träumt, sind junge Burschen, was hier jedoch nicht der Fall ist.

Tuvia Tenenbom
Tuvia Tenenbom

ist Autor, Essayist und Dramatiker. Er ist Artistic Director des Jewish Theater in New York und Autor des Buches Allein unter Deutschen: Eine Entdeckungsreise. Für ZEIT ONLINE schreibt er seit Dezember 2011 die Fitnesskolumne "Fett wie ein Turnschuh".

Außerdem befindet sich die Kieser-Filiale, die ich heute besuche, in Hamburg, einer Stadt, deren Bewohner eine emotionale Bindung zu Bäumen und zur Elbe haben, aber nicht zu Puppen, männlichen oder weiblichen. Sie würden meinen Berlusconi-Traum gar nicht verstehen.

Was soll ich also erzählen?

Ich denke darüber nach und analysiere eilig jeden Aspekt der heiklen Lage, in der ich mich befinde. Dann beschließe ich, mein dringendstes Anliegen mit ihnen zu teilen. Ich frage sie: Werde ich schlauer, je mehr ich bei Kieser trainiere?

Zum Glück liebt man hier Intellektuelle. Mein Trainer bestätigt mir freudig erregt: Ja, ich kann schlauer werden, wenn ich meine Muskeln trainiere.

Toll!

Und da ich jeden Tag typisch deutscher werde, könnte es in meinem Fall geschehen, dass ich bei ausreichend Muskeltraining zu einem deutschen Intellektuellen werde.

Das ist natürlich der feuchte Traum eines jeden Menschen.

Und so fange ich an zu trainieren. 

Leserkommentare
  1. hat Kieser diesen Artikel vorgeschrieben?

    Eine Leserempfehlung
  2. Versteh`kein Wort. Was will er? Bunga Parties wie Berlusconi,durch Muskeln schlau werden, ein Intellektueller? Und das alles in einem Kieser Studio? Das ist Mysterie ohne Zweifel. Vielleicht sollte Herr Tenenbom auch darauf achten, welche "Nahrungsergänzungsmittel" er raucht ;-)

    6 Leserempfehlungen
  3. "...einen schwarzen Kanzler halte ich für keine so gute Idee..."

    Man merkt, dass Sie sich in Deutschland noch nicht so gut auskennen. Wir haben hier zum Beispiel in Wiesbaden einen hessisch aussehenden Integrationsminister, wobei man bei dem nicht weiß, ob ihn die Gesellschaft auch länger akzeptiert. Dann haben wir eine uckermärkisch aussehende Kanzlerin, von der man aber annehmen muss, dass sie für alle Zeiten akzeptiert ist. So ohne sind wir also gar nicht.
    Noch ein Rat: Werden Sie kein deutscher Intellektueller. Dann versteht sie niemand mehr. Auch wenn Ihr Opa Martin Heidegger ist. Der war so ein scharfer Denker, dass er schon 1932 in die damalige Intellektuellen-Partei NSDAP eintrat und bis 1945 in dieser Partei scharf weiterdachte.
    Aber das wissen Sie wahrscheinlich besser. Bleiben Sie also lieber ein schwerreicher Raucher.
    Interessant noch Ihre Andeutungen, was Sie beim Sexualakt mit dem Kopf so alles anstellen. Vielleicht könnten Sie da etwas konkreter werden.

    8 Leserempfehlungen
    • kalpari
    • 20. Februar 2013 19:35 Uhr
    4. [...]

    Entfernt. Bemühen Sie sich um einen sachlichen Kommentarstil. Die Redaktion/mak

  4. 7 Leserempfehlungen
    • kalpari
    • 20. Februar 2013 19:43 Uhr

    Dies ist meiner Meinung, die schwächste Kolumne überhaupt.
    T. dreht sich immer wieder um die gleiche konstruierten Pointen. Sprachlich kann man das sowieso vergessen.

    5 Leserempfehlungen
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    :-D

  5. die Frauen als Puppen diskriminieren gehören verboten!! Auch wenn der Mann das gesagt hat, völlig egal. Dann eben nicht drucken, da verstehen wir jetzt keinen Spass mehr.

    4 Leserempfehlungen
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    Die "Puppen" beziehen sich auf das Bild Berlusconis von Frauen. Damit liegt Tenenebom nicht falsch. Ganz ohne politische Inkorrektheit gäbe es keine Glossen und schon gar keine Satiren mehr mehr. Das wäre schrecklich.

    • rotiz
    • 20. Februar 2013 20:40 Uhr

    Dass sie keinen Spaß verstehen, ist deutlich geworden. Aber wer ist WIR?
    Reden Sie sich selbst im pluralis majestatis an?

    Ich denke, selbst Frau Schwarzer würde die Ironie mitkriegen, fie hier in der Kolumne ganz virtuos - a la Woody Allen - versprüht wird.

    Übrigens erschreckend, dass nur einer der Kommentatoren (und ich natürlich)einen Spaß versteht, den ein amerikanischer Jude in einer deutschen Zeitung loslässt - ich hoffe inständig, es gibt noch mehr davon...

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