Ägyptische Fußball-Fans : "Durch Polizeiknüppel wurden wir von Fans zu Revolutionären"

Ultra-Fans halfen in Ägypten, das Mubarak-Regime zu stürzen. Ihr Kampf gegen die Polizei geht weiter. Im Interview sprechen sie über ihre Märtyrer und ihre Forderungen.
Fans des ägyptischen Fußballvereins Al-Ahly feiern Ende Januar im Stadion in Kairo die Bestrafung der Täter von Port Said. © Khaled Desouki/AFP/Getty Images

Ultras verstehen sich in Ägypten als Elite unter den Fans ihres Klubs.Seit der Regierungszeit des ehemaligen Präsidenten Hosni Mubarak sind sie im Straßenkampf gegen die Polizei erprobt. Sie bilden ein geheimes Netzwerk, in dem sie via Facebook kommunizieren. Zum Ehrenkodex eines Al-Ahly-Ultras gehört es, keine öffentlichen Interviews zu geben. Unsere Reporter Viktoria Kleber und Martin Gehlen konnten dennoch getrennt voneinander jeweils mit einem Ultra des bekanntesten ägyptischen Fußballklubs, Al Ahly aus Kairo, sprechen. Das folgende Interview ist eine Sammlung beider Gespräche. Auf Wunsch der Interviewten haben wir Ihre Nachnamen anonymisiert.

ZEIT ONLINE: Wie sind Sie Mitglied der Ultras von Al Ahly geworden?

Mohamed A.: Beigetreten bin ich 2007, da war ich 16 Jahre alt. Wir verstanden uns damals einfach nur als eine Gruppe junger Fußballfans, sind jede Woche ins Stadion gegangen und haben unseren Club Al Ahly unterstützt. Die ständige, brutale Gewalt der Polizei aber hat uns mit der Zeit verändert, sie hat uns politisiert. Man kann sagen, wir wurden durch Polizeiknüppel konvertiert, von einfachen Fußballfans zu Revolutionären – vor allem 2008, als Polizisten den ersten von uns getötet haben.

Mohamed A.