Wo sitzen die Hintermänner?

Laut Europol wird das kriminelle Netzwerk von Singapur aus gesteuert. Das deckt sich mit bisherigen Erkenntnissen. Etwa zwei Milliarden Dollar pro Woche werden in Südostasien mit Sportwetten umgesetzt, schätzte kürzlich der ehemalige Chefermittler des Fußball-Weltverbandes Chris Eaton. Dabei gilt ein gewisser Tan Seet Eng, genannt Dan Tan, als Kopf des internationalen Wettsyndikats. Über Hunderte Mittelsmänner manipulierte er Spiele auf vier Kontinenten. In Finnland kontrollierten die Asiaten gar einen kompletten Fußballklub. Eine weitere Masche: Die Betrüger kontaktierten kleinere Fußballverbände und boten ihnen Freundschaftsspiele an. Der Gegner war dann eine unechte Nationalmannschaft mit höchstens durchschnittlichen Fußballern, manchmal wurde auch ein manipulierter Schiedsrichter eingesetzt.

Hat man aus den bisherigen Fällen nichts gelernt?

Ein wenig schon. Es gab ja schon einige Wettskandale. In Deutschland neben dem Fall Hoyzer den sogenannten "Bochumer Wettskandal", in dem Ante Sapina, der schon Hintermann des Hoyzer-Skandals war, zugab, 51 Spiele in Deutschland, der Schweiz, Belgien und Österreich manipuliert zu haben. Als Reaktion darauf wurden sogenannte Frühwarnsysteme installiert. Möglicher Wettbetrug sollte schon im Entstehen aufgedeckt werden. Wenn auffällig hohe Einsätze auf ein bestimmtes Spiel gesetzt werden oder weitere auffällige Wettmuster entstehen, wird das umgehend an Wettanbieter und Sportverbände gemeldet. So kann das Wetten auf einzelne Spiele ausgesetzt oder Partien ganz abgesagt werden. Das Problem: Die Systeme reagieren vor allem auf auffällig hohe Einsätze. Wer bei vielen unterschiedlichen Anbietern mehrere kleinere Beträge setzt, schlüpft unter dem Radar durch. Zudem setzen viele Betrüger auf Live-Wetten. Die werden während des Spiels platziert, es bleibt also keine Zeit mehr, zu reagieren. Und: Wetten auf illegalen Märkten wie eben in Asien werden nicht erfasst.

Welche Konsequenzen könnten die neuen Erkenntnisse haben?

Wettmanipulationen sind derzeit wohl die größte Gefahr für den Fußball. Doch gegen Wetten auf illegalen Märkten vorzugehen, ist fast unmöglich. Nun könnten aber auch die legalen Sportwetten wieder ins Gerede kommen. Der FC Bayern beispielsweise machte vor nicht einmal einem Jahr Werbung für den Anbieter bwin. Private Sportwetten sind eigentlich illegal, laut Glücksspielstaatsvertrag dürfen nur staatliche Anbieter Glücksspiele verbreiten. Vor allem aber bergen Sportwetten, besonders Online-Wetten, ein hohes Suchtpotenzial. Bisher hat sich darüber niemand beschwert. Vielleicht aber stehen wir nun vor einer generellen Verbotsdebatte.