FC Barcelona – AC MilanHabemus Messi!

Die Abgesänge auf den dominierenden Fußballklub unserer Zeit waren schon geschrieben. Dann schlug der FC Barcelona zurück. Stärker als je zuvor. von 

An der Basis des Jubelknäuels, Lionel Messi mit der Nummer 10

An der Basis des Jubelknäuels, Lionel Messi mit der Nummer 10  |  © David Ramos/Getty Images

In der Nacht nach dem Fußball-Wunder tauchte diese Statistik auf. Zahlen, die ob ihrer Obskurität nur den Kopf schütteln lassen, die den Katholizismus mit Toren verbinden und die zweifeln lassen, ob dieser FC Barcelona tatsächlich irdisch ist.

Das Spiel der Katalanen gegen Milan am Dienstagabend war das dritte Pflichtspiel, das der Verein während einer päpstlichen Konklave abhielt. Alle drei gewann er, das gegen Real Madrid am 26. Oktober 1958, das gegen Las Palmas am 14. Oktober 1978, und eben das gegen den AC Milan am 11. März 2013. So weit so gut, doch da kommt noch was: Alle Spiele endeten 4:0.

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Gut möglich, dass das alles nur Zufall ist. Am Mittwoch wird sicherlich kein blau-karminroter Rauch aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle wehen. Doch bei diesen Katalanen kann man nie wissen. Vielleicht liegt ihnen ja dieses kirchliche Machtvakuum. Weil sie ihre eigenen Götter haben. Lionel Messi zum Beispiel.

Der Argentinier, vierfacher Weltfußballer, ist schon längst der Fußballpapst. Auch gegen Milan schenkte er der Welt einen seiner himmlischen Abende. Schon in der 5. Minute streichelte er einen Ball ansatzlos ins linke, obere Toreck, nachdem seine Kollegen unmittelbar vor dem Strafraum den Ball so schnell hin- und herspielten, dass die Mailändern kurz ihre Gliedmaßen sortieren mussten. 35 Minuten später machte der kleine Dribbler das 2:0, womit die Messi eigentlich schon gelesen war. David Villa und Jordi Alba vollendeten das Kunstwerk und schrieben Champions-League-Geschichte. Nie zuvor konnte eine Mannschaft eine 0:2-Niederlage aus einem Champions-League-Hinspiel aufholen.

Dieser Sieg ist für die Katalanen von besonderer Bedeutung. Er fällt in eine Zeit, in der die Abgesänge auf den FC Barcelona eigentlich schon geschrieben waren. Eine Ära gehe langsam zu Ende, hieß es. Die Mannschaft, die den Weltfußball im vergangenen Jahrzehnt dominierte, sei satt und lustlos, ihr Spiel dechiffriert, deshalb vorhersehbar und sowieso sei es ja mal wieder Zeit für etwas Neues. Ist doch blöd, wenn immer nur die Gleichen gewinnen.

Die Indizien für diese Diagnose: Eine lätscherte 0:2-Niederlage in Mailand, bei der Barça zwar immer den Ball hatte, aber keine einzige Torchance kreieren konnte. Sowie zwei Pleiten gegen den Erzrivalen Real Madrid innerhalb einer Woche, bei denen Barcelona merkwürdig kopflos wirkte.

Nach diesem Rückspiel sind solche zu Papier gebrachten Gedanken ein Fall für die Altpapiertonne. Die Katalanen haben sich rehabilitiert, wenn sie das überhaupt je nötig hatten. Sie zeigten, dass es nicht altmodisch, sondern konsequent ist, an ihrem Spielsystem der totalen Ballkontrolle festzuhalten. Ihnen wird ja oft und gerne vorgeworfen, keinen Plan B zu haben, wenn sie sich festrennen in der gegnerischen Abwehr. Doch wer solch einen Plan A hat, braucht keinen Plan B.

Das Spiel gegen Mailand zeigte, dass das System aus Ballzirkus und Gegenpressing noch immer funktioniert. Dass es auf korrekte Art und Weise ausgeführt, das Ästhetischste, Anmutigste, Schönste sein kann, was der Fußballsport je hervorgebracht hat. Dazu gehört nötige Aggressivität und Laufbereitschaft. Eigenschaften, die Barcelona zuletzt tatsächlich etwas abhanden kamen. Plötzlich aber war sie wieder da, die Obsession, den Gegner sofort den Ball abzujagen, das Verlangen nach dem Vertikal- statt dem Horizontalpass. Vielleicht brauchte Barça diese kurze Phase der Schwäche, um sich an den Kern seines Spiels zu erinnern.

Leserkommentare
  1. ... eines der besten Spiele, die ich seit langem gesehen habe. Dass beide Mannschaften bei einem 3:0 noch kämpfen (müssen), hat das Spiel bis zum Schluss spannend gemacht, obwohl schon 3 tolle Tore gefallen waren.

    Messi war gestern wiedermal eine Klasse für sich. Unfassbar!

    7 Leserempfehlungen
    • fse69
    • 13. März 2013 10:36 Uhr

    ... sehen Sie sich das Spiel gestern Abend nochmals in aller Ruhe an: Messi war toll, insbesondere sein erstes Tor fantastisch. Aber der alles überragende Mann gestern Abend war Iniesta! Barcas Spiel hängt weitaus stärker von ihm ab, als von jedem anderen Spieler. Und er war es auch, der in den Spielen zuvor - Mailand-Madrid-Madrid - weit unter seinen Möglichkeiten blieb. Xavi spielt statistisch mehr Pässe und hat mehr Ballkontakte, Messi ist einer der torgefährlichsten Spieler aller Zeiten, aber Iniesta ist das eigentliche Genie bei Barca, dessen Qualitäten und wahre Bedeutung in unserer statistikgläubigen Zeit leider ein wenig unter den Tisch fallen.

    14 Leserempfehlungen
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    Ich muss ja sagen, dass ich Busquets gestern überragend fand. Der Junge steht nicht nur immer genau im Weg jeden losen Passes des Gegners, der sich im Mittelfeld verirrt hat, er bringt auch mit nur einem Ballkontakt ein enormes Tempo ins Spiel. Unauffällig, aber höchst effizient. Und wunderschön.

    Aber vielleicht ist es müßig, zu diskutieren, wer denn jetzt der eigentlich Beste bei Barca ist: Messi, Iniesta, Xavi, Busquets,... Es ist die Kombination all dieser Spieler in einem fantastischen System. Selten konnte man trotz so vieler Stars in einer Mannschaft behaupten: Der Star ist die Mannschaft.

    Sie sprechen mir aus der Seele, für mich seit Jahren offensichtlich, ist Iniesta mit Abstand der beste Fußballer der Welt. Diese Pässe sind einfach unglaublich ..

  2. Ich habe diese Messimanie nie verstanden, denn der Mann schiesst seine Tore eigentlich nur im Barça, aber nur höchst selten in der argentinischen Nationalmannschaft. Seine Kameraden müssen ihm den Ball immer zuspielen, dann ist Messi immer "vor Ort" um den Ball hineinzumanövrieren, den Rest macht der Zufall, wie man gestern wieder einmal so schön sehen konnte. Messi ist alles andre als ein Fussballpapst. Er ist ein wenig begnadet, aber "intellektuell" nicht ganz auf der Höhe, darum sind seine Interviews immer schwer verständlich und zemeist peinlich. Auch erscheint er wenig im Werbefernsehen, da man ihm anmerken könnte, dass er nicht 100% normal ist. Als Jugendlicher hatte er Wachstumsschwierigkeiten, die nur durch Hormongaben behoben werden konnten. Genau so, wie es begnadete Autisten als Zahlenakrobaten gibt, so ist Messi ein Fussballakrobat, den Guardiola immer extra betreuen liess, damit er auch ordentlich funktionierte.

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    • fse69
    • 13. März 2013 10:38 Uhr

    "... aber nur höchst selten in der argentinischen Nationalmannschaft. ..."

    Das war einmal. Letztes Jahr hat er in der NM eine ähnliche Torquote erreicht, wie bei Barca.

    "...Seine Kameraden müssen ihm den Ball immer zuspielen..."

    mit ein paar Beleidigungen :)
    Das der Hype um Messi manchmal nerven kann, geschenkt, aber die Relativierung seiner Leistungen ist lächerlich. Jedesmal, wenn es um Messi und Ronaldo geht kommt einer daher und meint, was sie meinen und ich frage mich dann immer, wie es dazu kommt, dass die beiden auch so hohe Assistwerte haben? Messi in der Liga aktuell 9 + 40Tore? Erklären Sie das.
    Er hat in so jungen Jahren im letzten Jahr einen Rekord geknackt, der für nicht möglich gehalten wurde und das beste ist, er macht einfach weiter.
    Klar kann man bei Barca nicht alles auf ihn reduzieren. Man würde den restlichen Weltklassespielern unrecht tun, aber man muss die Leistung auch nicht relativieren, denn die Fakten sprechen für sich.

    Und was die Beleidigung der Intelligenz angeht. Wie kommen Sie darauf? Genauso wie seine Präsenz in der Werbeindustrie:
    http://www.youtube.com/wa...
    http://www.youtube.com/wa...
    http://www.youtube.com/wa...
    http://www.youtube.com/wa...

    Nur um ein paar Beispiele zu nennen

    • Buzi
    • 13. März 2013 10:37 Uhr
    4. KRANK

    Die Mannschaft ist echt krank!! Man hat das Gefühl wenn die wollen besiegen sie jeden 4:0
    Ich glaube wenn Barcelona mal verliert dann nicht weil die anderen besser sind, sondern weil Barca einfach schon titelsatt ist und ein paar Gänge zurückschalten.
    Messi bester Fußballer aller Zeiten. (Pele und Maradona können echt nach Hause fahren)

    2 Leserempfehlungen
    • fse69
    • 13. März 2013 10:38 Uhr

    "... aber nur höchst selten in der argentinischen Nationalmannschaft. ..."

    Das war einmal. Letztes Jahr hat er in der NM eine ähnliche Torquote erreicht, wie bei Barca.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Messimanie"
  3. Da hat sich Barcelona mal wieder eine Runde weiter geduselt. Reiner Ergebnisfußball, kräftig unterstützt durch den Schiedsrichter und einen Gegner, der seine schlechteste Saisonleistung abgeliefert hat.

    2 Leserempfehlungen
    • Voce
    • 13. März 2013 10:44 Uhr

    Mannschaften diskreditieren zu wollen, es wäre mehr als nur schade gewesen, wenn dieses großartige und wie aus einem Guß spielende Ensemble von Fußballkünstlern vorzeitig ausgeschieden wäre. In guter Form sind sie kaum zu schlagen. Sie selbst sind nach 2010/2011 nun erneut heißer Anwärter auf den Gewinn des Wettbewerbes und der Weg der anderen Mannschaften dorthin dürfte auch dieses Mal nur über Barca führen.

    6 Leserempfehlungen
  4. "Eine lätscherte 0:2-Niederlage in Mailand, ...", was soll dieses Wort "lätschert" bedeuten, das einst ein Sportdirektor ähnlich benutzte?

    2 Leserempfehlungen
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    lätschert (Adj.) [lä:dschàd]

    1kraftlos, matt, schlapp (...warum bist denn heut gar so lätschert?) 2antriebslos, langweilig, lasch (...mei, da Bernloher Kevin is vielleicht a lätscherter Zipfel!) 3(Gemüse, Obst, Salat) schwammig, weich, welk (...der Kopfsalat is gscheit lätschert!)

    Grüße aus dem Rheinland ;->

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