Rund 300 Kilometer vor den Toren von New York City liegt der Ort Cooperstown. Meist geht es hier ruhig und gemütlich zu, so wie das eben typisch ist für eine US-Kleinstadt. Doch einmal im Jahr rüstet sich Cooperstown für eine ganz besondere Feier. Dort befindet sich die Ruhmeshalle des amerikanischen Nationalsports Baseball. Jeden Sommer werden hier die neu in die Hall of Fame aufgenommenen Mitglieder gefeiert. In ein paar Monaten, genauer gesagt am letzten Juli-Wochenende 2013, wird das Fest wohl eine Nummer bescheidener ausfallen. Denn es ist niemand da, den es zu feiern gäbe.

Kein einziger der nominierten Sportler schaffte es bei der von amerikanischen Baseball-Journalisten durchgeführten Wahl Ende vergangenen Jahres, wenigstens 75 Prozent der abgegebenen Stimmen auf sich zu vereinigen und damit in die Hall of Fame aufgenommen zu werden. Dabei standen so große Namen wie Barry Bonds oder Roger Clemens zur Abstimmung. Bonds hat in seiner Karriere 762 Homeruns geschlagen, so viele wie kein anderer Spieler in der Major League Baseball. Dazu wurde er achtmal zum wertvollsten Feldspieler gewählt. Clemens wiederum ist siebenmal zum besten Werfer gekürt worden, er hat in seiner Laufbahn 354 Spiele als Sieger beendet. Eine Marke, die auf absehbare Zeit in der MLB unerreichbar ist.

Bonds und Clemens wären normalerweise schon beim ersten Versuch sichere Kandidaten für die Aufnahme in die Hall of Fame. Doch bei der Wahl erhielten beide nicht einmal 40 Prozent der Stimmen. Denn schwerer als ihre vermeintlichen Verdienste wiegt der Verdacht, dass Bonds und Clemens mit verbotenen Substanzen nachgeholfen haben könnten.

Was früher noch mit einem Achselzucken abgetan worden wäre, wird heute in den USA nicht mehr einfach so hingenommen. Das Thema Doping ist inzwischen dauerhaft in den Medien, aber auch in der Liga selbst präsent. Skandale werden nicht einfach nur noch aufgedeckt, es wird versucht, sie aufzuarbeiten und daraus Konsequenzen zu ziehen. Erst vor Kurzem berichtete die Zeitung Miami New Times über eine mögliche Verbindung zwischen MLB-Stars und einer Anti-Aging-Klinik in Florida auf. So soll sich unter anderem Alex Rodriguez von den New York Yankees, der Bestverdiener in seinem Sport, dort mit unerlaubten Mitteln eingedeckt haben. Rodriguez dementiert, genau wie die anderen genannten Profikollegen. Doch der Zweifel schwingt mit und wer einmal im Verdacht steht, geschummelt zu haben, kann diesen kaum mehr abschütteln.

Dazu passt auch die offensive Haltung, die die Major League Baseball mittlerweile in Sachen Dopingbekämpfung eingenommen hat. Als erste US-Profiliga werden 2013 auch während der Saison Tests auf Wachstumshormone durchgeführt. Ein Quantensprung für US-Verhältnisse, der auch der Weltdopingagentur Wada nicht verborgen geblieben ist. "Die Major League Baseball hat einen neuen Standard gesetzt, dem sich die anderen Profiligen nun anschließen müssen", lobte der Wada-Generaldirektor David Howman erst kürzlich.