Fußball-EM 2020Fifa-Chef Blatter kritisiert Platinis EM-Pläne

Joseph Blatter lehnt die Idee der Uefa ab, die EM 2020 in dreizehn Ländern auszutragen. Das ist eine Fortsetzung des Machtkampfs mit Michel Platini.

Uefa-Chef Michel Platini und Fifa-Präsident Joseph Blatter

Uefa-Chef Michel Platini und Fifa-Präsident Joseph Blatter  |  © Alex Grimm/Getty Images

Der Präsident des Fußballweltverbands (Fifa) Joseph Blatter hat die Idee des Chefs des Europäischen Fußballverbands (Uefa) Michel Platini einer Europameisterschaft in dreizehn europäischen Ländern kritisiert. "So einer Europameisterschaft fehlen Seele und Herz", sagte Blatter in einem Interview mit dem Kicker. "Ein Turnier gehört in einem Land gespielt, dadurch schafft man Identität und Euphorie."

Das Turnier 2020 habe man verzettelt, sagte Blatter. "Ich habe mal zu Michel Platini gesagt: Der frühere Staatschef von Libyen, Colonel Gaddafi, hat bei der Vergabe der Weltmeisterschaft 2010 an Südafrika mir erklärt, dass in den 53 Ländern Afrikas in jedem Land ein Spiel ausgetragen wird und die Finalspiele in Südafrika stattfinden sollen", sagte Blatter in dem Interview. "Er glaubte an diese Idee, ich sagte ihm, dass dies undenkbar sei. Deshalb habe ich Platini auch gesagt, seine Idee sei nicht neu."

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Platini hatte die Idee einer paneuropäischen EM 2020 im vergangenen Sommer am Rande der EM-Endrunde in Polen und der Ukraine erstmals öffentlich diskutiert. Inzwischen ist die Entscheidung über die EM-Endrunde 2020, die über ganz Europa verteilt stattfindet, gefallen.

Offen ist, wo genau gespielt wird. Als einzige deutsche Stadt hat sich bislang München beworben. Als weitere mögliche deutsche Bewerberstädte neben der bayerischen Landeshauptstadt waren zuletzt Berlin, Dortmund und Stuttgart im Gespräch. Die Arenen in Hamburg und Gelsenkirchen kämen als Spielorte aufgrund ihres Fassungsvermögens auch in Frage.

Machtkampf zwischen Blatter und Platini

Blatters EM-Kritik steht möglicherweise in Zusammenhang mit dem Kampf um die Fifa-Führung im Jahr 2015. Platini, ein ehemaliger Verbündeter Blatters, erwägt offenbar eine Kandidatur. Blatter hatte 2011, nach seiner Wiederwahl, seinen Rücktritt für 2015 angekündigt. Davon ist er inzwischen abgerückt und lässt seine Zukunft offen. "Was darf man ausschließen, wenn man nicht genau weiß, was die Zukunft bringen wird?", sagte er sibyllinisch.

Wenn sichergestellt sei, dass die Fifa so weitergeführt werde, wie bislang, übergebe er "das Zepter 2015 sehr gerne an einen neuen Präsidenten", sagte Blatter andererseits. Nach der skandalösen Vergabe der Weltmeisterschaften an Katar und Russland im Jahr 2010 hatte er Reformen der Fifa angekündigt, doch das scheint eine leere Versprechung gewesen zu sein. Platini hingegen musste sich zuletzt wegen seiner Nähe zum WM-Ausrichter Katar rechtfertigen.

In Bezug auf Katar vertreten die beiden ebenfalls unterschiedliche Positionen. Platini spricht sich wegen der Hitze in dem Wüstenemirat dafür aus, das Turnier in den Winter zu verlegen. Blatter will am ursprünglichen Termin im Sommer festhalten. Auch die Entscheidung Blatters vor vier Wochen, bei der nächsten Weltmeisterschaft die Torlinientechnik einzuführen, ist eine Abgrenzung gegenüber Platini, der sich gegen deren Einführung sperrt.

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Leserkommentare
  1. aber meine Zustimmung hat Blatter. Die Argumente wurden alle schon genannt und das wichtigste ist für mich, dass es spannend ist, dass der Fokus auf einem Land liegt, dieses dann einen Heimvorteil hat. Das wirklich dreiste ist jedoch, dass diese Entscheidung erst fiel, als die EM 2016 an Frankreich ging. Auch die Türkei wurde brüskiert bei dieser Entscheidung und da sieht man, wieviel Politik und persönliches Streben in den Vergaben steckt.

    Genauso ist aber die WüstenWM eine Schnapsidee. Man muss sich das mal vorstellen. Im Sommer kann man die WM nicht abhalten, weil es zu heiß ist, im Winter müssten die Spielpläne der Ligen umgestellt werden. Anstatt des xy Hallencups wird dann eben mal ein nebensächliches Event, wie eine WM eingeschoben.

    Vielleicht bin ich im Bezug auf den Fußball zu konservativ, aber diese beiden Herren regieren an der ganz breiten Masse der Fans vorbei.
    Die Geschichte ist bekannt."Am Tisch im Élysée-Palast saßen demnach Sarkozy, der katarische Kronprinz Tamim Bin Hamad al-Thani, Sebastian Bazin, Europa-Repräsentant der US-Investmentfirma Colony Capital und damals noch Hauptaktionär des Fußballklubs Paris St. Germain, und eben Platini." http://www.tagesspiegel.d...

    2 Leserempfehlungen
    • deDude
    • 14. März 2013 13:41 Uhr

    ... sorgt sich wohl um seinen Einfluss und noch viel mehr um die vielen Möglichkeiten sich und seinen Ergebenen mit selbigem die Taschen vollzumachen?!

    Nichts wird in Stein gemeißelt (außer bei der FIFA), wenn die "Euro-EM" floppt kann man ja immernoch zum alten System zurückkehren. Ich finde die Idee ersteinmal super, was man letztlich daraus macht und ob am Ende von der Anfangsidee viel übrig bleibt wird sich zeigen, einen Versuch ist es aber alle Mal wert.

    Eine Leserempfehlung
  2. 3. Kater

    Nachdem Blatter die WM nach Kater verkauft hat, sollte er bzgl. "Seele", "Herz", "Identität" und "Euphorie" lieber etwas ruhiger sein.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    wann wird eigentlich mal eine Bearbeiten-Funktion eingeführt? ;)

    • TDU
    • 14. März 2013 14:38 Uhr
    4. Besser

    Eine EM in einem oder zwei Ländern ist besser. Viele Begegnungen auch ausserhalb des Fussballs und auch die kleinen "Händler" könenn was abkriegen. Platinis Modell wird zur Fernseh EM. Natürlich mit klar feststehenden Geldern, deren Höhe nicht an Zuschauer gebunden ist, es sei denn er lizensierte Public Viewing. Organisert und in vorgeschriebenen Stadien.

  3. 5. Katar

    wann wird eigentlich mal eine Bearbeiten-Funktion eingeführt? ;)

    Antwort auf "Kater"
  4. Time to say good bye-----

  5. alle hin und her reisen zu lassen.
    Soll das ökologisch sinnvoll sein ?

    Platini ist wirklich nicht dicht.

  6. kommen zu den Nationen, als alle Nationen in ein Land...ich sehe dies eher als ökologisch sinnvoll an....

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