Bruno Fernandes de Souza lebte den Traum aller Jungen, die in den brasilianischen Favelas aufwachsen. Weil sie vom Wirtschaftsaufschwung, den Brasilien seit der Jahrtausendwende erlebt, kaum etwas mitbekommen, gibt es immer noch nur fast einen Weg heraus aus der Welt der Blechhütten, umherlaufenden Hühner, Kokstütchen und halbautomatischen Waffen. Pelé ist ihn gegangen, Zico auch, Romario und Ronaldo. Der Weg des Fußballs.

33 Millionen Brasilianer lagen Bruno zu Füßen. So viele Fans hat der populärste Klub des Landes, Flamengo Rio de Janeiro. Bruno war dort Torwart und ein Star, im Land der Wunderstürmer ungewöhnlich. Vor allem dank der Paraden seines Kapitäns konnte Flamengo 2009 den Meistertitel gewinnen – den ersten seit siebzehn Jahren. Bruno war 26 Jahre alt, der große AC Mailand wollte ihn haben, viele sahen in ihm die Nummer eins für die Weltmeisterschaft 2014 im eigenen Land. Doch Bruno fiel – tiefer als wohl je ein Sportler vor ihm.

Vorige Woche verurteilte ihn ein Gericht im Bundesstaat Minas Gerais zu zweiundzwanzig Jahren Gefängnis. Er hat seine ehemalige Geliebte entführt und ermordet. Doch es war kein gewöhnlicher Mord, sofern es so etwas gibt, sondern ein Verbrechen, das samt seiner grauenvollen Details in seiner Brutalität fast unwirklich scheint. Und das zeigt, dass an den Jungs aus der Favela oft Armut und Gewalt kleben bleiben.

Frauen sind besonders von Gewalt betroffen

Laut den Ermittlungen der Polizei lernte Bruno im Mai 2009 die damals 25- jährige Eliza Samudio kennen. Der Fußballer war zu dieser Zeit Einkommensmillionär bei Flamengo, verheiratet und Vater zweier Kinder. Samudio war ein als "Fußball-Groupie" bekanntes Model und Porno-Sternchen. "Eine Fußball-Orgie" hätten sie gefeiert, sagte Bruno später, "Partys dieser Art sind unter Spielern normal." An diesem Abend schwängerte er Eliza Samudio. Drei Monate später verklagte sie ihn auf Anerkennung der Vaterschaft und ging an die Öffentlichkeit.

Zwei Monate später ging Samudio zur Polizei. Bruno habe sie zwingen wollen, ein Medikament einzunehmen, das den Fötus töten sollte. Dann habe er gedroht, sie umzubringen und gesagt: "Wenn ich Dich töte und Deine Leiche verschwinden lasse, würde niemand herausfinden, dass ich es war." Die Polizei unternahm nichts. Im Februar 2010 wurde Bruninho geboren. Wenig später forderte Samudio Unterhaltszahlungen. Bis Samudio und Bruninho am 4. Juni verschwanden. Laut Polizei ist das der Tag, an dem Bruno seinen Plan umsetzte.

In Rio de Janeiro wurden Samudio und Bruninho in einen schwarzen Range Rover gelockt. Dort wartete einer von Brunos Cousins mit einer Pistole. Als sie sich zu wehren begann, schlug er der Frau damit drei Mal auf den Kopf. Die blutende Frau brachten sie in Brunos Landsitz in der Nähe von Belo Horizonte, Hauptstadt des Bundestaates Minas Gerais und drittgrößte Stadt Brasiliens. Dort wurden Samudio und ihr Sohn fünf Tage lang festgehalten.

Dann wurden sie, so hieß es in dem Indizienprozess weiter, zu Marcos Aparecido dos Santos gebracht, einen von Bruno bezahlten Killer, den alle nur Bola nennen, und der als ehemaliger Polizist ein Spezialist dafür ist, Leichen verschwinden zu lassen. Bola erwürgte Samudio im Beisein von Bruno, anschließend zerhackten er und seine Handlanger den Körper der Toten und verfütterten das Fleisch an Brunos Rottweiler. Die Knochen versenkten sie in Beton. Eine Leiche wurde nie gefunden.

Viel wurde seitdem in Brasilien diskutiert. Über die Gewalt, die das aufstrebende Land zersetzt. Der Mord an Samudio war einer von 49.932 im Jahr 2010. Auf 100.000 Menschen kommen 26,2 Morde, Brasilien gehört damit zu den zwanzig gewalttätigsten Ländern der Welt. Frauen sind besonders betroffen. Zwischen 1997 und 2007 wurden 41.532 Frauen ermordet, alle zwei Stunden eine.