Eishockey-Amerikaner in BerlinMöglichst kein Deutsch sprechen

US-Profis sind auch bei deutschen Eishockeyklubs beliebt. In Berlin führen zwei Amerikaner ein Leben zwischen Eisstadion, Hardrock-Café und Checkpoint Charlie. von Claus Vetter

Der Eishockey-Profi Jimmy Sharrow vor dem Brandenburger Tor in Berlin mit der Meistertrophäe 2012

Der Eishockey-Profi Jimmy Sharrow vor dem Brandenburger Tor in Berlin mit der Meistertrophäe 2012  |  © Stephanie Pilick/picture alliance/dpa

Barry Tallackson und Jimmy Sharrow sitzen vor ihrer Cola, ihnen gegenüber in diesem Lokal in der Rosenthaler Straße prangt ein Schild mit der Aufschrift: "Please order here". Das morgendliche Training haben die beiden Profis der Eisbären hinter sich, zum Mittagessen gab es Sandwichs. "Die schmecken hier fast wie zu Hause", sagt Sharrow. Das Zuhause, die Vereinigten Staaten von Amerika, sind weit weg. Sharrow blickt durchs Fenster: "Winter in Berlin, das ist eine graue Sache. Es ist wie in Seattle. Die Menschen hassen es, dort im Winter zu leben."

Genau wie hier. Tallackson und Sharrow krümmen sich auf ihren Barhockern. Sie sagen: "Wir haben Zeit." Eine langsame Szene, die sich mühelos in einen Jim-Jarmusch-Film aus den Achtzigerjahren hineindenken ließe. Zwei Amerikaner in Berlin, Tallackson, Vollbart, Sharrow, Kurzhaarfrisur, haben jede Menge Ruhe. Weil in Berlin keiner umherhetzt, wie sie finden. Alles sei langsamer als in den USA, nicht in Quentin-Tarantino-Geschwindigkeit. Und doch nordamerikanisch. Tallackson und Sharrow sind gerne in ihrem Berlin. Zwischen Eisstadion, Hardrock-Café und Checkpoint Charlie leben die beiden Eishockeyprofis aus den USA. In einer Stadt, deren Sprache sie nicht sprechen.

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Um wie heute im Viertelfinale der Play-offs erfolgreich zu spielen, brauchen die Eisbären die Dienste ausländischer Profis. Beliebt sind vor allem Nordamerikaner, sie gelten als gut ausgebildet, leicht integrierbar und professionell. Spieler wie Tallackson und Sharrow. Sie sind nicht unbedingt die Stars der Mannschaft, gehören aber auf jeden Fall zu den Leistungsträgern. Oft gefeiert von 14.000 Menschen in der Arena am Ostbahnhof, wenn sie ihre Rüstung über das Eis tragen. Ohne Verkleidung sind sie junge Menschen in Turnschuhen und Schlabberjacken. "Uns erkennt kaum jemand auf der Straße", sagt Sharrow. "Die Leute halten uns meistens für amerikanische Touristen. Die Eisbären werden eher als Ganzes wahrgenommen und nicht über einzelne Spieler." Aber die Eisbären seien ein guter Verein, sagt Tallackson. "Die kümmern sich um alles. Wohnung, Auto, Telefon. Das macht mein Leben unkompliziert." Und Geld gibt es auch zu verdienen. Genug, um sich etwas beiseite zu legen für die Zeit nach der Karriere.

Tallackson stammt aus dem Bundesstaat Minnesota, Sharrow aus Framingham in Massachusetts. Seit knapp drei Jahren arbeiten sie in Deutschland. Die Heimat sehen sie nur im Sommer, maximal für drei Monate, sagt Barry Tallackson. Als er anfing mit dem Eishockey hatte er andere Karrierepläne. Natürlich wollte er Profi in der National Hockey-League (NHL) werden und er hatte das auch geschafft. Allerdings reichte es nur zu 20 Einsätzen für die New Jersey Devils. Also ging er eben nach Europa, zunächst nach Augsburg und ein Jahr später nach Berlin. Es war die richtige Entscheidung, sagt der 29 Jahre alte Stürmer.

Jimmy Sharrow hatte Anlaufschwierigkeiten, als er 2010 nach Berlin kam. "Nach einem Monat wollte ich weg. Alles war kaputt, ich hatte kein Bankkonto, kein Telefon, mein Internet tat es nicht." Mit seinem ersten Berlin-Domizil in Hohenschönhausen wurde er nicht warm. "Die Leute dort waren nicht sehr freundlich, die haben mich im Treppenhaus nicht mal gegrüßt." Nun wohnen die beiden unverheirateten Männer in Nähe des Checkpoint Charlie. Da sprächen viele Englisch. Deutsch? "Viel zu kompliziert", sagt Sharrow, "aber wir kennen ein paar Wörter, die für den alltäglichen Gebrauch nötig sind."

Im Eishockey ist Englisch die wichtigste Sprache. Allerdings will bei den Eisbären nicht immer jeder Englisch sprechen. "Wenn ich beim Mannschaftsessen sehe, dass in einer Ecke drei Jungs Deutsch sprechen und in einer anderen drei Englisch, setze ich mich natürlich zu denen, die Englisch reden", sagt Sharrow.

Privat bleiben die Nordamerikaner bei den Eisbären sowieso meist unter sich. Ihre Lebenssituation verbindet. Berlin ist eine gute Adresse bei nordamerikanischen Profis. "Ein Freund von mir hat in Pardubice in Tschechien gespielt", erzählt Sharrow. "Als ich ihm ein Bild von der O2–World gezeigt habe, wollte der mir kaum glauben, dass wir in so einer modernen Riesenarena spielen. Dann habe ich ihm erzählt, dass es in Berlin Pizza Hut und Starbucks gibt. Der kam aus dem Staunen nicht heraus."

Leserkommentare
  1. Ey Jungs, springt doch einfach über euren Schatten und lernt wenigstens in Grundzügen Deutsch. Ich finde das nicht schön was ihr macht!

    6 Leserempfehlungen
  2. also ich finde es eher bedenklich das zwei junge amerikaner kein plan über den kalten krieg seine auswirkungen haben, wer seine geschichte nicht kennt wird immer wieder die selben fehler begehn wie man leider auch sieht...die sollten mal lieber geschichtsunterricht nehemen statt deutsch zu lernen...

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  3. Die Jungs sind einfach zu faul zum Vokabellernen - die Ausrede Deutsch sei zu schwierig zieht vielleicht bei anderen Völkern, deren Sprache nicht zur gleichen Sprachfamilie gehören. Manch einer aus dem englischsprachigen Raum nutzt hierzulande anfangs einfach deutsche Vokabeln mit englischer Grammatik und wählt die Artikel nach gut Glück aus - und wird oft problemlos verstanden.

    4 Leserempfehlungen
  4. As an American ist mir der Artikel sehr peinlich. Dieser Satz im Artikel fasst genau das zusammen, was ich daran hasse: "Beliebt sind vor allem Nordamerikaner, sie gelten als gut ausgebildet, leicht integrierbar und professionell." "Gut ausgebildet" sind sie nicht. Denn sie haben nicht von Kennedy in Berlin in der Schule gelernt haben. (How can they not have heard of the "Ich bin ein Berliner/I'm a jelly doughtnut" story?) "Leicht integreierbar" sind sie auch nicht, weil sie sich nicht die Mühe geben, die Sprache zu lernen, obwohl sie seit 3 Jahren dort sind. Außerdem verbrigen sie ihre Zeit bei Starbucks, Pizza Hut, HardRock Cafe, usw. Kein Wunder, dass die Narbarn sie im Treppenhaus nicht grüßen (auch wenn ich das auch erlebt habe). Professionell: keine Zusammengehörigkeitsgefühl oder Teamgeist, denn sie sprechen nur mit denjenigen, die auch Englisch können. Das muss auch genauso sein mit den Fans. Darüber hinaus kann auch nicht gut für ihr Image sein. Echt peinlich. Jungs, grow up and stop acting like ugly Americans!! Be open to the culture and learn to accept and appreciate its differences. You have a chance that most your fellow countrymen don't have, so don't waste it!
    P.S. Es ist moglich, dass über 2.000 Kilometer zwischen Tallackson Heimat und Sharrows Geburtort in so einem Kleinstaat wie Massachusetts. Bitte bearbeiten/redigieren Sie den Artikel noch einmal. Vielen Dank!

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    **Ich meinte, es ist unmöglich, dass 2.000 Kilometer zwischen den beien Orten liegen.

    • Erkos
    • 20. März 2013 20:00 Uhr

    für diesen Kommentar. Das trifft genau in's Schwarze. Ich habe täglich mit PhD-Studenten aus vielen Ländern zu tun, die man in zwei Gruppen einteilen kann: Die einen nehmen Kurse, um deutsch zu lernen, die anderen lehen das komplett ab. Manche sagen sogar nachdem sie jahrelang in D gelebt haben: Die Wissenschaftssprache ist englisch. Ich spreche nicht deutsch!!!!
    Wie die einkaufen gehen oder auf einem Amt einen Antrag stellen ist mir rätselhaft.
    Das mit der Kennedy-Rede ist auch vollkemmen richtig. Schlimm, dass so eine geschichtsvergessene Generation heranwächst. Das gibt es auch in anderen Ländern, einschließlich D. Ich fürchte, das wird sich nocheinmal rächen.

  5. **Ich meinte, es ist unmöglich, dass 2.000 Kilometer zwischen den beien Orten liegen.

  6. „Wenn ich beim Mannschaftsessen sehe, dass in einer Ecke drei Jungs Deutsch sprechen und in einer anderen drei Englisch, setze ich mich natürlich zu denen, die Englisch reden", sagt Sharrow. Privat bleiben die Nordamerikaner bei den Eisbären sowieso meist unter sich. Ihre Lebenssituation verbindet.“

    Das ist ja bei Amerikanern auch überhaupt kein Problem. Aber wehe, andere „Migranten“ würden so beschrieben: Unter sich bleiben wollen, weil die Lebenssituation verbindet... Sich in der Pause zu denen setzen, die die gleiche Muttersprache haben... Dann wäre aber wieder mal etwas los in diesem Forum: Ja, wo kommen wir denn da hin?! Ich sehe die Kommentare bildlich vor mir: Integrationsverweigerer! Parallelgesellschaft! Hat einer der Spiele vielleicht sogar eine Freundin/Ehefrau mitgebracht? Importbräute...!

    2 Leserempfehlungen
    • Erkos
    • 20. März 2013 20:00 Uhr

    für diesen Kommentar. Das trifft genau in's Schwarze. Ich habe täglich mit PhD-Studenten aus vielen Ländern zu tun, die man in zwei Gruppen einteilen kann: Die einen nehmen Kurse, um deutsch zu lernen, die anderen lehen das komplett ab. Manche sagen sogar nachdem sie jahrelang in D gelebt haben: Die Wissenschaftssprache ist englisch. Ich spreche nicht deutsch!!!!
    Wie die einkaufen gehen oder auf einem Amt einen Antrag stellen ist mir rätselhaft.
    Das mit der Kennedy-Rede ist auch vollkemmen richtig. Schlimm, dass so eine geschichtsvergessene Generation heranwächst. Das gibt es auch in anderen Ländern, einschließlich D. Ich fürchte, das wird sich nocheinmal rächen.

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    Ihr Kommentar zur Situation in den Hochschulen entspricht ganz meiner Erfahrung. Möglich ist soviel Ignoranz aber nur, weil diese leider von vielen deutschen Promotionsbetreuern nicht nur toleriert, sondern sogar noch unterstützt wird. Denn für die Chefs hat diese Haltung durchaus auch Vorteile: die Doktoranden "verplempern" keine wertvolle Forschungszeit mit Deutschlernen, sie bleiben dann auf ihre enge Uni-Welt beschränkt (weniger Ablenkung!) und insbesondere werden sie nicht souverän genug, um sich auch einmal ordentlich beschweren zu können, wenn sie von ihren Betreuern und Chefs ausgenutzt werden. Wenn man deutsch kann, weiß man eben auch sehr viel besser, was in diesem Land so üblich und legitim ist und was nicht!

  7. Ihr Kommentar zur Situation in den Hochschulen entspricht ganz meiner Erfahrung. Möglich ist soviel Ignoranz aber nur, weil diese leider von vielen deutschen Promotionsbetreuern nicht nur toleriert, sondern sogar noch unterstützt wird. Denn für die Chefs hat diese Haltung durchaus auch Vorteile: die Doktoranden "verplempern" keine wertvolle Forschungszeit mit Deutschlernen, sie bleiben dann auf ihre enge Uni-Welt beschränkt (weniger Ablenkung!) und insbesondere werden sie nicht souverän genug, um sich auch einmal ordentlich beschweren zu können, wenn sie von ihren Betreuern und Chefs ausgenutzt werden. Wenn man deutsch kann, weiß man eben auch sehr viel besser, was in diesem Land so üblich und legitim ist und was nicht!

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