Europa League : Auch Stuttgart vor dem Aus

Mit einem 2:0-Auswärtssieg zeigt Lazio Rom dem VfB Stuttgart seine Grenzen. Damit sinkt die Chance des letzten deutschen Vereins auf den Viertelfinaleinzug deutlich.
Stuttgarts Federico Macheda (l) und Stefan Radu (r) von Lazio Rom © Bernd Weißbrod/dpa

VfB Stuttgart – Lazio Rom 0:2 (0:1)

Der VfB Stuttgart kann nur noch durch ein Wunder das Aus in der Europa League verhindern. Nach einer schwachen Vorstellung gegen Lazio Rom im Achtelfinalhinspiel müssen die Schwaben in einer Woche mindestens drei Tore schießen, um weiterzukommen.

Der Brasilianer Ederson (21. Minute) brachte die starken Gäste nach mehreren Patzern der Stuttgarter früh in Führung. Mit einem tollen Solo besorgte der Nigerianer Ogenyi Onazi (56.) klare Verhältnisse und den verdienten Sieg des Tabellenfünften der italienischen Serie A. Auch ohne ihren verletzten Stürmer Miroslav Klose gewannen die Römer damit erstmals ein Fußballspiel in Deutschland und bleiben in dieser Saison im Europacup ungeschlagen.

Zwei Wochen nach dem Sieg gegen Borussia Mönchengladbach erteilte Lazio Rom dem letzten im Europa-League-Wettbewerb verbliebenen Bundesligisten eine Lehrstunde. Das Team von Trainer Vladimir Petkovic überzeugte durch spielerische Geschlossenheit, Disziplin und auch individuelle Klasse.

Zunächst schien die Rechnung Bruno Labbadias aufzugehen. Der VfB hatte die ersten beiden Chancen in der ersten Viertelstunde. In der 9. Minute vergab Ibrahima Traoré mit einem Fernschuss, 6 Minuten später scheiterte der Japaner Shinji Okazaki mit einem Flugkopfball am starken italienischen Nationaltorhüter Federico Marchetti.

Wie es geht, zeigten dann die Römer. Der Brasilianer Ederson nutzte eine Unachtsamkeit in der Stuttgarter Abwehr von William Kvist und Arthur Boka und verwandelte mit einem Schuss ins rechte obere Tor-Eck.

Für den stark aufspielenden rumänischen Nationalspieler Maxim war das Spiel nach 39 Minuten beendet. Nach einem Foul des Brasilianers Hernanes musste der Stuttgarter mit Nasenbeinbruch und Gehirnerschütterung durch den zuletzt noch nicht einmal zum Kader gehörenden Ungarn Tamas Hajnal ersetzt werden. Nach dem Spiel ärgerten sich die Stuttgarter darüber, dass es in dieser Szene keine Rote Karte gegeben hatte.

Okazaki hätte kurz vor der Pause nach neuerlicher Gentner-Vorlage den Ausgleich schaffen können. Doch sein Schuss ging ganz knapp links neben das Tor.

Nach dem Wechsel taten die Römer nicht mehr als notwendig. Kurz nachdem Labbadia die Offensive verstärkt hatte und Martin Harnik für Kvist gekommen war, schlugen die Gäste erneut zu. Onazi stürmte von der Mittellinie los, spielte Christian Gentner und Antonio Rüdiger aus, Torhüter Sven Ulreich war gegen seinen Schuss chancenlos. Stuttgart kämpfte zwar weiter, doch am Ende hatten die Schwaben Glück, dass die Niederlage nicht noch höher ausgefallen war. Ulreich verhinderte mit Glanzparaden ein Debakel.

Im Rückspiel wird der VfB-Torjäger Vedad Ibisevic nach verbüßter Gelbsperre wieder dabei sein. "Wir fahren nicht nach Rom, um uns das Kolosseum anzuschauen oder das leere Stadion. Wir haben noch eine Chance, aber dafür brauchen wir ein perfektes Spiel", sagte Stuttgarts Sportdirektor Fredi Bobic.

VfB Stuttgart: Ulreich - Sakai, Tasci, Rüdiger, Boka - Kvist (55. Harnik), Gentner - Okazaki, Maxim (41. Hajnal), Traoré - Macheda (90.+3 Holzhauser)

Lazio Rom: Marchetti - Pereirinha, Cana, Ciani, Radu - Hernanes (72. González) - Candreva, Onazi, Ederson (64. Ledesma), Lulic - Kozak (84. Floccari)

Schiedsrichter: Tudor (Rumänien)

Zuschauer: 28.750

Tore: 0:1 Ederson (21.), 0:2 Onazi (56.)

Gelbe Karten: Harnik, Tasci / Cana, Ciani, Hernanes

Beste Spieler: Boka / Ciani, Onazi, Ederson

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Kommentare

9 Kommentare Kommentieren

Starke Argumente

"es ist mir egal" ;) Da haben Sie sich wirklich intensiv damit auseinandergesetzt und sind auf jeden Punkt eingegangen. Ihnen mag das vielleicht am Allerwertesten vorbeigehen, aber im gesamten Ostfußball gibt es sowieso schon wenig Klubs welche die nach der Wende wieder einigermaßen in die Spur gefunden haben und dass diese dann deutlich härter bestraft werden, als Westklubs kann ich nicht nachvollziehen. Erklären Sie es also. Warum können Hooligans von Westklubs randalieren, Bengalos abbrennen und der Verein wird maximal mit einer Geldstrafe belegt, mit der Begründung, dass der Verein sportlich nicht für das Fehlverhalten von Fans bestraft werden soll und bei Dynamo schon? Nennen Sie mir ein schlüssiges Argument!

Betrachtet man Westderbys, oder eben Spiele von Köln, Eintracht, Nürnberg usw. leider auch Dortmund, dann kommt es immer wieder zu Zwischenfällen, aber bei Dresden kann man durchgreifen und ich sage Ihnen warum. Weil viele genauso denken wie Sie und als Fußballfan ist das enttäuschend und hat nichts mit Fairness zu tun.

Jetzt die wichtigste Frage. WAS GENAU KANN EIN VEREIN GEGEN HOOLIGANS MACHEN???

Es gibt schon Unterschiede...

Was der Dresdner Anhang betreibt ist doch regelrechter Rowdytourismus, oder was verbindet die Dresdner mit Hannover, Kaiserslautern und Dortmund? Garnichts. Da werden massig Menschen für Auswärtsfahrten zu für den Verein eigentlich irrelevanten Spielen rekrutiert nur um dort für Unruhe zu sorgen. Und dieser Gewalttourismus wird dementsprechend auch anders bestraft als Reibereien am Rande von Traditionsderbies wo es zumindest nachvollziehbar ist dass manchem die Emotionen durchgehen. In der Rechtsprechung unterscheidet man ja auch zwischen Taten im Affekt und von langer Hand geplanten. Und zu ihrer Frage was der Verein gegen Hooligans tun kann? Wenn man den Verein als eine Gruppe von gleichgesinnten Menschen betrachten ist die Antwort doch recht simpel: ausgrenzen und sozial ächten. Leider passiert sowas aber nie, denn diese Leute geben sich wenn sie denn mal von den Vereinsgremien heranzitiert werden als lammfromm und sozial integriert, und dann belässt man es eben bei Bewährungsstrafen und "noch einer Chance". Und da kommt die Antwort auf die Frage warum der Verein hier finanziell belangt wird: Sobald sie solche Menschen ins Stadion lassen sind sie per Definition Teil der Gruppe und somit Teil des Vereins.

Noch immer nicht nachvollziehbar

Sie nennen drei konkrete Beispiele, von denen 2 Pokalspiele waren. Nur so viel zum Thema Emotionen. Aber es ist interessant, wie Sie die Scharmützel bei anderen Vereinen als "Reibereien" relativieren. Wenn es also im Zuge eines Derbys zu schweren Ausschreitungen kommt, ist das ok, denn dann sind das gelebte Emotionen. Dieser These folgend, wäre es ok, wenn die Dresdner Hooligans bei den Ostderbys gegen Aue, Union und Cottbus randalieren? Mit Verlaub, das ist doch einfach unlogisch.
Bestraft die Täter, macht sie finanziell haftbar, belegt sie mit Stadionverboten und Führerscheinentzügen, aber einen Verein sportlich haftbar zu machen und dieses bei der gleichen Tat (Bengalos + Randale) für einen anderen Verein auszuschließen ist und bleibt Wettbewerbsverzerrung zu Gunsten von Westklubs.