Fankultur: Rettet den Fußball vor den Hipstern
Nostalgisch, selbstironisch und so intelligent – in den vergangenen Jahren entwickelte sich ein neuer Typus Fußballfan. Helfen wird er dem Spiel kaum. Von C. Spiller
Eigentlich ist dieser neue, reflektierte Fußballfan ein liebenswerter Zeitgenosse. Er macht keinen Ärger, kann über sich lachen und weiß Bescheid. Für manche ist er ein Klugscheißer, aber ein Netter. Obwohl er Besserverdiener oder zumindest kein ganz armer Student ist, denkt er nicht daran, die alten Fans aus den Stadien zu gentrifizieren. Er weiß um die Problematik, setzt sich einfach dazu. Außerdem schaut er eh lieber in der großstädtischen Fan-Kneipe, weil er oft nicht dort lebt, wo sein Herzensteam zu Hause ist.
Am Donnerstag hat er sich im Großen Saal eines schönen Berliner Kinos versammelt. Es ist der Eröffnungstag des 11mm-Festivals, ein Kinofestival, bei dem sechs Tage lang nur Fußballfilme gezeigt werden. Zum Auftakt läuft "50 Jahre Bundesliga", ein harmloser Zusammenschnitt der putzigsten Bundesliga-Anekdötchen: Friedel Rausch beißt der Hund, Ahlenfelder pfeift besoffen zur Halbzeit, Trap hat fertig. Nach dem Film erzählen sich Heribert Faßbender, Walter Eschweiler, Rudi Gutendorf, Wolfgang Kleff und Klaus Fischer auf der Bühne aus ihrem Leben. Alte Männer, deren Zoten und Schnurren in anderem gesellschaftlichen Umfeld für Stirnrunzeln sorgen würden. Doch das Publikum kichert und träumt von früher als die Kerle noch echt waren, die Stadien zugig und die Urinale richtig stanken.
Das alles tut niemandem weh. Dennoch verwundert die Flucht in die Vergangenheit. Zumal es damals weit unromantischer zuging, als mancher lieb haben will. Es gab leere Ränge, Dumpfheit, Illiberalität. Das piefige Spiel von einst ist erst in der rückblickenden Verklärung hip. Manch Fußballintellektueller von heute wäre damals beim Tischtennis besser aufgehoben gewesen.

Christian Spiller ist Redakteur im Ressort Sport bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.
Die Sache mit den Fußballfilmen hat in einem Hinterhof angefangen. Wer vor neun Jahren das "11 mm" suchte, musste an Hauswänden vorbei, die vor Graffiti kaum zu erkennen waren. Wer das schaffte und auch die schwere Metalltür fand, hinter der sich das Berliner Kino Central auftat, konnte damals elf Fußballfilme sehen.
In diesen Tagen feiert das Festival seinen zehnten Geburtstag. Seit einiger Zeit residiert es im Kino Babylon, einem hübsch restaurierten Lichtspieltheater. Gegenüber in der Volksbühne tobt sich Frank Castorf bei seinen Theaterexperimenten aus. Die Fußballfilmfülle ist groß, die 11mm-Macher mussten aussieben, sie sichteten insgesamt 150 Produktionen. Der einstige Arbeitersport ist kulturtaugliche Massenware geworden.
Was mit dem Collagenkünstler Ror Wolf in den Siebzigern begann, war spätestens mit Nick Hornbys Fantagebuch Fever Pitch, das 1996 erstmals auf Deutsch erschien, nicht mehr aufzuhalten. Schon zehn Jahre später, zur Märchen-WM 2006 gab es kaum ein Wald-und-Wiesen-Theater, keine Kunstklitsche, die keine Bälle im Programm hatte. Mittlerweile überrascht Angela Merkel in der DFB-Kabine Integrationsfiguren beim Umziehen und Rainer Brüderle bekommt auf dem FDP-Parteitag von Philipp Rösler einen Ball überreicht, weil der als Stürmer die Dinger nun reinmachen soll. Der Fußball wird politisch und kulturell so stark aufgeladen, dass er fast platzt.
Parallel zu dieser Überhöhung entstand der neue Fantypus: Der Intellektuelle. Er möchte nicht so radikal sein wie die Ultras, obwohl er Pyrotechnik geil findet. Nicht so prollig wie die Kuttenträger, obwohl das Flaschenbier stets in Griffweite ist. Und er verachtet Logengänger, obwohl auch ihm Stehen manchmal zu anstrengend ist. Das Klischee will, dass er Ente Lippens, Ata Lameck oder Katsche Schwarzenbeck verehrt und Hornbrille, Trainingsjacke, Retrotrikot trägt. Oder alles gleichzeitig.
Geburtshelfer dieser neuen Sorte Fans waren auch die Medien. In den Nuller Jahren gab es zeitweilig fünf Magazine am Kiosk, die sich mit dem Fußball und dem Drumherum beschäftigten. Vorreiter ist das Fußballkulturmagazin 11 Freunde. Ein bemerkenswertes Heft voll Komik und Selbstironie. Durch das Magazin zieht sich aber stets auch ein Thema, das dem intellektuellen Fußballfan sehr wichtig scheint: eine beinahe obsessive Nostalgie. Die Sehnsucht nach einer Zeit, die es so nie gegeben hat.







... auch exakt der Typ von Fußballfan, den der DFB sich wünscht. Was sieht man denn, wenn man sich diesen Spot (heißt er 100% Fußball, 0% Gewalt?) anschaut? Junge, hippe Familienväter, die am besten noch ihren kleinen Sohn auf der Schulter sitzen haben. Im Block sitzen sie neben einem Fan der gegnerischen Mannschaft (das sieht man am Trikot, das selbstverständlich beide tragen), aber niemand haut sich gegenseitig eins in die Fresse. In der Halbzeit kauft man eine überteuerte Bratwurst, und wenn jemand von den Vollproleten auf den Hintertorrängen sich erdreistet, ein Pyro anzuzünden, ist man empört. Insgesamt ist die gesamte offizielle Fanästhetik auf ein solches Bild hin zugeschnitten. Und dann sehe ich all diese Leute im Stadion, äh, in der Commerzbankarena, und jedes Mal wünsche ich mir das gute, alte unüberdachte Waldstadion mit seinen kantigen Stehrängen und den Kuttenfans zurück. Es ist mir nämlich völlig egal, ob es "leere Ränge, Dumpfheit, Illiberalität" gab. Auch das ist nämlich nur eine Projektion. Dafür wusste ich, dass ich beim Fußball bin und nicht auf dem Prenzlauer Berg oder im Frankfurter Nordend.
Es sind eher Fußballfans wie Sie, die gebraucht werden, anstatt konstruierter Bilder. Wenn Fußball nun wieder "Hip" wird, gut so. Hippster sind friedlich und genießen das Leben.
«Es ist mir nämlich völlig egal, ob es "leere Ränge, Dumpfheit, Illiberalität" gab.» (@suedhesse)
Der Fußball ging vor die Hunde, aber Hauptsache Dritte Halbzeit, wa?!
Um es ganz deutlich zu sagen: Es läuft 'ne Menge falsch im modernen, veritzplatzten, aseptischen Fußball, aber IHRE Verklärung ist zum Kotzen.
... dass ich so ein Spießer bin (Hipster sind nur die Spießer von heute).
Ich war mit beiden Söhnen im Stadion. Auf Sitzplätzen. Mit Fan-Schals und -Mützen von Mainz05. Neben uns Fans von Greuther Fürth, mit denen wir uns, ich schäme mich nicht, es zu gestehen, unterhalten haben. Wenn auch nur kurz. In der Pause haben wir überteuerte Stadionwurscht gegessen und überteuerte Getränke gekauft. Als die Fürther verloren haben und damit den Aufstieg nicht geschafft haben, haben wir trotzdem noch ein paar Worte mit den gegnerischen Fans gewechselt.
Ich fand's toll und seitdem gehen wir regelmäßig zu Auswärtsspielen.
...meine sind z.B. völlig andere. Fan ist für mich erstmal jeder, der sich (ernsthaft!) für den Fußball interessiert. Eine Kutte zu tragen, schon vor dem Spiel 10 Bier im Kopf zu haben und ein paar Bengalos zu zünden, macht jemanden nicht zum besseren Anhänger. In den 30er, 40er und 50er Jahren waren die Menschen auch schon besessene Vereinsanhänger, manche der Rekordbesucherzahlen stammen aus dieser Zeit. Und wenn Sie sich die Aufnahmen ansehen, sind da diverse Zuschauer mit Krawatte im Stadion.
Ich bin in den Achtzigern stadionseitig so sozialisiert worden, wie Sie es auch kennen. Stehplatz, unüberdacht, teilweise Suffköppe hinter mir, die einem ansatzlos mal die Stadionfanfare hinters Ohr halten, weil sie es in ihrem Rausch grade lustig finden. Und die sich während das Spiel läuft, erst dauernd durch die Reihen drücken weil sie mehr Bier brauchen und dann, weil sie es wieder "wegtragen" müssen.
Ich vermisse nichts davon und halte es immer für hochproblematisch, wenn eine bestimmte Gruppe das "wahre Fandasein" für sich reklamiert. Seien es nun klassische Kuttenträger, Ultras oder wer auch immer.
Fußball ist für alle da (5 Euro ins Phrasenschwein). Vielleicht hat Herr Spiller recht und die Welle der Kommerzialisierung bricht irgendwann über dem Profifußball und begräbt diesen, aber auch dann wird es immer noch Menschen geben, die aus 4 Jacken 2 Tore auf einer Wiese improvisieren und einfach loskicken. Das Spiel bleibt immer größer als die Fans drumrum. Amen? Ok, Amen!
Es sind eher Fußballfans wie Sie, die gebraucht werden, anstatt konstruierter Bilder. Wenn Fußball nun wieder "Hip" wird, gut so. Hippster sind friedlich und genießen das Leben.
«Es ist mir nämlich völlig egal, ob es "leere Ränge, Dumpfheit, Illiberalität" gab.» (@suedhesse)
Der Fußball ging vor die Hunde, aber Hauptsache Dritte Halbzeit, wa?!
Um es ganz deutlich zu sagen: Es läuft 'ne Menge falsch im modernen, veritzplatzten, aseptischen Fußball, aber IHRE Verklärung ist zum Kotzen.
... dass ich so ein Spießer bin (Hipster sind nur die Spießer von heute).
Ich war mit beiden Söhnen im Stadion. Auf Sitzplätzen. Mit Fan-Schals und -Mützen von Mainz05. Neben uns Fans von Greuther Fürth, mit denen wir uns, ich schäme mich nicht, es zu gestehen, unterhalten haben. Wenn auch nur kurz. In der Pause haben wir überteuerte Stadionwurscht gegessen und überteuerte Getränke gekauft. Als die Fürther verloren haben und damit den Aufstieg nicht geschafft haben, haben wir trotzdem noch ein paar Worte mit den gegnerischen Fans gewechselt.
Ich fand's toll und seitdem gehen wir regelmäßig zu Auswärtsspielen.
...meine sind z.B. völlig andere. Fan ist für mich erstmal jeder, der sich (ernsthaft!) für den Fußball interessiert. Eine Kutte zu tragen, schon vor dem Spiel 10 Bier im Kopf zu haben und ein paar Bengalos zu zünden, macht jemanden nicht zum besseren Anhänger. In den 30er, 40er und 50er Jahren waren die Menschen auch schon besessene Vereinsanhänger, manche der Rekordbesucherzahlen stammen aus dieser Zeit. Und wenn Sie sich die Aufnahmen ansehen, sind da diverse Zuschauer mit Krawatte im Stadion.
Ich bin in den Achtzigern stadionseitig so sozialisiert worden, wie Sie es auch kennen. Stehplatz, unüberdacht, teilweise Suffköppe hinter mir, die einem ansatzlos mal die Stadionfanfare hinters Ohr halten, weil sie es in ihrem Rausch grade lustig finden. Und die sich während das Spiel läuft, erst dauernd durch die Reihen drücken weil sie mehr Bier brauchen und dann, weil sie es wieder "wegtragen" müssen.
Ich vermisse nichts davon und halte es immer für hochproblematisch, wenn eine bestimmte Gruppe das "wahre Fandasein" für sich reklamiert. Seien es nun klassische Kuttenträger, Ultras oder wer auch immer.
Fußball ist für alle da (5 Euro ins Phrasenschwein). Vielleicht hat Herr Spiller recht und die Welle der Kommerzialisierung bricht irgendwann über dem Profifußball und begräbt diesen, aber auch dann wird es immer noch Menschen geben, die aus 4 Jacken 2 Tore auf einer Wiese improvisieren und einfach loskicken. Das Spiel bleibt immer größer als die Fans drumrum. Amen? Ok, Amen!
Es sind eher Fußballfans wie Sie, die gebraucht werden, anstatt konstruierter Bilder. Wenn Fußball nun wieder "Hip" wird, gut so. Hippster sind friedlich und genießen das Leben.
«Es ist mir nämlich völlig egal, ob es "leere Ränge, Dumpfheit, Illiberalität" gab.» (@suedhesse)
Der Fußball ging vor die Hunde, aber Hauptsache Dritte Halbzeit, wa?!
Um es ganz deutlich zu sagen: Es läuft 'ne Menge falsch im modernen, veritzplatzten, aseptischen Fußball, aber IHRE Verklärung ist zum Kotzen.
Man muss mir erst einmal schlüssig nachweisen, dass es in den 70er- und 80er-Jahren im Fußball mehr Dumpfheit und Illiberalität gab als heute. Und vor allem muss man mir erklären, wie diese Begriffe definiert werden. Auch das ist ja bereits eine ideologische Frage: Wie definiere ich Dumpfheit?
Das schweift zwar jetzt ein wenig ab, aber: Ich werde auch immer misstrauisch, wenn ich den Gemeinplatz von den "muffigen Adenauerjahren" lesen muss. Ich war nicht dabei. Aber ich kenne genug Zeitzeugen, die mit diesem Begriff nichts anfangen können, schon gar nicht als Kontrast zu unserer vermeintlich liberalen, offenen Gegenwart.
Also: Was ist besser an der Fankultur heute, abgesehen davon, dass sie erheblich mehr Umsatz generiert?
Es scheint, als ob Sie die Einschränkung der Bürgerrechte toll finden:
http://www.fr-online.de/d...
Sie scheinen Fussball früher nur mit der 3. Halbzeit zu assoziieren.
Das ist nicht gerade geistreich.
Man muss mir erst einmal schlüssig nachweisen, dass es in den 70er- und 80er-Jahren im Fußball mehr Dumpfheit und Illiberalität gab als heute. Und vor allem muss man mir erklären, wie diese Begriffe definiert werden. Auch das ist ja bereits eine ideologische Frage: Wie definiere ich Dumpfheit?
Das schweift zwar jetzt ein wenig ab, aber: Ich werde auch immer misstrauisch, wenn ich den Gemeinplatz von den "muffigen Adenauerjahren" lesen muss. Ich war nicht dabei. Aber ich kenne genug Zeitzeugen, die mit diesem Begriff nichts anfangen können, schon gar nicht als Kontrast zu unserer vermeintlich liberalen, offenen Gegenwart.
Also: Was ist besser an der Fankultur heute, abgesehen davon, dass sie erheblich mehr Umsatz generiert?
Es scheint, als ob Sie die Einschränkung der Bürgerrechte toll finden:
http://www.fr-online.de/d...
Sie scheinen Fussball früher nur mit der 3. Halbzeit zu assoziieren.
Das ist nicht gerade geistreich.
Ich verstehe den Artikel nicht. Was will der Autor uns damit sagen?
Hipster sind Fans 2. Klasse?
Fußball ist auch nur eine Medaille mit 2 Seiten?
Jaaa, den Gedanken des Artikels hatte ich auch schon. Seit einigen Jahren rennen meine hippen und intellektuellen Freunde plötzlich alle zum Zuschauen zu Fußballspielen unseres Erstligavereins, und ich steh' dumm da, weil ich da keine Lust drauf hab'.
Vor 15 Jahren wäre in der gleichen Bevölkerungsklasse nahezu niemand auf die Idee gekommen, Fußball als Sportart wahrzunehmen, mit der man in Verbindung gebracht werden wollte - geschweige denn selbst ins Stadion zu gehen. Nun okkupiert man die Sportart der einfachen Leute, singt mit ihnen Fangesänge und verbrüdert sich mit ihnen. Aber wehe, die gleichen Leute sind abends auf der gleichen Party im gleichen Club - da will man mit diesen Proleten nichts zu tun haben.
Und genau da sehe ich den Widerspruch - entweder, der Hippster akzeptiert den Fußballproleten in jeglicher Umgebung, also auch in seinem Lieblingscafé im In-Viertel, oder er fällt nicht in dessen Bastion Fußball ein und tut so, als gehöre er dazu. Aber das eine ohne das andere ist verlogen.
"Und genau da sehe ich den Widerspruch - entweder, der Hippster akzeptiert den Fußballproleten in jeglicher Umgebung, also auch in seinem Lieblingscafé im In-Viertel, oder er fällt nicht in dessen Bastion Fußball ein und tut so, als gehöre er dazu. Aber das eine ohne das andere ist verlogen."
Was ist daran verwerflich? Sind das nicht einfach verschiedene Rollen die jeder tagtäglich spielt? Wenn ich einen Arbeitskollegen in einer Bar treffe setze ich mich auch nicht zu ihm, obwohl ich das noch in der Mittagspause in der Firma tat.
Sie meinen die Sportart, die von den britischen Elite-Colleges wie Eton und Cambridge ihren Siegeszug antraten? o_O
Und Sie finden nicht, dass Sie sich Geschichte ein ganz klein wenig so zurecht biegen, bis sie ihren ideologischen Bedürfnissen entspricht?
(Nicht, dass wir uns missverstehen: Mich nerven die Modefans auch, die später kommen und dafür früher gehen, wenn der „Herzensverein“ mal weniger erfolgreich spielt — und die ihre Herzensangelegenheit in dem Moment vergessen haben, wenn der Verein (wieder) abgestiegen ist.)
"Und genau da sehe ich den Widerspruch - entweder, der Hippster akzeptiert den Fußballproleten in jeglicher Umgebung, also auch in seinem Lieblingscafé im In-Viertel, oder er fällt nicht in dessen Bastion Fußball ein und tut so, als gehöre er dazu. Aber das eine ohne das andere ist verlogen."
Was ist daran verwerflich? Sind das nicht einfach verschiedene Rollen die jeder tagtäglich spielt? Wenn ich einen Arbeitskollegen in einer Bar treffe setze ich mich auch nicht zu ihm, obwohl ich das noch in der Mittagspause in der Firma tat.
Sie meinen die Sportart, die von den britischen Elite-Colleges wie Eton und Cambridge ihren Siegeszug antraten? o_O
Und Sie finden nicht, dass Sie sich Geschichte ein ganz klein wenig so zurecht biegen, bis sie ihren ideologischen Bedürfnissen entspricht?
(Nicht, dass wir uns missverstehen: Mich nerven die Modefans auch, die später kommen und dafür früher gehen, wenn der „Herzensverein“ mal weniger erfolgreich spielt — und die ihre Herzensangelegenheit in dem Moment vergessen haben, wenn der Verein (wieder) abgestiegen ist.)
Bitte verzichten Sie auf Polemik und undifferenzierte Äußerungen. Danke, die Redaktion/fk.
Man muss mir erst einmal schlüssig nachweisen, dass es in den 70er- und 80er-Jahren im Fußball mehr Dumpfheit und Illiberalität gab als heute. Und vor allem muss man mir erklären, wie diese Begriffe definiert werden. Auch das ist ja bereits eine ideologische Frage: Wie definiere ich Dumpfheit?
Das schweift zwar jetzt ein wenig ab, aber: Ich werde auch immer misstrauisch, wenn ich den Gemeinplatz von den "muffigen Adenauerjahren" lesen muss. Ich war nicht dabei. Aber ich kenne genug Zeitzeugen, die mit diesem Begriff nichts anfangen können, schon gar nicht als Kontrast zu unserer vermeintlich liberalen, offenen Gegenwart.
Also: Was ist besser an der Fankultur heute, abgesehen davon, dass sie erheblich mehr Umsatz generiert?
Denn dann muss man feststellen, dass die Gewalt, von der manche behaupten, sie sei ein Abbild der gesellschaftlichen Wirklichkeit (nur, dass diese gesellschaftliche Wirklichkeit weder beim Tischtennis, noch beim Rudern abgebildet wird), aus den Stadien leider nie verschwunden war. Aber gewalttätige Stadionbesucher, von denen manche auch Fans sein mögen, sind ein eigenes und sehr differenziert zu betrachtendes Thema (Motivationslagen), das dieses nur am Rande streift. ;)
Im Großen und Ganzen denke ich: Jeder hat selbstverständlich das Recht, Fußball zu gucken, im Stadion genauso wie in der Kneipe. Und jedem muss das ohne Gefahr für Leib und Leben möglich sein. Egal, ob er/sie Kutte oder Hippster-Bart trägt. Egal, ob jemand zum ersten mal oder seit Jahrzehnten, einmalig oder mit DK hingeht. Nur müssen Leute eben gucken, wie die Gepflogenheiten im Stadion sind: Wer sich inmitten von Montserrat Caballés „O mio babbino caro“ schwerlich lautes Rülpsen nach dem Zischen eines frischen Dosenbiers vorstellen kann, sollte sich klar machen, dass es auch im Stadion ein paar Gepflogenheiten gibt, auf die Vereine und langjährige Fans Wert legen. Und ein Bruch von Konventionen ruft eben immer auch Widerspruch hervor.
Denn dann muss man feststellen, dass die Gewalt, von der manche behaupten, sie sei ein Abbild der gesellschaftlichen Wirklichkeit (nur, dass diese gesellschaftliche Wirklichkeit weder beim Tischtennis, noch beim Rudern abgebildet wird), aus den Stadien leider nie verschwunden war. Aber gewalttätige Stadionbesucher, von denen manche auch Fans sein mögen, sind ein eigenes und sehr differenziert zu betrachtendes Thema (Motivationslagen), das dieses nur am Rande streift. ;)
Im Großen und Ganzen denke ich: Jeder hat selbstverständlich das Recht, Fußball zu gucken, im Stadion genauso wie in der Kneipe. Und jedem muss das ohne Gefahr für Leib und Leben möglich sein. Egal, ob er/sie Kutte oder Hippster-Bart trägt. Egal, ob jemand zum ersten mal oder seit Jahrzehnten, einmalig oder mit DK hingeht. Nur müssen Leute eben gucken, wie die Gepflogenheiten im Stadion sind: Wer sich inmitten von Montserrat Caballés „O mio babbino caro“ schwerlich lautes Rülpsen nach dem Zischen eines frischen Dosenbiers vorstellen kann, sollte sich klar machen, dass es auch im Stadion ein paar Gepflogenheiten gibt, auf die Vereine und langjährige Fans Wert legen. Und ein Bruch von Konventionen ruft eben immer auch Widerspruch hervor.
"Und genau da sehe ich den Widerspruch - entweder, der Hippster akzeptiert den Fußballproleten in jeglicher Umgebung, also auch in seinem Lieblingscafé im In-Viertel, oder er fällt nicht in dessen Bastion Fußball ein und tut so, als gehöre er dazu. Aber das eine ohne das andere ist verlogen."
Was ist daran verwerflich? Sind das nicht einfach verschiedene Rollen die jeder tagtäglich spielt? Wenn ich einen Arbeitskollegen in einer Bar treffe setze ich mich auch nicht zu ihm, obwohl ich das noch in der Mittagspause in der Firma tat.
Aus meiner Sicht ist das schon etwas anderes als das angeführte Beispiel mit dem Arbeitskollegen - der Hippster fällt nämlich in die Bastion der von ihm im tiefsten Herzen verachteten einfachen Menschen ein (ja, das sind die Leute, deren Kinder Kevin und Jaqueline heißen und die ihr Auto am Wochenende polieren!), macht sie sich zu eigen und verändert diese, ohne vorher gefragt zu haben. Und das aus einer ironischen Distanz heraus, die es ihm möglich macht, von heute auf morgen die Rolle des Fußballfans abzulegen und sich eines neuen Spaßes anzunehmen.
mit den verschiedenen rollen, die die jeder "spielt", sagen sie schon, worauf es ankommt.
der eine spielt, der andere ist.
für den einen ist's lebensinhalt, der andere ist zaungast.
mal beim fussball, mal beim yoga, mal beim bier, mal beim prosecco..
Aus meiner Sicht ist das schon etwas anderes als das angeführte Beispiel mit dem Arbeitskollegen - der Hippster fällt nämlich in die Bastion der von ihm im tiefsten Herzen verachteten einfachen Menschen ein (ja, das sind die Leute, deren Kinder Kevin und Jaqueline heißen und die ihr Auto am Wochenende polieren!), macht sie sich zu eigen und verändert diese, ohne vorher gefragt zu haben. Und das aus einer ironischen Distanz heraus, die es ihm möglich macht, von heute auf morgen die Rolle des Fußballfans abzulegen und sich eines neuen Spaßes anzunehmen.
mit den verschiedenen rollen, die die jeder "spielt", sagen sie schon, worauf es ankommt.
der eine spielt, der andere ist.
für den einen ist's lebensinhalt, der andere ist zaungast.
mal beim fussball, mal beim yoga, mal beim bier, mal beim prosecco..
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