Der Wolfsburger Diego verdient angeblich über acht Millionen Euro im Jahr. © Jörn Pollex/Bongarts/Getty Images

Über Geld spricht man im Fußball nicht. Als der Spiegel erfuhr, dass der brasilianische Mittelfeldspieler Diego beim Volkswagen-Konzernklub VfL Wolfsburg ein jährliches Grundgehalt von 8,2 Millionen Euro bekommt, zeigte sich Javier Garcia Sanz wenig begeistert. Obwohl sein eigenes Gehalt von 7,7 Millionen Euro in der Konzernbilanz veröffentlicht wird, wollte das VW-Vorstandsmitglied die Bezüge der Profikicker lieber weiter hüten wie ein Staatsgeheimnis. Solche Indiskretionen würden dem gesamten Profifußball schaden, erklärte er erzürnt. Dabei ist es genau umgekehrt: Geheimniskrämerei und Schattenwirtschaft schaden dem Profifußball. Es wird Zeit, endlich über Geld zu reden.

Mehr als 20 Milliarden Euro Schulden haben Europas Fußballklubs angehäuft, Tendenz steigend. Die Ausgaben für die Spieler sind mit 9 Milliarden pro Jahr der größte Kostentreiber. Deswegen will Uefa-Präsident Michel Platini mit "Financial Fairplay" gegensteuern. Das Programm soll die Klubs dazu bringen, künftig nicht mehr Geld auszugeben, als sie einnehmen. Ein überfälliger Schritt in Richtung Konsolidierung, wenn es auch der zweite vor dem ersten ist. Fairplay lässt sich nur durchsetzen, wenn Transparenz herrscht. Angefangen bei der Veröffentlichung der Spielergehälter.

Europas Spitzenfußball hängt am Tropf des Staats

In der kleinen tschechischen Liga brach man in dieser Woche dieses Tabu. Der FK Teplice veröffentlichte zwar nicht die exakten Gehälter, aber immerhin die Tarifgruppen seines Kaders. So konnte jeder sehen, dass Nachwuchsspieler etwa 400 Euro Grundgehalt pro Monat verdienen, Spitzenspieler etwa 3500 Euro brutto. "Wir wollen ein maximal transparenter Verein sein und möchten keine Spekulationen", erklärte Vereinschef Pavel Sedlbauer.

Dem Beispiel Teplice werden ohne Zwang wohl wenige folgen. Der Blick zurück nach Wolfsburg fördert die bizarre Realität zutage: Längst verdienen Fußballer genauso viel wie Wirtschaftsbosse, manchmal sogar mehr. Seit dem Bosman-Urteil und der Liberalisierung des Transfermarkts in Europa sind die Klubs zu Geiseln der Spieler und ihrer Berater geworden, die die Preise in immer neue Höhen treiben. Doch während die Konzernmanager wegen ihrer Boni immer mehr unter Rechtfertigungsdruck geraten, dürfen die Spitzenverdiener in kurzen Hosen ungeniert kassieren, ohne dass man weiß, wie viel genau sie einstecken. Das passt nicht mehr in unsere Zeit.

Die Vereinigung der Vertragsfußballer (VdV) verwies nach dem Fall Teplice nicht ohne Eigennutz darauf, dass die Offenlegung von Gehältern nicht mit dem deutschen Arbeitsrecht vereinbar sei. Das stimmt zwar, in Gehaltsfragen gilt sogar EU-weiter Datenschutz. In Deutschland liegt für die Publikmachung der Gehälter, zumindest deren Strukturen, aber ein auch begründetes allgemeines Interesse vor. Mag die Bundesliga im Vergleich zu anderen Ländern schon sehr solide wirtschaften, werden die Konten der Kicker trotzdem zu mehr als einem Drittel mit öffentlichen Mitteln gefüllt.

Etwa 400 Millionen Euro jährlich werden hierzulande aus öffentlichen Kassen in den Profifußball gepumpt. Im Namen des deutschen Volkes zahlen ARD und ZDF fast 300 Millionen für Übertragungsrechte (Bundesliga, Champions League, DFB-Pokal, Nationalelf, EM, WM) hinzu kommen öffentliche Leistungen wie Polizeieinsätze bei Spielen. Der Bundestagspräsident Norbert Lammert sagte in der Welt: "Der Gebührenzahler trägt zur Finanzierung von Traumgehältern bei. Das muss sich dringend ändern."

In anderen europäischen Ländern wird der Profifußball ähnlich alimentiert, etwa in Spanien, wo den Klubs ihre fast 800 Millionen Euro Steuerschulden erlassen werden sollen. In Italien dürfen die Klubs Transferverluste von der Steuer absetzen. In Holland wird der PSV Eindhoven offenbar mit öffentlichem Geld unterstützt. Wer weiter sucht, wird kaum ein Land in Europa finden, in dem der Spitzenfußball nicht am Tropf des Staates hängt.