Thomas Hitzlsperger : "Nicht alle Exfußballer kommen mit dem Bedeutungsverlust zurecht"

Fußballer-Gehälter offen legen? Wozu, es weiß doch eh schon fast jeder Fan, wie viel wir verdienen, sagt Thomas Hitzlsperger im Alles-außer-Fußball-Interview.
Thomas Hitzlsperger im Trikot von West Ham United im Mai 2011 © Glyn Kirk/AFP/Getty Images

ZEIT ONLINE: Herr Hitzlsperger, wäre es eine gute Idee, wenn Fußballer nicht mehr als das 50-fache des Platzwarts bekommen?

Thomas Hitzlsperger: Das wäre eine Möglichkeit, aber es ist kein sonderlich guter Vergleich.

ZEIT ONLINE: Und wenn man Ihr Gehalt an das des E-Jugend-Trainers im Verein koppelte?

Hitzlsperger: Da liegt der Fall schon anders. Mir ist bekannt, etwa aus meinem Heimatverein, dass an der Basis wenig Geld vorhanden ist und ich würde es begrüßen, wenn man den Trainern mehr Geld zur Verfügung stellen würde. Die Ausbildung der Kinder ist wichtig, dafür benötigt man gute Leute, die kosten Geld.

ZEIT ONLINE: Unbestreitbar bringen Fußballer große Leistungen. Aber sie profitieren von Vorleistungen der Gesellschaft.

Hitzlsperger: Ich weiß. Ich bin einigen Wegbegleitern daher auch sehr dankbar. Ohne den Einsatz meiner Eltern, Geschwister und Jugendtrainer, die ihre Freizeit geopfert haben, wäre ich wohl kein Fußballprofi geworden.

ZEIT ONLINE: Braucht der Profifußball eine Umverteilungsdebatte? Zum Beispiel: Zehn Prozent der Gehälter gehen an die Basis, Amateure oder Jugendtrainer.

Hitzlsperger: Das ist ein guter Vorschlag. Vorausgesetzt, es wird sichergestellt, dass es bei den Trainern und Ausbildern ankommt, die die Arbeit leisten. Wenn am Ende aber die A-Mannschaft des Kreisligisten aus den Mehreinnahmen noch ein paar Spieler verpflichtet, um die Saisonziele zu erreichen, dann hilft es den Jugendlichen nicht. Eine Art, etwas zurückzugeben, ist soziales Engagement. Mein Verein ...

ZEIT ONLINE: … der FC Everton ...

Hitzlsperger: … hat ein Projekt ins Leben gerufen, Everton in the Community, in das auch die Spieler eingebunden sind. Wir besuchen zumeist Kranke aus der Umgebung und tauschen uns aus. Da können wir etwas zurückgeben. Ich war erst vorige Woche dafür im Einsatz und war wirklich angetan vom Engagement des Klubs.

ZEIT ONLINE: Spüren Sie, dass der Abstand zum Rest der Gesellschaft wächst und wächst?

Hitzlsperger: Das kann man fast überall nachlesen. Es gibt aber auch viele positive Beispiele von Vereinen und Verbänden, die sich ihrer sozialen Verantwortung bewusst sind und dementsprechend handeln. Auch einzelne Spieler gründen Stiftungen und helfen an der ein oder anderen Stelle. Ich bekomme aber auch die Kommentare im Internet oder die Sprüche im Stadion mit: "Der rennt gar nicht" oder "der kriegt keinen Pass hin". Schließlich: "Wofür bekommen die ihre Millionen?" Timo Hildebrand wurde auf Facebook gerade zum Selbstmord aufgefordert. Die hohen Gehälter im Fußball sind für viele Menschen einfach nicht verständlich und werden als ungerecht empfunden. Viele Leute wenden sich ab.

ZEIT ONLINE: Jüngst hat ein Autor gefordert, die Spielergehälter offenzulegen. Die Begründung: darin steckt öffentliches Geld.

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Kommentare

28 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Das sehe ich anders

Dieses riesige zahlende Publikum gibt es wohl, aber die bringen nicht so viel Geld um diese Gehälter zu zahlen.

Dieses Geld wird vor allem mit Werbung erzeugt und dabei ist es egal ob man diese Sportart mag oder nicht. Jeder zahlt seinen Anteil ohne das er großartig etwas dagegen unternehmen könnte.

Nur so kommt das Geld zustande und gäbe es das nicht, dann gäbe es diese Diskussion auch nicht, denn wie schon oft geschrieben begründen die Manager ja auch ihr Gehalt mit den hohen Sportgehältern, die sie über ihren Werbeetat auch noch selbst finanzieren,

Leistung der Fußballer

[Der nützliche Beitrag für die Menschheit und den Planeten im Globalen und die jeweilige Gesellschaft im Lokalen hält sich m.M. nach doch sehr in Grenzen.]

Hunderttausende in den Stadien und Millionen an den Fernsehern fühlen sich von den Fußballern offensichtlich unterhalten. Und Menschen zu unterhalten, Emotionen zu wecken, Momente zu kreieren und Identität zu stiften, würde ich durchaus als Leistung bezeichnen. Ich möchte mein Jugendidol nicht missen und fiebere heute noch gern beim Fußball mit. Und weil Millionen das genauso sehen und dafür viel Geld ausgeben, kommt am Ende viel Geld bei den Protagonisten an.

Fußballer Nutzen

Der gesellschaftliche Nutzen von Fußballern liegt darin, dass sie für Unterhaltung sorgen und für viele Menschen eine Vorbildfunktion haben. Für manche Menschen ist Fußball sogar etwas wie eine Religion. Nicht zu unterschätzen sind auch die sozialen Gemeinschaften die sich durch Fußballvereine etc. bilden. So ähnlich sehe ich die Nutzenfrage auch im Hinblick auf Künstler oder andere Sportler.

Was immer Sie damit meinen,

das "Begriffsinstrumentarium" zu "schärfen". Begrifflichkeiten sind den meisten Menschen außerhalb von geschützten Redaktionsräumen herzlich wurscht. Es läuft am Ende nur auf das eine Gefühl hinaus, das sich im Land breitmacht: Monströse Gehälter sind nicht gerecht, ja sie sind vielleicht sogar obszön, wenn man sich manches menschliche, von Armut verursachte Elend anschaut.