Der Druck nahm stetig zu, es gab in der Welt des Fußballs kaum noch einen Prominenten, der sich nicht für eine Verlegung der Weltmeisterschaft 2022 in Katar in den Winter ausgesprochen hatte. Jetzt hat das Organisationskomitee in Doha dem Druck nachgegeben. "Wir sind bereit, die WM sowohl im Sommer als auch im Winter auszurichten. Unsere Planungen werden davon in keiner Weise berührt", teilte es einer Erklärung mit.

Diese Entwicklung war abzusehen, nachdem sich zuletzt auch Joseph Blatter, Präsident des Weltverbandes Fifa, verhandlungsbereit gezeigt hatte. Vor einer Woche sagte der Schweizer dem "Kicker": "Die Entscheidung der Fifa-Exekutive steht. Die Weltmeisterschaft wird alle vier Jahre im Juni und Juli ausgetragen. Wenn Katar etwas anderes wünschen sollte, müssen sich die Katari an die Fifa wenden."

Ob Katar wirklich etwas anderes gewünscht hat oder sich das Land zu dem jetzt gemachten Angebot gedrängt sah – wer weiß das schon? In seiner Erklärung machte der WM-Ausrichter erneut deutlich, dass er seine Bewerbung für ein Turnier im Sommer abgegeben habe.

Neben der grundsätzlichen Kritik, die Weltmeisterschaft in den kleinen Golfstaat mit gerade 1,6 Millionen Einwohnern und der Fläche des Bundeslandes Hessen zu vergeben, hatte vor allem die Terminierung Verwunderung ausgelöst. In Katar steigen die Temperaturen im Sommer bis zu 50 Grad Celsius. Unter solchen Bedingungen könne man unmöglich Fußball spielen, hatte zuletzt auch Michel Platini, der Chef des europäischen Verbandes Uefa, kritisiert. Trotzdem hatte er im Dezember 2010 für das Emirat gestimmt. Selbst die Idee, die Stadien und die Trainingsanlagen herunterzukühlen, konnte die Kritiker nicht überzeugen.

Nicht nur Platini hat sich für eine Verlegung ausgesprochen. Die Liste der Befürworter ist im Laufe der vergangenen zweieinhalb Jahre immer länger geworden: Die Nationalspieler Thomas Müller, Philipp Lahm und Mario Gomez haben sich ähnlich geäußert, ebenso Rudi Völler, DFL-Chef Reinhard Rauball und Karl-Heinz Rummenigge. Die Idee, das Turnier im Winter auszutragen, ist fast so alt wie die Entscheidung für Katar. Zwei Tage nach der WM-Vergabe war sie von Franz Beckenbauer ins Spiel gebracht worden. "Man sollte mal über eine andere Lösung nachdenken. Im Januar und Februar herrschen dort angenehme 25 Grad", hatte er damals gesagt.

Eine Reaktion der Fifa auf den Vorschlag aus Katar gibt es noch nicht. Es ist aber unwahrscheinlich, dass der Weltverband das Angebot ablehnen wird. Welche Auswirkungen eine Verlegung etwa auf die nationalen Ligen haben wird, lässt sich erst sagen, wenn ein konkreter Termin für die WM feststeht. Platini hatte zuletzt für den November/Dezember plädiert. Der internationale Rahmenterminkalender für 2022 wird 2016 beschlossen.

Erschienen im Tagesspiegel