Globale SportereignisseOlympische Spiele, bloß nicht!

Gigantismus, Intransparenz, hohe Kosten – Olympia scheint in Demokratien nicht mehr mehrheitsfähig. Finden globale Sport-Events künftig nur in autoritären Staaten statt? von 

Stellen Sie sich vor, Sie geben eine Party. Eine richtig teure. Eine, die sie sich verdient haben. Doch es gibt ein Problem: Die Party steht und fällt mit diesem einen Gast, seinetwegen kommen alle. Er verlangt nur das Beste, ein großes Festzelt etwa, das sie danach nie wieder brauchen werden, und für das Sie sogar ein paar Ihrer Gartenbäumchen fällen müssen. Die Party wird teuer, wie teuer, das werden Sie erst am Ende wissen. Und ihr Gast feierte schon anderswo, mit Leuten, mit denen Sie sich nie blicken lassen würden. Würden Sie sich darauf einlassen?

Die Bürger Wiens und die des Schweizer Kantons Graubünden haben diese Frage mit Nein beantwortet. Sie haben keine Lust auf das große Fest namens Olympische Spiele. Am Dienstag veröffentlichte die Stadt Wien das Ergebnis einer Volksbefragung: Fast 72 Prozent wollen nicht, dass sich die Stadt um die Olympischen Sommerspiele 2028 bewirbt. In einer Abstimmung ein paar Tage zuvor hatten bereits die Bündner die Bewerbung von St. Moritz und Davos um die Winterspiele 2022 abgelehnt. Obwohl die Schweiz ein klassisches Wintersportland ist, obwohl im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) fünf Schweizer sitzen, obwohl das IOC in Lausanne residiert. Und obwohl Graubünden Favorit gewesen wäre.

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Es geht vor allem ums Geld, ums Steuergeld. Vielen Regierungen und Bürgern sind die Kosten und Folgekosten zu hoch. Olympia ist ein Business geworden – ein sehr einseitiges. Das IOC nimmt über sein Franchise-System Milliarden ein, trägt aber selbst kaum Risiko. Die Rechnung zahlen am Ende die Steuerzahler.

IOC und Fifa sind Besatzungsmächte

Insbesondere die Entscheidung der Schweizer war ein schwerer Schlag für die Olympia-Granden. Sie sind zwar Herr über eine der wertvollsten Marken der Welt, die Spiele generieren Bilder von globaler Bedeutung. Doch offenbar verlieren immer mehr Leute die Freude an dem Spektakel. Für die Winterspiele 2002 bewarben sich neun Städte, für die beiden folgenden je sieben, für 2018 nur noch drei. Für die Spiele 2022, über die das IOC im November entscheiden wird, gibt es nach dem Schweizer Rückzug gar keinen offiziellen Bewerber. Im Vorjahr zog Rom seine Bewerbung für die Sommerspiele 2020 zurück, der damaligen Regierung Monti war der Spaß in Zeiten der Krise zu teuer.

Vor allem die demokratischen Länder des Westens geben den Spielverderber. Laut einer Analyse des Dänischen Instituts für Sportstudien aus dem Jahr 2011 gibt es eine Migration der Sport-Events: weg aus Europa und Nordamerika, hin in autoritäre Staaten. Noch vor gut zehn Jahren fanden die meisten Olympische Spiele und Weltmeisterschaften in Demokratien statt. Heute sind London und Rio die Ausnahme. Die Partys finden nun in China, Russland und Katar statt, deren Regierungen eher geneigt sind, sich über den Bürgerwillen hinwegzusetzen und den Prestigegedanken zu pflegen. Der Fußballweltverband (Fifa) steht dem IOC hinsichtlich des Umgangs mit Steuergeld in nichts nach.

Zudem kommen IOC und Fifa mit einem dicken Anforderungskatalog daher: Sie lassen sich Steuererleichterungen zusichern, verlangen Markenschutz für ihre Sponsoren und den Bau von Sportstätten, Straßen, Hotels oder Flughäfen. In Rio werden für die Spiele 2016 Favelas umgesiedelt. Und für die Monarchen des Weltsports werden ganze Straßen gesperrt. IOC und Fifa werden als Besatzungsmächte wahrgenommen.

Leserkommentare
  1. Auch diese Staaten werden irgendwann merken, dass sie sich übernehmen. Es ist ja nicht so, dass autoritäre Staaten einen Ewigkeitsstatus haben. So mancher autoritäre Staat ist auch schon in die Knie gegangen. Man stelle sich vor, man hätte die Olympischen Spiele 2012 an Ägypten gegeben. Das geht solange gut, bis die Bevölkerung auf die Straßen geht.

    Sicher wird das IOC keine Skrupel haben, weiterhin Olympische Spiele an autoritäre Staaten zu vergeben. Aber erstens ist die Liste dieser Staaten auch beschränkt, zweitens gibt es keine Garantie, dass das jeweilige System ewig hält. Es kommt der Tag, da hat das IOC Spiele an so einen Staat vergeben und dieser kippt. Was dann? Wahrscheinlich braucht es so einen Fall, damit das IOC zur Besinnung kommt.

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  2. Ich frage mich schon seit Jahren was die Hinterhofpolitiker immer wieder dazu antriebt sich für WM/EM/OSS/OWS zu bewerben ?! WEiß doch jeder das am Ende nur Schulden und ungenutzte Immobilien auf einen warten. Natürlich nicht für den Politclown, nur für den Steuerzahler, der immer wieder so blöd ist und auf die Chose reinfällt, unterm Strich würden doch alle gewinnen durch den Tourismus und so. Pustekuchen. Blattner, Rogge und wie sie alle heissen fühlen und führen sich auf wie der Sonnenkönig anno knips. Dem gehört ein Riegel vorgeschoben. Wenn die sich doch so sehr um Jugend, Sport und Frieden kümmen wollen (hahahaha) dann sollen auch ihre eigene Milliarden dazu verbuddeln.
    Will sich nicht München aktuell für irgendwas bewerben ? Naja, die Bayern nehmens ja sportlich und lassen sich das bestimmt gefallen.

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    Ja, wenns nach Seehofer geht sollen wir die Deppen sein, die 2022 die Winterspiele ausrichten.

    Eine Bürgerbefragung vorher will man natürlich nicht.

  3. Völlig richtige Entscheidung der Bürger von Wien und Graubünden.
    Ich schaue mir die Olympische Spiele kaum mehr an, obwohl ich früher selbst begeisterter Sportler und aktiver Leichtathlet war.

    Bei Olympia rennen, fahren und gewinnen doch fast nur noch Gedopte oder Millionäre (Tennis). Olympia hat sich absolut dem Geld, Business, Sponsoren und v.a. den Medien untergeordnet, und alles ist nur noch ein großes künstliches Eventspektakel - Der Sport geht unter und wird zur Nebenrolle, deutlicht wird dies am Beispiel der Traditionssportart Ringen, die verbannt werden soll, weil sie nicht so populär ist und weniger Zuschauer äh Kohle bringt.

    Angefangen hat diese Entwicklung schon schon früh, deutlich erkennbar wurde es z.B. als die Olympischen Spiele zum hundertjährigen Jubiläum an die Coca-Cola Stadt Atlanta statt nach Athen vergeben wurden.
    Es wird Zeit für Alterntivspiele, die wieder mehr den Sport und den Amateurcharakter beinhalten. Träumen wird man ja noch dürfen

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    Situation zur Zeit, sehr treffend. Wenn man sich nur vor Augen führt, wie die letzten 3 Sommer, wie Winterspiele veranstaltet wurden, fragt man sich wie die noch getopt werden sollen??? Irgendwann ist auch da das Mass voll. Der eigendliche Gedanke der Spiele, wird völlig dem Kommerz geopfert und warum? Weil einige Wenige davon dermassen profitieren, daß es schon unverschämt ist!!! Wohin man sieht, nur Gigantissmus, Profilierungssucht und "natürlich" Profitmaximierung!!! Ist das unser Weltbild mittlerweile???

    • hairy
    • 13. März 2013 11:23 Uhr

    sollte sowas nicht mehr gezeigt werden. Was hat das mit dem Bildungsauftrag zu tun, wenn sich autoritaere Herrscher und dieser IOC/FIFA/Grosssponsoren-Verein da feiern und verdienen?

  4. ...und ich rechne es den Europäern hoch an das sie da nicht mehr mitmachen wollen. Die Idee ist pervertiert und was IOC und FIFA fordern(!) ist einfach nur lächerlich.
    Ich finds Schade, weil der Geist der Olympischen Spiele es verdient geachtet und erhalten zu bleiben.

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    Genau.
    Wie wäre es eigentlich wenn die IOC sich mal bei einem Land bewirbt (!) die Olympiade auszutragen. Das wäre doch mal eine Idee

  5. http://www.wiwo.de/politik/deutschland/bettina-roehl-direkt-die-gruene-k...

    Röhl konstatiert, dass sich die Demokratie etatistisch-autoritär durch eine Partei verändert sieht.

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    <<< Röhl konstatiert, dass sich die Demokratie etatistisch-autoritär durch eine Partei verändert sieht. <<<

    [...]
    Im übrigen, ja, die Grünen sind etatistisch-autoritär, aber nicht weil sie linke Ansichten vertreten, sondern weil sie mittlerweile konservativ geworden sind Was natürlich weder Grüne noch Konservative hören wollen, will der eine doch anti-reaktionär und der andere anti-fortschrittlich sein.

    Gekürzt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

  6. Da zeigt sich doch die Stärke der Demokratie. Eine richtige Entscheidung, denn aus Olympia ist ein korruptes System von Autokraten geworden.

    Daher können diese korrupten Autokraten auch nur noch mit ihresgleichen agieren.

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  7. 7. Bayern

    Ja, wenns nach Seehofer geht sollen wir die Deppen sein, die 2022 die Winterspiele ausrichten.

    Eine Bürgerbefragung vorher will man natürlich nicht.

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    Antwort auf "Schöne Entwicklung"
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    Dann muesst ihr Bayern endlich mal Rueckgrat beweisen und sagen: "Halt wir sind nicht immer die Deppen und lassen nicht immer alles mit uns machen. Weil wir hamm auch ein Hirn."

    Zitat: "Ja, wenns nach Seehofer geht sollen wir die Deppen sein, die 2022 die Winterspiele ausrichten. Eine Bürgerbefragung vorher will man natürlich nicht."

    Was wiedermal schön den Unterschied unserer "Demokratie" zu anderen Demokratien zeigt...

    • zappp
    • 13. März 2013 8:16 Uhr

    Sind IOC, FiFA, Formel-Eins-Zirkus oder selbst ein deutscher Grossponsor mit seiner XYZ-Arena im Angebot nicht gleichermassen korrupt und autoritär?

    Es geht immer darum, gastgebende Stadt oder das Land über die bereitzustellende Infrastruktur zum eigenen Vorteil auszuplündern, langjährige lokale Kleinsponsoren aus dem Geschäft zu drängen.

    Da sind Autokraten mit ihrem Bedürfnis, sich selbst zu feiern, dafür die eigene Bevölkerung auszuplünderen um sie dann mit Brot und Spielen zu betäuben, doch die naheliegenden Geschäftspartner.

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    <em>Es geht immer darum, gastgebende Stadt oder das Land über die bereitzustellende Infrastruktur zum eigenen Vorteil auszuplündern, langjährige lokale Kleinsponsoren aus dem Geschäft zu drängen.</em>

    Sie haben völlig Recht. Solche Großereignisse sind dank mafiöser Strukturen von IOC, FIFA & Co. eine reine Ausbeutungsstrategie. Eine handvoll Baumagnaten, eine Handvoll Investoren und die Betreiber im IOC udn FIFA sahnen alles ab. Zahlen muss der Steuerzahler. Übrig bleibt unterm Strich ein dickes Minus. Immer.

    Eigentlich sollte man dem Bürger einfach mal vorrechnen, was ihn persönlich eine Minute Olympia im Fernsehen kostet.

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