Fußball-BundesligaSchalke feiert den Anti-Großkreutz

Schalke holt das Derby-Double gegen Dortmund und klettert in der Tabelle weiter nach oben. Auch dank eines überragenden Julian Draxler. von 

Julian Draxler

Julian Draxler  |  © Lars Baron/Getty Images

Julian Draxler zupft sich noch schnell die neue Frisur zurecht, zieht das T-Shirt straff und erzählt grinsend drauf los. Ein toller Sieg sei das gewesen, das 2:1 im Derby gegen den Rivalen aus Dortmund. Dieses Duell sei schließlich immer etwas Besonderes, "Adrenalin pur", na klar. Und dass der 19-jährige mit seinem Führungstreffer maßgeblich an dem zweiten Derbysieg der Saison beteiligt war? Auch schön. "Die Geschichte passt momentan ganz gut zu meiner Karriere", sagt Draxler, "wenn, dann richtig."

Zwei Stunden zuvor auf der Schalker Meile, einem knapp 800 Meter langen Straßenabschnitt im gleichnamigen Gelsenkirchener Stadtteil: Hinter den kohle- und abgasgeschwärzten Fassaden liegt die Glückauf Kampfbahn, das Stadion, in dem Schalke zwischen 1933 und 1958 sieben Deutsche Meisterschaften feierte. Die Straße runter betrieben die damaligen Stars Fritz Szepan und Ernst Kuzorra am Ende ihrer Laufbahn einen Tabakladen, wie jeder Schalke-Reiseführer weiß. Heute treffen sich die Fans im offiziellen S04-Treff, wo ein heiserer Mensch mit zu lautem Mikrofon die Fans in Derbylaune brüllt. Auffallend viele von ihnen tragen dieser Tage ein Trikot von Julian Draxler. Und wer gefragt wird, wer es denn heute richten soll gegen den BVB, antwortet nicht selten mit "der Julian".

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Der Julian ist vielleicht der Spieler der Stunde. Nicht nur auf Schalke, sondern auch in der Bundesliga. Vergangene Woche traf Draxler zweimal gegen Wolfsburg und legte ein Tor vor, schon die Wochen zuvor spielte er immer stärker. Das Spiel gegen Dortmund war gleichzeitig sein 100. Pflichtspiel. Mit 19 Jahren und 170 Tagen ist er damit der jüngste Bundesligaspieler, der diese Marke knackt.

Der Jungspund als Identifikationsfigur

In der Woche vor dem 142. Revierderby versuchte ein großes Boulevardblatt, den Jungnationalspieler aus der Reserve zu locken. "Außer zum Fußball war ich noch nie in Dortmund", sagte Draxler im Interview. Das erinnert natürlich an die Aussagen des Dortmunders Kevin Großkreutz, der mal in den Mund gelegt bekam, er würde seine Kinder ins Heim schicken, sollten sie jemals Schalke-Fan werden. Aber eigentlich nimmt man Draxler die Rolle des launigen Großmauls gar nicht ab. Und spätestens als er zugab, er trage gelbe Klamotten, wenn sie ihm denn gefallen, war klar: Im Gegensatz zu seinem Dortmunder Gegenüber ist Draxler kein geborener Provokateur.

Was beide jedoch vereint und auszeichnet, ist ihre Rolle als uneingeschränkte Identifikationsfigur für ihren Verein. In Gladbeck geboren und aufgewachsen, hat es Draxler bereits im Alter von acht Jahren in die Jugend von Schalke verschlagen. Mit 17 Jahren und 117 Tagen gab er als viertjüngster Spieler sein Bundesligadebüt, brach auf Wunsch seines damaligen Trainers Felix Magath sogar zwischenzeitig die Schule ab. Draxler wohnt weiterhin in Gelsenkirchen, während viele seiner Mitspieler längst in schickeren Gegenden hausen.

Die Fans auf der Schalker Meile wissen diese Kleinigkeiten zu schätzen. In den verrauchten Stuben der Fankneipen wird immer noch regelmäßig der "Mythos vom Schalker Markt" angestimmt. Doch es ist klar, dass auch auf Fußball-Schalke längst ein Strukturwandel stattgefunden hat. Julian Draxler hat von den Zeiten der Malocher nicht mehr viel mitbekommen. Ein echter Schalker ist er aber dennoch – daran lässt keiner der Fans Zweifel aufkommen: "Der Jule ist einer von uns."

Was dem Julian allerdings bis zum Samstag noch fehlte, war ein Derbysieg. Den 2:1-Erfolg in der Hinrunde musste er aufgrund eines gebrochenen Arms von der Tribüne aus ansehen. Vor den heimischen Fans wollten er und seine Mannschaft den Erfolg wiederholen.

Leserkommentare
    • xl
    • 10. März 2013 11:50 Uhr

    ...daß in der Nationalmannschaft das offensive Mittelfeld momentan so überbesetzt mit jungen Talenten ist. Den Jungen würde ich gerne öfter spielen sehen (allerdings genau so wie Götze, Reus, Özil, Müller...). Zeit auf Aussenverteidiger umzuschulen?

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    wird durch Draxler für die Zukunft erweitert!
    Reuss, Götze, Müller und Kroos sind alle noch jung,
    Özil auch nicht wirklich alt .-)
    Fraglich ist eher, wer die soliden Arbeiter wie Kedhira, Lahm und Schweinsteiger einmal ersetzen wird?
    Vielleicht Gündogan, sicher bin ich mir da nicht?
    Die Benders sollten sich beide auf Aussen umschulen lassen!
    Beide hätten für mich die Beweglichkeit, offensiv wie defensiv Qualitäten und auch die Spielintelligenz für diese Position!

    ...das neue Brasilien! ;)

  1. wird durch Draxler für die Zukunft erweitert!
    Reuss, Götze, Müller und Kroos sind alle noch jung,
    Özil auch nicht wirklich alt .-)
    Fraglich ist eher, wer die soliden Arbeiter wie Kedhira, Lahm und Schweinsteiger einmal ersetzen wird?
    Vielleicht Gündogan, sicher bin ich mir da nicht?
    Die Benders sollten sich beide auf Aussen umschulen lassen!
    Beide hätten für mich die Beweglichkeit, offensiv wie defensiv Qualitäten und auch die Spielintelligenz für diese Position!

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "fast schon tragisch..."
  2. zweimal den Meister zu schlagen verdient Respekt und Anerkennung.
    Jedoch gibt es zwei drei Kleinigkeiten im Artikel die mich arg stören.
    Das beginnt mit der Schlagzeile. Ich finde es etwas unangebracht, denn es klingt so ein wenig wie "Der Schöne und das Biest". Klopp hatte die Geschichte mehr als einmal schon wiedergegeben, wie es zu dem Schalke-Heim Spruch von ihm kam. Es war ein Interview, es waren drei blöde Antworten vorgegeben. Fertig.
    Wir beschweren uns sehr oft, dass es in der Liga an "Typen" mangelt. An Spielern, die offen aussprechen, was ihnen durch den Kopf geht und bemängeln die "Nutellageneration" Kicker, die manchmal mehr Medien- als Fußballprofi sind.
    Auch finde ich, wird im Artikel verschleiert, wie gut Schalke unter Stevens in die Saison gestartet ist. Nach dem 9.Spieltag lag man auf Platz 2 mit 20 Punkten, man hatte immer den Möglichen Anschluss nach oben und das Team spielte doch nicht überheblich. Da waren bei einigen Spielern ein paar Barrieren im Kopf, wegen den Vertragssituationen, mehr nicht.

    Das ganze Potenzial von Schalke verkörpern für mich Jones und eben der junge Draxler. Eine Mischung aus Kampf und Leidenschaft, sowie Eleganz und Esprit und wenn im Sommer Büskens kommt, klappt es für Schalke vielleicht auch mal wieder mit einem Meisterschaft. Die Vize :D

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    Freier Autor

    Stimmt schon, ich habe es noch einmal in den Text geschrieben, dass Großkreutz die Wortze mehr oder weniger in den Mund gelegt bekam. Das sollte man nicht unterschlagen, Verzeihung. Dass er natürlich seitdem noch öfters in Richtung der Schalker provoziert hat, ist allerdings auch bekannt. Und wer die Pfiffe im Stadion gegen ihn und die Gesänge der Fans mitbekommt weiß auch, dass Großkreutz nicht nur ein Thema für die Journalisten ist.

    Zu Ihrem anderen Punkt: Sie sagen ja, dass Schalke gut gestartet ist, und dann plötzlich so rasant abfiel. Auch wenn zwei, drei unglückliche Spiele dabei waren bin ich schon der Meinung, dass zu diesem Zeitpunkt einige Spieler die Lage nicht erkannten und die Bundesliga ein wenig als Selbstläufer betrachteten. Dazu kam mit Stevens ein Trainer, der zum Schluss selbst für seine Verhältnisse in jedem Interview einen ziemlich herablassenden Grant an den Tag legte.

    wenn Schalke Vize wird und der BVB dadurch nur 3.!
    Respekt :-)

    Die Fußballfans hoffen immer auf sog. "echte Typen". Dafür sollte es jedoch gewissen Mindestanforderungen geben. Reicht es da wirklich "anders" zu sein und dümmliche Sprüche zur reißen wie der Herr Großkreutz? Nach dieser Definition wäre auch ein Mario Basler ein "Typ". Auf solche angeblichen "Typen" kann ich gerne verzichten. Offensichtlich sieht das Jogi Löw auch so.

  3. 2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Glückwunsch Schalke"
  4. Freier Autor

    Stimmt schon, ich habe es noch einmal in den Text geschrieben, dass Großkreutz die Wortze mehr oder weniger in den Mund gelegt bekam. Das sollte man nicht unterschlagen, Verzeihung. Dass er natürlich seitdem noch öfters in Richtung der Schalker provoziert hat, ist allerdings auch bekannt. Und wer die Pfiffe im Stadion gegen ihn und die Gesänge der Fans mitbekommt weiß auch, dass Großkreutz nicht nur ein Thema für die Journalisten ist.

    Zu Ihrem anderen Punkt: Sie sagen ja, dass Schalke gut gestartet ist, und dann plötzlich so rasant abfiel. Auch wenn zwei, drei unglückliche Spiele dabei waren bin ich schon der Meinung, dass zu diesem Zeitpunkt einige Spieler die Lage nicht erkannten und die Bundesliga ein wenig als Selbstläufer betrachteten. Dazu kam mit Stevens ein Trainer, der zum Schluss selbst für seine Verhältnisse in jedem Interview einen ziemlich herablassenden Grant an den Tag legte.

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    ich habe ja nicht bestritten, dass K.G. gern mal stichelt, aber die Stimmung wird eben auch gern medial angeheizt und ein Typ wie G. dann von den Medien auch verheizt.
    Zu Stevens. Ich habe eben nicht geschrieben, dass Schalke rasant abfiel. Man war in der CL gut positioniert, im DFB Pokal gut dabei und in der Bundesliga auf 7 und gerade mal 5 Punkte hinter dem direkten CL Platz. Misserfolg ist aus meiner Sicht etwas anderes. Was nicht gestimmt hat auf Schalke war doch vor allem das Verhältnis zwischen Heldt und Stevens. Ich hatte vor einigen Wochen bereits etwas zum Umgang mit Trainern auf Schalke geschrieben. Auf Schalke brennt immer irgendwie der Baum und merkwürdigerweise ist der einzige der immer zur Verantwortung gezogen wird, der Trainer, während Spieler wie Farfan gebauchpinselt werden.
    Ich möchte offen sein. Ich bin Dortmundfan und habe dennoch immer das große Potenzial von Schalke anerkannt, aber die sportliche Führung hat es am Ende immer wieder verrissen, weil sie anstatt dem Trainer den Rücken zu stärken, diesem immer in den Rücken gefallen sind. Das ist aber vielleicht auch eher eine grundsätzliche Position meinerseits zur Bundesliga, dass Trainer viel zu häufig entlassen werden.
    Warum ist wohl Bremen bei so vielen Fans unabhängig vom eigenen Verein so beliebt? Auf Grund des unaufgeregten Festhaltens am Trainer. Der trägt massgeblich zur Identität eines Vereins bei.
    Ich bin sehr gespannt auf den Sommer. Vielleicht kommt ja auch Daum nach Schalke. Wäre interessant

  5. ...aber ich mag Kevin Großkreutz , weil er sich noch ein bisschen von dem bewahrt hat, was ich in Ermangelung eines geeigneteren Begriffs mal als "Ursprünglichkeit" bezeichnen möchte.

    In der relativ glattgekämmten Fußballwelt von heute benimmt und äußert sich Großkreutz sehr direkt und unverblümt, so, als hätte er nicht nur nie eine Schulung in medialer Selbstdarstellung erfahren, sondern wüsste darüber hinaus auch ums Verrecken nicht, wofür so etwas gut sein sollte.

    Es gehört dazu, dass man den Gegner verbal (und nur so!) auch mal ein wenig anfeinden darf, zumal man Kevin Großkreutz aufgrund seiner Vita wirklich abnehmen darf, dass er die S04 nicht ausstehen kann.

  6. daß Julian sich von der Presse-Hype anstecken lässt und jetzt mehr darüber nachdenkt, wie er dem alle Gerecht werden kann! Er soll weiter so Fußballspielen, mit der Freude und Energie, wie er es zur Zeit macht, dann habe ich gar keine Bedenken, daß Herr Löw wieder auf ihn Aufmerksam wird und ihn für seine Leistungen belohnt. Er ist schon was besonderes auf Schalke, keine Frage, nur sollte er auf dem Boden bleiben und nicht abheben. Weil das noch niemandem gutgetan hat!!!

  7. ich habe ja nicht bestritten, dass K.G. gern mal stichelt, aber die Stimmung wird eben auch gern medial angeheizt und ein Typ wie G. dann von den Medien auch verheizt.
    Zu Stevens. Ich habe eben nicht geschrieben, dass Schalke rasant abfiel. Man war in der CL gut positioniert, im DFB Pokal gut dabei und in der Bundesliga auf 7 und gerade mal 5 Punkte hinter dem direkten CL Platz. Misserfolg ist aus meiner Sicht etwas anderes. Was nicht gestimmt hat auf Schalke war doch vor allem das Verhältnis zwischen Heldt und Stevens. Ich hatte vor einigen Wochen bereits etwas zum Umgang mit Trainern auf Schalke geschrieben. Auf Schalke brennt immer irgendwie der Baum und merkwürdigerweise ist der einzige der immer zur Verantwortung gezogen wird, der Trainer, während Spieler wie Farfan gebauchpinselt werden.
    Ich möchte offen sein. Ich bin Dortmundfan und habe dennoch immer das große Potenzial von Schalke anerkannt, aber die sportliche Führung hat es am Ende immer wieder verrissen, weil sie anstatt dem Trainer den Rücken zu stärken, diesem immer in den Rücken gefallen sind. Das ist aber vielleicht auch eher eine grundsätzliche Position meinerseits zur Bundesliga, dass Trainer viel zu häufig entlassen werden.
    Warum ist wohl Bremen bei so vielen Fans unabhängig vom eigenen Verein so beliebt? Auf Grund des unaufgeregten Festhaltens am Trainer. Der trägt massgeblich zur Identität eines Vereins bei.
    Ich bin sehr gespannt auf den Sommer. Vielleicht kommt ja auch Daum nach Schalke. Wäre interessant

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    Antwort auf "Großkreutz"
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    beim besten Willen nicht vorstellen. Horst Heldt mag manchmal komische Ansichten vertreten, nur soviel Feingefühl traue ich ihm zu, "nicht" Christoph Daum als Trainer für S04 zu verpflichten. Lassen wir uns da überraschen. Sollte es so weitergehen mit Jens Keller, ist es nicht mal abwegig, das er auf Schalke bleibt. Obwohl mir mein Bauch sagt, nein er ist es nicht. Warten wir's ab!!!

    Ich bitte Sie, ist doch wohl nicht Ihr Ernst??!!! Hohle Sprüche, hellblaue Anzüge und Pseudo-Motivationstheater à la Höller dürften doch mittlerweile vollkommen out sein. Kein Clubmanager, der sich nicht lächerlich machen möchte, wird Daum holen. Hoffentlich!

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