LänderspielBastian Schweinsteiger und die Kritiker

Vor ein paar Wochen stand Bastian Schweinsteiger in der Kritik. Mittlerweile hat er sich in Bestform zurückgemeldet. Gegen Kasachstan steht er vor seinem 98. Länderspiel. von Stefan Hermanns

Bastian Schweinsteiger vor dem Spiel gegen Kasachstan

Bastian Schweinsteiger vor dem Spiel gegen Kasachstan  |  © Alex Grimm/Bonagrts/Getty Images

Bastian Schweinsteiger trug sein Haupthaar streng zur Seite gescheitelt. Er richtete noch einmal den Kragen seiner Trainingsjacke und zog den Reißverschluss hoch bis unters Kinn. Das äußere Erscheinungsbild passte. Der Mittelfeldspieler des FC Bayern München und der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gibt sich in diesen Tagen und Wochen streng und verschlossen. Es ist seine Art, sein Missfallen kundzutun über die Diskussionen, in deren Mittelpunkt er geraten ist.

Im Grunde geht das schon seit dem Sommer so, seitdem sich Bastian Schweinsteiger, verwundet an Leib und Seele, durch die Europameisterschaft geschleppt hat. Seine Auftritte in Polen und der Ukraine haben viele Fragen provoziert: War das schon der Anfang vom Ende? Wird sich Schweinsteigers Psyche von dem verlorenen Champions-League- Finale mit den Bayern je wieder richtig erholen? Ist er nach fast zehn Jahren auf höchstem Niveau und fast hundert Länderspielen noch stark und gierig genug, um in der Nationalmannschaft seine Rolle als Leitwolf zu behaupten? Oder ist Ilkay Gündogan, der junge, dynamische Mann aus Dortmund, nicht längst der bessere Bastian Schweinsteiger?

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Man merkt, dass sich Schweinsteiger zu dieser Debatte am liebsten gar nicht mehr äußern möchte.

Er könne es nicht jedem recht machen, sagt er, aber das sei auch egal. Einmal hat er sich explizit und entschlossen zu Wort gemeldet, nach dem Spiel der Bayern in Wolfsburg war das: "Die Leute sind es nicht wert, über sie zu sprechen", hat er da gesagt. Die Leute – das waren unter anderem Günter Netzer und Olaf Thon, die schon das Ende von Schweinsteigers Länderspielkarriere heraufziehen sahen.

Schweinsteiger will bei solchen Sätzen wohl gleichgültig klingen – und kommt doch eher beleidigt rüber. Also ist es besser, gleich gar nichts zu sagen. Oder zumindest nichts von Belang. Auf konkrete Fragen zu seiner Person antwortet er allgemein und vage. "Wir können froh sein, dass wir mit der Nationalmannschaft auf so einem hohen Niveau spielen können", sagt er. Oder zu seinem Führungsanspruch: "Man will immer nach oben kommen, das will ich auch."

Dass die Diskussion sich zuletzt wieder etwas beruhigt hat, liegt an den jüngsten Auftritten Schweinsteigers bei den Bayern. Im Pokalspiel gegen Borussia Dortmund – und damit im direkten Duell mit Ilkay Gündogan – war er der überragende Mann auf dem Platz. "Bastian hat wieder seine Form gefunden", sagt Bundestrainer Joachim Löw. "Er ist wieder in der Verfassung, eine Mannschaft wie die Bayern anzutreiben, ihr Leader zu sein." Die Fitness ist bei Schweinsteiger der Schlüssel zu allem.

"Wenn ich körperlich völlig gesund bin, dann bin ich gut", hat er selbst einmal gesagt. Für ihn gilt das mehr als für viele andere – weil sein Spiel auf gewisse Weise sehr körperlich ist. Schweinsteiger läuft viel: weil er gerne läuft und weil er die stete Begewegung braucht, um präsent zu sein und das Spiel seiner Mannschaft prägen zu können.

Leserkommentare
  1. .. dast stimmt schon. Er ist momentan überrasgend und sicherlich einer der Leistungsträger.
    Bei der EM hätte Löw ihm aber durchaus eine Pause oder zwei gönnen sollen - Immerhin gibt es ja Alternativen!
    Naja, vielleichts klappts ja in Brasilien...

    3 Leserempfehlungen
  2. gab er heute wieder mal die Antwort auf dem Platz!

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  3. auf "höckschtem" Niveau. Noch nie hatte es ein Bundestrainer so einfach und dennoch so schwer, ein Team aufzustellen, bei der Qualität die vorherrscht in diesem Kader.
    Aber ein Schweinsteiger strahlt meiner Meinung nach eine Präsenz auf dem Platz aus, die einen entscheidenden Unterschied machen kann, vor allem bei Spielen gegen TopTeams.
    Nur eine Sache halte ich für Quatsch "Schweinsteiger läuft viel". Das machen alle 6er/10er/7er, quasi alle ausser die Innenverteidiger und zentralen Stürmer.
    Das eigentlich besondere am Schweinsteigerspiel ist die Präzision beim tödlichen Pass, mittlerweile eine Freistoßgefahr, gegnerische Angriffe abfedern und vor allem eine Tempobestimmung des Spiels.
    Wenn man genau hinschaut, dann hat er seine besten Jahre noch vor sich und auch das verlorene Finale kann im Endeffekt zu einem noch größeren Titelhunger führen.

  4. Wenn ich die Kommentare lese oder die Kommentatoren auf SKY und den Öffentlichen höre, meine ich immer ich sehe einen anderen Schweinsteiger.
    Ein hoher Anteil seiner Zuspiele geht zurück! Schade, dass das noch nicht annalysiert wurde.
    Bei seinem Lauftempo kann er ein Spiel gar nicht schnell machen!
    Schaltet er sich in die Abwehrarbeit ein, geht das fast nie ohne Foulspiel ab.
    Ja, die Überschrift a.a.O. stimmt: Gündugan ist der bessere Schweinsteiger, in jeder HInsicht.
    Der Nationaltrainer ist bei Schweinsteiger ebenso blind wie bei Podolski!
    ruhelage

    2 Leserempfehlungen
  5. als definitiver Kritiker von Herrn Schweinsteiger möchte ich anmerken:
    - er ist kein Führungsspieler
    - ja, er kann tödliche Pässe spielen, aber nur zu seinen Bayernkollegen
    - Mittlerweile eine Freistoßgefahr, nein erst ein Tor.... gestern voll in die Mauer
    - Tempobestimmung ja, meist aber verlangsamend...
    - er macht nach dem Spiel fast einen apatischen Eindruck
    - er hat ein mentales Problem

    Rehty und der gestrige Regisseur waren auch Schweinstiger fixiert und unser Bundestrainer, hatte Porbleme, wie einige andere auch, Müller das Tor anzuerkennen.

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  6. hat er auch noch bemängelt....

  7. oder eben nicht!
    Ich hab gestern einen sehr guten Schweinsteiger gesehen!
    Einen absolut tödlichen Pass auf Götze, den der, fast freistehend vor dem Tor, leider nicht reingemacht hat (nein, kein Vorwurf, kann passieren)
    Eine traumhafte Ballannahme und -mitnahme incl. Schuss aus der Drehung, den Müller, der ja immer da steht wo der Ball hinkommt. mit der Brust rein gelenkt hat!
    Gute Pässe und Offensiv wie Defensivaktionen!
    Alle Bayern in der gestrigen N11 waren mental gut drauf und Spielentscheidend!
    Die Vorwürfe gegen Schweinsteiger sind sowas von gestern und bösartig, dass es langsam lächerlich wird!
    Genauso lächerlich, wie wenn ich jetzt gegen Götze ledern würde, wegen der nicht gemachten Chance und eigentlich doch mehr den BVB damit meine!

  8. "Die Vorwürfe gegen Schweinsteiger sind sowas von gestern und bösartig".
    Also klar sind die von gestern, oder hat er heute schon gespielt.
    ...und Bösartig was haben Sie gegen FAkten, z.B. die letzten 9 Freundschaftsspielen fehlte Schweinsteiger... Dienstag wieder nicht dabei...so würde ich auch argumentieren wenn er beim BVB spielen würde....
    Ja, Gündigan kam viel zu spät rein.....aber es war ja auch nur ein "Freundschaftsspiel", wie es Dienstag auch eins werden wird.....ohne Schweinsteiger... seht Ihr es nicht, der Mann ist schlicht ausgebrannt!

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