Bastian Schweinsteiger vor dem Spiel gegen Kasachstan © Alex Grimm/Bonagrts/Getty Images

Bastian Schweinsteiger trug sein Haupthaar streng zur Seite gescheitelt. Er richtete noch einmal den Kragen seiner Trainingsjacke und zog den Reißverschluss hoch bis unters Kinn. Das äußere Erscheinungsbild passte. Der Mittelfeldspieler des FC Bayern München und der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gibt sich in diesen Tagen und Wochen streng und verschlossen. Es ist seine Art, sein Missfallen kundzutun über die Diskussionen, in deren Mittelpunkt er geraten ist.

Im Grunde geht das schon seit dem Sommer so, seitdem sich Bastian Schweinsteiger, verwundet an Leib und Seele, durch die Europameisterschaft geschleppt hat. Seine Auftritte in Polen und der Ukraine haben viele Fragen provoziert: War das schon der Anfang vom Ende? Wird sich Schweinsteigers Psyche von dem verlorenen Champions-League- Finale mit den Bayern je wieder richtig erholen? Ist er nach fast zehn Jahren auf höchstem Niveau und fast hundert Länderspielen noch stark und gierig genug, um in der Nationalmannschaft seine Rolle als Leitwolf zu behaupten? Oder ist Ilkay Gündogan, der junge, dynamische Mann aus Dortmund, nicht längst der bessere Bastian Schweinsteiger?

Man merkt, dass sich Schweinsteiger zu dieser Debatte am liebsten gar nicht mehr äußern möchte.

Er könne es nicht jedem recht machen, sagt er, aber das sei auch egal. Einmal hat er sich explizit und entschlossen zu Wort gemeldet, nach dem Spiel der Bayern in Wolfsburg war das: "Die Leute sind es nicht wert, über sie zu sprechen", hat er da gesagt. Die Leute – das waren unter anderem Günter Netzer und Olaf Thon, die schon das Ende von Schweinsteigers Länderspielkarriere heraufziehen sahen.

Schweinsteiger will bei solchen Sätzen wohl gleichgültig klingen – und kommt doch eher beleidigt rüber. Also ist es besser, gleich gar nichts zu sagen. Oder zumindest nichts von Belang. Auf konkrete Fragen zu seiner Person antwortet er allgemein und vage. "Wir können froh sein, dass wir mit der Nationalmannschaft auf so einem hohen Niveau spielen können", sagt er. Oder zu seinem Führungsanspruch: "Man will immer nach oben kommen, das will ich auch."

Dass die Diskussion sich zuletzt wieder etwas beruhigt hat, liegt an den jüngsten Auftritten Schweinsteigers bei den Bayern. Im Pokalspiel gegen Borussia Dortmund – und damit im direkten Duell mit Ilkay Gündogan – war er der überragende Mann auf dem Platz. "Bastian hat wieder seine Form gefunden", sagt Bundestrainer Joachim Löw. "Er ist wieder in der Verfassung, eine Mannschaft wie die Bayern anzutreiben, ihr Leader zu sein." Die Fitness ist bei Schweinsteiger der Schlüssel zu allem.

"Wenn ich körperlich völlig gesund bin, dann bin ich gut", hat er selbst einmal gesagt. Für ihn gilt das mehr als für viele andere – weil sein Spiel auf gewisse Weise sehr körperlich ist. Schweinsteiger läuft viel: weil er gerne läuft und weil er die stete Begewegung braucht, um präsent zu sein und das Spiel seiner Mannschaft prägen zu können.