Die ultimativen Scheibenkünstler beim Üben © DC Breeze

Die blaue Mütze mit dem Krümelmonster rutscht ein wenig, aber Liam Shranko hat jetzt keine Hand frei. Von vorne kommt eine weiße Scheibe geflogen. Er springt, mit beiden Armen voran und greift zu. "DC Breeeeeeeeze", schreit Tom Johnson von der Seitenlinie und nickt anerkennend. Ein guter Fang. Vielleicht einer fürs Team, dieser Liam Shranko.

Johnson sucht Profis. Frisbee-Profis. Schon Anfang April soll sein Team DC Breeze aus der US-amerikanischen Hauptstadt Washington in der American Ultimate Disc League (AUDL) antreten, zusammen mit elf weiteren Mannschaften, erst in zwei Divisionen, später in Playoff-Spielen. Schon im vergangenen Jahr wurde die Liga gegründet. Ihr Ziel: Eines Tages sollen alle Spieler von dem Sport leben können.

Ultimate Frisbee, das war lange ein Lifestyle. Spiel und Spaß für Hippies im Park. Ein paar Schüler hatten Ultimate Frisbee vor 45 Jahren auf einem Parkplatz erfunden. Die Regeln sind simpel, weil aus anderen Sportarten bekannt: Spieler dürfen mit der Frisbee in der Hand nicht laufen, Punkte werden in der Endzone erzielt, wie beim American Football. Der Spielaufbau erinnert an Fußball, aus der Tiefe des Raums über die Flügel, oder auch mal durch die Mitte, Hauptsache nach vorne. Und wie beim Basketball sollen Zweikämpfe körperlos geführt werden.

In den vergangenen Jahren flog das Frisbee daher immer öfter auch auf Schulhöfen und schließlich in College-Stadien. Fünf Millionen Amerikaner spielen mittlerweile, neben Rugby und Lacrosse gilt Ultimate Frisbee als der am schnellsten wachsende Sport. Nun soll aus Lifestyle ein bisschen ernst werden. Dafür haben die Macher der Liga die Regeln angepasst: Das Spielfeld ist größer und es gibt Schiedsrichter. Foul oder Nicht-Foul, bisher entschieden das die Spieler. Der Sport ist berühmt für seinen sogenannten "Spirit of the Game": Fairplay und Verantwortung.

Doch die Sache lief zäh an. Im ersten Jahr kamen durchschnittlich nur 500 Zuschauer, die meisten Spieler konnten gerade ihre Kosten decken. Die Spiele gab es im Livestream auf der Liga-Homepage, der Sportsender ESPN zeigte immerhin ein paar Szenen in den Top10 der Woche. "Wir sind noch früh in der Entwicklung", sagt Tom Johnson, Präsidiumsmitglied von DC Breeze. "Wenn wir unseren Sport erst mal rausbringen, verlieben sich die Leute. Andere Sportarten gibt es seit Jahrhunderten, uns fehlen noch die Frisbee-Mums."

Michael Dobbs, Marketing-Professor an der Eastern Illinois University, hat die Geburt neuer Ligen erforscht – und nicht viel später auch deren Tod. Ob neue Football-Ligen, Frauenbasketball, Frauenfußball. "Die meisten Ligen scheitern", sagt er. Doch Ultimate Frisbee habe Potenzial.

"Es ist ein toller Sport für Zuschauer, die Regeln sind einfach, das Spiel viel intuitiver als zum Beispiel American Football", sagt er. Aber: "Es ist wie im Supermarkt, egal wie gut das Produkt ist, im Regal ist nur sehr begrenzt Platz." Der Supermarkt, das sind die TV-Sender, und in deren Regalen liegen American Football, Basketball, Baseball und Eishockey. Das sind die vier großen US-Sportarten ohne Ablaufdatum.