Arne Friedrich und sein Mitspieler Alex © Rainier Ehrhardt/Getty Images Sport

ZEIT ONLINE: Herr Friedrich, wurden Sie schon mal gemobbt?

Arne Friedrich: Nein, ich bin froh, dass mir das nie passiert ist. Es ist natürlich katastrophal, wenn ein Fußballer seinen Job nicht mehr ausführen kann, weil er so unter Druck gesetzt wird, dass es ihn psychisch belastet.

ZEIT ONLINE: Wie viel Macht haben Fans, um Fußballer unter Druck zu setzen?

Friedrich: Fußballfans können dabei eine große Rolle spielen. Neben der Presse und neben Fußballern, die sich untereinander mobben, können Fans gehörigen Druck ausüben. Auch wenn das nicht direkt unter Mobbing läuft: Denken Sie nur an das Thema Rassismus im Stadion! Fans haben in der Gemeinschaft die Reichweite und Macht, ausländischen Spielern es ganz schwer zu machen.

ZEIT ONLINE: Wann fühlt sich ein Fußballer als Opfer?

Friedrich: Das kommt auf die charakterliche Stärke des Einzelnen an. Gerade sensible Menschen fühlen sich bestimmt eher als Mobbing-Opfer als andere. Aber treffen kann es jeden.

ZEIT ONLINE: Ist der Einfluss der Fans in den vergangenen Jahren gewachsen?

Friedrich: Die Zuschauerzahlen in der Bundesliga steigen seit Jahren. Aber direkt im Stadion haben die Möglichkeiten der Fans nicht zugenommen. Der Hauptgrund für die steigende Macht der Fans sind die Optionen, sich durch soziale Netzwerke im Internet besser zu verständigen und zu vernetzen. So können sie abseits des Stadions gezielt und gebündelt auf Spieler einwirken.

ZEIT ONLINE: Tamás Hajnal vom VfB Stuttgart wird nur noch bei Auswärtsspielen eingesetzt. Der Trainer sagt, im eigenen Stadion muss er den Spieler vor den Pfiffen der eigenen Fans schützen.

Friedrich: Das habe ich in Chicago nicht im Detail verfolgt. Aber bei einem so krassen Fall kann man schon von Mobbing durch die eigenen Fans sprechen. Das ist Wahnsinn. Ich habe mich als Spieler immer noch mehr motiviert gefühlt, wenn unsere Mannschaft von den gegnerischen Fans ausgepfiffen wurde, etwa in Dortmund. Aber wenn ich mir vorstelle, die eigenen Fans pfeifen mich aus – das wäre sehr belastend, egal, wie stark man ist.

ZEIT ONLINE: Was sagen Sie, wenn Fans Sie nicht nur im Stadion auspfeifen, sondern Ihnen vor Ihrer Wohnung auflauern?

Friedrich: Da gab’s doch den Fall …

ZEIT ONLINE: …von Kevin Pezzoni beim 1. FC Köln.