Arne Friedrich"Die van der Vaarts standen immer gerne in der Öffentlichkeit"

Privates soll Privatsache sein, sagt Arne Friedrich im Kolumnengespräch über Macht von Medien und Fans. Doch manch ein Fußballer trägt selbst zum gläsernen Leben bei. von 

Arne Friedrich und sein Mitspieler Alex

Arne Friedrich und sein Mitspieler Alex  |  © Rainier Ehrhardt/Getty Images Sport

ZEIT ONLINE: Herr Friedrich, wurden Sie schon mal gemobbt?

Arne Friedrich: Nein, ich bin froh, dass mir das nie passiert ist. Es ist natürlich katastrophal, wenn ein Fußballer seinen Job nicht mehr ausführen kann, weil er so unter Druck gesetzt wird, dass es ihn psychisch belastet.

Anzeige

ZEIT ONLINE: Wie viel Macht haben Fans, um Fußballer unter Druck zu setzen?

Friedrich: Fußballfans können dabei eine große Rolle spielen. Neben der Presse und neben Fußballern, die sich untereinander mobben, können Fans gehörigen Druck ausüben. Auch wenn das nicht direkt unter Mobbing läuft: Denken Sie nur an das Thema Rassismus im Stadion! Fans haben in der Gemeinschaft die Reichweite und Macht, ausländischen Spielern es ganz schwer zu machen.

ZEIT ONLINE: Wann fühlt sich ein Fußballer als Opfer?

Alles außer Fußball

Alles außer Fußball ist die Kolumne von René Adler, Thomas Hitzlsperger und Arne Friedrich. Einmal im Monat geben wir während der Bundesliga-Saison einem das Wort. Sie sollen und wollen nicht das Tagesgeschäft kommentieren, klassische Fußballerkolumnen gibt es genug. Alles außer Fußball ist der Versuch, Fußballer Fußball als gesellschaftliches Phänomen betrachten zu lassen. Hier finden Sie alle Gespräche.

Alles über Fußball

Als Pendant zu den Kolumnengesprächen mit Fußballern sprechen wir in der Serie Alles über Fußball mit einem Prominenten aus Politik, Wirtschaft oder Kultur über ihre Beziehung zum Lieblingssport der Deutschen.

Alle bisherige Interviews u. a. mit Dieter Hildebrandt,Omid Nouripour, Markus Kavka, Franzi van Almsick, Wolfgang Bosbach, Daniel Brühl lesen Sie hier nach.

ALS E-BOOK KAUFEN

Die Gespräche mit den Alles-außer-Fußball-Kolumnisten stehen Ihnen auch als E-Book nach dem Download jederzeit und überall zur Verfügung.

Hier finden Sie das E-Book im ZEIT Shop www.zeit.de/ebooks und hier für Ihren Amazon Kindle.

Friedrich: Das kommt auf die charakterliche Stärke des Einzelnen an. Gerade sensible Menschen fühlen sich bestimmt eher als Mobbing-Opfer als andere. Aber treffen kann es jeden.

ZEIT ONLINE: Ist der Einfluss der Fans in den vergangenen Jahren gewachsen?

Friedrich: Die Zuschauerzahlen in der Bundesliga steigen seit Jahren. Aber direkt im Stadion haben die Möglichkeiten der Fans nicht zugenommen. Der Hauptgrund für die steigende Macht der Fans sind die Optionen, sich durch soziale Netzwerke im Internet besser zu verständigen und zu vernetzen. So können sie abseits des Stadions gezielt und gebündelt auf Spieler einwirken.

ZEIT ONLINE: Tamás Hajnal vom VfB Stuttgart wird nur noch bei Auswärtsspielen eingesetzt. Der Trainer sagt, im eigenen Stadion muss er den Spieler vor den Pfiffen der eigenen Fans schützen.

Friedrich: Das habe ich in Chicago nicht im Detail verfolgt. Aber bei einem so krassen Fall kann man schon von Mobbing durch die eigenen Fans sprechen. Das ist Wahnsinn. Ich habe mich als Spieler immer noch mehr motiviert gefühlt, wenn unsere Mannschaft von den gegnerischen Fans ausgepfiffen wurde, etwa in Dortmund. Aber wenn ich mir vorstelle, die eigenen Fans pfeifen mich aus – das wäre sehr belastend, egal, wie stark man ist.

ZEIT ONLINE: Was sagen Sie, wenn Fans Sie nicht nur im Stadion auspfeifen, sondern Ihnen vor Ihrer Wohnung auflauern?

Friedrich: Da gab’s doch den Fall …

ZEIT ONLINE: …von Kevin Pezzoni beim 1. FC Köln.

Leserkommentare
  1. sollten nicht darüber weinen, von der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden.
    Das bedeutet nicht, dass man keinen Strich ziehen darf, wo es endet, aber für Sprüche wie "Das Private ist privat" scheinen viele "Promis" eine andere reichlich exhibitionistische Vorstellung von privat zu haben und es auch noch normal zu finden sich ihrerseits dem Publikum (z.B. durch massive Werbepräsenz) aufzudrängen. Scheinbar wird man privat erst richtig empfindlich, wenn kein Geld bei rausspringt oder man nicht gefeiert wird.

    Eine Leserempfehlung
    • oz
    • 12. April 2013 12:22 Uhr

    "Die van der Vaarts standen immer gerne in der Öffentlichkeit"

    Herrn Friedrich in den Mund zu legen ist schon ein starkes stück. Wo hat Herr Dobbert gelernt? Bei Diekmann?

    6 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Redaktion

    ... ist ein starkes Stück. Wenn ich bei Diekmann gelernt hätte, könnte ich jetzt vielleicht wenigstens in Kalifornien im Warmen sitzen. Die Überschrift ist ein Zitat aus dem Interview, zweite Seite.

    Arne Friedrich scheint ein intelligenter und bodenständiger Mensch zu sein; ich kann mir nicht vorstellen, dass er jemals ein Objekt für die Boulevardmedien werden könnte.
    .
    Er hat das Beispiel "vdV" angeführt. Weshalb nicht; ein Schlagenderes gibt es wohl derzeit kaum. Und hat es sogar noch relativiert mit "Aber das soll jeder für sich entscheiden"

    Wenn man sich so wir das Duo vdV inszeniert, muss man damit rechnen, dass das Privatleben im Positiven (was ja auch wohl beabsichtigt ist) wie im Negativen ausgeschlachtet wird.

    Das ist für die Protagonisten nicht immer angenehm, logisch, aber leider heutzutage unvermeidlich.

    Im übrigen ist es aber doch so, dass viele Promis (auch und gerade Möchtegern- oder ehemalige) ohne Öffentlichkeit gar nicht mehr leben können (böses Beispiel: Boris Becker). Insofern hält sich mein Mitleid dann auch in Grenzen.
    Jeder, ob Profi oder anderer, kann durch sein Verhalten ein Gutteil selbst dazu beitragen, ob und was über ihn berichtet wird.

    Arne Friedrich selbst ist dafür ein gutes Beispiel!

    • vyras
    • 12. April 2013 12:31 Uhr

    ... Privatsphäre finde ich recht vernünftig: Prinzipiell ist das Privatleben vor Berichterstattung und Ausforschung durch die Medien geschützt, wenn sich jemand jedoch dafür entscheidet, diesen Schutz selber aufzugeben und sein Privatleben gegenüber der Öffentlichkeit zu zeigen, dann verliert er diesen Schutz in einem bestimmten Ausmaß.

    Das ist z.B. der Grund dafür, dass es Prominente gibt, die gegen jede Grenzüberschreitung der Medien in dieser Beziehung konsequent juristisch vorgehen. Denn schon das Zulassen von Berichterstattung könnte u.U. später als stillschweigendes Einverständnis gewertet werden.

  2. ... wenn man einzelne und ev. entscheidende Worte innerhalb eines Satzes einfach streicht. Die Anführungszeichen sind fehl am Platze.

    Es wäre schön, wenn sich die Autoren ZeitOnline an den Usus von Qualitätspresse halten würden und nicht an den von Klatschzeitschriften.

    4 Leserempfehlungen
  3. Redaktion

    ... ist ein starkes Stück. Wenn ich bei Diekmann gelernt hätte, könnte ich jetzt vielleicht wenigstens in Kalifornien im Warmen sitzen. Die Überschrift ist ein Zitat aus dem Interview, zweite Seite.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Die Aussage..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ....aber den Geruch von Diekmanns Pomade weht Ihnen auch der stärkste Pazifik-Wind ein Leben lang nicht mehr aus der Nase.

    ....dazu fehlt das kleine, aber wichtige Wörtchen "vielleicht"...
    Die Überschrift verleiht dem Beitrag das Niveau der Boulevardpresse und unterstellt Herrn Friedrich, sich wertend zur Situation der van der Vaarts zu äußern, was er meiner Meinung in diesem Interview, eben auch durch das Wörtchen "vielleicht", gerade nicht tut.

    das "vielleicht", das wissen Sie doch selbst. Ich kann aus dem Absatz auch herauslesen, Arne Friedrich kündige einen Geschworenengerichtsprozess für die beiden an: "Rafael und Sylvie van der Vaart ... haben ... gestanden: Viele Menschen ... entscheiden". Oh, das ist sinnentstellend? Ach was.

  4. Im Interview geht es, so scheint mir, die meiste Zeit um das Verhalten von Fans auf dem Platz oder im Netz und was das mit dem Spieler macht. Eher gegen Ende kommen ein paar wenige Auslassungen über Privatsphäre - und der Interviewer, nicht Arne Friedrich!, lenkt das Gespräch auf die van der Vaarts. Mit einem Ausschnitt aus Friedrichs Antwort als Überschrift wird der Eindruck erweckt, Herr Friedrich hätte von sich aus das für alle recht öffentliche Privatleben der van der Vaarts kritisch kommentiert.

    3 Leserempfehlungen
  5. Zu ergänzen wäre noch, dass dieser Eindruck natürlich durch die Kombination aus Überschrift und Teaser erweckt wird: ">Die van der Vaarts standen immer gerne in der Öffentlichkeit< - Privates soll Privatsache sein, sagt Arne Friedrich im Kolumnengespräch über Macht von Medien und Fans. Doch manch ein Fußballer trägt selbst zum gläsernen Leben bei."
    In dieser Zusammensetzung wirken die Aussagen so, als würde Arne Friedrich das Verhalten der van der Vaarts kritisieren. Das tut er aber m.E. im Interview nicht.
    Nach dem Satz "Doch manch ein Fußballer trägt selbst zum gläsernen Leben bei" hätte ich erwartet, dass der Artikel darauf näher eingeht. Muss ich wohl aber überlesen haben...
    Und nein, die van der Vaarts interessieren mich nicht. :-) Wohl aber die Interviews mit Arne Friedrich.

    Eine Leserempfehlung
  6. ....aber den Geruch von Diekmanns Pomade weht Ihnen auch der stärkste Pazifik-Wind ein Leben lang nicht mehr aus der Nase.

    Antwort auf "Ihre Aussage"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service