AS EupenKatar hält sich eine Fußballfarm in Belgien

Barcelona, Paris und ein belgischer Zweitligist. Eupen ist ein skurriler Teil der globalen Fußballoffensive Katars. Dort sollen afrikanische Talente veredelt werden. von 

Anthony Bassey vom KAS Eupen

Anthony Bassey vom KAS Eupen  |  © David Hagemann/picture alliance/dpa

Eupen? Auf der Landkarte findet man das belgische Städtchen 18.000 Einwohner zwischen Aachen und Lüttich in den sanften Hügeln der Ardennen gleich hinter der deutsch-belgischen Grenze. Auf der Landkarte des internationalen Fußballs liegt Eupen an einer bemerkenswerten Schnittstelle: der zwischen Dakar und Chelsea.

Zumindest gilt dies für Ibrahima Diedhiou aus Tambacounda im Senegal. Seit 2012 spielt der Achtzehnjährige im Abwehrzentrum der AS Eupen. Seine erste Saison wird in wenigen Wochen vorbei sein. Irgendwann hofft der schlaksige Verteidiger der senegalesischen Juniorennationalmannschaft, für die Blues aus West-London aufzulaufen.

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Dass sich afrikanische Talente in den Profiligen Belgiens ins Rampenlicht spielen wollen, ist noch nichts Besonderes. Das übersichtliche Niveau und die großzügige Ausländerregelungen machen diese seit Jahren zum Showroom des internationalen Fußballs. Bemerkenswert ist, wie Ibrahima Diedhiou hier gelandet ist.

Um das zu rekonstruieren, muss man die Geografie seiner Karriere um eine Station erweitern: Doha. Die Hauptstadt des Emirats Katar ist der Sitz der Aspire Zone Foundation. Diese hat sich in einem globalen Exzellenzprogramm unter den Auspizien des Emirs zum Ziel gesetzt, "Sport-Champions zu entwickeln und einen gesunden Lebensstil zu fördern".

Angesichts der Dimensionen des Projekts ist dies ein ziemliches Understatement: Alleine in Afrika screenen 1.500 Trainer und Scouts den Nachwuchs, um jedes Jahr die besten 20 unter 600.000 Jungkickern zu finden. Diese werden vier Jahre lang an der Aspire Academy in Dakar ausgebildet, bevor sie auf dem ultramodernen Trainingskomplex in Doha das Fein-Tuning bekommen.

Was den Hochtalentierten dann noch fehlt, ist Spielpraxis. Genau die sollen sie sich in Eupen holen. 2012 schlossen die Aspire Zone Foundation und der finanziell schwer angeschlagene Zweitligist einen zehnjährigen Kontrakt. Ibrahim Diedhiou gehört zum Pionier-Jahrgang, zusammen mit vierzehn Eupener Teamkollegen, die meisten von ihnen stammen aus Senegal, Nigeria und Südafrika.

"Verrückt", nennt Christoph Henkel das Projekt, das man mit einem Begriff aus dem US-Sport als farm team bezeichnet. Er meint das positiv. Der frühere Leiter des Jugendleistungszentrums des 1.FC Köln ist als Geschäftsführer eine zentrale Figur der belgischen Außenstelle des Emirats. Ihn beeindrucken nicht nur Dimension und Qualität der Spieler, sondern auch die Sprachmischung aus Englisch und Französisch, Deutsch und Flämisch im Kader, und dem Spanisch des Trainerstabs. Zugleich ist das provinzielle Eupen Hauptstadt der deutschsprachigen Kantone Ostbelgiens, in der jeder zumindest bilingual ist und sich der Klubname wahlweise "Alliance Sportive" liest oder "Allgemeine Sportvereinigung".

Was das Konzept besonders macht, sagt Henkel, sei der "sehr frühe Zeitpunkt", zu dem die Auswahl von Aspire beginnt. Mit dreizehn Jahren ziehen die Talente in die Akademie in Dakar, wo nicht nur ihre Qualität als Fußballer gefördert wird. Sie sollen auch einen Schulabschluss ablegen und ihre Persönlichkeit entwickeln.

Seriosität ist gefragt statt des schnellen Reibachs, wie beim Geschäft mit afrikanischen Fußballern oft üblich. Vor zehn Jahren war der Betreiber einer Fußballschule in Abidjan reich geworden, als er ivorische Talente über den Umweg des belgischen Erstligaklubs SK Beveren zu Arsenal transferierte. Nach dem Ende der Kooperation ging Beveren in Konkurs.

Leserkommentare
  1. "Katar hält sich eine Fußballfarm in Belgien"

    Ich dachte, es geht hier um eine Art Trainingscamp in welchem MENSCHEN Fußbal trainieren. Offensichtlich ist man bei der Zeit der Auffassung, dass man zu diesem Vergleich mit Tierfarmen greifen kann, da die meisten der Spieler aus Afrika stammen.

    2 Leserempfehlungen
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    Da haben wir Sie wieder, die Leute die bei jeder Kleinigkeit die sie nicht verstehen, die Rassismus-Keule auspacken. Erst denken, dann schreiben sollte hier die Devise sein!

    Ich denke ehr, dass diese Formulierung nicht aufgrund des ethnischen Hintergrunds der Spieler gewählt wurde. Es geht hier eher darum, dass hier Talente am laufenden Band "Produziert" werden, unabhängig von Hautfarbe und Herkunft.

    In Amerika werden Entwicklungsmannschaften ohne jegliche rassistische Konnotation "farm teams" genannt.

    Es geht also dabei eher um das reguläre und regelmäßige Entwickeln von Fußballern an einem Ort, als um irgendwelche Herabwürdigungen...

  2. Da haben wir Sie wieder, die Leute die bei jeder Kleinigkeit die sie nicht verstehen, die Rassismus-Keule auspacken. Erst denken, dann schreiben sollte hier die Devise sein!

    Ich denke ehr, dass diese Formulierung nicht aufgrund des ethnischen Hintergrunds der Spieler gewählt wurde. Es geht hier eher darum, dass hier Talente am laufenden Band "Produziert" werden, unabhängig von Hautfarbe und Herkunft.

    Eine Leserempfehlung
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    Da haben wir Sie wieder, die Leute die bei jeder Angelegenheit die sie nicht verstehen, die Rassismus-Keule-Keule auspacken. Erst denken, dann schreiben sollte hier die Devise sein!

    In dem Artikel wird explizit darauf hingewiesen, dass der Großteil der Talente aus Afrika stammt. Vielleicht hätte der Schreiberling seine Sprache überdenken müssen.

  3. In Amerika werden Entwicklungsmannschaften ohne jegliche rassistische Konnotation "farm teams" genannt.

    Es geht also dabei eher um das reguläre und regelmäßige Entwickeln von Fußballern an einem Ort, als um irgendwelche Herabwürdigungen...

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    "In Amerika werden Entwicklungsmannschaften ohne jegliche rassistische Konnotation "farm teams" genannt."

    Achso, na wenn hier offensichtlich ein Publikum aus den Vereinigten Staaten angesprochen wird, warum verfasst man den Artikel nicht gleich in der Englischen Sprache? Jeder halbwegs fremdsprachlich Gebildete weiß, dass eine direkte Übersetzung nicht immer das gleiche sein muss.

  4. Da haben wir Sie wieder, die Leute die bei jeder Angelegenheit die sie nicht verstehen, die Rassismus-Keule-Keule auspacken. Erst denken, dann schreiben sollte hier die Devise sein!

    In dem Artikel wird explizit darauf hingewiesen, dass der Großteil der Talente aus Afrika stammt. Vielleicht hätte der Schreiberling seine Sprache überdenken müssen.

    Antwort auf "Rassismus-Keule?!"
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    Wenn ich einen irgendwo gängigen Begriff zwar grundsätzlich nutzen darf, nur aber für Menschen bestimmter Herkunft nicht - ist das Rassismus in Reinform!

    Das heißt hier konkret: Wenn der Begriff der Spielerfarm für US-Amerikaner, Kanadier, Franzosen, Engländer und andere Europäer wertungsfrei verwendet werden kann, dann auch, wenn es sich um Afrikaner handelt. Es ist rassistisch, wenn ich den Begriff nur für Afrikaner ablehne.

    Katar - nur der Vollständigkeit halber - gehört übrigens zu Asien, nicht zu Afrika. Und Eupen - Sie müssen tapfer sein - ist Zentrum der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens...

  5. "In Amerika werden Entwicklungsmannschaften ohne jegliche rassistische Konnotation "farm teams" genannt."

    Achso, na wenn hier offensichtlich ein Publikum aus den Vereinigten Staaten angesprochen wird, warum verfasst man den Artikel nicht gleich in der Englischen Sprache? Jeder halbwegs fremdsprachlich Gebildete weiß, dass eine direkte Übersetzung nicht immer das gleiche sein muss.

  6. Redaktion

    Die Farm soll in der Tat eine Übernahme aus dem Amerikanischen sein. Wenn das als rassistische Anspielung verstanden wurde, tut es uns Leid. Das war keineswegs unsere Absicht.

    Im Text steht jetzt: "das Projekt, das man mit einem Begriff aus dem US-Sport als farm team bezeichnet".

    Gruß aus der Redaktion

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    Auch wenn es gut gemeint ist, aber ich finde es ziemlich albern, wenn Sie ihren Artikel umschreiben, nur weil ein Leser einen ganz eindeutig nicht rassistischen Fachbegriff aus lauter Paranoia in den falschen Hals bekommt und mit Schlagwörtern wie "Menschenverachtend" um sich wirft. Muss man so etwas auch noch belohnen?

  7. Belgischer Fußball ist richtig grausam. Die meisten Teams sind reine Farmteams, Talentschmieden, Transitstationen. Belgien ist eine Art internationales Drehkreuz der Fußballtalente. Die Spieler sind völlig austauschbar, es gibt da keine Identifikationsfiguren. Dementsprechend leer und trostlos sind auch die Stadien.

  8. "die Chance geben, ihren Traum von einer internationalen Fußballkarriere zu verwirklichen".
    Scheinheiligkeit. Sicherlich sind diese Fussballer dankbar für die Chance, diese Chance bekommen Sie aber nur aufgrund geldgieriger Leute, die hier eher die Chance sehen sich massiv zu bereichern.
    Hier wird mit Talenten einfach nur massiv Geld gemacht - nicht mehr und nicht weniger.

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    Ja, macht schon Sinn. Wäre sicher besser gewesen die wären da geblieben wo sie herkommen. Schulbildung braucht auch keine Sau und ein vernünftiges heranführen an europäischen Fußball auch nicht. Gibt ja Schleuser, die weniger verdienen wollen. Okay, die besorgen den Spielern keine Spiellizenz, aber geschenkt.

    Einziger Wermutstropfen den ich da herauslese: Es sind nur 20 Jungen pro Jahrgang, die davon profitieren. Ich würde mir ein wenig mehr Breitenförderung wünschen.

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