Bayern gegen Barcelona : Müller statt Messi

Wenn andere gehen, watschelt er, schießen sie, stochert er. Doch kein Anderer vereinigt die Vorzüge der Bayern gegenüber Barça besser als Thomas Müller. Von O. Fritsch
Thomas Müller feiert das vierte Tor © Odd Andersen/AFP/Getty Images

Es lief die zweite Halbzeit, die Bayern hatten ihren Gegner längst gebrochen, da begab sich Thomas Müller in ein Laufduell und sofort danach in ein zweites. Beide Male schienen seine Gegenspieler einen Vorsprung zu haben, erst Jordi Alba, dann Gerard Piqué. Beide Male bekam Müller seine oberbayerischen Haxen eher an den Ball, irgendwie. Der Tormann konnte ein Müller-Tor diesmal gerade noch verhindern. Aber man sah Alba und Piqué an, was sie dachten: lästig, dieser Kerl, so lästig!

Müller, so ein schöner, alter deutscher Name, so ein schöner, alter deutscher Fußballname! Wenn dieser Sieg der Bayern gegen Barcelona einen Namenspatron bräuchte, würde er sich alleine deswegen anbieten. In den vergangenen Jahren war die Kombination alt und deutsch im Fußball außer Mode geraten. In war spanisch. Am Dienstag, als der FC Bayern den großen FC Barcelona aussehen ließ wie eine gewöhnliche Elf, erlebte das Begriffspaar eine kleine Renaissance.

Die Bayern spielten, keine Frage, taktisch modern: lauernde Haltung, feinjustiertes Pressing, schnelles Umschaltspiel. Doch sie gewannen, weil sie mehr Leidenschaft ausstrahlten, mehr Siegeswille, Ordnung, Effizienz, Physis, Wucht. Auf dem Platz sah das so aus: Bastian Schweinsteiger gab den Führungsspieler, Franck Ribéry erklärte der Grätsche seine Liebe, Dante gewann jeden Kopfball, Javier Martinez, "der deutsche Spanier" (Selbstbeschreibung) zeigte Härte und auch mal ein Foul, Arjen Robben personifizierte in seiner neuen Rolle Teamgeist, Jerome Boateng kultivierte den Befreiungsschlag, Mario Gomez hatte das Abseitstor im Repertoire.

Den Unterschied machten an diesem Abend Sekundäreigenschaften. Den Unterschied machten – jetzt ist das Wort raus – deutsche Tugenden. Zu erkennen auch an Begleiterscheinungen, die man von früher kennt: Das Stadion jubelte, als Abwehrleute den Ball auf die Tribüne jagten. Die ersten beiden Tore fielen nach Ecken, im Mittelkreis half eine Pfütze beim Verteidigen, der Schiedsrichter unterstützte auch ein wenig. Vor allem, weil die Deutschen gewannen und daran fast nie ein Zweifel bestand.

Kein anderer vereinigte die Vorzüge des Bayern-Spiels besser als Müller, die perfekte Mischung aus Mannschaftsdiener und Egoist, aus Lockerheit und Zielstrebigkeit. Müller rannte, Müller löste sich von seinen Gegnern, Müller ließ sich auch in Bedrängnis anspielen, Müller stahl Bälle. Dieser Typ war wie Quecksilber, hier und dort und überall.

Schon mit dem ersten Angriff setzten die Bayern den Grundton, sie kamen zu einer großen Chance durch Robben. Eingeleitet hatte sie Müller. In einer Szene in der zweiten Halbzeit brauste er mit dem Ball von links nach rechts über die ganze spanische Abwehrreihe hinweg, sein Schuss verfehlte das Ziel knapp. Während einer Unterbrechung feuerte Müller beim Stand von 3:0 die Fans an. Kurz später stand es 4:0, Torschütze, Sie ahnen es, Müller.

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Kommentare

137 Kommentare Seite 1 von 12 Kommentieren

Erinnern Sie sich noch daran? :)

http://www.youtube.com/wa...

Und bei dem Tor stand er genau dort, wo ein Mittelstürmer zu stehen hat, was man von Mandzukic nicht unbedingt immer sieht.
Gomez vor dem Tor ist ein Killer, Mandzukic fast schon ein Chancentod (was nicht heißt, dass er nicht irgendwann dann doch mal trifft, bei solchen Mitspielern könnte das wohl selbst der von ihnen propagierte 2. Liga-Stürmer).

Mandzukic ist dennoch ohne Frage der beste verteidigende Stürmer der Welt.
Gomez hat die selbe Aufgabe im Rahmen seiner vermeintlich beschränkten Fähigkeiten in dieser Beziehung gestern jedoch herausragend erledigt.

Bitte geben Sie Ihrem Kommentar eine aussagekräftige........

"Bin mir noch immer nicht sicher, ob ich heute Dortmund entgegen meinem Instinkt und allem, was in den letzten 48 Std. vorgefallen ist, die Daumen halten soll."

Na ja, auf Ihr Daumendrücken kann der BVB schon verzichten.

Bayern spielt sein Spiel, das da heißt unbedingte Schwächung der Ligakonkurrenz, wieso sollte da auf internationaler Ebene irgendein schwurbeliges nationales Daumendrücken dran sein?

Wenn der FCB die CL gewinnt heißt das nochmal ein paar Mille mehr um gezielte, teils für den FCB unnötige Abwerbungen bei der Ligakonkurrenz
vorzunehmen.

Man wär ja blöd, da dem FCB die Daumen zu drücken.

Alles in allem muss man die positiven Seiten sehen:

Für die N11 kann es jetzt nur noch eine win-win-Situation geben.

Entweder haben Özil und Khedira ihr großes, Selbstvertrauen gebendes CL-Erlebnis, meinethalben darf der FCB sein CL-Trauma überwinden (aber nur weil ich Schweinsteiger und Müller und einige mehr sehr sympathisch finde), am dollsten wäre natürlich das CL-Wunder, nach dem Hummels, Schmelzer, Gündogan, Reus, na ja, Götze ihren absoluten "Boost" erleben.

Und den Hoeneß sammer los in der politischen Debatte. Wenn der wagt nochmal die Schnauze einschlägig aufzumachen, ha, wird er sein Fett wegkriegen. Aber oberachtkantig.

Unter den Umständen ertrag ich auch die Bayern-Fans nach einem CL-Sieg.
Aber deswegen muss man ja nicht gleich die Daumen drücken.

macht keinen Sinn

"Bin mir noch immer nicht sicher, ob ich heute Dortmund entgegen meinem Instinkt und allem, was in den letzten 48 Std. vorgefallen ist, die Daumen halten soll."

Was genau meinen sie? Der Verein Borussia Dortmund hat sich doch in den letzten 48 Stunden ziemlich professionell verhalten. Ganz im Gegensatz zu den Bayern: Auch wenn sie den Transfer nicht an die Presse getragen haben sollten, so wirkt doch zumindest die Debatte um spanische Verhaeltnisse wie Hohn und Scheinheiligkeit angesichts des Goetze-Wechsels.

Deshalb glaub ich, gilt Ihre Reaktion wiederum nur der emotionalen und teilweise unsachlichen Reaktion der Dortmunder Fans und Sympathisanten in den Foren...