Steuerhinterziehung : Fall Hoeneß beschäftigt Aufsichtsrat des FC Bayern

Hoeneß hat einen Rücktritt als FC-Bayern-Präsident ausgeschlossen. Doch der Fall beschäftigt den Aufsichtsrat - und könnte auf der nächsten Sitzung zur Sprache kommen.
Uli Hoeneß (l), Präsident des FC Bayern, und Herbert Hainer, Vorstandsvorsitzender von Adidas und Mitglied des FC-Bayern-Aufsichtsrates ©Marc Müller/dpa

Die Steueraffäre um Uli Hoeneß beschäftigt den Aufsichtsrat des FC Bayern München. Für Montag ist die nächste Sitzung geplant. Audi-Chef Rupert Stadler der Bild am Sonntag: "Wir stehen für achtbares, ehrliches und regelkonformes Verhalten im Geschäftsalltag". Weiter wollte sich Stadler wegen der laufenden Ermittlungen gegen Hoeneß nicht äußern.

Audi hält wie Adidas gut neun Prozent an der FC Bayern München AG. Deren Haupteigner ist der Fußballverein.Insgesamt acht Aufsichtsräte sitzen in dem Gremium, das von Hoeneß geleitet wird.  Spiegel Online hatte berichtet, mehrere Aufsichtsräte wollten Hoeneß auf der nächsten Sitzung nahelegen, seine Ämter bis zur Klärung der Vorwürfe gegen ihn ruhen zu lassen. Hoeneß hat einen Rücktritt ausgeschlossen.

VW-Chef Martin Winterkorn, der ebenfalls im Bayern-Aufsichtsrat sitzt, sagte im ORF-Fernsehen: "Ob das im Aufsichtsrat am Montag diskutiert wird, weiß ich nicht. Ich gehe mal davon aus, eher nicht."

Kritik von CDU und FDP

Unterdessen diskutieren Politiker: "Was Herr Hoeneß getan hat, ist völlig inakzeptabel", sagte Unions-Fraktionsvize Michael Fuchs der Welt. "Wer hier reich geworden ist, soll auch seine Steuern zahlen." FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle sagte, er habe kein Verständnis für Steuerhinterziehung. "Sie ist kein Kavaliersdelikt." 

Hoeneß hatte die Steuerhinterziehung öffentlich eingeräumt und sie als schweren Fehler bezeichnet. Die Staatsanwaltschaft München prüft, ob er sich im Januar rechtzeitig und vollständig selbst anzeigte, um einer Strafe wegen Steuerhinterziehung zu entgehen. Sollte das nicht der Fall sein, droht ihm eine mehrjährige Haftstrafe. Nach unbestätigten Medienberichten ist Hoeneß nur gegen eine Millionen-Kaution auf freiem Fuß, nachdem er Mitte März vorläufig festgenommen worden sei.


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Kommentare

9 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Die Vertreter der Wirtschaft

müssen und werden natürlich aufpassen, dass sie nicht verdächtigt werden, mit einem Augenzwinkern über das Gebaren eines Millionenbetrügers hinwegzusehen.

Ich habe immer viel von Hoeneß gehalten und tue dies immer noch. Dennoch: Was er gemacht hat ist nun einmal kriminell, auch wenn er mit viel Glück ohne Haftstrafe davon kommen sollte. Den Rücktritt sollte er davon jedenfalls nicht abhängig machen. Und wenn er das selber nicht einsieht, dann werden es ihm die anderen Aufsichtsräte schon klarmachen.

Das wahrscheinlichste Szenario ist für mich: Bayern gewinnt drei Titel, Hoeneß hat sein Lebensziel erreicht und die Weichen für eine goldene Zukunft des Vereins gestellt. Einen besseren Zeitpunkt für einen Rücktritt gibt es nicht. So oder so ähnlich wird er es verkaufen, aber zu Beginn der nächsten Saison ist er weg.

Dann werden die nächsten Säue durch die Dörfer getrieben und die Sache gerät in Vergessenheit.

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wenn es tatsaechlich so sein sollte das hoeness zu gunsten adidas ein weitaus hoeheres angebot von nike abgelehnt hat, hat er kurzfristig bestimmt nicht zum vorteil seines vereins gehandelt. allerdings kann und will ich mir nicht vorstellen das hoeness so einen megadeal ohne wissen seiner kollegen und des aufsichtsrates durchgezogen hat. also haben alle dreck am stecken. das hilft natuerlich enorm bei der wahrheitsfindung, hat doch dann jeder dreck am stecken.

Es geschehen noch Wunder

Daß ich mich mal genötigt sehe, einen Hoeneß zu verteidigen, ist allerhand.
Wohlgemerkt nicht bei dem Steuerbetrug, für den er meiner Meinung nach zu Recht auch Gefängnis fürchten muß.
Aber allerorten solche Spekulationen loszutreten, zu einem Zeitpunkt, wo sich der Betroffene nicht wehren darf, ist immer übel.
Außer der zeitlichen Nähe der Geschehnisse gibt es für mich bisher keinerlei beweisbaren Zusammenhang. Und wer nicht glaubt, daß ein finanzieller Verzicht durchaus zu rechtfertigen ist, wenn man dafür mit mehr Renommee rechnet, sollte sich von Verantwortung in der Geschäftswelt besser fernhalten.

Interessant wäre es schon, wenn Hoeneß sich dazu mal äußern darf. Aber bis dahin...