Bayern München : Mit Glanz und Geld zurück an die Macht

So stark wie die Bayern war noch kein anderer Klub in der Bundesligageschichte – eine beeindruckende Reaktion auf die zwei titellosen Jahre zuvor, kommentiert O. Fritsch.
Bayerns Trainer Jupp Heynckes feiert den Sieg seiner Mannschaft. © Christof Stache/AFP/GettyImages

Dass die Bayern in Frankfurt ihre dreiundzwandzigste Meisterschaft sichern würden, war ziemlich klar, obwohl es ein Auswärtsspiel beim Tabellenfünften war, einem Anwärter auf die Champions League. Doch zurzeit ist mit nichts anderem als mit Bayern-Siegen zu rechnen. Das 1:0 war der elfte Sieg der Bayern im elften Spiel in diesem Jahr, es war der dreizehnte Auswärtssieg im vierzehnten Auswärtsspiel in dieser Saison. Jupp Heynckes' Elf hat nur ein Mal verloren. Nur drei von vielen Rekordwerten.

Mit Superlativen muss man vorsichtig sein, doch die Bayern sind der beste, der dominanteste Meister, den die Bundesliga in fünfzig Jahren erlebt hat. Sie zeigen so gut wie keine Schwäche. Wegen ihrer taktischen Reife und ihrer Disziplin in der Defensive fällt es schwer, gegen sie ein Tor zu schießen. Gleichzeitig steht die Bayern-Elf für Fairness, Schönheit und Offensive. Man denke an die neun Tore gegen den HSV, die sie drei Tage vor dem wichtigen Duell mit Juventus Turin erzielte. Der knappe Sieg bei der Eintracht war fast untypisch.

Bayern München ist zurück an der Macht, wie Uli Hoeneß sagt. Nur noch sieben Punkte aus den verbleibenden sechs Spielen bis zum Saisonende, dann ist auch noch ein neuer Punkterekord erreicht, eine weitere Facette dieser Saison. Den alten hat Borussia Dortmund im Vorjahr aufgestellt. "Uns sind die 81 Punkte letztes Jahr ziemlich schwer gefallen, den Bayern scheinen sie dieses Jahr ziemlich leicht zu fallen", sagt Jürgen Klopp – der Mann, der auch mit der neuen Stärke der Bayern zu tun hat.

Denn die Leistung der Bayern in diesem Jahr ist eine Reaktion auf die vergangenen zwei, als der stolze Verein ohne Titel blieb. Eine Reaktion auf die Borussia, die mit weniger Geld und schwächeren, zumindest unerfahreneren Spielern zwei Mal Meister wurde. In München fragt man nicht: Warum sind wir dieses Jahr so stark? Sondern: Warum waren wir es vorher nicht?

Reagiert hat zum ersten die Mannschaft. Ihr Hunger auf Erfolg war und ist so groß, dass fast alle Eitelkeiten verdeckt blieben. Von Arjen Robben und Mario Gomez, die oft die Bank drückten, war nur ab und an und nur kurz Grummeln zu hören. Auch dringen keine internen Konflikte nach Außen, man hört nur: Zwei Nationalspieler sollen sich seit einiger Zeit nicht mehr viel zu sagen haben.

Oliver Fritsch

Oliver Fritsch ist Redakteur im Ressort Sport bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Reagiert hat zum zweiten der Trainer. Jupp Heynckes hat dem Ballbesitzfußball, den die Mannschaft noch dank Louis van Gaal beherrscht, wichtige Pressing-Elemente beigemischt. Ein Faktor war auch, dass er, anders als im Vorjahr, Thomas Müller den Vorzug vor Robben gegeben hat.

Reagiert hat zum dritten die Führung. Der Präsident Hoeneß ist wieder aktiver geworden. Zudem kaufte der Verein vor und während der Saison für 70 Millionen Euro fünf neue Spieler, die sich allesamt als Verstärkungen erwiesen haben. Bayern München kann sich in der Transferbilanz seit 2010 ein Minus von 116 Millionen Euro leisten. Zum Vergleich: Dortmund erwirtschaftete in dieser Zeit ein Plus von 5 Millionen. Auch das meint Hoeneß mit Macht.

Nun das noch: Ab Sommer wird Pep Guardiola, der begehrteste Trainer der Welt, die Bayern trainieren. Mit ihm will der Klub eine noch glorreichere Zukunft gestalten. Doch allen, die eine dauerhaft langweilige Bundesliga fürchten, sei gesagt: Den Bayern wird es nicht immer gelingen, ihre Macht und ihre finanzielle Überlegenheit so eindrucksvoll, so glänzend, so perfekt in sportliche umzumünzen wie in der Saison 2012/2013. Denn es ist offen, wie lange sich die vielen Bayern-Stars auf und neben dem Platz dauerhaft einem einzigen Ziel unterordnen werden.

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