Boston-MarathonWir sind zu zäh, um uns von Feigheit unterkriegen zu lassen

Marathonläufer stehen für Freiheit, Menschlichkeit und Lebensbejahung. In Boston wurden diese Werte angegriffen, aber die große Idee wird nie kaputtgehen. von 

Läuferinnen umarmen sich nahe der Ziellinie in Boston

Läuferinnen umarmen sich nahe der Ziellinie in Boston  |  © Shannon Stapleton/Reuters

Marathonläufe sind kein gewöhnlicher Sport. Sie unterscheiden sich von großen Fußballspielen, Formel-1-Rennen oder Boxkämpfen. Weil sie allem Kommerz und Brimborium zum Trotz ihren eigenen Geist behalten haben. "Wenn du den Glauben an den Menschen verlierst, schaue dir einen Marathon an", sagte Kathrine Switzer einmal, die erste Frau, die einen Boston-Marathon lief, 1967, als sie sich einfach dazuschlich.

In keinem anderen Sport starten Profis und Hobbysportler zusammen. In keinem anderen Sport geht es nicht ums Gewinnen oder Verlieren. In keinem anderen Sport wird kaum gefoult, geschummelt, betrogen. In keinem anderen Sport gibt es keine Buhrufe. Laufen ist der friedlichste Sport der Welt.

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Und der einfachste. Ob die Legende des griechischen Soldaten Pheidippides nun in allen Punkten stimmt. Ob er damals, 490 v. Chr., wirklich von der griechischen Küstenstadt Marathon aus mit der Nachricht des Sieges über die Perser nach Athen eilte, wo er tot zusammenbrach – egal. Laufen ist der Ursport. Ein paar Schuhe an und los. Ob im Park, am Fluss, im Wald oder eben in der Boylston Street in Boston. Der Anschlag von Boston war auch ein Anschlag auf die Freiheit des Laufens.

Und es geschah ausgerechnet an der Ziellinie. Dem Sehnsuchtsort jedes Marathonläufers. Bei jedem Trainingslauf, jedem Schweißtropfen, jedem Muskelkater, jedem Ziehen hier und Stechen da, bei jedem schwachen Moment, jedem Augenblick des Zweifels denken Läufer an diese Linie. Manche träumen nachts von ihr. Die Ziellinie eines Marathons zu überqueren kann zu den glücklichsten Augenblicken des Lebens gehören.

Der Bombenanschlag in Boston schockiert, weil er Menschen das Leben nahm und schwer verletzte. Weil er mit grauenhafter Kalkulation Bilder erzeugte, die bleiben. Das ist eine Tragödie.

Der Anschlag schockiert aber auch, weil er einen Sport, ja eine kleine Welt traf, die mehr als alle anderen für Freiheit, Menschlichkeit und Lebensbejahung stand. Eine Welt, die nun schwer erschüttert ist.

Für den Menschen der digitalisierten Fortschrittsgesellschaft ist ein Marathon die leichteste Art, seine Grenzen zu erkennen, darüber hinaus zu gehen und danach dieses süchtig machende Gefühl der Erfüllung zu spüren. Mehr Sport, ach was, mehr Leben geht nicht.

Auf den ersten Blick sind die Marathonis ein Haufen Eigenbrötler, in ihrer Einsamkeit gestählt von zig Trainingsstunden. Doch kommen sie zusammen, werden sie verbunden durch die verrückte Idee, mehr als 42 Kilometer schnaufend zurückzulegen, Kleine und Große, Dicke und Dünne, Alte und Junge, Schwarze, Gelbe, Weiße, Rote. Nichts eint so sehr wie das Laufen. Es ist jeder einzeln unterwegs, doch ohne den Sog der anderen geht es nicht. Wer schon einmal an der Startlinie eines großen Marathons stand und hörte, wie sich die Läufer kurz vor dem Startschuss in Stimmung klatschen, erst einige, dann alle – emotionaler geht es kaum.

Leserkommentare
    • gquell
    • 17. April 2013 13:44 Uhr
    1. Fragen

    Ich habe mir das Video der Explosionen mehrfach angesehen.
    Und je öfter ich das tue, desto mehr verfestigt sich der Eindruck, daß da irgendetwas faul ist. Die Bomben explodierten und erzeugten eine riesige weiße Dampfwolkte. Die Zerstörungskraft richtete sich scheinbar ausschließlich gegen die Gebäude und nicht in Richtung der Läufer.

    Mein Beileid gilt den Opfern. Das ändert aber nichts an meiner Ansicht, daß an diesem Attentat etwas faul ist.

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    fabrikmäßig gefertigte Druckbehälter wiesen immer eine Sollbruchstelle auf. Egal ob es sich um die Autoklaven in meinem Betrieb oder um einen simplen Kochtopf handelt.
    Beim Topf versagt, in Ermangelung einer Berstscheibe, die Ringdichtung des Deckels und der Wasserdampf kann im Regelbetriebsfall entweichen. Wenn man die Überreste betrachtet sind hier wohl auch die Verbrennungsgase mit den Metallteilen so kreisförmig, parallel zur Erdoberfläche entlang des Dichtungssaumes herausgespült, und nicht in alle Richtungen verteilt worden. Was letztendlich dafür gesorgt hat möglichst viele Menschen zu treffen.

    Die Wolke stammt wohl von den Schwarzpulverrückständen und ist allem Anschein nach normal.

    Was die Richtwirkung angeht, so kann der Verdacht aufkommen, hier wusste jemand recht genau was er da tut und hat das bestimmt vorher einmal ausprobiert!

    Peter

    Beim Lesen Ihres Kommentars stellen sich mir schon wieder die Nackenhaare auf. Was soll diese Art des unterschwelligen Unterstellens einer Verschwörung? Denn so fangen Verschwörungen meist an. Man unterstellt einfach, es ist etwas faul und man müsse da mal genauer hinsehen und wahrscheinlich handelt es sich um dies und sehr wahrscheinlich um das und wenn man genau hingesehen hat, war da ein Mann mit einer Uniform, der da bestimmt nicht hingehörte usw.usw.usw.

    Ist Ihnen derart langweilig, dass Sie sich mit so etwas beschäftigen müssen oder wollen Sie die Arbeit nicht lieber denen überlassen, die was davon verstehen?

  1. nach vielen anderen ängstlichen und panischen ein angenehm positiver Artikel. Sehr schön!

    Und das: "Wir sind zu zäh, um uns von Feigheit unterkriegen zu lassen." sollte nicht nur für Hobbyläufer gelten.

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    • hermse
    • 18. April 2013 8:26 Uhr

    Ich möchte nicht respektlos gegenüber den Opfern sein. Die haben immer mein Beileid.

    Aber ich finde es schon fast pervers, dass solche schrecklichen Taten immer nur Aufmerksamkeit bekommen wenn die USA oder westliche Länder die Zielscheibe sind. Wenn in Afrika oder einem armen asiatischen Land so etwas passiert, interessiert es keine S**.

    Wieviele Kinder in Afrika treten jeden Tag auf eine (westliche) Mine und verlieren ihr Leben oder Gliedmaßen?!? Wo sind die Kondolenzartikel für sie? Und Beileidsbekundungen?

  2. fabrikmäßig gefertigte Druckbehälter wiesen immer eine Sollbruchstelle auf. Egal ob es sich um die Autoklaven in meinem Betrieb oder um einen simplen Kochtopf handelt.
    Beim Topf versagt, in Ermangelung einer Berstscheibe, die Ringdichtung des Deckels und der Wasserdampf kann im Regelbetriebsfall entweichen. Wenn man die Überreste betrachtet sind hier wohl auch die Verbrennungsgase mit den Metallteilen so kreisförmig, parallel zur Erdoberfläche entlang des Dichtungssaumes herausgespült, und nicht in alle Richtungen verteilt worden. Was letztendlich dafür gesorgt hat möglichst viele Menschen zu treffen.

    Die Wolke stammt wohl von den Schwarzpulverrückständen und ist allem Anschein nach normal.

    Was die Richtwirkung angeht, so kann der Verdacht aufkommen, hier wusste jemand recht genau was er da tut und hat das bestimmt vorher einmal ausprobiert!

    Peter

    Antwort auf "Fragen"
  3. Mal sehen ob sie zäh genug sind, gegen die Folgen zu bestehen. Das ein Kind stirbt, dass war das Beste was der US Regierung passieren konnte... Patriot Act 3, 4, 5, etc. pp. Inc!!!

    via ZEIT ONLINE plus App

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    ... ist Ihr schlauer Kommentar, jenseits an jeder Realität vorbei mitten ins Herz jeden Verstandes hinein.

    :-))))))))

    Wer für diesen Anschlag verantwortlich ist, weiß niemand von uns.
    Wie die amerikanische Regierung letztendlich hierauf reagieren wird, weiß auch niemand von uns.
    Wer und ob jemand durch diese Ereignisse provitieren wird, weiß auch niemand von uns.

    Ansonsten finde ich Ihren Kommentar reichlich geschmack- und vor allem gedankenlos, und völlig am Artikel vorbei gedacht und geschrieben.

  4. 5. [...]

    Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/mo.

    Eine Leserempfehlung
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    werden Sie selbst Marathonläufer, dann können Sie sich eine informierte Meinung bilden.
    Eine, die die Läufer interessiert ;-)

  5. Beim Lesen Ihres Kommentars stellen sich mir schon wieder die Nackenhaare auf. Was soll diese Art des unterschwelligen Unterstellens einer Verschwörung? Denn so fangen Verschwörungen meist an. Man unterstellt einfach, es ist etwas faul und man müsse da mal genauer hinsehen und wahrscheinlich handelt es sich um dies und sehr wahrscheinlich um das und wenn man genau hingesehen hat, war da ein Mann mit einer Uniform, der da bestimmt nicht hingehörte usw.usw.usw.

    Ist Ihnen derart langweilig, dass Sie sich mit so etwas beschäftigen müssen oder wollen Sie die Arbeit nicht lieber denen überlassen, die was davon verstehen?

    Antwort auf "Fragen"
  6. ... ist Ihr schlauer Kommentar, jenseits an jeder Realität vorbei mitten ins Herz jeden Verstandes hinein.

    :-))))))))

    Wer für diesen Anschlag verantwortlich ist, weiß niemand von uns.
    Wie die amerikanische Regierung letztendlich hierauf reagieren wird, weiß auch niemand von uns.
    Wer und ob jemand durch diese Ereignisse provitieren wird, weiß auch niemand von uns.

    Ansonsten finde ich Ihren Kommentar reichlich geschmack- und vor allem gedankenlos, und völlig am Artikel vorbei gedacht und geschrieben.

    Antwort auf "Zäh genug?"
    • Hokan
    • 17. April 2013 15:02 Uhr

    Da liebt jemand seinen Sport. Und er liebt die Menschen, die ihn betreiben.

    2 Leserempfehlungen

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  • Schlagworte Anschlag | Freizeit | Obst | Boston | Athen
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