Bundesliga-Rückschau : Etwas Dankbarkeit für Hoeneß wäre angebracht

Rummenigge schmuggelt Uhren steuerfrei nach Bayern. Schaaf wird als Verlierer gefeiert, und dank Hoeneß befasst sich Deutschland mit der Moral. Die Bundesliga-Rückschau
Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß im "Audi Dome" im November 2012 in München © Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images

Wer spielte wie gegen wen?

SpVgg Greuther Fürth – Hannover 96 2:3
Bayern München – SC Freiburg 1:0
Bayer 04 Leverkusen – Werder Bremen 1:0
VfL Wolfsburg – Borussia Mönchengladbach 3:1
TSG Hoffenheim – 1. FC Nürnberg 2:1
FC Augsburg – VfB Stuttgart 3:0
Fortuna Düsseldorf – Borussia Dortmund 1:2
1. FSV Mainz 05 – Eintracht Frankfurt 0:0
FC Schalke 04 – Hamburger SV 4:1


Welches Spiel durften Sie auf keinen Fall verpassen?

Vergessen Sie mal kurz Uli Hoeneß, das Steuer-Schlitzohr oder Karl-Heinz Rummenigge, den Rolex-Schelm (siehe unten). Schalke gegen Hamburg, das war cool, keine Champions League, aber Bundesliga de luxe. Vor allem wegen der Schalker, genauer: wegen Klaas-Jan Huntelaar. Fast zwei Monate musste der niederländische Stürmer wegen schmerzendem Knie nur zuschauen. "Ich freue mich wie ein kleines Kind", hatte er vor dem Anpfiff gesagt. Dann stand er im Angriffszentrum und traf, egal ob die Bälle von links oder rechts kamen. Drei von vier Schalker Toren erzielte er selbst, ein weiteres bereitete er vor. Das war beinahe so gut wie Robert Lewandowski in der Champions League und wie jenes Lied, das seine Fans einst für Huntelaar komponierten. Nach dem Abpfiff sagte der 29-Jährige mit dem Grinsen eines kleinen Kindes: Das war sein Spiel des Jahres.

Welches Spiel konnten Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Bayern gegen Freiburg, eigentlich hätte es ja heißen müssen: Bayern II gegen Freiburg I. Die Bundesligaauftritte der beiden besten deutschen Teams verkommen ja zum Schaulaufen der Ersatzspieler. Fußballer im Wert von knapp 200 Millionen Euro saßen am Samstag auf der Ersatzbank der Bayern. Die Dortmunder spielten ebenso von Beginn an nur mit einem Stammspieler. Obwohl. Stammspieler. Welch ein verstaubtes Wort. Klingt wie Videotext oder Telefonzelle. Passt nicht mehr in eine Zeit wie diese, in der ein Fußballteam aus mindestens 22 Milliardären bestehen muss, um in Deutschland, Europa und der gesamten Fußballgalaxie zu bestehen. Die Bayern jedenfalls haben es geschafft, gegen Freiburg gewonnen, zum 20. Mal zu null gespielt und somit 84 Punkte gesammelt – für nationale Verhältnisse ist das Rekord, so was stand noch nie im Videotext. Aber wen interessiert das im globalen München noch. Wie sagte ihr Scout (Götze, Lewandowski!) Paul Breitner so treffend im Aktuellen Sportstudio: "Wir orientieren uns nicht an der Bundesliga, wir wollen den europäischen, sprich den Weltfußball mit dominieren."

Wer stand im Blickpunkt?

Angesichts der Sorgen anderer Vereine erscheinen die Probleme beim SV Werder Bremen wie aus der Zeit gefallen. Es gibt keine großen Geldsorgen und keine Steuerermittler an der Weser. Einzig: Die Mannschaft gewinnt nicht. Seit zehn Spielen nicht mehr. Jeder andere Bundesligist hätte in so einer Phase vielleicht schon zwei Cheftrainer entlassen. Wohl erst recht nach dem 0:1 in Leverkusen. Bremen steht jetzt auf dem 14. Tabellenrang, hat nur noch zwei Punkte Vorsprung vor dem Relegationsplatz. Doch weder der Sportdirektor Thomas Eichin, noch die Fans fordern das Aus des Trainers Thomas Schaaf. Nach der Pleite in Leverkusen feierten die mitgereisten Werder-Fans ihr Team sogar und so laut, dass Spieler und Trainer noch einmal aus der Kabine kamen, um sich zu bedanken.

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