Jetzt stehen erstmals zwei deutsche Klubs im Halbfinale des stärksten Wettbewerbs des Weltfußballs. Jubel und Zuversicht sind groß. Es ist erst ein paar Jahre her, da beherrschten englische, spanische und italienische Vereine die Champions League. Bundesliga-Vereinen blieb die Nebenrolle.

Die Champions League wurde 1992 gegründet, als der deutsche Fußball den Anschluss an die Weltspitze verlor. Rund zehn Jahre später setzte Gerhard Mayer-Vorfelder, der damalige DFB-Präsident mit skandalträchtiger Vita, eine Nachwuchsreform durch. Fortan mussten Vereine und Verbände mehr Geld und Zeit in die Jugend investieren.   

Die aktuelle Profi-Generation profitierte von dieser Vorarbeit. Das beobachtet man seit einigen Jahren in der Nationalmannschaft, nun mischt sie auch auf höchster Klubebene mit. In diesem Viertelfinale kamen sechzehn in Deutschland ausgebildete Spieler zum Einsatz, die 25 Jahre oder jünger waren: zehn für Dortmund, vier für Bayern, zwei für Real Madrid.

Sehr gute Spieler sind das eine, es braucht auch sehr gute Vereine. Davon gibt es in Deutschland inzwischen zwei. Bayern München ist ohnehin seit mehr als einem Jahrzehnt eine Marke in Europa, derzeit wirkt die Mannschaft stark wie nie.

Der jungen Mannschaft von Borussia Dortmund, dem ersten deutschen Champions-League-Sieger, fehlt zwar noch die allerletzte Reife. Sie hat aber in diesem Jahr einige Kilogramm Kampfgewicht zugelegt. Sie mag im Halbfinale Außenseiter sein. Doch wie ernst sie von Bayern-Seite inzwischen genommen wird, belegen die Äußerungen von Uli Hoeneß, aber auch viele von Rivalität durchsetzte Diskussionen unter Fans.

Der FC Bayern und der BVB verfolgen unterschiedliche Strategien und werden von unterschiedlichen Identitäten geprägt. Beide haben aber ein Leistungsklima geschaffen, mit dem sie europäischen Maßstäben gerecht werden und mit dem sie sich gegenseitig anspornen. Das Hoch von München und Dortmund wirkt stabil, beide könnten die Champions League künftig mitbestimmen.

Die neue deutsche Stärke hat auch mit der Schwäche der Konkurrenz zu tun. In einigen Vereinen Englands sind die finanziellen Ressourcen größer als die taktischen. Der italienische Stil, Defensive und Abwarten, liegt nicht im Trend; zudem haben viele Klubs weniger Geld als früher. Bloß die beiden spanischen Topteams, Barcelona und Madrid, könnten einen Vorsprung bewahrt haben, auch weil sie sich wirtschaftlich mehr erlauben dürfen.

Dass sich das spanisch-deutsche Duell im Vereinsfußball fortsetzt, hat für deutsche Fans auch eine Kehrseite. Solange der BVB dieses Trainerteam hat, solange Bayern diesen Präsidenten, könnten die anderen deutschen Klubs hinterherschauen. Eine langweilige Bundesliga wäre ein hoher Preis, so schön deutsche Endspiele oder Halbfinals in der Champions League in den kommenden Jahren wären.