Fußball : Generation Champions League

Junge Profis der deutschen Fußballschule prägen die Champions League. Das könnte Bayern und den BVB dauerhaft in Europas Spitze halten. Oliver Fritsch kommentiert.

Jetzt stehen erstmals zwei deutsche Klubs im Halbfinale des stärksten Wettbewerbs des Weltfußballs. Jubel und Zuversicht sind groß. Es ist erst ein paar Jahre her, da beherrschten englische, spanische und italienische Vereine die Champions League. Bundesliga-Vereinen blieb die Nebenrolle.

Die Champions League wurde 1992 gegründet, als der deutsche Fußball den Anschluss an die Weltspitze verlor. Rund zehn Jahre später setzte Gerhard Mayer-Vorfelder, der damalige DFB-Präsident mit skandalträchtiger Vita, eine Nachwuchsreform durch. Fortan mussten Vereine und Verbände mehr Geld und Zeit in die Jugend investieren.   

Die aktuelle Profi-Generation profitierte von dieser Vorarbeit. Das beobachtet man seit einigen Jahren in der Nationalmannschaft, nun mischt sie auch auf höchster Klubebene mit. In diesem Viertelfinale kamen sechzehn in Deutschland ausgebildete Spieler zum Einsatz, die 25 Jahre oder jünger waren: zehn für Dortmund, vier für Bayern, zwei für Real Madrid.

Sehr gute Spieler sind das eine, es braucht auch sehr gute Vereine. Davon gibt es in Deutschland inzwischen zwei. Bayern München ist ohnehin seit mehr als einem Jahrzehnt eine Marke in Europa, derzeit wirkt die Mannschaft stark wie nie.

Oliver Fritsch

Oliver Fritsch ist Redakteur im Ressort Sport bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Der jungen Mannschaft von Borussia Dortmund, dem ersten deutschen Champions-League-Sieger, fehlt zwar noch die allerletzte Reife. Sie hat aber in diesem Jahr einige Kilogramm Kampfgewicht zugelegt. Sie mag im Halbfinale Außenseiter sein. Doch wie ernst sie von Bayern-Seite inzwischen genommen wird, belegen die Äußerungen von Uli Hoeneß, aber auch viele von Rivalität durchsetzte Diskussionen unter Fans.

Der FC Bayern und der BVB verfolgen unterschiedliche Strategien und werden von unterschiedlichen Identitäten geprägt. Beide haben aber ein Leistungsklima geschaffen, mit dem sie europäischen Maßstäben gerecht werden und mit dem sie sich gegenseitig anspornen. Das Hoch von München und Dortmund wirkt stabil, beide könnten die Champions League künftig mitbestimmen.

Die neue deutsche Stärke hat auch mit der Schwäche der Konkurrenz zu tun. In einigen Vereinen Englands sind die finanziellen Ressourcen größer als die taktischen. Der italienische Stil, Defensive und Abwarten, liegt nicht im Trend; zudem haben viele Klubs weniger Geld als früher. Bloß die beiden spanischen Topteams, Barcelona und Madrid, könnten einen Vorsprung bewahrt haben, auch weil sie sich wirtschaftlich mehr erlauben dürfen.

Dass sich das spanisch-deutsche Duell im Vereinsfußball fortsetzt, hat für deutsche Fans auch eine Kehrseite. Solange der BVB dieses Trainerteam hat, solange Bayern diesen Präsidenten, könnten die anderen deutschen Klubs hinterherschauen. Eine langweilige Bundesliga wäre ein hoher Preis, so schön deutsche Endspiele oder Halbfinals in der Champions League in den kommenden Jahren wären.

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Kommentare

59 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Genau das ist der Punkt....

"Eine langweilige Bundesliga wäre ein hoher Preis"!.... Herr Fritsche sie treffen den Nerv der BL! Mal davon abgesehen leisten die anderen BL-Vereine auch sehr gute Jugendarbeit. Ob dies jetzt der FCFrb.; Werd.Br.; VfLW; HertaBSC; S04; oder wer sonst noch alle aus der ersten und zweiten Liga, hier wird hervorragend gearbeitet. Wo dies leider nicht der Fall ist, ist was das Management betrifft. Hier ist der Unterschied leider noch immer sehr, sehr groß! Da kann der DFL noch immer tun was er will, die "Großen" verstehen es immer wieder sich die Größten Brocken zu sichern und somit den Abstand, entweder zu halten, oder auch noch zu vergrößern. Das erzählen sie mal einem Herrn Hönneß, oder Watzke. Die wähnen sich doch in einer ganz anderen Fußballsphäre!!! Das sie damit dem Fußball auf Dauer einen Bärendienst erweisen, ne, ne, das ist Quatsch, keine Ahnung, Looser!!!! Ich werd's wohl nicht mehr erleben, aber mein Enkel hat beste Chancen!

Wo war diese Mannschaft vor 10 Jahren (BVB)? So gut wie Pleite.

Genau richtig. Dass Herr Fritsch die Bayern - aus welchen Gründen auch immer - nicht besonders mag, wird auch hier wieder deutlich. Unterschlägt er doch glatt, dass die Bayern, gerade in den letzten Jahren, 2 mal das CL-Finale geschafft haben, eines gewonnen und in Madrid gegen ManU leider in der Nachspielzeit 2 Tore kassieren mussten. Er unterschlägt auch, dass Hoeneß dem BVB mal schnell mit 5 Mio. ausgeholfen hat, als der in finanziellen Nöten war. Er unterschlägt auch, dass Bayern sehr viele sehr junge und sehr talentierte Spieler auf Leihbasis anderweitig "geparkt" hat. Man erinnere sich an Toni Kross bei Leverkusen, jetzt Weiser bei Kaiserslautern ..... ich kann nicht alle aufzählen.

Ansonsten spielt der FC Bayern schon seit 1966, wenn auch mit Unterbrechungen, eine wichtige Rolle in den intern. Wettbewerben. Herr Fritsch: Die Erfolgsgeschichte des FC Bayern kann man ganz leicht recherchieren, tun Sie es ganz einfach mal. Sie ist nicht plötzlich entstanden, sondern hat sich so gut entwickelt wie die finanzielle Situation des FC Bayern. Auf die wären viele europäische Top-Vereine stolz, denn sie selbst hängen am Tropf entweder eines Oligarchen, eines Scheichs oder sie haben Schulden ohne Ende.

Und da FC Bayern ja nun das "Klopp´sche Erfolgsrezept" (hahaha) kopiert, werden die Bayern wohl weiterhin Erfolge feiern. Oder ist eine CL-Finalniederlage kein Erfolg? Hallo, Herr Fritsch?

Ich kann (wie immer)...

...nicht erkennen, dass Herr Fritsch (oder die Herren Dobbert bzw. Spiller) eine besondere Abneigung gegen den FCB haben. Allerdings auch keine besondere Vorliebe und so gehört sich das für einen Journalisten auch.

Vielleicht könnten sich manche Fans, egal welches Vereins, mal fragen, ob denn ausgerechnet der Blick durch ihre Fan-Brille sie zu einer besonderen Scharfsicht auf das Geschehen rund um ihren Club befähigt.

Die Erfolgsgeschichte des FCB lässt sich relativ leicht auf 3 Punkte runterbrechen:

Dem Glück oder Zufall, dass Spieler von der Qualität eines Sepp Maier, Franz Beckenbauer und Gerd Müller zur rechten Zeit am rechten Ort waren, dem Bau des Olympiastadions und am allermeisten, der Person Uli Hoeneß. Was dieser Mann für seinen Club geleistet hat, kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Für sämtliche finanziellen Möglichkeiten hat Hoeneß das Fundament gelegt und danach ehrgeizig die Gestaltung des FCB zu einem der potentesten Vereine der Welt vorangetrieben.

Was mir als Anhänger des FCB ein bisschen Sorgen machen würde, ist das es für diesen Mann bisher keinen Nachfolger gibt (und Sammer ist weiß Gott keiner) und vielleicht niemals geben wird.