Champions League : Dem FC Bayern genügt eine Durchschnittsleistung

Die Münchner glänzen nicht, ziehen gegen Juventus Turin aber dennoch souverän ins Halbfinale der Champions League ein. Von E. Schlammerl, Turin
Claudio Pizarro bejubelt mit Thomas Müller sein Tor. © Andreas Gebert/dpa

Juventus Turin – Bayern München 0:2 (0:0)

Den Preis für das spannendste Viertelfinale des laufenden Champions-League-Wettbewerbs verpasste der FC Bayern München zwar, der ging eindeutig an Borussia Dortmund, aber immerhin schaffte es der neue deutsche Meister, auch das Rückspiel gegen Juventus Turin für sich zu entscheiden. Dank der Treffer von Mario Mandžukić in der 63. Minute und Claudio Pizarro in der 91. Minute gewannen die Münchner vor 41.000 Zuschauern 2:0 und folgten damit dem Ligakonkurrenten in die Runde der letzten Vier.

Nach dem überzeugenden Auftritt beim 2:0-Sieg im Hinspiel genügte der Mannschaft von Trainer Jupp Heynckes dieses Mal eine kämpferisch gute, aber spielerisch durchschnittliche Leistung, um die Chancen auf den Gewinn des europäischen Titels zu wahren. Auf dem Weg ins Endspiel in London am 25. Mai könnte es nun bei der Auslosung am Freitag zum ersten Mal in der Geschichte der Champions League zu einem deutsch-deutschen Duell im Halbfinale kommen.

Während Turins Trainer Antonio Conte seine Mannschaft im Vergleich zum Hinspiel auf fünf Positionen veränderte, unter anderem fehlten die gesperrten Arturo Vidal und Stephan Lichtsteiner, verzichtete Jupp Heynckes auf Überraschungen. Lediglich Javier Martinez rückte für Luiz Gustavo ins defensive Mittelfeld, der Spanier hatte beim 2:0 vor acht Tagen wegen der dritten Gelben Karte pausieren müssen. Um Andrea Pirlo kümmerten sich auch im modernen Juventus-Stadion wieder überwiegend Thomas Müller und Mario Mandžukić, aber vom italienischen Regisseur ging auch dieses Mal höchstens bei Freistößen Gefahr aus.

Viel mehr beschäftigte die Münchner in der Defensive der neu ins Team gerückte Mirko Vucinic. Der Stürmer sorgte von Anfang an für Wirbel und manchmal auch für ein wenig Unordnung im Bayern-Spiel. Klare Torchancen wusste die Bayern-Abwehr zunächst mit viel Können und auch ein bisschen Glück zu verhindern Bei einem Freistoß von Pirlo aus 17 Metern parierte obendrein Torhüter Manuel Neuer vorzüglich (23.). Auf der anderen Seite bewies der von Franz Beckenbauer als Rentner bezeichnete Gianluigi Buffon, dass er doch noch sehr reaktionsschnell sein kann. Bei einem Distanzschuss von David Alaba war er auf der Hut und klärte souverän (39.).

Für ein wenig Aufregung hatte im Vorfeld der Partie gesorgt, dass die Uefa ausgerechnet einen Schiedsrichter aus Spanien, aus dem Land eines möglichen Halbfinalgegners, für diese Partei angesetzt hatte. Carlos Velasco Carballo gilt außerdem als eher kleinlicher Unparteiischer, der mit Verwarnungen nicht geizt. Und es waren gerade einmal fünf Minuten gespielt, da zückte Carballo die erste Karte. Es traf Mandžukić nach einem Zweikampf mit Turins Verteidiger Giorgio Chiellini. Der Kroate fehlt damit im ersten Halbfinalspiel. Noch vor der Pause sah in Leonardo Bonucci auch ein Turiner Gelb.

Das Pressing in vorderster Linie, das im Hinspiel der Schlüssel zum Münchner Erfolg gewesen war, funktionierte dieses Mal nicht so gut, weil Juventus selbst früh störte, die Zweikämpfe annahm und dagegen hielt. Damit schüchterte die Mannschaft den Gegner ein. Die Münchner reagierten deshalb mehr, als dass sie agierten. Dass noch vor der Pause Daniel van Buyten vom Platz musste und Jerome Boateng in die Innenverteidigung rückte, trug nicht gerade zur Beruhigung des Bayern-Spiels bei. Der Belgier klagte nach einem Ellenbogencheck über Kopfschmerzen.

In der zweiten Halbzeit wirkten die Münchner präsenter – und gefährlicher, die Aggressivität der Italiener ließ hingegen nach, je länger die Partie dauerte. Zunächst traf Arjen Robben in der 57. Minute den Pfosten, ehe Mandžukić fünf Minuten später die italienischen Hoffnungen endgültig zerstörte. Mit dem 1:0 waren die letzten kleinen Zweifel am Halbfinaleinzug des FC Bayern beseitigt. Der eingewechselte Claudio Pizarro sorgte mit seinem Tor für den Endstand. Zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren gehört der Rekordmeister zu den vier besten Mannschaften in Europa.

Juventus Turin: Buffon - Barzagli, Bonucci, Chiellini - Padoin (69. Isla), Pogba, Pirlo, Marchisio (79. Giaccherini), Asamoah - Vucinic, Quagliarella (66. Matri)

Bayern München: Neuer - Lahm, van Buyten (35. Boateng), Dante, Alaba - Javi Martínez, Schweinsteiger - Robben, Müller, Ribéry (80. Luiz Gustavo) - Mandzukic (83. Pizarro)

Schiedsrichter: Velasco (Spanien)

Zuschauer: 40 823

Tore: 0:1 Mandzukic (64.), 0:2 Pizarro (90.+1)

Gelbe Karten: Bonucci / Mandzukic

Beste Spieler: Pogba, Vucinic / Neuer, Ribéry

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Kommentare

90 Kommentare Seite 1 von 8 Kommentieren

Gutes Spiel?

MonSignore,

sagen Sie mir: Fanden Sie es insgesamt ein gutes Spiel? Dass Ihr Herzensclub viel besser gespielt hat als in MUC - das stimmt sicher, aber war es deshalb wirklich gut? Dass Schweinsteiger in den ersten 30 Minuten die schlechteste Passquote seit der E-Jugendzeit ablieferte - lag das am fantastischen Spiel des Gegners, der ihnen alles abverlangte?
Bei allem Respekt. Ich fand es von beiden Seiten nicht überdurchschnittlich.

Bierbäuche a-go-go

1. Es gibt auch bei der Dortmunder Anhängerschaft genügend Bierbäuche (die ultimativen Fans trinken Hansa wegen der damaligen Übernahme der Brauerei Borussia [sic!]), schließlich wird hier in meiner Heimatstadt das beste Pils des Planeten gebraut. So höre ich es zumindest von meinen Freunden; ich selbst kann das nicht beurteilen.
2. Wir sind hier nicht bei der Zeit sondern bei der ZeitOnline. Auch wenn das in ein paar Jahren keinen Unterschied mehr machen wird (schöne Grüße an die Redaktion der Zeit Printausgabe!); soviel Zeit muss sein. =;-)
3. Bitte mit Quellenangabe und nicht guttenbergen, sonst geht der Intellektualitätsanspruch ganz schnell verloren.
4. Die armen Pferde.

Ansonsten: Witziger Post von Ihnen, ich mußte schmunzeln.

P.S. Fast vergessen/btt: Echt lahmer Zock gestern, aber seit Dienstag Abend sind wir auch verwöhnt.