Champions LeagueDortmund schießt sich in der Nachspielzeit ins Halbfinale

Dortmund rettet sich mit zwei Toren kurz vor Spielende ins Halbfinale der Champions League. Auch Madrid schafft es, trotz Niederlage gegen Istanbul. Die Spielberichte

Felipe Santana nach seinem Tor in letzter Minute

Felipe Santana nach seinem Tor in letzter Minute  |  © John Macdougall/AFP/Getty Images

Borussia Dortmund - FC Málaga 3:2 (1:1)

Borussia Dortmund ist nach einer historischen Aufholjagd und einem Sieg in letzter Minute ins Halbfinale der Champions League eingezogen. "Ganz großer Abend, den werde ich nie vergessen. Wir waren alle ganz kurz vorm Herzinfarkt", sagte der BVB-Trainer Jürgen Klopp nach dem Viertelfinal-Rückspiel gegen den FC Málaga.

Dank zwei Toren in der Nachspielzeit feierte der Revierklub doch noch einen weiteren internationalen Sieg und zog erstmals seit 1997 und 1998 wieder in das Halbfinale der Königsklasse ein. Wie schon beim 0:0 im Hinspiel erwies sich Dortmund am Ende als die bessere und vor allem glücklichere Mannschaft.

Nach Toren von Robert Lewandowski (40. Minute), Marco Reus (90.+1) und Felipe Santana (90.+3) kann das Team von dem Trainer Jürgen Klopp weiter auf das Endspiel in Wembley hoffen. Den Schock des frühen 0:1 durch Joaquín (25.) und des 1:2 durch den eingewechselten Eliseu aus stark abseitsverdächtiger Position (82.) steckte der BVB noch weg.

So dürfen sich Mannschaft, Verein und Fans nun bei der Auslosung an diesem Freitag auf mindestens zwei weitere Spiele im Halbfinale am 23./24. April und 30. April/1. Mai freuen. "So etwas habe ich noch nicht erlebt. Ich bin fix und fertig", sagte der BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke unmittelbar nach dem Schlusspfiff. "Es ist schwer, die richtigen Worte zu finden", sagte der Manager Michael Zorc.

Dabei bereitete der Elf in der Anfangsviertelstunde das Hinspielergebnis Schwierigkeiten. Wie der Gegner war auch der BVB zunächst auf Sicherheit bedacht. Die sonst so offensiv- und kombinationsfreudigen Dortmunder scheuten das Risiko. 15 Minuten lang spielte sich das Geschehen in der Arena fast ausschließlich im Mittelfeld ab. Robert Lewandowski gab nach Zuspiel von Mario Götze den ersten kleinen Warnschuss ab. Doch der gewagte Heber des polnischen Nationalspielers ging über die Latte (16.).

Nach 25 Minuten mussten die Gastgeber alle taktischen Überlegungen und das von dem Trainer Klopp angekündigte Geduldsspiel verwerfen. Die bis dahin sicher stehende BVB-Hintermannschaft ließ sich überrumpeln. Joaquin düpierte Marcel Schmelzer, schoss aus 18 Metern Neven Subotic durch die Beine und unhaltbar für Roman Weidenfeller ins untere Eck. Das erste Tor mit dem ersten Torschuss traf die Borussia und bescherte Málaga die erhoffte Führung.

Die spanischen Defensivspieler konnten sich nun noch intensiver der Abwehrarbeit widmen und die Räume für die Dortmunder Angriffe noch enger machen. Lange Zeit gelang der hochgelobten Offensive der Schwarz-Gelben wenig bis nichts – bis zur 40. Minute.

Eine Kombination über Lukasz Piszczek, Jakub Blaszczykowski und Götze landete bei Marco Reus, der per Hacke Lewandowski auflegte. Der Stürmer verwandelte und bewies mit seinem sechsten Königsklassen-Tor seine einmalige Wertigkeit für den entthronten deutschen Fußball-Meister. Unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff überstanden Team und Fans eine weitere Schrecksekunde ohne schlimmen Schaden. Nach einem Freistoß kam Joaquín frei zum Kopfball, scheiterte aber an Weidenfeller (45.+1).

Nach dem Wechsel ging es gleich mit zwei chancenreichen Torraumszenen los. Zunächst scheiterte Lewandowski mit einem wenig platzierten Schuss an Málaga-Schlussmann Willy (47.), nur eine Minute später rettete Weidenfeller nach einem Kopfball des erneut freien Joaquín.

Danach tauchte Götze plötzlich im Strafraum auf, war aber zu überrascht und verzog klar (53.). Die Gäste agierten zwar in dem Wissen, dass ihnen das Remis zum Weiterkommen reichen würde, versteckten sich aber nicht komplett. Die Spanier erwiesen sich als der befürchtet zähe Gegner. Das Spiel wurde nun lebendiger als in der ersten Hälfte. Dortmund fehlte allerdings die spielerische Linie und lange Zeit der Mut zum Risiko. Weidenfeller musste bei einem Distanzschuss von Jeremy Toulalan mit beiden Fäusten klären (70.).

Zwei Minuten später versuchte es Klopp mit einem Doppelwechsel. Nuri Sahin und Julian Schieber kamen, Blaszczykowski und der Platzverweis-gefährdete Sven Bender gingen. Wenig später hatte Reus die Riesen-Chance zum 2:1, scheiterte aber an Willy. Dann überschlugen sich die Ereignisse. Nach dem letzten Pfiff des schottischen Schiedsrichters Craig Thomson bebte das Stadion.

Borussia Dortmund:
Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Felipe Santana, Schmelzer - Gündogan (86. Hummels), Bender (72. Sahin) - Blaszczykowski (72. Schieber), Götze, Reus - Lewandowski

FC Málaga: Willy - Gámez, Demichelis, Sergio Sánchez, Antunes - Toulalan, Camacho - Joaquín (87. Portillo), Isco, Duda (74. Eliseu) - Júlio Baptista (83. Santa Cruz)

Schiedsrichter: Thomson (Schottland)

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Zuschauer: 65.829 (ausverkauft)

Tore: 0:1 Joaquín (25.), 1:1 Lewandowski (40.), 1:2 Eliseu (82.), 2:2 Reus (90.+1), 3:2 Felipe Santana (90.+3)

Gelbe Karten: Bender, Schmelzer / Gámez, Toulalan

Beste Spieler: Lewandowski, Weidenfeller / Willy, Joaquín

Leserkommentare
  1. aber nach dem Zeitspiel von Malaga irgendwie auch verdient...
    eine richtig coole zweite Halbzeit

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    in einem amateurspiel hätte der schiedsrichter längst mit gelben karten um sich geworfen - in einem profi spiel wird sogar das ballwegschiessen nach einem abpfiff nicht geahndet...

  2. Dieser Sieg war äußerst glücklich! Aber wenn man Hin- und Rückspiel betrachtet, war das Weiterkommen der Dortmunder verdient.

    Ich hätte nicht gedacht, das es für die Dortmunder so eng werden würde. Malaga war wesentlich besser als im Hinspiel.

    Aber jetzt mal ehrlich, zwei Tore in der Nachspielzeit, das war doch wohl der mittlerweile berühmt berüchtigte Lüdenscheider-Dusel, oder? ;)

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    richtig, aber erkämpft und verdient gewonnen.
    Das gehört wohl dazu, wenn man an der Spitze EUROPAS spielt.
    Aber eins ist wieder deutlich geworden, in dieser Mannschaft steckt weitere Entwicklungssubstanz bei den vielen rausgespielten Torchancen.

    Ungeschlagen ins Halbfinale der CL alleine ist schon ein diesjähriges Alleinstellungsmerkmal.

    • spacko
    • 10. April 2013 7:22 Uhr

    gleich zwei klare Abseitstore lassen schon einen komischen Nachgeschmack, auch wenn eins auf jeder Seite war.

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  3. Mit dem Schiedsrichter auf ihrer Seite, der Schmelzer seine dringend benötigte gelb-rote verweigert und der einfach so lange spielen lässt, bis Dortmund in Führung liegt, duseln sich die Dortmunder ins Halbfinale - gegen Malaga! Eine selten blamable Vorstellung. Wer hat doch gleich fast seinen gesamten Stammkader am vergangenen Bundesligaspieltag geschont? Und wessen Fans beschweren sich regelmäßig, die Schiedsrichter würden gegen ihre Mannschaft pfeifen? Letzteres sollte sich mit diesem Spiel endgültig erledigt haben.

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    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

    • Slavo
    • 10. April 2013 8:51 Uhr

    Waren das gestern Abend Emotionen pur? Ja!
    War das ein schöner Fussballabend? Ja!
    Und wann ist abseits? Wenn der Schiri pfeift!

    Von daher sind solche Kommentare, wie der von ihnen reine Stromverschwendung!

    • dacapo
    • 10. April 2013 10:05 Uhr

    .......... wurden angezeigt und die wurden abgezuddelt. Nicht mehr und nicht weniger.
    Jetzt eventuelle Schiedsrichterentscheidungen gegen das Weiterkommen der Borussen anzubringen, zeugt von Neid oder Missgunst.
    Nur gut, dass Sie nicht das Abseitstor anbringen können, wie es in spanischen Zeitungen gemacht wurde, denn das gab's auf beiden Seiten.

    Es ist immer für eine Mannschaft schmerzlich, in den letzten Minuten ein Spiel zu verlieren. Hin und wieder kommt es vor. Aber Sie sind ja kein unmittelbarer Betroffener. Der FCB kann ein trauriges Lied davon singen, die haben in den letzten zwei Minuten ein CL-Endspiel verloren geben müssen.

    Ein geiles, emotionales Fußballspiel, das einem lange in Erinnerung bleiben wird und zwar wegen der Dramturgie. Dabei wird es dann keine Rolle mehr spielen, wie viele Abseitstore für das jeweilige Team nicht gepfifen wurden. Es wird auch irgendwann keine Rede mehr von einem Hinspiel sein und einer Gesamtquote bezüglich der vergebenen 100% Chancen beider Teams.
    Ansonsten hätte ich gegen Duseldortmund nichts einzuwenden, sollte es zu ähnlichen Erfolgen beitragen wie das Bayern-Dusel der letzten 5 Jahrzehnte bei denen.

    Vier Minuten Nachspielzeit sind nur in Deutschland unüblich. Hier sind allerdings auch die Nachspielzeiten chronisch zu kurz, wenn Sie mich fragen. In Spanien und England sind die Nachspielzeiten im Schnitt immer ein bis zwei Minuten länger.

    • ferebe
    • 10. April 2013 7:31 Uhr

    Dortmund wird im Halbfinale bei so einer Leistung wahrscheinlich rausfliegen, eindeutig die schlechteste der bisher 3 verbleibenden Mannschaften. Und Malaga war wohl auch der einfachste Gegner der letzten 8. Ich finde beide hätten gleichermaßen das Weiterkommen verdient gehabt!

    3 Leserempfehlungen
  4. 6. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Beiträgen. Danke, die Redaktion/ls

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    • ferebe
    • 10. April 2013 8:18 Uhr

    [...] Aber ein torloses Hinspiel und ein "gerade-so" Sieg in der Nachspielzeit im Rückspiel überzeugen nicht wirklich. Und ja, ich meine dass Malaga im Vergleich mit Juve, Gala, und Paris die schwächere Mannschaft ist. Ganz zu schweigen von Bayern, Real und Barca. [...]

    Gekürzt. Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, wurde mittlerweile entfernt. Die Redaktion/ls

  5. hätte ich gestern im Stadion nicht sein wollen...Herzpillen hätten man dabei haben sollen...

    Grüße

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  6. und wenn der Dortmund-Knaller läuft, wird er nicht übertragen.

    Da frage ich mich doch: Kann man keine Spiele nicht billiger kaufen?

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