Bayern und Dortmund"Es gibt kein Mittel gegen diese Bundesliga"

Eine Fußball-Revolution in 180 Minuten: Nach den Gala-Siegen des BVB und des FC Bayern ist die Anerkennung für den deutschen Fußball im Ausland so groß wie nie zuvor.

Dortmunder Fans mit dem fast echten Champions-League-Pokal

Dortmunder Fans mit dem fast echten Champions-League-Pokal  |  © Patrick Stollarz/AFP/Getty Images

Nein, der FC Bayern und der BVB haben nicht nur gewonnen. Das 4:0 und das 4:1 in der Champions League gegen den FC Barcelona und Real Madrid sind Ausdruck einer Überlegenheit, wie man sie auf diese Art und Weise nicht erwarten konnte. Auch nicht die internationale Presse:

"Lewandowski verschlingt Real", titelte El Mundo aus Spanien. Einen Tag zuvor schrieb El Pais: "Bayern München zermalmt den FC Barcelona." Und "Lewandowskis Tor-Amoklauf gegen Ronaldo und Co", schrieb gewohnt martialisch die englische Daily Mail.

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Doch wer etwas genauer hinschaute, merkte, dass da auch in der Berichterstattung etwas in Bewegung geraten ist. Die deutsche Generation Champions League ist auf dem besten Weg, die spanische Hegemonie zu brechen. Die Anerkennung für den Fußball der Bundesliga ist international daher so groß wie noch nie.

Für die New York Times war diese Woche gar revolutionär: "Veränderungen im europäischen Kräfteverhältnis können Jahrhunderte dauern, doch was Fußball betrifft, passierte die Revolution schnell, in 180 Minuten. Den zweiten Tag hintereinander besiegte ein deutsches Team nicht nur ein spanisches, sondern übertrumpfte es."

In Spanien ist der Schmerz deswegen besonders groß. Es klingt fast verzweifelt, was El Pais formuliert: "Es gibt kein Mittel gegen diese glänzende Bundesliga, die heute über dem Fußball-Planeten strahlt. Weder Barça, einer der großen Vereine dieser Jahre, fand am Dienstag ein Rezept, noch Real Madrid am Mittwoch, der Riese mit einer außergewöhnlichen Galaxie von Spielern und einem Trainer mit einem Ruf wie sonst keiner. Beide wurden überfahren."

Der Guardian aus England hat sich zunächst auf das Spiel der Bayern konzentriert, und traut den Münchnern nach diesem Spiel sogar den Beginn einer Ära zu: "Wenn Barcelona wirklich im Niedergang ist, ist der deutsche Meister das Team, das für eine Übernahme am besten aufgestellt ist. Was die Welt gestern erlebte, hatte die Anmutung einer Wachablösung."

Die italienische Gazetta dello Sport zieht ihre eigenen Schlüsse: "Es läuft auf ein deutsches Finale in Wembley hinaus, und nun scheint Fußball auch die wirtschaftlichen Verhältnisse in Europa widerzuspiegeln, mit einem Deutschland, das dominiert und allen seinen eigenen Rhythmus, seine eigenen Regeln und seine eigene Stärke aufdrängt." 

Die Leser der großen italienischen Sportzeitung sind aber noch skeptisch. In der Online-Umfrage "Hat die Bundesliga die Premier League und La Liga als attraktivste europäische Liga überholt?" stimmten eine Mehrheit von 55 Prozent mit Nein.

Der englische Telegraph beweist notgedrungen Humor. "Football's coming home, und er wird in Lederhosen und gelb-schwarzen Hemden daherkommen. Deutsche Fans, die Englands Lieblingshymne der EM 1996 übernommen haben, machen sich auf den Weg nach London für das Champions-League-Finale am 25. Mai. Der Kuchen zum 150. Geburtstag des englischen Fußballverbandes FA wird eine Schwarzwald-Variante sein. Ein deutsches Finale, mit Potenzial für das längste Elfmeterschießen in der Geschichte, ist möglich. Sicherlich verspricht es, eines der lautesten zu werden."

Dazu passt, dass auch Gary Lineker seinen berühmten Spruch leicht angepasst hat:



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Leserkommentare
  1. Der deutsche Fußball hat sich definitiv gemausert in den letzten Jahren. Die Spanier so zu deklasiseren...das hätten wohl die wenigsten erwartet.

    Man kann nur hoffen, dass die Bayern anderen Vereinen die sich anschicken auf dieses Level aufzusteigen, noch ein bisschen Luft zum atmen lassen. Nehmen wir mal an, die Bayern kaufen neben Götze noch Lewandowski. Das wären dann drei 40 Mill. + Transfere in nichtmal einem Jahr. Und das bei einem Team, dass jetzt schon unschlagbar gut ist.

    Die Bayern sollten jetzt sehr genau darauf achten, wie sie ihre Transferpolitik gestalten. Zugunsten der Aussenmeinung. Zugunsten einer gesunden Bundesliga, bei der auch mal ein anderes Team Meister werden darf.

    Denn da wo finanzielle Übermacht entscheidet, werden sich die Fans reihenweise abwenden. Kein Team braucht zwei oder drei A-Mannschaften. Zumindest keins, dass noch irgenteine Form von Anstand und Moral besitzt.

    Die Bundesliga ist meiner Meinung nach die beste Liga der Welt. Zumindest wenn man Stimmung, Fans, Spannung durch Unvorhersehbarkeit und die Vielfalt der Mannschaften berücksichtigt. Die Bundeliga sollte so erhalten bleiben und extremes Herumwerfen mit Millionen schadet da nur.

    14 Leserempfehlungen
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    Sie appellieren im totalen Kapitalismus allen Ernstes an Anstand und Moral?

    Seien Sie stark, der Aufprall wird äußerst hart.

    • Pnin05
    • 25. April 2013 14:16 Uhr

    Ihren Ansatz verstehe ich, halte ihn aber teilweise für falsch. "Kein Team braucht zwei oder drei A-Mannschaften." Wer international und auch national über eine ganze Saison hinweg bestehen will, braucht wenigstens zwei A-Mannschaften. Oder warum glauben Sie, dass über die Langzeitverletzten Badstuber und Kroos praktisch nicht gesprochen wird? Weil man deren Fehlen nicht merkt, weil adäquater Ersatz bereit steht. So war das auch mit Robben in der Hinrunde. Verletzungen, Sperren, das ist doch bei dieser Dauerbelastung normal. Dazu kommt, dass auch mal ein Spieler - sagen wir: nicht grade seinen Zenith erreicht. Da muss sofort und adäquat reagiert werden können. Das hat diese Saison beim FCB hervorragend geklappt, ist aber keine Garantie auf die Zukunft. Warten wir ab, wie sich der neue Trainer einfindet, welchen Spielstil er dann pflegen will, wie gut er die Fülle von Superfußballern moderieren kann, wenn er die Aufstellung macht. Da sind heute noch viele Fragezeichen. Aber im Modus der Dauerbelastung (Liga, Pokal, CL und Nationalmannschaften) braucht es für erfolgreiches Abschneiden wenigstens zwei A-Mannschaften.

    Wer international und auch national über eine ganze Saison hinweg bestehen will, braucht wenigstens zwei A-Mannschaften.

    Dortmund anscheinend nicht. Dort hat man den Allrounder Grosskreutz, den man zur Not auch mal Ausserverteidiger spielen lassen kann und Santana für die Innenverteidigung. Kehl wird es nichtmehr lange machen und dann gibts auch eine Lücke im Mittelfeld. Wenn offensiv mal ein Spieler fehlt, merkt man das sofort, denn Ersatz ist (auf A-Level) nicht vorhanden.

    Und so spielen 9/10 aller Teams. Weil sie für alles andere kein Geld haben. Einen Pizarro oder Shakiri auf der Bank...davon können die meisten Clubs nur träumen. Und gerade das macht doch die Bundesliga so spannend. Dass eben nicht Geld im Überfluss vorhanden ist und man bei einem Ausfall umbauen und improvisieren muss. Dass man auch mal B-Spieler spielen lässt, wenn A-Spieler ausfallen. Vielleicht beweisen sie sich und liefern ein Topspiel.

    Das ist Fußball! Nicht das risikolose für alles gewappnete. Das ist langweilig!

    so richtig spannend war die Bundesliga dieses Jahr dann doch nicht, wohl eher ziemlich einseitig.

    Die Bayern werden ihre Strategie nicht ändern und weiterhin interessante Spieler von anderen Vereinen abwerben. Der Erfolg wird ihnen recht geben.
    Diesen Erfolg ermöglichen WIR!. Die Dominanz wird dazu führen, dass der Deutsche Meister bereits feststeht, bevor die Runde startet. Uns wird das nicht stören. Wir werden weiterhin unseren Beitrag leisten und uns sogar daran erfreuen, Wetten abschließen zu dürfen, dass es "auch gegen den nächsten Gegner wieder 2-stellig ausgehen wird". Ich erinnere nur an das alte Rom, wo vorher schon klar war, dass die Löwen gewinnen und die Menschen trotzdem in Scharen geströmt sind. Wir als Menschen erkennen Freude daran, wenn sich der "Kleine" bzw. "Schwächere" im Rahmen seiner Möglichkeiten gegen das Unvermeidliche wehrt, um dann doch "gefressen" zu werden.

  2. ...darauf bezieht sich die Zeitung mit ihrem Zitat: "Es gibt kein Mittel gegen diese Bundesliga". Denn lediglich einmal ging Real Madrid als Sieger vom Platz, das war 2000/2001 gegen Bayer Leverkusen.

    Abgesehen, dass Mourinho bereits ankündigte, dass der Spielstand aus Dortmund aufholbar sei, kontert heute Barca-Star Iniesta bzgl. des derzeit diskuierten Ende der spanischen Epoche (aktuell auf "La Marca"):

    "Es hat keinen Sinn vom Ende eines Zyklus zu reden, dafür gibt es keine Argumente. Diese Mannschaft holte in den letzten fünf Jahren zweimal den Champions-League-Titel, erreichte dreimal das Halbfinale. Und gerade sind wir dabei, die vierte Liga-Meisterschaft in fünf Jahren zu holen, dazu kommen Superpokale und einiges mehr...ein gesegneter Zyklus."

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    der einzige Sieg in Deutschland war, heißt doch noch lange nicht, dass sie alle 24 anderen Spiele hier verloren haben, es gab auch noch 6 Unentschieden.

  3. Sie appellieren im totalen Kapitalismus allen Ernstes an Anstand und Moral?

    Seien Sie stark, der Aufprall wird äußerst hart.

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  4. Hallo?
    Das sind gerade mal 2 Mannschaften, die gerade einen Lauf haben. In der Europa League hat man gesehen, wie es dahinter aussieht...relativ grau.

    Erfolg ist außerdem immer von gestern, er will jeden Tag neu erarbeitet werden. Ob die Bayern mit dem neuen Trainer, der das Spielsystem perfektioniert hat, das am sie am Dienstag so gnadenlos auseinander genommen haben, weiterhin erfolgreich bleiben, muss sich noch zeigen.

    7 Leserempfehlungen
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    Um den Stellenwert der Bundesliga im europäischen Vergleich zu bestimmen, muss man das Abschneiden sämtlicher Bundesligisten in sämtlichen europäischen Wettbewerben und nicht zuletzt das der Nationalmannschaft in dern internationalen Wettbewerben betrachten. So gesehen, sehe ich die Bundesliga heute noch nicht auf Platz Eins in Europa. Aber wer weiß, das kann ja noch kommen.

  5. ...muss ich jetzt unweigerlich an dieses Zitat denken:
    "Der deutsche Fußball wird auf Jahre hinaus unschlagbar sein"?

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    Der deutsche Fußball wird auf Jahre hinaus unschlagbar sein» (Beckenbauer nach dem WM-Sieg 1990)

  6. man hat eben dsa erreicht wo man in Italien , Spanien oder England schon lange ist. Die restlichen Mannschaften sind dann eigentlich die zweiten Mannschaften. Da wirkt geradezu grotesk wenn die BSTU über den BFC und Mielke herzieht. Ein solche Fußballpolitik wie in der BRD war in der DDR jedenfalls nicht möglich.

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    • u.t.
    • 25. April 2013 17:40 Uhr

    "Bayern und Borussia und danach kommt eine Weile nichts....

    man hat eben dsa erreicht wo man in Italien , Spanien oder England schon lange ist. Die restlichen Mannschaften sind dann eigentlich die zweiten Mannschaften. Da wirkt geradezu grotesk wenn die BSTU über den BFC und Mielke herzieht. Ein solche Fußballpolitik wie in der BRD war in der DDR jedenfalls nicht möglich."

    Für dieses Bild bin ich Ihnen unendlich dankbar:

    Hoeneß = Mielke

    Der wirklich erste Kommentar von Ihnen den ich empfehle, aah ist das schön, ich küsse und umarme Sie, Companero!

  7. Der BVB hat Real in einem berauschenden Spiel 4:1 geschlagen; der FCB hatte schon im VF Juve fulminant in die Schranken verwiesen und die TT-Truppe aus Barcelona im 1. HF mit 4:0 nach Hause geschickt. La Liga ist wieder erste Sahne im europäischen Fußball, was selbst auf der Insel bewundert wird (http://www.geowis.de/prod...). Sowohl der FCB als auch der BVB gelten als vorbildlich im europäischen Fußball. Was will man mehr?

    Eine Leserempfehlung
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    Konkurrenz und kein Monopol oder Oligopol

    Das europäische Vereinssystem ist lächerlich, denn es führt zwangsläufig zu einer solchen Situation.

    Die Amis sind uns hier um einiges Voraus. NBA,NFL und NHL sind deutlich spannender. Denn ein Draftsystem und Budgetgrenzen sorgen dafür, dass sich kein Team über Jahrzehnte an die Spitze stellt.

    War die Bundesliga bis auf ein paar Ausreißer wirklich spannend oder nur die Platz kämpfe hinter Bayern bzw dem jeweils anderen Oligarchen der jeweiligen Zeit (Bremen, Gladbach, Leverkusen und Dortmuns)?

    • Pnin05
    • 25. April 2013 14:16 Uhr

    Ihren Ansatz verstehe ich, halte ihn aber teilweise für falsch. "Kein Team braucht zwei oder drei A-Mannschaften." Wer international und auch national über eine ganze Saison hinweg bestehen will, braucht wenigstens zwei A-Mannschaften. Oder warum glauben Sie, dass über die Langzeitverletzten Badstuber und Kroos praktisch nicht gesprochen wird? Weil man deren Fehlen nicht merkt, weil adäquater Ersatz bereit steht. So war das auch mit Robben in der Hinrunde. Verletzungen, Sperren, das ist doch bei dieser Dauerbelastung normal. Dazu kommt, dass auch mal ein Spieler - sagen wir: nicht grade seinen Zenith erreicht. Da muss sofort und adäquat reagiert werden können. Das hat diese Saison beim FCB hervorragend geklappt, ist aber keine Garantie auf die Zukunft. Warten wir ab, wie sich der neue Trainer einfindet, welchen Spielstil er dann pflegen will, wie gut er die Fülle von Superfußballern moderieren kann, wenn er die Aufstellung macht. Da sind heute noch viele Fragezeichen. Aber im Modus der Dauerbelastung (Liga, Pokal, CL und Nationalmannschaften) braucht es für erfolgreiches Abschneiden wenigstens zwei A-Mannschaften.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, cs
  • Schlagworte Bayern | Dortmund | Bundesliga | Fußball | FC Barcelona | FC Bayern München
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