Éric AbidalDer erste Profi, der mit gespendeter Leber spielt

Seit zwei Jahren kämpft Éric Abidal vom FC Barcelona gegen den Krebs. Nun feiert der Fußballer nach einer Lebertransplantation sein Comeback. Von Eike Kühl von 

Éric Abidal dankt nach dem Abpfiff seinem Cousin.

Éric Abidal dankt nach dem Abpfiff seinem Cousin.  |  © Toni Albir/dpa

Es ist die 70. Minute, der FC Barcelona führt bereits 5:0 gegen den Tabellenletzten aus Mallorca, aber das Highlight des Spiels beginnt jetzt. Éric Abidal steht am Spielfeldrand, hält sich die Hände kurz zum Gebet vor die Brust und betritt unter Sprechchören den Platz. Die Zuschauer im Camp Nou stehen auf. Mehr als ein Jahr musste der ehemalige französische Nationalspieler auf diesen Moment warten: Seit dem 26. Februar 2012 hatte er kein Spiel mehr bestritten.

Éric Abidal ist geduldig. Er hat es gelernt in den vergangenen beiden Jahren, er musste es. Seit März 2011, als die Ärzte einen Tumor in seiner Leber feststellten hat sich vieles im Leben des 33-Jährigen verändert. Dabei schien der Krankheitsverlauf zunächst für den Franzosen zu sprechen. Bereits zwei Tage nach der Diagnose wurde der Tumor erfolgreich entfernt. Zwei Wochen später zeigte sich Abidal schon wieder im Stadion und feuerte sein Team an. Dass er noch in der laufenden Saison zurückkehren könnte, das hielten die Ärzte und Verantwortlichen zu diesem Zeitpunkt für unwahrscheinlich, nahezu unmöglich. Sie sollten sich irren.

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Am 3. Mai 2011, nur 47 Tage nach dem Eingriff, betrat Abidal wieder den Rasen. Im letzten Clásico der Saison, ausgerechnet im Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid wurde "Abi" unter den Rufen von 95.000 Zuschauern im Camp Nou für Barça-Kapitän Carles Puyol eingewechselt. Das Spiel war zu diesem Zeitpunkt längst gelaufen, Barcelona zog ins Finale ein. Doch der eigentliche Gewinner war Abidal, den seine Mitspieler nach Abpfiff wie eine Trophäe in die Luft warfen. "Mein Herz hat gezittert wie verrückt", sagte er später.

Dabei sollte es noch besser kommen, knapp vier Wochen später im Champions-League-Finale von Wembley. Ausgerechnet dort, wo Barcelona 1992 den ersten Titel gewann. "Schauen wir mal, ob wir den Kreis schließen können", sagte Abidal – und meinte vielleicht auch seine persönliche Katharsis. Das Finale zwei Jahre zuvor musste er aufgrund einer Sperre von der Tribüne aus ansehen. Diesmal durfte er spielen, die kompletten 90 Minuten beim 3:1-Sieg Barcelonas über Manchester United. Kurz vor der Siegerehrung überreichte ihm Carles Puyol die Kapitänsbinde. Es war somit Éric Abidal, der als erster den Pokal in den Londoner Nachthimmel reckte. In diesem Moment schien es, als hätte es den Krebs nie gegeben.

Das fehlende Puzzleteil

Éric Abidal kam 2007 von Olympique Lyon nach Barcelona. Zu dieser Zeit fehlten noch Puzzleteile im großen Gebilde des großen FC Barcelona. Abidal war eines davon: Mit 1,86 Metern ein Hüne für Barça-Verhältnisse, sollte er die Abwehr der Spanier verstärken. Und tatsächlich schaffte er es trotz seiner fast schon legendären Harmlosigkeit vor dem Tor schon bald in die Stammelf – und sollte dort auch bleiben.

Während in den folgenden Jahren der Brasilianer Daniel Alves auf der anderen Seite unermüdlich die Linie entlangflitzte, interpretierte der elegante Linksfuß Abidal seine Rolle als Außenverteidiger eher klassisch. Er sorgte für Stabilität und Ruhe in der Abwehr und hielt somit vor allem Andrés Iniesta auf der linken Seite den Rücken frei. Selbst die jüngere, aufstrebende Konkurrenz mit den Namen Maxwell, der inzwischen in Paris spielt, und Adriano konnten Abidal nie dauerhaft verdrängen. Ende 2011 schien Abidals Rolle bei Barça und in der französischen Nationalmannschaft gesichert. Von seiner Krebserkrankung sprach niemand mehr.

Leserkommentare
  1. Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich an die Final-Szene mit Puyol, der Kapitänsbinde und dem Henkelpott denke. Ich freue mich riesig für Abi. Erwähnt seien hier auch Tito Vilanova und alle, die weniger Glück hatten...
    Visca el Barca y Visca Abi!

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