Fifa-ReformJetzt kann nur noch das FBI helfen

Die groß angekündigte Fifa-Reform erweist sich als Fake, obwohl renommierte Kräfte mitgewirkt haben. Nun greifen Schweizer Politiker und amerikanische Polizisten ein. von 

Joseph Blatter pflegt in der Fifa die Kultur der offenen Hand.

Joseph Blatter pflegt in der Fifa die Kultur der offenen Hand.  |  © Sebastien Bozon/AFP/Getty Images

Es sind nicht mehr nur die Banken, die den Schweizern einen schlechten Ruf bescheren. So denkt der Schweizer Politiker Roland Büchel. "Unser Land hat ein Reputationsproblem", sagt er, "die Sportverbände sind unsere zweite schwache Flanke". In der Schweiz haben etwa 60 davon ihren Sitz. Büchel hat vor allem ein Problem mit ihrem Hang zur Korruption. Als erstes kommt ihm der Fußballweltverband Fifa in den Sinn.

Unvergessen ist für Büchel der Dezember 2010. Damals vergab die Fifa die Weltmeisterschaften 2018 und 2022 an Russland und Katar. Der Aufschrei war groß, Bestechungsvorwürfe gegenüber dem Exekutivkomitee gibt es bis heute. Joseph Blatter, der Präsident, sah sich vehementer Kritik ausgesetzt. Doch ein halbes Jahr später wurde er nahezu einstimmig wiedergewählt.

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Diese beiden Ereignisse erhöhten den Druck der Weltöffentlichkeit auf die ohnehin schlechte beleumundete Fifa. Blatter reagierte und versprach große Reformen. Dazu heuerte er renommierte Leute an: den Münchner Richter Hans-Joachim Eckert, den Mafiajäger und amerikanischen Staatsanwalt Michael Garcia und Theo Zwanziger, den Modernisierer des DFB. Kopf der Reformgruppe wurde der Basler Strafrechtsprofessor und Compliance-Experte Mark Pieth, der dem Verband die Korruption austreiben und eine moderne Struktur verpassen wollte.

"Die Reform der Fifa ist eine große Enttäuschung", sagt Büchel heute. Nach anderthalb Jahren sei von den angekündigten Plänen so gut wie nichts geblieben. Letztes Indiz: Ende März lehnte das Exekutivkomitee Pieths Sieben-Punkte-Programm ab. Das sah etwa Alters- und Amtszeitbegrenzungen vor, einen Integritätscheck durch externe Experten und die Offenlegung der Gehälter und Boni. Vorsichtigen Schätzungen zufolge soll Blatter mindestens fünf Millionen Euro pro Jahr verdienen, auch andere "Ehrenamtliche" aus der Fifa-Führung bekommen jährlich siebenstellige Boni.

Bestochene Fifa-Mitglieder

Auch wurde kürzlich bekannt, dass Pieth nicht seinen Wunschkandidaten als Chefermittler durchsetzten konnte. Michael Garcia war ein Kompromiss zwischen Pieth und dem Exekutivkomitee. Pieth lasse sich von Blatter als Feigenblatt missbrauchen und setze seinen Ruf aufs Spiel, sagt Sylvia Schenk von Transparency International Deutschland. Die Anti-Korruptions-NGO war ursprünglich auch in Blatters Reformteam vorgesehen, sprang aber ab.

Pieth hatte stets beteuert, dass er zurücktreten werde, falls seine Vorschläge abgelehnt würden. Er hätte es längst tun müssen, sagt Büchel. Blatter verbat Pieth öffentlich den Mund, nachdem dieser Anfang Februar ein kritisches Interview gegeben hatte.

Gespannt wie alle, die sich mit der Fifa befassen, war Büchel auf den gestrigen Montag. Für diesen 15. April hatte Blatter angekündigt, dass Eckert, der Vorsitzende der Ethikkommission, einen Richterspruch über den ISL-Skandal fällen werde. Die Dokumentation des Skandals ist seit Jahren öffentlich zugänglich (pdf), ein Gericht hat die Vorgänge bestätigt. Die Sportrechte-Agentur ISL schmierte von 1989 bis 2001 Sportfunktionäre mit umgerechnet mindestens 115 Millionen Euro, zum Beispiel den Kameruner Issa Hayatou und Nicolás Leoz aus Paraguay. Beide sitzen nach wie vor im Exekutivkomitee.

Leserkommentare
  1. ... falls es (mögliche) Straftaten in den USA betrifft (es ist ja der Fussball WELT-Verband) sind US-Ermittlungsbehörden zuständig. Natürlich nur, falls es da Straftaten gab. ;-) Ist bestimmt alles korrekt abgelaufen, nicht wahr?

    Übrigens: Da kann man schon paranoid werden, da hab ich Verständnis. Die haben jeden Bürger allein durch Google & Co inzwischen so durchleuchtet, dass sie alles über jeden Wissen. Die müssen es nu noch in dem Wust von Daten finden.

  2. Alles ist so scheint es wohl durchdacht verlinkt mit geeignetem Text als Link. Nur die pdf Datei nicht. Man soll sie wohl nicht finden wenn man danach sucht?

  3. kann es jedenfalls nicht. Dieser korrupte Sumpf gehört trockengelegt. Und da es keine Weltpolizei gibt bieten sich die Vereine an, die sich schon immer dafür gehalten haben...

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Warum ???"
    • tom310
    • 17. April 2013 1:56 Uhr

    Transparency International:
    Sportverbände geniessen im Schweizer Rechtssystem einen nicht berechtigten Sonderstatus. Die Bestimmungen gegen Privatkorruption im Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) sind nicht auf interne Entscheidungen in diesen Verbänden anwendbar. Die Bestrafung von Korruption in Sportverbänden liegt in deren eigenen Händen. Damit wird eine unabhängige Untersuchung von Korruptionsfällen erschwert.
    [http://www.transparency.c...
    Auch deshalb sitzen ehrenwerte Verbände wie die UCI in der Schweiz.

    FBI & IRS:
    In den USA besteht eine Steuerpflicht auf das weltweite Einkommen des Steuerzahlers. Sind Korruptionszahlungen erfolgt, ist hier Steuerhinterziehung zu erwarten.
    Da der US-Verband Mitglied in der FIFA ist, berühren die Aktivitäten der FIFA automatisch US-Recht.

    3 Leserempfehlungen
  4. Der Sport im Allgemeinen, der Spitzenspport im besonderen, hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einer Ikone entwickelt, in deren Schatten sich ein hochgradig mafiöses System etablieren konnte. Sepp Blatter amtet seit (zu) vielen Jahren als dessen Hoher Priester von Gottesgnaden. Kürzlich konnte man am Schweizer Fernsehen einen völlig depressiv wirkenden Mark Pieth sehen, der, wenn auch etwas verschlüsselt, öffentlich den ethisch/moralischen Konkurs der FIVA vermeldete. Mark Pieth hätte sich das alles nicht antun dürfen. Einen Teil seiner grossen Reputation als Strafrechtler und Korruptionsexperte hat er dadurch wie die sprichwörtlichen Perlen vor die ebenso sprichwörtlichen Schweine geworfen.
    Unverständlich ist, dass die Bürger und die Politiker nach der Maxime "es kann nicht sein, was nicht sein darf", immer dann ein Auge schliessen und das andere nicht aufmachen, wenn im riesigen Kessel des Sports die Milliarden gerührt, nicht geschüttelt, und undurchschaubare Geldflüsse, wie bei ThyssenKrupp der flüssige Stahl, in irgendwelche, nicht kontrollierbare "Giessereiformen" abgeleitet werden. Weil der Sport eine Heilige Kuh ist, konnte das alles gemacht werden. Auch Spitzensportler, deren Einkommen im Zusammenhang mit den Werbeeinnahmen geradezu explodieren, werden kaum angefeindet. Lustigerweise spielt dort der Neidfaktor praktisch keine Rolle. Ebenso werden Wirtschaftsführer, auch wenn sie nicht korrupt sind, viel eher angefeindet, als Sportler oder Funktionäre.

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