Der Spanier Eufemiano Fuentes muss nicht ins Gefängnis. Ein Madrider Gericht verurteilte den Arzt zu einer einjährigen Haftstrafe auf Bewährung. Zudem bekam er ein vierjähriges Berufsverbot. Anschließend darf er jedoch wieder praktizieren.

Im größten spanischen Dopingprozess um die "Operación Puerto" sah es das Madrider Gericht in seinem Urteil als erwiesen an, dass der Mediziner die Gesundheit seiner Kunden gefährdet hat. Fuentes hatte zahlreichen Radsportlern, Boxern und Fußballern beim Doping geholfen, indem er ihnen Eigenblut verabreichte. Die Staatsanwaltschaft hatte das doppelte Strafmaß gefordert.

Die Richterin Julia Patricia Santamaria entschied außerdem, die bei der Anti-Doping-Razzia 2006 sichergestellten Blutbeutel nicht freizugeben. Internationale Verbände und Behörden wie die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada hatten gehofft, dadurch Dopingsünder nachträglich überführen zu können. Zudem ordnete die Richterin an, die bei Fuentes sichergestellten Computerdaten zu vernichten.

Im Mai 2006 hatte die Operación Puerto mit Razzien in Madrid und Saragossa begonnen, es gab zahlreiche Festnahmen. Mehrmals wurden Verfahren eingeleitet und ergebnislos wieder eingestellt. Einige prominente Radsportler wie Jan Ullrich und Ivan Basso wurden enttarnt, doch viele Athleten kamen unbeschadet davon. Die genaue Kundenliste des Arztes ist bisher nur in Teilen bekannt. Im Prozess hatte der Gynäkologe gesagt, er habe ein Notizbuch mit den Namen all seiner Exkunden in einem Safe gut verschlossen, "damit es mir niemand klaut".

Der Skandalarzt hatte noch versucht, den Schuldspruch durch einen Deal mit der spanischen Anti-Doping-Agentur AEA abzuwenden. Er wollte sich als Doping-Experte mit großer Expertise ins Spiel bringen. "Wenn sie meinen, ich sei nützlich und mich darum bitten, würde ich darüber nachdenken und stünde bereit. Wenn sie die Liste der Kunden haben wollten, würden sie die bekommen", sagte er vor wenigen Wochen bei einem Termin mit AEA-Direktorin Ana Muñoz, bei dem auch sein Anwalt und der frühere Vereinspräsident des Fußball-Erstligisten Real Sociedad San Sebastián, Iñaki Badiola, dabei war.

Im Gegenzug sollte die Anti-Doping-Agentur sich für ihn einsetzen und die Einstellung des Verfahrens ermöglichen. Muñoz lehnte das Angebot allerdings ab.