Was soll Opa Willi bloß dazu sagen? Vor nicht einmal zwei Jahren sagte der Großvater von Mario Götze: "Es ist meine größte Hoffnung, dass Mario nicht zum FC Bayern geht." Willi Götze dürfte nun enttäuscht sein, und er ist nicht allein.

Der Wechsel des vielleicht besten deutschen Offensivspielers platzt mittenrein in diese verrückten Tage, die den deutschen Fußball auf den Kopf gestellt haben. Immer im Zentrum: der FC Bayern München.

Noch vor einer Woche waren die Münchner auf dem Weg, die souveränste Spielzeit ihrer Geschichte abzuliefern. Sie spielten nicht nur überragend, sondern boten auch so wenig Angriffsfläche, dass selbst notorische Bayern-Hasser die Truppe irgendwie nett finden konnten: keine Skandale, keine Arroganz-Anfälle, die kleinen Sticheleien in Richtung Dortmund waren im Grunde harmlos. Wer kann schon böse auf Jupp Heynckes sein?

Dann stellte sich heraus, dass der Bayern-Präsident Uli Hoeneß keinesfalls jener Samariter ist, als der er sich gern verkaufte. Der Götze-Wechsel, zu diesem Zeitpunkt, unter diesen Begleitumständen, macht es noch schlimmer. Der FC Bayern zeigt wieder seine alte hässliche Fratze.

Es ist eine bekannte Bayern-Strategie, der Konkurrenz die besten Spieler wegzukaufen, sobald sie zu mächtig wird. Darüber regt sich schon niemand mehr auf, obwohl sie das kürzliche Lamentieren des Bayern-Präsidenten Hoeneß über die vermeintlichen spanischen Verhältnisse, also die Kluft zwischen den beiden Topklubs und dem Rest der Liga, ad absurdum führt. Bald gibt es wieder deutsche Verhältnisse. Also den FC Bayern und dann lange nichts.

Unerhört ist das Wann und Wie der Bekanntgabe des Götze-Transfers. Die Informationen wurden wohl aus dem Bayern-Umfeld bewusst lanciert, das Dementi des Vereins klingt wenig glaubwürdig.

Das Ablenkungsmanöver muss man zum Teil in die Steuer-Affäre um Hoeneß einordnen. Vor allem aber haben die Bayern mit dieser Nachricht dem Konkurrenten einen Tag vor dem so wichtigen Champions-League-Spiel gegen Real Madrid einen mitgegeben. Die Münchner wissen, dass der BVB einen Großteil seiner Stärke aus dem Zusammengehörigkeitsgefühl bezieht. Das hat an diesem Tag einen gehörigen Knacks bekommen.

"Vom FC Bayern hat sich bis zum heutigen Tag keiner in der Angelegenheit gemeldet", heißt es in der offiziellen Stellungnahme des BVB. Daraus spricht nicht nur Enttäuschung darüber, ihren besten Spieler verloren zu haben. Sondern auch darüber, dass der FC Bayern doch so dreckig spielt wie eh und je.