Mario Götze, 20 Jahre alt, guter Fußballer, wird in der kommenden Spielzeit das Trikot eines anderen Vereins tragen. Viel mehr ist nicht passiert. Doch kaum war die Nachricht verkündet, ging es los.

Auf Götzes Facebook-Seite wurde sie von so vielen diffamierend kommentiert, dass sie später geschlossen werden musste. Es bildeten sich Hassgruppen, deren bloße Namen justiziabel sind. Götzes kleiner Bruder soll wegen Mobbing-Attacken früher die Schule verlassen haben. Das Haus seiner Eltern soll mit Farbe besprüht worden sein.

Es ist natürlich nicht das erste Mal, dass Fußballfans ihren Frust verbreiten. Drei Tage vor Götze war Uli Hoeneß ihr Ziel. Schon im vergangenen Jahr mobbten Fans des 1. FC Köln den Profi Kevin Pezzoni und lauerten ihm vor seiner Wohnung auf. Wenig später löste der Verein den Vertrag mit dem Spieler auf. Der ehemalige Nationaltorhüter Timo Hildebrand veröffentlichte vor einigen Wochen, was ihm an die Facebook-Pinnwand gepostet wurde: "Du dummer basdart! Erschieß dich bitte."


Offensichtlich verspüren viele Menschen Hass, wenn ein Fußballer den Verein wechselt, wenn ihr Lieblingsverein schlecht dargestellt wird oder ein Fußballfunktionär die Kapitalertragssteuer nicht gezahlt hat. Woher kommt diese Aggression?

Eine Erklärung für diesen Zorn ist banal, weil es eine technische ist. Wer Dampf ablassen wollte zu den Zeiten, als Mario Götze geboren wurde, brauchte noch einen Stammtisch, eine Raucherinsel oder Freunde, die zuhörten. Seit es dazu digitale soziale Netzwerke gibt, werden sie genutzt – für Liebeserklärungen und Hassbekundungen.

Das war auch bei den Abstürzen von Karl-Theodor zu Guttenberg, Jörg Kachelmann und Christian Wulff so. Es scheint, als seien Hoeneß und Götze einfach die Nächsten. Doch die Empörung wächst besonders rasch und heftig, wenn es um Fußballer geht. Fußballer sind in der Fußballernation mehr als Fußballer.  

Götze und Hoeneß emotionalisieren das Publikum auch deshalb, weil ihre vermeintlichen Verfehlungen so leicht zu verstehen sind. Der eine zahlte keine Steuern, der andere ließ sich vom falschen Verein kaufen. Das ist simpel und gleichzeitig die zentrale Erklärung für den aktuellen Hassausbruch.

Die aktuelle Politik hingegen wird kaum noch verstanden. Während Europa auseinanderzubrechen droht, das Bankensystem zur Debatte steht, und die nächste Bundestagswahl eine Gelegenheit wäre, über all das zu entscheiden, gucken die Menschen Fußball.