Jupp HeynckesDank Hoeneß der beste Bayern-Trainer

Jupp Heynckes ist vielleicht nicht der beste Trainer der Welt, aber der weltbeste Coach für die Bayern. Vor allem, weil er mit dem Präsidenten kann. Von Christian Spiller von 

Bald ist es wieder soweit: Hoeneß verabschiedet Heynckes 2009 vom FC Bayern.

Bald ist es wieder soweit: Hoeneß verabschiedet Heynckes 2009 vom FC Bayern.  |  © Bernd Weißbrod/picture alliance/dpa

Alle lieben ihn in diesen Tagen, besonders nach dem Einzug ins Halbfinale der Champions League in Turin, der den Bayern so sicher gelang wie keinem anderen Team in Europa. Er wird gelobt und gepriesen und am Ende, nach diesen ganzen Erfolgen, stellen alle fest: Jupp Heynckes ist der perfekte Bayern-Trainer. Wie macht er das?

Am Samstag in Frankfurt, seine Mannschaft war gerade Deutscher Meister geworden, beantwortete er diese Frage selbst. Er sagte diesen Satz. Er ist ziemlich lang, erklärt aber alles. "Ich denke, dass man das Innenleben des FC Bayern kennen muss, mit dem gesamten Präsidium, mit den ehemaligen großen Fußballern, die dir immer wieder Ratschläge geben und die du dann eben auch reflektieren und in deine Arbeit miteinbeziehen musst." Dann hielt er kurz inne und blickte in die Runde. "Sie können ruhig schmunzeln."

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Und alle schmunzelten. Frankfurts Trainer Armin Veh nebendran schmunzelte. Die Journalisten schmunzelten. Bayerns Mediendirektor Markus Hörwick, der seit 1981 im Verein ist und viele Trainer kommen und gehen sah, schmunzelte ganz besonders. Nicht etwa, weil das alles so lustig war, sondern weil es so wahr war. Heynckes meinte: Wer nicht mit Uli Hoeneß kann, kann seine Sachen packen.

Jupp Heynckes kann mit Uli Hoeneß. Und womöglich ist das der Grund, warum das mit Heynckes und dem FC Bayern so gut klappt. Man kann damit diese Rekordsaison erklären, die am Ende mit Meisterschaft-, Pokal- und Champions-League-Sieg die rekordigste des Rekordmeisters werden könnte.

Will man die Beziehung zwischen Heynckes und Hoeneß verstehen, muss man sehr weit zurückschauen. Auf eine gewisse Art ist Heynckes ein Fußball-Nostalgiker. Er wurde am 9. Mai 1945 geboren, einen Tag nach der Kapitulation Hitler-Deutschlands. Er hatte neun Geschwister, sein Vater war Schmied. Heynckes sagte einmal, seine schönste Zeit im Fußball war die Aufstiegssaison mit Mönchengladbach 1965: "Ich hatte einen 160-Mark-Vertrag im Monat. Wir haben zum Spaß gespielt. Das war traumhaft." Wer ihn nach seiner schönsten Meisterschaft fragt, wird immer wieder die Geschichte seiner ersten hören, damals 1971, mit Netzer, Vogts, Weisweiler.

Doch danach fing es an, der Fußball wurde größer und wichtiger. Und spätestens als Trainer merkte man Heynckes an, dass ihn die Aufgeregtheiten der Branche befremden. Sie nannten ihn Osram, wie die Glühbirne, weil er seine Gesichtsfarbe in Phasen der Anspannung nicht unter Kontrolle hatte. Heynckes wirkte spröde, gereizt, dünnhäutig und auch ein wenig schüchtern. Er wollte doch nur trainieren.

Man braucht sich nur die mittlerweile legendäre Sportstudio-Folge vom Mai 1989 anschauen. Da saß dieser arrogante Jungspund namens Christoph Daum und tönte, die Wetterkarte sei interessanter als ein Gespräch mit Heynckes. Der saß Daum gegenüber, mit weißen Socken und weit aufgerissenen Augen und bekam kaum einen Ton heraus. Der Manager seines damaligen Vereins musste ihm furios zur Seite springen: Uli Hoeneß.

Zwischen Heynckes, dem Sensiblen, und Hoeneß, dem Macher, hatte sich eine besondere Beziehung entwickelt. Schon 1972 reckten sie als Spieler zusammen den EM-Pokal in die Lüfte, zwei Jahre später den WM-Pokal. Hoeneß entließ Heynckes zwar 1991 als Bayern-Trainer, bezeichnet das aber heute noch als größte Fehlentscheidung seines Lebens.

Es dauerte fast zwanzig Jahre, bis Hoeneß sich korrigieren konnte. 2009 holte er Heynckes zurück, 2011 gleich noch mal. Beide Male sollte Heynckes mit seiner ruhigen Art die Scherben zusammenkehren, die seine hyperaktiven Vorgänger Jürgen Klinsmann und Louis van Gaal hinterlassen hatten. Mit Klinsmann und van Gaal wollte der Klub die trägen Jahre hinter sich lassen, in denen er zwar regelmäßig Meister wurde, aber so inspirationslosen Ergebnisfußball spielen ließ, dass es für ganz große Taten nie reichen würde. Die beiden Reformer wollten das Ziel auf ihre Art erreichen. Am Ende verloren Hoeneß und die Bayern-Granden die Geduld. Sie hielten es nicht aus, Macht abzugeben, nicht mehr mitreden zu können. Dass irgendwann der Erfolg ausblieb, machte die Sache einfach.

Heynckes schien damals eine leichte, aber kleine Lösung: Solide, aber ein wenig aus der Zeit gefallen. Ein Rückschritt, so hieß es. Heute weiß man: Heynckes ist vielleicht nicht der beste Trainer der Welt, aber der weltbeste Trainer für die Bayern. Weil er eine Eigenschaft mitbringt, die man in diesem großen, bisweilen sehr eigenartigen Verein, vor allem braucht. Er kann moderieren. Nach oben und nach unten.

Ein Trainer des FC Bayern soll verändern, aber bitte nicht zu viel. Er soll wissen, was er will, aber bitte nicht zu genau. Er soll stark sein, aber bitte nicht so stark, dass sich die Münchner Großkopferten nicht mehr als Herren im eigenen Haus fühlen. Wer den FC Bayern umkrempeln will, der verheddert sich. Jupp Heynckes weiß das.

Leserkommentare
  1. 2. Sammer

    Der Autor Christian Spieller kennt das Innenleben des FC Bayern noch nicht besonders gut, das verrät er im Lauf seines Beitrags selbst. So gesehen ist der ganze Text am Ende leider doch nicht viel mehr als eine - durchaus sympathische - Ergänzung der Pressekonferenz nach dem Bayernspiel in Frankfurt am vergangenen Samstag

    2 Leserempfehlungen
  2. Zwischen Tainer Heynckes und Hoeneß passt eben kein Blatt Papier und die Mannschaft weiss das ganz genau.
    Würde die Führung des FCB ihm gegenüber ein ähnliches Verhalten an den Tag legen wie damals gegenüber Rehhagel, dann gäbe es Unruhe in der Mannschaft und jede Rotation würde von Kritik und Unverständnis begleitet.

    Sogar wenn ICH als Trainer zum FCB käme und Hoeness würde mich voll und ganz unterstützen würde die Mannschaft stramm stehen.

    • Pnin05
    • 11. April 2013 13:41 Uhr

    da geht was durcheinander: LvG wollte nicht, dass der Uli Macht abgibt, sondern er wollte die alleinige Macht im Verein haben. Darauf musste von Vereinsseite reagiert werden, nicht nur von UH (der zu dem Zeitpunkt gar nicht mehr die Kompetenz gehabt hätte, den Trainer zu entlassen – das ist der Unterschied zwischen Gesamtverein und Fußball-AG). Und die Vereinsseite hat reagiert, spät und sicher nicht ohne Einfluss durch UH. Aber zu Recht!

    Sie sehen das ja in Ihrem Artikel, den ich wohlgemerkt gelobt habe, schon richtig, dass es hilfreich ist, wenn der Trainer ein gutes Verhältnis zum Präsidenten hat. Wenn er das nicht hat, muss er unbedingt zum Vorstandsvorsitzenden ein gutes Verhältnis haben. Wenn er aber, wie LvG glaubt, auch darauf noch verzichten zu können, dann wird's zappenduster.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Groß..."
  3. Ich hege ja immer noch den leisen Verdacht, dass Heynckes, sollte er das Triple holen, ein Angebot von Real Madrid bekommt.

    In Spanien haben Sie mit älteren Trainern (des Bosque, Aragones) durchaus gute Erfahrungen gemacht, Heynckes hat, auch in Madrid, wegen seiner souveränen Art ein gutes Standing und nicht zuletzt haben sie, so jedenfalls mein Eindruck, bei Madrid langsam die Schnauze voll vom Egomanen Mourinho und sind nur bereit diesen zu dulden, so lange er Erfolge hat (und die hat er, nach Madrider Verständnis, bisher nur beschränkt)

    Abgesehen davon wäre es für Madrid natürlich eine Genugtuung, den Trainer zu verpflichten, dessen Nachfolger vom "Erzfeind" Barcelona kommt und mit Heynckes ggf. größere Erfolge zu feiern als Guardiola bei Bayern. Und für Heynckes wäre es erst recht eine, wurde er doch, auch wenn er das öffentlich nicht kundtun würde, ein wenig aus dem Amt gedrängt.

    4 Leserempfehlungen
  4. Klar kann Heynckes mit Hoeneß - aber das entscheidende Kriterium ist ein anderes: er hat Erfolg UND die Mannschaft immer öfter auch mal begeisternden Fussball. Und das ist für UH das alles entscheidende Kriterium, denn er will dass sein FCB den spanischen ablöst als beste Mannscahft Europas.

    Und wenn er denn tatsächlich das Triple schaffen sollte, kann er doch nichts besseres tun als bei Bayern aufzuhören - was sollte denn danach noch kommen?

  5. Im kleinen Rahmen machen sie eine Nachneanderthalern der alten Bayern.
    Der Artikel von S. ist gut, die Kritik auch Herr Pinien05.
    Falls es mit dem anderen Boss nicht stimmt, fragen sie mal Herrn Mourinho und Konsorten.
    Als Heynckes den Satz sagte in der Pressekonferenz, sprach die kutzweilige Stille
    Der Ruck nach dem "Verlust" im eigenen Stadion brachte die Großen des Vereins wohl unter einen Hut.
    Das Händeschütteln auf der Tribüne und die Bank spricht Bände.
    Bei all dem Sonnenschein brauch man nicht zu unken. Selbst die haben Beine.
    Im Moment wird mental so viel geküßt, daß man die Zacken der Krone (Frosch oder Unke) noch nicht abzählen muß

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