In der Steueraffäre um Uli Hoeneß ist bislang nur eins gewiss: Der langjährige Manager und jetzige Präsident des FC Bayern München hat bei den bayerischen Finanzbehörden eine Selbstanzeige wegen eines Kontos in der Schweiz gestellt. Wie hoch die Einlagen auf diesem Konto sind, woher das Geld stammt und welche eidgenössische Bank involviert ist, dazu schweigen die Beteiligten. Allerdings gibt es erste Berichte über das Woher und Wieviel.

Kredit vom Adidas-Chef

So heißt es in der Süddeutsche Zeitung, bei dem Geld handele es sich um Einnahmen aus Börsenspekulationen. Ausgangspunkt war demnach ein Darlehen in Höhe von 10 bis 15 Millionen Euro, das Hoeneß im Jahr 2000 von seinem Freund Robert Louis-Dreyfus, dem früheren Chef des Sportartikelherstellers und FC-Bayern-Sponsors Adidas, erhalten haben soll. Die Einnahmen aus diesen Spekulationen soll Hoeneß dann versteuert und auf einem Konto der Zürcher Bank Vontobel angelegt haben – die darauf fälligen Kapitalertragssteuern blieb er dem deutschen Fiskus allerdings schuldig.

Im vergangenen Jahr wollte Hoeneß seine Steuerschuld offenbar begleichen und setzte dabei auf das von Schwarz-Gelb geplante Steuerabkommen mit der Schweiz, was mutmaßlichen Steuersündern unter anderem Anonymität zugesichert hätte. Als dies gescheitert war, wandte er sich per Selbstanzeige an die Finanzbehörden und zahlte laut SZ schließlich drei Millionen Euro an Steuern und Zinsen nach. Aus dieser Zahl schließt die Zeitung auf ein Vermögen in Höhe von "etwa 18 bis 20 Millionen Euro".

Hausdurchsuchung bei Hoeneß

Ausgehend von der Münchner Abendzeitung waren am Wochenende über sehr viel höhere Summen spekuliert worden. Demnach soll Hoeneß "mehrere Hundert Millionen Euro" unterschlagen haben. Diese Angaben decken sich teils mit einem Bericht des Stern. Bereits Mitte Januar hatte das Magazin berichtet, dass ein "Spitzenvertreter der deutschen Fußball-Bundesliga" ein Vermögen in "dreistelliger Millionenhöhe" auf einem Nummernkonto bei der Vontobel-Bank versteckt haben soll.

Laut Süddeutscher Zeitung fallen der Magazinbericht und Hoeneß' Selbstanzeige beim Finanzamt im bayerischen Miesbach in dieselbe Woche – die Steuerfahnder waren alarmiert. Die im Stern kolportierten Zahlen gingen offenbar weit über die Angaben des Managers hinaus, sodass die Ermittler Hoeneß verdächtigten, die Behörden nicht vollständig informiert zu haben. Es folgte eine Hausdurchsuchung von Hoeneß' Anwesen am Tegernsee, laut SZ ohne Ergebnis: "Der Fall aus dem Stern und die echten Abläufe im Fall Hoeneß scheinen gar nichts miteinander zu tun haben", folgert die Zeitung.

"Gegen Barcelona im Stadion"

Hoeneß selbst will sich zu all dem bislang nicht äußern. "Sie können sich vorstellen, dass mir vieles auf der Zunge liegt, aber ich muss erst mit den Behörden meine Hausaufgaben machen", sagte er der Zeitung. Angesichts des schwebenden Verfahrens dürfe er "im Moment" nichts sagen.

Für seinen Verein fühlt er sich aber auch weiterhin verantwortlich – in der laufenden Saison und darüber hinaus. "An einen Rücktritt als Aufsichtsratsvorsitzender bei Bayern München denke ich nicht", sagte Hoeneß der Sport Bild Plus und kündigte an, das Halbfinal-Hinspiel seiner Bayern in der Champions League am Dienstag live in der heimischen Allianz Arena zu verfolgen. "Gegen Barcelona bin ich auch wieder im Stadion."