Für einen Aprilscherz kam die Nachricht einen Tag zu spät: Marco Kurz und Andreas Müller müssen gehen, für die TSG Hoffenheim arbeiten nun in dieser Spielzeit der vierte Trainer und der dritte Manager. Das ruft unter den zahlreichen Hoffe-Gegnern im ganzen Land Schadenfreude hervor. Selbst das Satiremagazin Der Postillon ließ sich nicht lange bitten.

Doch so peinlich das Bild ist, das der abstiegsbedrohte Verein derzeit abgibt – diese Entscheidung könnte richtig gewesen sein. Sie ist so etwas wie die letzte Patrone, vier Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz sind in sieben Spielen aufholbar, zumal der Konkurrent FC Augsburg ein schweres Programm vor der Brust hat. Dem neuen Trainer, Markus Gisdol, ist jedenfalls einiges zuzutrauen. Er war erfolgreicher Trainer der Zweiten Mannschaft und wurde damals von Ralf Rangnick empfohlen, dem Kopf des Hoffenheimer Aufschwungs.

Es bleibt die Frage: Warum hat Gisdol nicht schon vorher eine Chance erhalten? Die neuesten Entlassungen sind jedenfalls das Eingeständnis, wieder mal auf die falschen gesetzt zu haben. Marco Kurz hat zwar die Abwehr verbessert, doch die Mannschaft spielt mutlos und unstrukturiert. Als er kam, stand die TSG auf Rang 16. Jetzt liegt sie auf Rang 17. Andreas Müller ließ den geachteten Trainer Frank Kramer nach Fürth ziehen und leistete sich Fehleinkäufe. Vor allem vertrat er den Verein nach Außen unglücklich. Den Fall Tim Wiese managte er miserabel, peinlich auch seine Wutrede im Januar.

Kurz und Müller waren nicht die ersten Fehler des Hoffenheimer Managements, nachdem Rangnick vor zwei Jahren vergrault worden war. Seitdem ist Desaster. Dafür verantwortlich ist Dietmar Hopp, auch wenn er wegen der 50+1-Regel beteuert, er sei nicht operativ tätig. An seinen Millionen hängt der Verein.

Das Modell Alleinherrscher kann funktionieren, doch der 72-jährige Hopp hat weder Instinkt für das Fußballgeschäft noch sonderlich viel Ahnung vom Spiel. Er braucht gute Mitarbeiter. Der Nachwuchsdirektor Bernhard Peters wäre einer mit sportlicher Eignung, doch dessen Wort schien bisher in der Profiabteilung nicht viel zu gelten. Gegenstimmen im Verein gibt es kaum, die kritische Lokalpresse wird bekämpft.

Stattdessen spielt Hopp mit Roger Wittmann Golf, einen Berater, der in der Bundesliga seit Jahrzehnten umstritten ist. Dass Kurz und Müller den Wittmann-Klienten Wiese degradierten, könnte sie letztlich die Jobs gekostet haben. Offenbar muss ein Hoffenheimer Trainer bei der Aufstellung nicht nur sportliche Fragen berücksichtigen. Der Wittmann-Klient Tobias Weis und der ehemalige Wittmann-Klient Sejad Salihović forderten kürzlich öffentlich Wieses Rehabilitation und durften dennoch spielen. So was nennt man Entmannung des Trainers.

Dabei sind alle Voraussetzungen für den Erfolg in Hoffenheim vorhanden: Geld ist da, selbst wenn der Hauptsponsor, wie derzeit, auszufallen droht. Die Nachwuchsarbeit gilt als vorbildlich. Nun sitzt ein Trainer mit Vorliebe für die Jugend auf der Bank. Der Leiter des Nachwuchszentrums, Alexander Rosen, wird neues Bindeglied zum Profibereich und übernimmt Management-Aufgaben. Beide haben Perspektive, auch ein Abstieg würde sie nicht beschädigen, für den trügen andere die Hauptschuld.

Hoffenheim könnte mit diesem Richtungswechsel wieder in die richtige Spur finden. Doch solange der Verein nichts an seiner Struktur ändert, solange er so fest in Hopps Hand bleibt, kann er vor allem jederzeit wieder zur Lachnummer werden.