ZEIT ONLINE: Herr Briefs, Sie nennen sich "Humorberater" und arbeiten unter anderem mit Spitzensportlern zusammen. Bringen Sie denen bei, wie man witzig ist?

Jonathan Briefs: Nein. Ich bin kein Clown und bilde auch nicht andere Menschen dazu aus. Humorberater – ich hatte das mal gehört, fand das gut, hab' dann aber mit der Bezeichnung nicht mehr offensiv geworben. Als mich jedoch der Pressesprecher der österreichischen Skisprungnationalmannschaft als Humorberater vorstellte, stürzten sich alle Leute darauf.

ZEIT ONLINE: Klären Sie uns doch bitte auf, was Sie tatsächlich machen.

Briefs: Ich versuche, Prozesse anzusteuern und loszutreten, aber immer mit einer großen Leichtigkeit ohne das ganze Betroffenheitsgetue. Lachen verbindet und kann ein Stimmungsumwandler sein. Ich habe mir dafür einen Werkzeugkasten zusammengestellt – unter anderem mit Elementen des Improvisationstheaters. Das Improtheater bietet einem Sportler die Gelegenheit, sich und die Teamkollegen mal anders zu erleben. Es gibt beispielsweise Übungen zum Thema Hackordnung in Mannschaften, bei denen die Teammitglieder spüren, dass sie nicht im Hoch- oder Tiefstatus verharren müssen, sondern durchaus die Rollen wechseln können.

ZEIT ONLINE: Und welche Rolle spielt der Humor dabei?

Briefs: Mir ist wichtig, dass keine Schwere entsteht, sondern immer eine gute Stimmung herrscht. Wenn man lacht, baut man Distanz auf und kann sich dem Thema aus einer anderen Perspektive widmen.

ZEIT ONLINE: Theater zu spielen ist nicht jedermanns Sache...

Briefs: Ich glaube, ich kann Leute ganz gut dazu bringen, neue Erfahrungen machen zu wollen.

ZEIT ONLINE: Kommt Ihr humoristischer Ansatz denn immer gut an?

Briefs: Es gibt natürlich Kopfmenschen wie den Skiflieger Martin Koch, die sich da schwerer tun. Martin Koch hat mir erzählt, dass er sich anfangs, als ich mit dem Improtheater kam, schon gefragt hat: Kann ich das, will ich das überhaupt? Aber generell habe ich bei meiner Arbeit als Kommunikationstrainer festgestellt, dass nicht nur bei Spitzensportlern, sondern auch bei Managern und Mitarbeitern von Firmen unterschiedlichster Branchen eine große Sehnsucht nach einem anderen Zugang herrscht.

ZEIT ONLINE: Weil das Lachen im Leistungssport, aber auch in der normalen Arbeitswelt zu kurz kommt?

Briefs: Irgendwie schon. Bei allem, wo Leistung draufsteht, scheint ja Humor im Widerspruch dazu zu stehen. Aber das ist nicht so. Genauso wenig wie sich Spaß und Professionalität gegenseitig ausschließen. Ich spreche von Spaßarbeitern. Diese Menschen arbeiten sicher nicht weniger als andere. Aber sie üben Ihre Tätigkeit mit Freude aus und orientieren sich an ihren Stärken anstatt immer nur den Fokus darauf zu legen, was beim letzten Mal alles nicht funktioniert hat. Da verkrampft man doch sehr schnell.

ZEIT ONLINE: Welches Maß an Ehrgeiz braucht man als Spitzensportler und wo beginnt der leistungshemmende Überehrgeiz?

Briefs: Für mich ist Ehrgeiz an für sich negativ besetzt. Ehrgeiz bedeutet, dass der Antrieb für das Handeln daraus resultiert, den anderen besiegen zu wollen. Es braucht eine Belohnung, und wenn ich die nicht bekomme, fühle ich mich als Versager. Das ist eine sehr ergebnisorientierte Herangehensweise. In den Flow kommt man, wenn man prozessorientiert an die Dinge herangeht.

ZEIT ONLINE: Können Sie das an einem Beispiel erklären?