Humorcoach für Sportler : "Ich sehe in der Erfolgsstrategie von Oliver Kahn keinen Ansatz"

Jonathan Briefs arbeitet als Humorberater. Er will aus Leistungssportlern wie Felix Neureuther Spaßarbeiter machen und sagt, Leute wie Oliver Kahn verstehe er nicht.
Jonathan Briefs © Danny Frede

ZEIT ONLINE: Herr Briefs, Sie nennen sich "Humorberater" und arbeiten unter anderem mit Spitzensportlern zusammen. Bringen Sie denen bei, wie man witzig ist?

Jonathan Briefs: Nein. Ich bin kein Clown und bilde auch nicht andere Menschen dazu aus. Humorberater – ich hatte das mal gehört, fand das gut, hab' dann aber mit der Bezeichnung nicht mehr offensiv geworben. Als mich jedoch der Pressesprecher der österreichischen Skisprungnationalmannschaft als Humorberater vorstellte, stürzten sich alle Leute darauf.

ZEIT ONLINE: Klären Sie uns doch bitte auf, was Sie tatsächlich machen.

Jonathan Briefs

Jonathan Briefs ist Kommunikationstrainer und Humorberater. Der Kölner arbeitet unter anderem für die österreichische Skisprungnationalmannschaft sowie das deutsche alpine Herrenteam mit Felix Neureuther. Briefs ist zudem als Redner, Autor, Dozent und Impro-Coach tätig und trat früher als Büttenredner im Karneval auf. Am 1. April erscheint sein Buch Ich habe keine Lösung …aber ich bewundere das Problem.

Briefs: Ich versuche, Prozesse anzusteuern und loszutreten, aber immer mit einer großen Leichtigkeit ohne das ganze Betroffenheitsgetue. Lachen verbindet und kann ein Stimmungsumwandler sein. Ich habe mir dafür einen Werkzeugkasten zusammengestellt – unter anderem mit Elementen des Improvisationstheaters. Das Improtheater bietet einem Sportler die Gelegenheit, sich und die Teamkollegen mal anders zu erleben. Es gibt beispielsweise Übungen zum Thema Hackordnung in Mannschaften, bei denen die Teammitglieder spüren, dass sie nicht im Hoch- oder Tiefstatus verharren müssen, sondern durchaus die Rollen wechseln können.

ZEIT ONLINE: Und welche Rolle spielt der Humor dabei?

Briefs: Mir ist wichtig, dass keine Schwere entsteht, sondern immer eine gute Stimmung herrscht. Wenn man lacht, baut man Distanz auf und kann sich dem Thema aus einer anderen Perspektive widmen.

ZEIT ONLINE: Theater zu spielen ist nicht jedermanns Sache...

Briefs: Ich glaube, ich kann Leute ganz gut dazu bringen, neue Erfahrungen machen zu wollen.

ZEIT ONLINE: Kommt Ihr humoristischer Ansatz denn immer gut an?

Briefs: Es gibt natürlich Kopfmenschen wie den Skiflieger Martin Koch, die sich da schwerer tun. Martin Koch hat mir erzählt, dass er sich anfangs, als ich mit dem Improtheater kam, schon gefragt hat: Kann ich das, will ich das überhaupt? Aber generell habe ich bei meiner Arbeit als Kommunikationstrainer festgestellt, dass nicht nur bei Spitzensportlern, sondern auch bei Managern und Mitarbeitern von Firmen unterschiedlichster Branchen eine große Sehnsucht nach einem anderen Zugang herrscht.

ZEIT ONLINE: Weil das Lachen im Leistungssport, aber auch in der normalen Arbeitswelt zu kurz kommt?

Briefs: Irgendwie schon. Bei allem, wo Leistung draufsteht, scheint ja Humor im Widerspruch dazu zu stehen. Aber das ist nicht so. Genauso wenig wie sich Spaß und Professionalität gegenseitig ausschließen. Ich spreche von Spaßarbeitern. Diese Menschen arbeiten sicher nicht weniger als andere. Aber sie üben Ihre Tätigkeit mit Freude aus und orientieren sich an ihren Stärken anstatt immer nur den Fokus darauf zu legen, was beim letzten Mal alles nicht funktioniert hat. Da verkrampft man doch sehr schnell.

ZEIT ONLINE: Welches Maß an Ehrgeiz braucht man als Spitzensportler und wo beginnt der leistungshemmende Überehrgeiz?

Briefs: Für mich ist Ehrgeiz an für sich negativ besetzt. Ehrgeiz bedeutet, dass der Antrieb für das Handeln daraus resultiert, den anderen besiegen zu wollen. Es braucht eine Belohnung, und wenn ich die nicht bekomme, fühle ich mich als Versager. Das ist eine sehr ergebnisorientierte Herangehensweise. In den Flow kommt man, wenn man prozessorientiert an die Dinge herangeht.

ZEIT ONLINE: Können Sie das an einem Beispiel erklären?

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Kommentare

19 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Geld oder Leben? Alles, was gut ist, kostet Geld? Kappes.

"Würde man jedem Menschen bereits bei seiner Geburt einen Humor-Spaß-Spiel-Arbeits-Liebe-Freude-Leid- enfin, einen Lebensberater für alle Tiefen und Untiefen des Daseins zur Seite stellen - wie wundervoll würden wir doch durchs Leben gleiten! So aber müssen wir immer alles selber lernen und regeln."

Ja, das waren meine Eltern.

Nee, nee, normale Eltern sind die angesprochenen "Lebensberater" und lachen mit ihren Kindern, die erleben das von Geburt an und müssen gar nichts "lernen". Das kostet übrigens auch nichts. So ein Kappes.

Mir fällt dazu der schöne Kinderspruch ein: "Geld oder Leben?"

Die Deutschen haben schon vor langer Zeit das Geld gewählt und wundern sich, dass sie zum normalen Leben "Coaches" brauchen. So ein Kappes. Und so krank.

Sind Berater wirklich überflüssig?

Ich denke mal, solange die gesellschaftliche Entwicklung in Bezug auf Individualität der moralischen und schulischen Entwicklung voraus ist, wird es zur Bewältigung dieser Diskrepanz für viele Menschen Berater brauchen, die ihnen helfen, ihr Leben zu bewältigen...

Wer schon gut zurecht kommt, braucht das nicht. Wobei ich immer vorsichtig bin, wenn sich jemand so polemisch darüber lächerlich macht.. ;-)

Dito!

Dem kann ich mich voll und ganz anschließen. Geht man mit Spaß an eine Sache heran, kommt der Erfolg meist von ganz alleine. Druck, wie Oliver Kahn, ihn (miss)braucht, mag eine Strategie sein, aber wo bleibt da der Spaß an der ganzen Sache? Ich glaube, wenn Oliver Kahn ehrlich zu sich selbst ist, wird er feststellen, dass er zwar sportliche Erfolge feiern konnte, aber wirklich Spaß hatte er dabei selten.