Handballtorwart Heinevetter"Wichtig ist nicht, wie du hältst, sondern ob du hältst"
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"Meistens regen wir uns über die Abwehrspieler auf"

Frage: Wie viel Spielzeit bleibt Ihnen an einem solchen Tag?

Heinevetter: Wir sind beide mittlerweile so erfahren, dass wir wissen, es gibt immer wieder Chancen, ein Spiel zu drehen. Das weiß auch Dagur. Wichtig für einen Torhüter ist der letzte Ball – und nicht der erste.

Stochl: Wenn du als Torhüter Angst haben musst, dass du nach zwei Fehlern auf der Bank sitzt, dann hältst du gar nichts. Für mich selbst wäre das eine Katastrophe, wenn ich solche Gedanken hätte.

Frage: Einem Torwartwechsel geht meistens eine Schwächephase der eigenen Mannschaft voraus. Was ist Ihnen daher lieber: zu beginnen oder eingewechselt zu werden?

Stochl: Eine Einwechslung ist natürlich viel schlimmer für einen Torwart, als wenn er von Beginn an spielt. Wenn du weißt, du musst der Mannschaft jetzt sofort helfen und die ersten Bälle unbedingt halten, weil du sonst verlierst.

Frage: Empfinden Sie den anderen auch als eine Art Sicherheit?

Heinevetter: Du kannst nicht in ein Spiel gehen und denken: Gut, wenn ich es heute nicht bringe, kommt halt der andere und macht es besser. Wenn du aber einen schlechten Tag erwischt hast und auf der Bank landest, dann weißt du: Der andere ist auch sehr gut und kann ein Spiel genauso entscheiden.

Frage: Hängen Ihnen Gegentore während eines Spiels lange nach?

Heinevetter: Man muss die Misserfolge in einem Spiel schnell verdrängen. Oder sie abarbeiten. Wenn man weiß, ein Spieler hat jetzt drei-, viermal den gleichen Wurf gemacht, kann man sich darauf einstellen.

Frage: Wie gehen Sie mit Gegentoren um?

Stochl: Man muss immer schauen: War das jetzt mein Fehler oder war es einfach ein super Wurf? Als Torhüter kassierst du in einem Spiel zwischen 20 und 30 Bälle. Und wenn du merkst, zwei von drei Toren gehen auf deine Kappe, dann ist das schon sehr ärgerlich.

Frage: Sehen Sie sich innerhalb der Mannschaft als Einzelkämpfer?

Heinevetter: Irgendwie schon, aber alleine können wir natürlich nichts reißen. An einem Sahnetag kannst du als Torhüter vielleicht ein Spiel mal fast alleine entscheiden, wenn du alles hältst. Aber auch dafür brauchst du eine Abwehr.

Frage: Wie sehr schweißt Sie dieses Einzelkämpfertum zusammen?

Heinevetter: Man sieht das ja zum Beispiel in den Auszeiten während eines Spiels. Da machen Stochl und ich unser eigenes Ding und stehen nicht bei der Mannschaft. Da sind wir dann unser eigener Trainer.

Frage: Was besprechen Sie dann?

Heinevetter: Meistens regen wir uns über die Abwehrspieler auf.

Stochl: (lacht) Ja, die Abwehr ist immer schuld.

Heinevetter: Nein, im Ernst. Die Abwehr ist für uns das A und O. Wenn die ordentlich steht und uns ein gutes Gefühl gibt, dann hältst du auch mal ein paar Hundertprozentige.

Stochl: Abwehr und Torwart kann man gar nicht trennen. Ohne Abwehr hält der beste Torhüter keinen Ball.

Frage: Petr Stochl besitzt einen Vertrag bis 2016 bei den Füchsen...

Heinevetter: …Stochl gehört hier zum Inventar.

Frage: Und Ihr Vertrag läuft nächstes Jahr aus. Sie wurden immer wieder mit dem THW Kiel in Verbindung gebracht, wo nun aber Schwedens Nationalkeeper Johan Sjöstrand als Nachfolger von Thierry Omeyer präsentiert wurde. Gingen Ihnen diese Gerüchte auf die Nerven?

Heinevetter: Das gehört dazu, dass dein Name immer irgendwo im Gespräch ist. Das ist aber auch nicht schlimm.

Frage: Also geht Ihre Torhüter-Ehe bei den Füchsen weiter und wird nicht geschieden?

Heinevetter: Das kann ich nicht sagen.

Frage: Sind Sie denn glücklich zusammen?

Heinevetter: Zumindest mussten wir in der Vergangenheit noch nicht zum Paartherapeuten.

 
Leser-Kommentare
  1. ich denke auch dass der unkonwentionele Stil von S. Heinevetter ein wichtiger Grund für seinen Erfolg als Sportler ist. Feldspieler müssen sich mit Sicherheit erst auf ihn einstellen, wenn das überhaupt möglich ist. Er hat ja selbst an anderer Stelle das "zu lange Nachdenken" der Feldspieler vor einem Wurf angesprochen. Das ist jedenfalls meine Meinung, als ehemaliger Handballtorwart. Und bitte mehr Artikel dieser Art :-)

  2. Der Heini und der Stochi koennen sich offensichtlich nicht besonders gut leiden. Kann ich auch verstehen. Weil es gibt nix unerotischeres als nen Handballtorwart. Mit Sackschuzz und ganz in Flanell gekleidet. Komm hoer mir auf mit Handballtorwartgeschichten. Echt!

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