Zwischen all den eleganten Dribblern ist Jason Collins der Mann fürs Grobe. © Jonathan Daniel/Getty Images Sport

Kobe Bryant war auf 180. "Bennie!", schrie er den Schiedsrichter nach einem Foulpfiff gegen ihn an, "du verdammte Schwuchtel!" Zwei Jahre ist dieser Vorfall her. Wochenlang diskutierte man danach in den USA darüber, ob der Multimillionär Bryant mit 100.000 Dollar hart genug bestraft sei. Dass die Homophobie-Debatte etwas bewirkte, wurde im Februar deutlich, als Bryant auf Twitter einen Fan dazu aufforderte, den Ausdruck "schwul" als Beleidigung aus seinem Wortschatz zu streichen.

Am Montag dieser Woche teilte Bryant seinen mehr als 2,3 Millionen Twitter-Followern mit, er sei stolz auf Jason Collins. Der NBA-Profi hatte sich kurz zuvor in der renommierten Sports Illustrated als homosexuell geoutet. Als erster aktiver US-Sportler in einer der vier maßgeblichen Sportarten Football, Baseball, Eishockey und Basketball. 

Jason Collins sagte: "Ich bin schwul. Habt ihr ein Problem damit?" Bryant antwortete sinngemäß: "Nein, Mann, das ist cool" sowie, an alle: "Steht auf und unterstützt den Mann. Wer etwas dagegen hat, legt sich mit mir an." Bryants Worte wurden mehr als 30.000 Mal retweetet.

Collins und Bryant, beide 34 Jahre alt, könnten in Stil und Status kaum unterschiedlicher sein. Bryant ist eine Giftschlange, Collins ein Brauereipferd. Bryant ist ein Weltstar, Collins ein Bankdrücker, nur Hardcore-Fans bekannt. Seit zwölf Jahren spielt er in der NBA. Collins' Vertrag bei den Washington Wizards läuft aus, der Klub ist ausgeschieden. Es ist unklar, ob und wo Collins künftig spielen wird.

Collins’ Aufgabe auf dem Spielfeld ist simpel: hinten den Weg zum eigenen Korb zustellen, vorne Platz schaffen für die schnelleren, ball- und treffsichereren Mitspieler. Wenn die daneben werfen, wirft er seinen massigen Körper in das Getümmel, um den Abpraller einzusammeln, und, wenn das klappt, sofort wieder abzuspielen. Zwischen all den eleganten Dribblern ist er der Kerl fürs Grobe. "Wenn ich eingewechselt werde, dann jedes Mal in dem Wissen, dass ich zumindest sechs harte Fouls austeilen kann", sagt er.

Dass ein Doppelleben ihn belastete, war seinem Spiel äußerlich nicht anzumerken. Wie im Inneren eines Backofens habe er sich gefühlt, schreibt Collins. Er lebte in ständiger Angst, enttarnt zu werden. Zwischenzeitlich verlobte er sich sogar mit einer Frau, um den Schein zu wahren. "Ich habe versucht, mir einzureden, dass der Himmel rot war, obwohl ich natürlich wusste, dass er blau ist." Selbst sein Zwillingsbruder, der ebenfalls lange in der NBA spielte, ahnte nichts von seiner Pein.