Juventus TurinDie "alte Dame" ist zurück

Juventus ist wieder erfolgreich und verhasst in Italien, mehr als die Bayern in Deutschland. Vor dem Duell in der Champions League strotzt die "alte Dame" vor Kraft.

Die Spieler von Juventus Turin jubeln nach dem Sieg gegen Inter Mailand.

Die Spieler von Juventus Turin jubeln nach dem Sieg gegen Inter Mailand.

Der Calciomercato ist eine merkwürdige Institution des italienischen Fußballs. Seit Jahrzehnten trifft sich die Szene in einem Mailänder Hotel, munkelt, verhandelt, verkauft und schürt Gerüchte. Das Geschäft hat in den vergangenen Jahren nachgelassen, weil die Serie A ihre Anziehungskraft vor allem für Stars aus dem Ausland verloren hat. Aber der Fußballmarkt, der hier jeweils zur Transferperiode im Sommer und im Winter stattfindet, ist immer noch ein sicherer Gradmesser. Man merkt hier, wer im italienischen Fußball das Sagen hat.

Es ist ein kalter Wintermorgen in Mailand. Eine schwarze Limousine hält vor dem hässlichen Ata Executive Hotel, das außen viel von einem Parkhaus hat. Zwei Männer in langem Mantel steigen aus. Der eine ist ein Kofferträger. Der andere trägt eine Glatze, Brille und ist der einflussreichste Manager der Serie A. "Marotta!", flüstern sich die Journalisten in der Halle zu. Giuseppe Marotta, der Generaldirektor von Juventus Turin grüßt kurz in die Runde und verschwindet im Aufzug. Oben, in der Juventus-Suite, wird er ein paar Deals zu Ende bringen. Die Berichterstatter stürzen sich wie Schmeißfliegen auf den mächtigsten Mann des Calciomercato. Aber der ist längst davon.

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Die Szene in Mailand zeigt: Juventus Turin ist wieder die bestimmende Kraft im italienischen Fußball. Das war bereits in der Vergangenheit so. Etwa 15 Millionen Tifosi hat der italienische Rekordmeister. Turin und Umgebung sind dabei nur ein kleiner Faktor, der Großteil der Juventini lebt zwischen Palermo und Bozen. Ein gutes Stück Italien fiebert deshalb mit in diesen Tagen. Am Samstag haben sie im "Derby d'Italia" gegen den Erzrivalen Inter Mailand gewonnen. Das Spiel war eine wichtige Etappe auf dem Weg zur Verteidigung des Meistertitels, Juventus liegt in der Tabelle vor dem SSC Neapel in Führung. Am Dienstagabend steht dann die Reifeprüfung an. Hinspiel im Champions-League-Viertelfinale beim FC Bayern München.

"Senza paura", lautet der Slogan, den die Fangemeinde der Bianconeri vor solchen Aufgaben jetzt regelmäßig anstimmt, "ohne Angst". Denn die jüngere Vergangenheit von Juventus Turin hätte den Glauben an den eigenen Klub zumindest erschüttern können. "Juves" Stunde Null hieß Calciopoli, das war der Skandal um ein vom Generaldirektor Luciano Moggi entwickeltes System zur Beeinflussung von Schiedsrichtern, das im Frühjahr 2006 aufflog. Es folgten die Aberkennung von zwei Meistertiteln, der Zwangsabstieg in die Serie B, Stars wie Zlatan Ibrahimovic wanderten ab. Juventus-Fans weisen bis heute darauf hin, dass sich das WM-Finale zwischen Italien und Frankreich im selben Jahr zu großen Teilen aus Spielern oder ehemaligen Akteuren von Juventus Turin zusammensetzte. Das ist für den harten Kern der Beweis, dass damals höhere Mächte, also vor allem Inter Mailand, dem Klub eine goldene Zukunft in Europa verbauen wollten. Auch in diesem Zusammenhang ist die Partie gegen den FC Bayern für Juventus ein Meilenstein. Die "Alte Dame" ist zurück.

Auch die Reaktionen aus München nach der Auslosung zeugen davon, dass Juventus Turin seinen Aschenputtel-Status längst abgelegt hat. Die Italiener seien "kein Traumlos", behauptete der Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. "Ein richtiges Kaliber" sei der Gegner, sagte der Trainer Jupp Heynckes. Und der Mittelfeldspieler Toni Kroos zeigte sich beinahe eingeschüchtert, als er sagte: "Neben Barcelona ist das für mich das unangenehmste Los, das wir kriegen konnten." Unangenehm, das ist kein schlechter Ausgangspunkt, um den Erfolg von Juventus Turin in jüngster Zeit zu erklären.

Juventus ist verhasst in Italien, noch mehr als der FC Bayern in Deutschland, dem sich ja ob seiner ansehnlichen Spielweise die Herzen vieler Kritiker geöffnet haben. Auch Juventus praktiziert einen aufwändigen Angriffsfußball, der aber nicht etwa zu Lobpreisungen durch die Konkurrenz führt.

Über "Soldatini", kleine Soldaten, lästerte etwa Inter-Stürmer Antonio Cassano, als er vor einiger Zeit über die athletische Dominanz der Turiner befragt wurde. Die Antipathie, die Juventus bei seinen Gegnern in Italien erzeugt, gründet nicht nur darin, mit 28 Meistertiteln der national erfolgreichste Verein oder Zentrum des weit verzweigten Manipulationsskandals von 2006 zu sein. Die unermüdliche und manchmal äußerst harte Art, auch mit Talent und Qualität, aber vor allem mit einem unbändigen Willen bis zur letzten Minute zum Erfolg zu kommen, zeichnet die Mannschaft aus. Hätte der Club nicht soviel Tradition und das Team nicht einige Weltklasse-Spieler wie Gianluigi Buffon, Andrea Pirlo oder Arturo Vidal in seinen Reihen, man wäre versucht, vom Kampfgeist eines Underdogs zu sprechen.

Leser-Kommentare
    • Socke9
    • 02.04.2013 um 12:00 Uhr

    mir ist keiner bekannt, der gegenwärtig den FC Bayern hasst.
    Klar nervt es, wenn der Lieblingsverein gegen diesen Riesen einstecken muss, aber die Bayern haben es ja auch verdient.
    Gutes Wirtschaften (Dante für 5 Millionen?), gutes Engagement der Spieler und eine faire Spielweise bringen Respekt. Auch die Toten Hosen sind ja keine Bayern-Hasser mehr ;)

    Unbeliebt sind eher Vereine, die durch Scheichs gepumpt werden (ManCity, Paris...).

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    Ich kenne schon den ein oder anderen! ;-)

    Wenn Sie keinen kennen: Ich oute mich.

    Ich kenne schon den ein oder anderen! ;-)

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  1. hasser gibt es genug in der republik.

    alle nicht bayern fans/sympatisanten wünschen sich fast ausnahmslos, das die bayern stolpern.

    da braucht man nur quer durch alle foren lesen. (ausnahmen bestätigen die regel)

    für den deutschen fußball kann man nur hoffen, das die bayern und dortmund noch ein paar spieltage mitmischen dürfen.

    vielleicht reicht es ja für ein (traum-)finale zwischen den beiden. nach dem finale dahoam ein rein deutsches im mutterland des fußballs? welcher deutsche fan würde nicht gerne so ein spektakel sehen.

    oder will mir ein fußballfan erzählen, das sie lieber barca-real im final sehen wollen?

    als bayern sympatisant habe ich mich über die super leistung der borussen in der CL gefreut.

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    sondern einfach nur mit der Hoffnung auf Spannung und Abwechslung und genau darum mögen viele mittlerweile Dortmund, weil man sich von diesem Klub die erhoffte Spannung und Abwechslung erhoffen kann.
    Bayern ist nicht im Ansatz so verhaßt, wie Turin bei den Fans von anderen Klubs in Italien und dies ist begründet in der Städtetradition und Rivalität, vor allem im Norden Italiens. Die Städterivalitäten sind historisch über Jahrhunderte gewachsen. Genua, Mailand, Turin, Florenz, Venedig, Rom usw. Der Maßstab ist ein völlig anderer, als in Deutschland und darum verbietet sich eigentlich auch ein Vergleich mit deutschen Fußballvereinen und Städten.

    Zum sportlichen. Turin wird Bayern alles abverlangen und so recht mag ich nicht an ein Weiterkommen der Müncher glauben, denn Juve mixed die typische italienische Defensive mit viel offensivem Esprit. Es wird spannend und selbst als Dortmundfan freue ich mich schon sehr auf dieses Duell.

    sondern einfach nur mit der Hoffnung auf Spannung und Abwechslung und genau darum mögen viele mittlerweile Dortmund, weil man sich von diesem Klub die erhoffte Spannung und Abwechslung erhoffen kann.
    Bayern ist nicht im Ansatz so verhaßt, wie Turin bei den Fans von anderen Klubs in Italien und dies ist begründet in der Städtetradition und Rivalität, vor allem im Norden Italiens. Die Städterivalitäten sind historisch über Jahrhunderte gewachsen. Genua, Mailand, Turin, Florenz, Venedig, Rom usw. Der Maßstab ist ein völlig anderer, als in Deutschland und darum verbietet sich eigentlich auch ein Vergleich mit deutschen Fußballvereinen und Städten.

    Zum sportlichen. Turin wird Bayern alles abverlangen und so recht mag ich nicht an ein Weiterkommen der Müncher glauben, denn Juve mixed die typische italienische Defensive mit viel offensivem Esprit. Es wird spannend und selbst als Dortmundfan freue ich mich schon sehr auf dieses Duell.

  2. Ich kenne schon den ein oder anderen! ;-)

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  3. als zu Hause, könnte man glatt mit einem 0:0 zufrieden sein.
    Wird es aber nicht geben .-)

    Egal wie, es wird spannend!

  4. Der FC Bayern ist NICHT verhasst? Also ich als deutscher Fußballfan träume von einem Traumfinale, daher (heute) Forza JUVE!!!

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  5. Auch nach dem Manipulationsskandal mit der anschließenden Verbannung in die zweite Liga konnte Juve nicht aufhalten. Der Rekordmeister ist wieder an der Spitze und die Bayern werden sich warm anziehen müssen.

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  6. sondern einfach nur mit der Hoffnung auf Spannung und Abwechslung und genau darum mögen viele mittlerweile Dortmund, weil man sich von diesem Klub die erhoffte Spannung und Abwechslung erhoffen kann.
    Bayern ist nicht im Ansatz so verhaßt, wie Turin bei den Fans von anderen Klubs in Italien und dies ist begründet in der Städtetradition und Rivalität, vor allem im Norden Italiens. Die Städterivalitäten sind historisch über Jahrhunderte gewachsen. Genua, Mailand, Turin, Florenz, Venedig, Rom usw. Der Maßstab ist ein völlig anderer, als in Deutschland und darum verbietet sich eigentlich auch ein Vergleich mit deutschen Fußballvereinen und Städten.

    Zum sportlichen. Turin wird Bayern alles abverlangen und so recht mag ich nicht an ein Weiterkommen der Müncher glauben, denn Juve mixed die typische italienische Defensive mit viel offensivem Esprit. Es wird spannend und selbst als Dortmundfan freue ich mich schon sehr auf dieses Duell.

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    Antwort auf "also bayern"
  7. Wenn Sie keinen kennen: Ich oute mich.

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    Hass empfindet man natürlicherweise für Menschen, die einem massiv geschadet haben. Inwiefern hat der FC Bayern Ihnen geschadet? Und wer hat Ihnen tatsächlich geschadet?

    Hass empfindet man natürlicherweise für Menschen, die einem massiv geschadet haben. Inwiefern hat der FC Bayern Ihnen geschadet? Und wer hat Ihnen tatsächlich geschadet?

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