Fußball-WM 2022"Katar wird unfair mit anderen verglichen"

Wir haben keine Regeln gebrochen, sagt Nasser Al-Khater vom WM-Organisationskomitee Katars. Die Kritik an seinem Land kam für ihn sehr überraschend, sagt er im Interview. von Dominik Bardow und Christian Hönicke

Zwei Fans mit einem Trikot von Arjen Robben während des Trainingslagers des FC Bayern in Doha im Januar 2013

Zwei Fans mit einem Trikot von Arjen Robben während des Trainingslagers des FC Bayern in Doha im Januar 2013  |  © Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Frage: Herr Al-Khater, im Dezember 2010 wurde verkündet, dass Katar die Fußball-WM 2022 austrägt. Seither halten sich Vorwürfe, dass Stimmen gekauft wurden. Wie gehen Sie im WM-Organisationskomitee damit um?

Nasser Fahad Al-Khater: Was sollen wir machen? Um jede WM, um jedes große Sportereignis gibt es doch irgendeine Art von Kontroverse. Das ist die Natur des Spiels. Wir können nur sagen: Wir haben nichts falsch gemacht, wir haben keine Regeln gebrochen. Wir konzentrieren uns auf die positiven Aspekte, darauf, was wir erreichen wollen.

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Nasser Fahad Al-Khater

Nasser Fahad Al-Khater ist Kommunikations- und Marketingdirektor im Organisationskomitee für die WM 2022 in Katar. Zuvor war er für die Präsentation der WM-Bewerbung zuständig.

Frage: Waren Sie überrascht von der Wucht der Kritik nach der WM-Vergabe?

Al-Khater: Um ehrlich zu sein, ja. Wir waren sehr überrascht. Wir wussten, dass es viele negative Stimmen geben würde. Aber nicht in diesem Ausmaß und nicht über diesen langen Zeitraum.

Frage: Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Al-Khater: Ich denke, viele Menschen mögen es nicht, mit Traditionen zu brechen. Einige denken wohl auch, andere Länder hätten es mehr verdient, die WM zu veranstalten. Vielleicht spielt auch eine Art von Diskriminierung dabei eine Rolle. Wir bekommen aber auch jede Menge Zuspruch von kleineren Ländern, die sich freuen, dass sich der Underdog gegen die USA und Australien durchgesetzt hat.

Frage: Katar ist kleiner als Schleswig-Holstein und hat kaum mehr als 200.000 Staatsbürger. Viele verstehen nicht, was ein so kleines Land mit einer Fußball-WM möchte. Können Sie es uns erklären?

Al-Khater: Zunächst einmal wird der Nahe Osten dadurch anders wahrgenommen, nicht mehr nur wegen seiner Konflikte. In Katar fördert die WM den Nationalstolz und beschleunigt unsere Entwicklung als Land, was die Infrastruktur angeht. Wenn alle eine Deadline haben, bis wann etwas fertig sein muss, arbeiten sie fokussierter.

Frage: Woran arbeitet Katar denn genau?

Al-Khater: Den Großteil unserer Wirtschaftsleistung kommt von den großen Firmen, die Öl und Gas fördern. Bis 2030 wollen wir uns wirtschaftlich breiter und nachhaltiger aufstellen, kleinere und mittelgroße Unternehmen fördern und eine Tourismusindustrie aufbauen, um nicht mehr so abhängig von Öl und Gas zu sein. Bei einem Megaevent wie der WM entstehen eine Menge Geschäftsmöglichkeiten.

Frage: In diesem Jahr findet die Schwimm-WM in Katar statt, 2015 die Handball-WM. Zweimal hat sich Doha schon um Olympia beworben. Ist Sport für Katar ein diplomatisches Mittel?

Al-Khater: Ja, Sport ist eine Art weiche Diplomatie. Wenn wir die Leute dazu bekommen, den Nahen Osten zu besuchen, dann ändern sie oft ihre vorgefertigten Meinungen.

Frage: Wenn die Welt auf Katar schaut, treten auch Problemfelder ans Tageslicht, wie Umweltverschmutzung und Defizite bei den Rechten der Frauen und Gastarbeiter.

Al-Khater: Das wissen wir. Für uns ist die Weltmeisterschaft ein Katalysator für Veränderung und Verbesserung. Unser Ziel ist es, diese Probleme schnell zu lösen, und die WM kann uns dabei helfen. Aber Katar ist auch ein sehr junges Land. Manchmal werden wir auf unfaire Weise mit Ländern verglichen, die ihre Institutionen über hunderte von Jahren aufgebaut haben.

Frage: Bei vielen Sportveranstaltungen in Katar und auch in der heimischen Fußballliga sind die Ränge oft nur spärlich gefüllt. Werden die Stadien bei der WM voll sein?

Al-Khater: Wir sind ein kleines Land mit vielen Vereinen. Aber die Zuschauerzahlen sind ein Problem. Die Spiele laufen alle im Fernsehen und die Leute schauen sie lieber im Café und rauchen eine Wasserpfeife dazu. Wir müssen da die Mentalität und Kultur ändern, dafür haben wir ein olympisches Schulprogramm gestartet, das hebt das Interesse an Sport und auch das Niveau unserer Athleten.

Frage: Werden Sie Flugtickets und Eintrittskarten subventionieren, um ausländische Fußballfans nach Katar zu locken?

Al-Khater: Eine WM zieht immer mindestens 500.000 Menschen an, da haben wir keine Sorge. Katar ist für zwei Milliarden Menschen innerhalb von vier Flugstunden zu erreichen. Die Fans können wegen der kurzen Wege bis zu drei Spiele an einem Tag sehen und die gesamte Golf-Region bereisen.

Frage: Werden die Fans auf Straßen und Plätzen feiern können wie bei anderen Turnieren, mit Alkohol und trotz der Temperaturen von bis zu 50 Grad im Sommer?

Al-Khater: Trinken ist eigentlich kein Teil unserer Kultur. Alkoholkonsum ist eingeschränkt, aber nicht verboten. Wir werden Lösungen finden, die alle glücklich machen, ohne die Lokalbevölkerung zu stören. Wir haben Kühltechnologie für unsere Stadien und arbeiten daran, große Plätze für viele Menschen zu kühlen, über den Boden oder die Häuserwände. Die Kühltechnologie soll unser Vermächtnis werden, um anderen Ländern mit ähnlichem Klima zu zeigen, dass das funktioniert.

Frage: Möchten Sie die WM deswegen lieber im heißen Sommer veranstalten, um Ihre Technologie der Welt anzupreisen? Oder doch im Winter, wie immer mehr Experten fordern? Die einheimische Fußball-Liga spielt schließlich auch im Winter.

Al-Khater: Der Sommer wäre der beste Test für unsere Technologie. Eine Verschiebung des Turniers in den Winter würde aber natürlich auch Sinn ergeben. Die Entscheidung liegt nicht bei uns.

Frage: Das scheint im Moment jeder zu sagen, auch der Weltverband Fifa. Wer entscheidet es denn?

Al-Khater: Der Fußball gehört der Welt. Es gibt Entscheidungsträger bei der Fifa, den europäischen, den asiatischen oder afrikanische Verbänden. Wenn sich alle auf den Sommer einigen, ist das kein Problem und auch der Winter macht für uns keinen Unterschied. Wir entwickeln unsere Stadien auf jeden Fall mit Kühltechnologie, bis zum Confederations-Cup 2021 werden sie fertig sein.

Leserkommentare
  1. "Ich war noch nicht im Stadion, aber ich mag den Verein, weil viele Spieler aus dem eigenen Nachwuchs kommen, das ist ein gewachsenes Team."

    Na da scheint einer ja wirklich Ahnung vom Fußball im Allgemeinen und des BVB im Speziellen zu haben...

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    • Hainuo
    • 19. April 2013 16:58 Uhr

    Der gute Mann wohnt nicht nebenan. Es soll übrigens auch Dortmund-Fans aus Deutschland geben, die noch nicht im Stadion waren.

    Immerhin, die Marketingstrategie von Dortmund hat gezogen. Nun glauben selbst die Leute in Katar der Verein wäre ein Mustereispiel für gute Jugendarbeit. In Deutschland wurde die Ansicht von uninformierten Medien ja so oft wiederholt, dass sie unter Teilzeitfans Allgemeingut ist.

    • Hainuo
    • 19. April 2013 16:58 Uhr

    Der gute Mann wohnt nicht nebenan. Es soll übrigens auch Dortmund-Fans aus Deutschland geben, die noch nicht im Stadion waren.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Borussia Dortmund"
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    ...auf wieviele Spieler aus dem eigenen Nachwuchs kommen Sie so beim BVB?

    • Burts
    • 19. April 2013 17:12 Uhr

    Auf jeden Angriff eine Antwort die bloss nicht irgendwen beleidigen könnte. Hier hat ein ganzes Marketingteam gebürstet.

    "Aber ich finde, die Bundesliga ist die erfolgreichste Liga der Welt, ein Modell, dem man folgen sollte"

    da werde ich mal die engl., span., franz, Presse nach seinen Interviews beobachten ob er das dort genauso sagt oder ob dann doch ehr andere Ligen Vorbilder sind?

    Ich bin entschlossen diese WM zu ignorieren wenn das bei der Dauerpesprenkelung dann noch geht.

    4 Leserempfehlungen
    • pakZ
    • 19. April 2013 17:12 Uhr
    4. .....

    was für ein geschwurbel.
    warum bietet man solchen menschen überhaupt noch eine plattform?

    man muß sich schon zusammenreißen, um die netiquette nicht zu verletzen.
    die verantwortlichen funktionäre können mir jedenfalls gerne mal im mondschein begegnen...

    2 Leserempfehlungen
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    • Hainuo
    • 19. April 2013 17:31 Uhr

    Warum Sie gerade dieses Interview als solch ein Geschwurbel empfinden, erschließt sich mir nicht. Bis auf die höflichen Floskeln am Ende bezüglich der deutschen Liga (und die gibt es zurzeit überall zu hören), ist es ein stinknormales Interview, das gar nicht so unehrlich geführt wurde. Ich finde interessant, dass er zugibt, dass die WM vor allem diplomatisch und wirtschaftlich betrachtet wird. Dieses ehrliche Statement haben viele andere WM-Gastgeber nicht über die Lippen gebracht.

    Auch wenn ich selbst kein großer Fan des Austragungsorts Katar bin, kann ich die hier veröffentlichten Reaktionen nicht verstehen. Wütend kann man auf die FIFA sein. Das Katar sich auf diese Gelegenheit freut, ist nur allzu verständlich. Allerdings haben die guten "Scheichs", und das scheinen ja alle Katarer nach der hiesigen Meinung zu sein, hierzulande ein großes Imageproblem. Eine Menge Ressentiments werden hier scheinbar gehegt.

    Es wäre nicht überraschend, wenn es doch so wäre. Denn

    - auch der Vorsitz in der Arabischen Liga wurde von Katar "finanziell" übernommen. Turnusmäßig war Palästina dran. In der Nacht vor der Wahl wurde die Angelegenheit mit 450 Millionen USD im Sinne des Emirs geregelt,

    - auch dem Leiter der Beobachtergruppe der Arabischen Liga in Syrien , welcher die Mission fortzusetzen empfahl, sollen1 Mill. USD angeboten worden sein. Angeblich soll er verzichtet haben. Aber der Bericht verschwand in der Versenkung und wurde nie offiziell veröffentlicht.

    http://www.globalresearch...

    sowie

    http://vridar.files.wordp...

    Ps.: ist jemandem bekannt, dass der Ministerpräsident von Katar vor einer Woche in Berlin war? Die Zeit hat darüber nicht berichtet.

    • Hainuo
    • 19. April 2013 17:31 Uhr

    Warum Sie gerade dieses Interview als solch ein Geschwurbel empfinden, erschließt sich mir nicht. Bis auf die höflichen Floskeln am Ende bezüglich der deutschen Liga (und die gibt es zurzeit überall zu hören), ist es ein stinknormales Interview, das gar nicht so unehrlich geführt wurde. Ich finde interessant, dass er zugibt, dass die WM vor allem diplomatisch und wirtschaftlich betrachtet wird. Dieses ehrliche Statement haben viele andere WM-Gastgeber nicht über die Lippen gebracht.

    Auch wenn ich selbst kein großer Fan des Austragungsorts Katar bin, kann ich die hier veröffentlichten Reaktionen nicht verstehen. Wütend kann man auf die FIFA sein. Das Katar sich auf diese Gelegenheit freut, ist nur allzu verständlich. Allerdings haben die guten "Scheichs", und das scheinen ja alle Katarer nach der hiesigen Meinung zu sein, hierzulande ein großes Imageproblem. Eine Menge Ressentiments werden hier scheinbar gehegt.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "....."
  2. 6. Und...

    ...auf wieviele Spieler aus dem eigenen Nachwuchs kommen Sie so beim BVB?

    Antwort auf "Wo ist das Problem?"
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    • Hainuo
    • 19. April 2013 18:32 Uhr

    Das ausländische Beobachter manchmal eigene Jugendarbeit mit dem Kauf von jungen Talenten und der eigenen Ausbildung verwechseln, ist wirklich zu kleinlich. Das kriegen nicht mal die deutschen Beobachter auf die Reihe. Und immerhin haben sie mit Schmelzer und Götze zwei nicht unerhebliche Talente aus der eigenen Jugend. Trotzdem ist sein Kommentar nicht unangebracht, dass das Team gewachsen ist. Der BVB hat eine eingespielte Truppe, die aus vielen Jungspielern zusammengestellt wurde. Aber meinetwegen werfen sie es dem Scheich vor...

  3. Es wäre nicht überraschend, wenn es doch so wäre. Denn

    - auch der Vorsitz in der Arabischen Liga wurde von Katar "finanziell" übernommen. Turnusmäßig war Palästina dran. In der Nacht vor der Wahl wurde die Angelegenheit mit 450 Millionen USD im Sinne des Emirs geregelt,

    - auch dem Leiter der Beobachtergruppe der Arabischen Liga in Syrien , welcher die Mission fortzusetzen empfahl, sollen1 Mill. USD angeboten worden sein. Angeblich soll er verzichtet haben. Aber der Bericht verschwand in der Versenkung und wurde nie offiziell veröffentlicht.

    http://www.globalresearch...

    sowie

    http://vridar.files.wordp...

    Ps.: ist jemandem bekannt, dass der Ministerpräsident von Katar vor einer Woche in Berlin war? Die Zeit hat darüber nicht berichtet.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "....."
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    • Burts
    • 19. April 2013 22:58 Uhr

    " Gekauft?

    Es wäre nicht überraschend, wenn es doch so wäre"

    mich würde es ehr überraschen wenn es nicht so wäre.

    Die kaufen sich gerade so alles mögliche für ihr Image. Aber es ist schon richtig verwerflich ist da ehr die FIFA und Bargeld-Blatter als Katar. Aber ja die FIFA verkauft absolut alles.

  4. Ich bin nicht überrascht, wie offen Katar sich gibt. Ich habe selbst ein Jahr dort gelebt und gearbeitet. Ich bin aber überrascht, wie sehr sie sich nach außen hin auch Mühe geben und sich versuchen zu präsentieren.
    Da gibt es ein winziges Land, dass die Möglichkeiten hat, Technologien offen zu fördern und Menschen auch aus anderen Regionen der Welt am Fußball teilhaben zu lassen.
    Sport verbindet, Fußball verbindet! Da sind einige Kommentare, die zur Katar-Diskussion immer wieder fallen einfach nur peinlich, sogar teils rassistisch.
    Und noch ein Satz zum Thema Bestechung: Wer meint, Deutschland hätte die WM 2006 sauber zugesprochen bekommen, möge bitte folgendes Video ansehen: http://www.youtube.com/wa...

    4 Leserempfehlungen
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    Es ist schon ein bemerkenswertes Land.
    Der Emir "putschte 1995 gegen seinen Vater, als der in der Schweiz weilte. Seither hat er das Land zielstrebig modernisiert, hat Al- Dschasira gegründet, das Frauenwahlecht eingeführt, dem Land ein Parlament gegeben..."

    Leichte Demokratiedefizite gibt es dennoch

    "Nur die Parlamentswahlen lassen noch auf sich warten"

    " Der Emir möchte, dass sein Land in der Welt bekannt wird und beliebt, mehr noch wichtig: und unentbehrlich für die Großmächte"

    Quelle: Michael Thumann in der Zeit v. 18.4. 2013/ Seite 5

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