Mario Götze © P. Stollarz/AFP/Getty Images

Bis kurz vor Schluss schien Mario Götze der tragische Held. Dortmund lag aussichtslos 1:2 zurück, Götze hatte mehrere klare Chancen vergeben. Am Ende jedoch hatte der BVB auch dank Götze Fußballgeschichte neu geschrieben: Nach einem furiosen Endspurt steht er mit Borussia Dortmund im Halbfinale der Champions-League. "Das war bislang sicher das Spiel des Jahres für uns als Mannschaft. Und natürlich sind wir im Kollektiv unfassbar glücklich. Aber ich persönlich spüre keine Genugtuung. Warum auch?", sagt Götze in der aktuellen Ausgabe der ZEIT.

Götze, der noch im Hinspiel in Málaga drei hochkarätige Chancen vergeben hatte, spricht auch über die Herausforderung, mit 20 Jahren bereits den Traum vom Fußballstar zu leben. Er beschreibt die Zerrissenheit zwischen der Profiwelt und dem wahren Leben. "Der Fußball ermöglicht mir so viel. Mein Beruf gibt mir Sicherheit. Klar, finanziell, aber ich habe auch ein Gefühl der Geborgenheit innerhalb meiner Mannschaft, das ist schön. Ich lebe das, was mir Spaß macht. Und trotzdem ist es nicht immer einfach, glücklich zu sein. Ist das nicht merkwürdig?"

Götze gibt sich selbstbewusst und zeigt sich überzeugt, dass seine Karriere auch beim DFB – anders als die von seinen Nationalmannschaftskollegen Stefan Kießling oder Mario Gomez – keinen Knick erhält. Er könne sich "verschiedenen Systemen unterordnen. Ich glaube nicht, dass mein Spielertyp auf absehbare Zeit nicht mehr gebraucht wird."

Der Bundestrainer Joachim Löw hatte Götze zuletzt als "falsche Neun" eingesetzt und dafür auf gelernte Stürmer verzichtet. Er fühle sich sehr wohl auf dieser Position, sagt Götze der ZEIT. "Auf der Position habe ich in der Jugend häufig gespielt. Ich habe immer beides spielen können. Ganz vorne im Zentrum oder auch dahinter, als Ideengeber im Mittelfeld. Als Spieler bist du abhängig von der Philosophie des Trainers. Wenn du also nur eine Position spielen kannst, dann kann das ein Nachteil sein."

Der Erfolg habe aber auch negative Seiten. "Seitdem ich denken kann, funktioniere ich wie ein Rädchen in dieser Fußballwelt", sagt Götze. "Eine solche Belastung hält man nicht ewig durch, weder körperlich noch mental. Es wäre naiv, mir vorzumachen, dass das länger als zwölf bis 15 Jahre so weitergehen wird", sagt der BVB-Spieler, der mit Dortmund bereits zwei Meisterschaften gewonnen hat. Als seinen größten Tiefpunkt bezeichnet Götze seine Schambeinverletzung, wegen der er ein halbes Jahr ohne Pflichtspieleinsatz blieb. "Im ersten Moment habe ich das gar nicht realisiert. Das kapiert man erst nach und nach. In der ersten Woche durfte ich gar nichts machen. Ich habe versucht, abzuschalten. Das ist anfangs unmöglich. Aber ich wurde gezwungen. Ganz oft dachte ich: Ich will spielen! Meine Mannschaft siegte, und ich durfte nur zuschauen. Auf einmal hatte ich Zeit für mich. Ich wusste überhaupt nichts mit der Zeit anzufangen. Mir wurde der Lebensmittelpunkt genommen." In dieser Phase habe er gelernt, sich nicht so wichtig zu nehmen.

Das komplette Interview erscheint auf der Fußballseite der aktuellen ZEIT