Paolo Di CanioDer schwierige Umgang mit dem Faschisten auf der Trainerbank
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Die Gesinnung des Trainers wird hervorgehoben und skandalisiert

Di Canio sagt, sein Beruf sei für ihn nie ein Geschäft gewesen. Fußball sei Leidenschaft. Mit dieser Leidenschaft des fußballspielenden Faschisten umzugehen, war schon Mitte der nuller Jahre eine Herausforderung für Fußballverbände, -vereine und die Öffentlichkeit. Jetzt, wo Di Canio auch als Trainer die große Bühne betreten darf, wiederholen sich die Muster. Die Gesinnung des Trainers wird hervorgehoben und skandalisiert. Di Canio, der mit seiner rechten Einstellung kokettiert, nutzt den Rummel zur Heroisierung und Karriere-Gestaltung.

Steffen Dobbert
Steffen Dobbert

Steffen Dobbert ist verantwortlicher Redakteur im Ressort Sport bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Funktioniert hat das schon in den vergangenen zwei Jahren, als Di Canio erstmals als Coach in Swindon trainierte. Swindon Town war eigentlich ein ziemlich unbekannter Verein in der vierten englischen Liga. Doch von Beginn an sorgte Di Canio für Schlagzeilen. Er ließ seine Mannschaft sechs von sieben Tagen die Woche trainieren, verordnete Ernährungs- und Disziplinregeln. Einmal soll er einen Spieler rassistisch beleidigt haben, doch zu einer Bestrafung kam es aus Mangel an Beweisen nicht. Ein anderes Mal ging er auf einen seiner Spieler los, weil der nach seiner Auswechslung unzufrieden war. Ein Vereinssponsor kündigte wegen der faschistischen Gesinnung des Trainers. Di Canio behauptete in Swindon, Fußball habe nichts mit Politik zu tun. Eindeutig distanziert vom Faschismus hat er sich nie, auch jetzt nicht. Der Aufmerksamkeit für seine Person hat das geholfen.

Bisher hat Di Canio lediglich einen Viertligisten in die dritte englische Liga geführt und dabei ähnlich viel Wind gemacht wie zu seiner aktiven Zeit als Spieler. Ob er darum ein so guter Trainer ist, dass er einen Job in der teuersten Fußballliga der Welt verdient hat, ist schwer zu beurteilen.

Beantwortet haben diese Frage die Verantwortlichen vom AFC Sunderland und irgendwie erinnern sie damit an den Philosophen Joseph Marie de Maistre. Der erfand seinen berühmtesten Satz, als es den Verein noch nicht gab. Doch die Weisheit, dass jedes Volk die Regierung hat, die es verdient, lässt sich gut auf den englischen Traditionsverein übertragen. Für Sunderland zählt der eventuelle Klassenerhalt mehr als die Moral. Dafür sollte man den Verein nicht bestrafen, aber bemitleiden.

 
Leser-Kommentare
  1. Wenn dieser Herr aus D käme oder einen deutschen Verein trainieren würde wäre in der Presse ein ganz anderes Getobe zu hören.
    Meiner Ansicht nach sind es genau im Übrigen solche Typen die dem Fussball ohne Ende schaden.

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    aber das ein von den Medien gehypter Faschist in der Premier League Trainer werden kann zielt auf die Massen den Faschismis Stückchen für Stückchen zu rehabilieren.....Man braucht sie ja irgendwann wieder...

    aber das ein von den Medien gehypter Faschist in der Premier League Trainer werden kann zielt auf die Massen den Faschismis Stückchen für Stückchen zu rehabilieren.....Man braucht sie ja irgendwann wieder...

  2. Für mich ist das was da passiert symptomatisch. In Deutschland wäre das zwar auf offizieller Ebene undenkbar, aber es gibt auch hier eine Unmenge so genannter Fans die ihre Leidenschaft auf die gleiche Art und Weise für rechtes Gedankengut begeistern können wie für ihren Verein. Das liegt offenbar in der Natur der Sache. Faszination und Faschismus haben sprachlich die gleiche Wurzel. Das muss nicht zu den Verhältnissen führen, die man vom Fußball her kennt. Beim Eishockey ist es schließlich auch nicht so. Aber der Massenfußball hat eine andere Geschichte. Auch wenn er heute nichts weiter als ein Millionengeschäft ist. Und die bindet schichtenspezifisch Menschen, die sich wohl eher nach einfacher gestrickten politischen Weltbildern orientieren. Ich glaube nicht dass sich das wirklich verändern lassen wird. Das dieser Mann als Trainer verpflichtet wird finde ich trotzdem dumm. Weil man von offizieller Seite zumindest versuchen muss das Phänomen zu steuern. Und diese Entscheidung setzt ganz klar die falschen Signale.

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  3. Wenn ein Mensch den Ehrgeiz besitzt, im Sport Erfolge erringen zu wollen, dann ist es mir völlig unbegreiflich, warum er sich ausgerechnet die größten Verlierer der Geschichte zum Vorbild nimmt.

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  4. aber das ein von den Medien gehypter Faschist in der Premier League Trainer werden kann zielt auf die Massen den Faschismis Stückchen für Stückchen zu rehabilieren.....Man braucht sie ja irgendwann wieder...

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    • ZH1006
    • 03.04.2013 um 15:42 Uhr

    wofür werden "sie irgendwann wieder gebraucht"?

    • ZH1006
    • 03.04.2013 um 15:42 Uhr

    wofür werden "sie irgendwann wieder gebraucht"?

    • ZH1006
    • 03.04.2013 um 15:40 Uhr

    die machen da auch gar keinen Hehl daraus, das weiß jeder und man kann sich Wochenende für Wochenende davon überzeugen. Es ist doch abwegig, ernsthaft in Betracht zu ziehen, dass es dann unter den Trainern, Präsidenten, Managern etc. keine Faschisten gibt.

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    .5." Millionen von Fußballfans sind Faschisten,
    die machen da auch gar keinen Hehl daraus, das weiß jeder und man kann sich Wochenende für Wochenende davon überzeugen."

    was meinen Sie,welche Partei haben denn "diese Millionen" die letzten Jahre gewählt?

    .5." Millionen von Fußballfans sind Faschisten,
    die machen da auch gar keinen Hehl daraus, das weiß jeder und man kann sich Wochenende für Wochenende davon überzeugen."

    was meinen Sie,welche Partei haben denn "diese Millionen" die letzten Jahre gewählt?

    • ZH1006
    • 03.04.2013 um 15:42 Uhr

    wofür werden "sie irgendwann wieder gebraucht"?

  5. "Di Canio ist Faschist - ist er aber auch ein Rassist?" Diese Unterscheidung mag politisch wichtig sein. Auch wenn man den Menschen, der sich so outet privat oder gesellschaftlich beurteilt. In dem Zusammenhang in dem sie jetzt auftaucht finde ich sie mehr oder weniger irrelevant. Der Mann hat Ansichten, die einfach nicht in eine Position gehören, die immer auch Vorbildfunktion hat.

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    • ZH1006
    • 03.04.2013 um 17:01 Uhr

    der Verharmlosung. Faschisten sind per se Menschenfeinde und Anhänger autoritärer Strukturen, die immer mit Ausgrenzung und Unterdrückung von Minderheiten und Andersdenkenden zu tun hat, was sich mit der Definition von Rassismus zumindest teilweise deckt.

    • ZH1006
    • 03.04.2013 um 17:01 Uhr

    der Verharmlosung. Faschisten sind per se Menschenfeinde und Anhänger autoritärer Strukturen, die immer mit Ausgrenzung und Unterdrückung von Minderheiten und Andersdenkenden zu tun hat, was sich mit der Definition von Rassismus zumindest teilweise deckt.

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