Champions League : Bayern und der BVB können zeigen, wie man Spanien bezwingt

Bislang fand Bundestrainer Löw kein Mittel gegen Spaniens Dominanz. In der Champions League könnten Bayern und Dortmund ihm vormachen, wie der Konkurrent zu schlagen ist.
Dortmunds Marco Reus beim Schussversuch gegen Real Madrid © ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images

Es gibt keine aktuellen Erkenntnisse über den Gemütszustand des Verteidigers Dante vom FC Bayern München. Dass er schlecht gelaunt ist, ist trotzdem weitgehend auszuschließen, weil Dante eigentlich nie schlecht gelaunt ist – vermutlich nicht einmal, wenn seine Wünsche nicht in Erfüllung gehen. Der Mann mit der fröhlichen Lockenpracht hatte wie sein Vorgesetzter Uli Hoeneß für den nationalen Konkurrenten Borussia Dortmund als Gegner im Halbfinale der internationalen Champions League votiert: "Weil wir dann sicher sind, dass eine Mannschaft von uns im Finale steht, und das ist gut für unser Land." Unser Land? Dante ist Brasilianer.

Statt mit Dortmund bekommen es die Bayern am 23. Mai zu Hause mit dem FC Barcelona zu tun (Rückspiel am 1. Mai, live im ZDF), der BVB trifft auf Real Madrid (Hinspiel am 24. April, live im ZDF, Rückspiel am 30. April). Und doch ist es vor allem bemerkenswert, dass Dante den Nationalitätengedanken so weit fasst, obwohl sich für ihn erst vor ein paar Wochen mit dem Debüt in der brasilianischen Nationalmannschaft ein Herzenswunsch erfüllt hat. Im Grunde hat er natürlich recht. Wenn in anderthalb Wochen die Halbfinal-Begegnungen in der Champions League ausgespielt werden, geht es nicht um Bayern oder Barça, Dortmund oder Real. Dann geht es in der Tat auch um unser Land. Beziehungsweise das Duell mit dessen aktuell ärgstem Widersacher im Fußball. Im Halbfinale des Europapokals wird die Auseinandersetzung zwischen Deutschland und Spanien auf anderer Ebene fortgeführt. Zufall ist das wohl nicht.

Das Duell ist der heißeste Zweikampf, den der internationale Fußball derzeit zu bieten hat. Angedeutet hat sich diese Entwicklung seit längerem. Spanien und Deutschland sind die beiden einzigen Nationalmannschaften, die es bei den jüngsten drei großen Turnieren stets unter die letzten vier geschafft haben. In der Fifa-Weltrangliste belegen die Spanier seit Menschengedenken Platz eins, dahinter folgen inzwischen die Deutschen. So wie der Welt- und Europameister die dominierende Macht der jüngeren Fußballgeschichte ist, so ist die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw zumindest zum hartnäckigsten Verfolger der Roten Bestie geworden – wobei das Duell für den Herausforderer bisher, im EM-Finale 2008 und im WM-Halbfinale 2010, eher ernüchternd ausgefallen ist. Spanien ist für die Deutschen Vorbild und Trauma gleichermaßen, ein Gegner, an dem sich die Mannschaft bisher vergebens abgearbeitet hat. "Die Spanier beherrschen fast alles", hat Löw einmal gesagt, was ihm als Fußballästhet einerseits gefällt. Andererseits: "Wenn die Spanier nicht so überragend wären, hätten wir auf jeden Fall einen Titel gewonnen."

Erstmals zwei deutsche Mannschaften im Halbfinale

Vielleicht lässt sich das ja auf Vereinsebene nachholen. Seitdem Bayern 2001 die Champions League gewonnen hat (gegen den spanischen Vertreter Valencia!), ist die Bundesliga ohne europäischen Titel geblieben. Die Primera Division hingegen hat im selben Zeitraum insgesamt neunmal in Champions League, Uefa-Cup und Europa League triumphiert. Doch wenn die jüngsten Eindrücke nicht täuschen, sind die Kräfteverhältnisse gerade in Bewegung geraten. Zum ersten Mal überhaupt stehen zwei deutsche Teams unter den letzten vier des Meister-Wettbewerbs. Und nach den Auftritten im Viertelfinale gelten nicht etwa die Passkünstler aus Barcelona oder Real Madrid als erster Favorit auf den Titel – die Bayern sind derzeit das heißeste Ding in Europas Fußball. "Der unzerstörbare deutsche Panzerkreuzer", hat die spanische Zeitung "Marca" nach deren Sieg in Turin geschrieben.

"Bayern und Dortmund haben in dieser Saison bewiesen, wozu sie in der Lage sind", sagt Bundestrainer Löw. Für ihn ist das Halbfinale der Champions League "wie ein großes Entscheidungsspiel einer WM oder EM, also eine riesige Herausforderung und ein großes Erlebnis für jeden einzelnen Spieler". Aus solchen Sätzen spricht auch die Hoffnung, dass bei seinen Nationalspielern durch die Erfolge im Verein die Gewissheit wächst: Spanien ist schlagbar. Die personellen Überschneidungen sind schließlich enorm – sowohl auf deutscher wie auf spanischer Seite.

Borussia Dortmund hat sich in der Vorrunde des laufenden Wettbewerbs bereits gegen Real Madrid behauptet, den spanischen Rekordmeister vor eigenem Publikum 2:1 besiegt und im Estadio Bernabeu ein bemerkenswertes 2:2-Unentschieden erreicht. Bei den Bayern besteht immerhin die berechtigte Hoffnung, dass der Rückstand auf Barça seit dem letzten Aufeinandertreffen im Camp Nou deutlich kleiner geworden ist – wenn er denn überhaupt noch existiert. 2009 verloren die Münchner mit ihrem Trainer Jürgen Klinsmann im Viertelfinale der Champions League 0:4. "Barcelona ist stark, aber wir sind immer stärker geworden", sagt Bayerns Sportvorstand Matthias Sammer, der sich deshalb am Freitag über ein "nettes Los" freute.

Verzagtheit klingt anders.

Erschienen im Tagesspiegel

Verlagsangebot

Hören Sie DIE ZEIT

Genießen Sie wöchentlich aktuelle ZEIT-Artikel mit ZEIT AUDIO

Hier reinhören

Kommentare

52 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Den deutschen Fußball als "internationales Mittelmaß"...

... zu qualifizieren, ist nicht minder übertrieben, wie der gegenläufige Versuch so zu tun, als seien nur die Deutschen in der Lage, am spanischen Thron zu rütteln. Wenn ich hier schon Beiträge lese, die das deutsche Offensivpotenzial gar zum Maß aller Dinge erheben, hinter dem sich alle anderen einzuordnen hätten - Argentinier, Brasilianer und Spanier inbegriffen - liegt der Schluss nahe, dass das ohne Frage respektable Potenzial der Götze, Reus und co. dem einen oder anderen gehörig zu Kopf gestiegen ist.

Neymar auf Niveau Messi?

Behauptungen aufstellen ohne diese mit Fakten zu belegen kann jeder, damit kommen wir nicht weiter. Und die Beispiele, um die ich Sie bat, können Sie anscheinend nicht bringen.

Neymar mag ein toller Fußballer sein, aber die Weltklasse spielt in Europa, und hier muss er erst mal seine Klasse beweisen. Der Vergleich mit Messi ist schon abenteuerlich. Auf die anderen Punkte will ich gar nicht eingehen, das halte ich alles für hohle Phrasen.

ich finde..

.. sie disqualifizieren sich in ihrem zweiten absatz. "..wie sand am meer.." sorry aber ich glaube sie haben auch das problem wenn einer nen portugiesischen oder spanischen namen hat dann geht der puls hoch. Higuain ist doch nun lediglich internationale klass nich mehr.. neymar so gut wie messi? Ich bitte sie der spielt noch nicht mal in europa und schiesst weniger tore als messi oder auch andere.. di maria ist kein stück besser als müller sondern schlechter! Özil spielt die 10 bei real aber klar götze is natürlich besser, spielt ja auch beim bvb. Und özil ist natürlich nur sand am meer weltklasse... die meinung haben sie ziemlich exklusiv...
Wenn ich mich mit mit katalanischen freunden aus barcelona unterhalte dann finden die müller schweinsteiger lahm neuer top und auch reus. götze ist da gut.. ein freund aus brasilien sagt brasilien hat keine chance bei der wm. Gerade den deutschen fussball findet der toll. Schnell technisch schön...
Sie sehen ich schaue über den tellerrand...nur habe ich da völlig andere eindrücke erfahren als sie...
Barca und real sind harte gegner aber bayer und dortmund haben chancen...
Verstehe nicht warum sie alles so negativ sehen... allerdings verstehe ich auch nicht wie man meinen kann das geht easy und gibt n deutsches finale.

Özil...

"..... sie disqualifizieren sich in ihrem zweiten absatz. "..wie sand am meer.." sorry aber ich glaube sie haben auch das problem wenn einer nen portugiesischen oder spanischen namen hat dann geht der puls hoch. Higuain ist doch nun lediglich internationale klass nich mehr.. neymar so gut wie messi? Ich bitte sie der spielt noch nicht mal in europa und schiesst weniger tore als messi oder auch andere.. di maria ist kein stück besser als müller sondern schlechter! Özil spielt die 10 bei real aber klar götze is natürlich besser, ..."

... ist einer der am meisten überschätzten Fußballer auf internationaler Bühne und nur dort, wo er steht, weil er in Mourinhos eigenwilliges Weltbild passt. Er ist keinen Deut stärker, als bspw. Modric und auch nicht als ein Kaka in Bestform. Und damit wir uns nicht missverstehen: selbstredend ist er ein hervorragender Fußballer. Aber weder er, noch die von einem Diskutanten in grotesker fußballerischer Ahnungslosigkeit genannten Müller und Klose begründen eine Aussage, die das deutsche Offensivpotenzial zum weltweiten Maß der Dinge erheben könnte.

Im direkten individuellen fußballerischen Vergleich spielt ein Di Maria einen Müller übrigens schwindelig und Knoten in die Beine, bevor dieser "A" sagen kann.

Das Herzstück des deutschen Fußballs, von dem auch das Offensivpotenzial letztlich abhängt, ist das Mittelfeld, hier insbesondere das Duo Khedira-Schweinsteiger.