Champions LeagueBayern und der BVB können zeigen, wie man Spanien bezwingt

Bislang fand Bundestrainer Löw kein Mittel gegen Spaniens Dominanz. In der Champions League könnten Bayern und Dortmund ihm vormachen, wie der Konkurrent zu schlagen ist. von Stefan Hermanns

Dortmunds Marco Reus beim Schussversuch gegen Real Madrid

Dortmunds Marco Reus beim Schussversuch gegen Real Madrid  |  © ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images

Es gibt keine aktuellen Erkenntnisse über den Gemütszustand des Verteidigers Dante vom FC Bayern München. Dass er schlecht gelaunt ist, ist trotzdem weitgehend auszuschließen, weil Dante eigentlich nie schlecht gelaunt ist – vermutlich nicht einmal, wenn seine Wünsche nicht in Erfüllung gehen. Der Mann mit der fröhlichen Lockenpracht hatte wie sein Vorgesetzter Uli Hoeneß für den nationalen Konkurrenten Borussia Dortmund als Gegner im Halbfinale der internationalen Champions League votiert: "Weil wir dann sicher sind, dass eine Mannschaft von uns im Finale steht, und das ist gut für unser Land." Unser Land? Dante ist Brasilianer.

Statt mit Dortmund bekommen es die Bayern am 23. Mai zu Hause mit dem FC Barcelona zu tun (Rückspiel am 1. Mai, live im ZDF), der BVB trifft auf Real Madrid (Hinspiel am 24. April, live im ZDF, Rückspiel am 30. April). Und doch ist es vor allem bemerkenswert, dass Dante den Nationalitätengedanken so weit fasst, obwohl sich für ihn erst vor ein paar Wochen mit dem Debüt in der brasilianischen Nationalmannschaft ein Herzenswunsch erfüllt hat. Im Grunde hat er natürlich recht. Wenn in anderthalb Wochen die Halbfinal-Begegnungen in der Champions League ausgespielt werden, geht es nicht um Bayern oder Barça, Dortmund oder Real. Dann geht es in der Tat auch um unser Land. Beziehungsweise das Duell mit dessen aktuell ärgstem Widersacher im Fußball. Im Halbfinale des Europapokals wird die Auseinandersetzung zwischen Deutschland und Spanien auf anderer Ebene fortgeführt. Zufall ist das wohl nicht.

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Das Duell ist der heißeste Zweikampf, den der internationale Fußball derzeit zu bieten hat. Angedeutet hat sich diese Entwicklung seit längerem. Spanien und Deutschland sind die beiden einzigen Nationalmannschaften, die es bei den jüngsten drei großen Turnieren stets unter die letzten vier geschafft haben. In der Fifa-Weltrangliste belegen die Spanier seit Menschengedenken Platz eins, dahinter folgen inzwischen die Deutschen. So wie der Welt- und Europameister die dominierende Macht der jüngeren Fußballgeschichte ist, so ist die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw zumindest zum hartnäckigsten Verfolger der Roten Bestie geworden – wobei das Duell für den Herausforderer bisher, im EM-Finale 2008 und im WM-Halbfinale 2010, eher ernüchternd ausgefallen ist. Spanien ist für die Deutschen Vorbild und Trauma gleichermaßen, ein Gegner, an dem sich die Mannschaft bisher vergebens abgearbeitet hat. "Die Spanier beherrschen fast alles", hat Löw einmal gesagt, was ihm als Fußballästhet einerseits gefällt. Andererseits: "Wenn die Spanier nicht so überragend wären, hätten wir auf jeden Fall einen Titel gewonnen."

Erstmals zwei deutsche Mannschaften im Halbfinale

Vielleicht lässt sich das ja auf Vereinsebene nachholen. Seitdem Bayern 2001 die Champions League gewonnen hat (gegen den spanischen Vertreter Valencia!), ist die Bundesliga ohne europäischen Titel geblieben. Die Primera Division hingegen hat im selben Zeitraum insgesamt neunmal in Champions League, Uefa-Cup und Europa League triumphiert. Doch wenn die jüngsten Eindrücke nicht täuschen, sind die Kräfteverhältnisse gerade in Bewegung geraten. Zum ersten Mal überhaupt stehen zwei deutsche Teams unter den letzten vier des Meister-Wettbewerbs. Und nach den Auftritten im Viertelfinale gelten nicht etwa die Passkünstler aus Barcelona oder Real Madrid als erster Favorit auf den Titel – die Bayern sind derzeit das heißeste Ding in Europas Fußball. "Der unzerstörbare deutsche Panzerkreuzer", hat die spanische Zeitung "Marca" nach deren Sieg in Turin geschrieben.

"Bayern und Dortmund haben in dieser Saison bewiesen, wozu sie in der Lage sind", sagt Bundestrainer Löw. Für ihn ist das Halbfinale der Champions League "wie ein großes Entscheidungsspiel einer WM oder EM, also eine riesige Herausforderung und ein großes Erlebnis für jeden einzelnen Spieler". Aus solchen Sätzen spricht auch die Hoffnung, dass bei seinen Nationalspielern durch die Erfolge im Verein die Gewissheit wächst: Spanien ist schlagbar. Die personellen Überschneidungen sind schließlich enorm – sowohl auf deutscher wie auf spanischer Seite.

Borussia Dortmund hat sich in der Vorrunde des laufenden Wettbewerbs bereits gegen Real Madrid behauptet, den spanischen Rekordmeister vor eigenem Publikum 2:1 besiegt und im Estadio Bernabeu ein bemerkenswertes 2:2-Unentschieden erreicht. Bei den Bayern besteht immerhin die berechtigte Hoffnung, dass der Rückstand auf Barça seit dem letzten Aufeinandertreffen im Camp Nou deutlich kleiner geworden ist – wenn er denn überhaupt noch existiert. 2009 verloren die Münchner mit ihrem Trainer Jürgen Klinsmann im Viertelfinale der Champions League 0:4. "Barcelona ist stark, aber wir sind immer stärker geworden", sagt Bayerns Sportvorstand Matthias Sammer, der sich deshalb am Freitag über ein "nettes Los" freute.

Verzagtheit klingt anders.

Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
  1. Oder Dummheit?

    Der deutsche Fußball ist im internationalen Vergleich eher als mittelmäßig einzustufen. Bayern München hat mit deutschem Fußball nur noch wenig zu tun. In der spielenden Mannschaft sind überwiegend Ausländer vertreten. Sie mit Jogi Löws Truppe unter dem Deutsch-Label zu vergleichen, ist schon mehr als aberwitzig.

    Zudem werden kaum noch deutsche Spieler von ausländischen Clubs nachgefragt. Ausnahmen sind dann höchstens noch in Deutschland eingebürgerte Spieler mit ausländischer Herkunft.

    2 Leserempfehlungen
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    Also ich zähle mit Lahm, Schweinsteiger, Kroos, Müller und Neuer immerhin fünf deutsche Spieler, die in dieser Saison eigentlich immer zu den Stammspielern beim FC Bayern gehören. Dazu kam noch Badstuber vor seiner Verletzung, das wären dann mehr als 50 Prozent deutsche Spieler in der Startelf. Davon können gerade einige englische Vereine nur träumen.

    Zitat aus Posting Nr. 1: Zudem werden kaum noch deutsche Spieler von ausländischen Clubs nachgefragt. Ausnahmen sind dann höchstens noch in Deutschland eingebürgerte Spieler mit ausländischer Herkunft.

    Selten so etwas Dummes gelesen. Wenn sie auf die beiden Spieler von Real Madrid anspielen. Özil ist in Gelsenkirchen geboren, somit nicht ausländischer Herkunft. Seit wann sind die Eltern eines Spielers von Relevanz. Khedira ist in Stuttgart geboren. Übrigens, seine Mutter ist Deutsche.

    Und die beiden Spieler Podolski und Klose sind als Kinder nach Deutschland gekommen und hier sowohl gesellschaftlich als auch sportlich sozialisiert worden.

    Was soll also das dumme Geschwätz. Nach Ihrer Auffassung kann man die sportlichen Leistungen von Ländern wie den USA oder Australien dann auch nicht ernst nehmen. Das sind ja von wenigen Ausnahmen abgesehen alles Sportler ausländischer Herkunft.

    So etwas erweckt bei mir nur Fassungslosigkeit.

    • siar
    • 13. April 2013 13:36 Uhr

    der Ariernachweis einführen. Nur wer seinen deutschen Stammbaum bis ins Mittelalter belegen kann, darf sich deutsch nennen und für deutsche Clubs oder die NM spielen.

    Gerade in den letzten 1-2 Jahren sind deutsche Spieler im Ausland so beliebt wie schon lange nicht mehr.

    Özil, Khedira, Merkel sind schon lange im Ausland. Holtby, Marin, Podolski, Mertesacker sind in Top Clubs untergekommen und nach Spielern wie Götze, Reus und Hummels leckt sich jeder Verein die Finger.

    • cb81
    • 14. April 2013 2:14 Uhr

    Deutscher Fußball mittelmäßig? Deutsche Spieler werden nicht gefragt? Wo soll man da bloß mit der Widerlegung anfangen?...
    Sie scheinen keine ahnung zu haben.

    • cetu
    • 14. April 2013 14:27 Uhr

    Ach Fußball ist doch sowieso Sport fürs Lumpenproletariat.
    Wahre Deutsche betreiben Leibesertüchtigung, üben Marschieren und Zielschießen! ;-)

    einfach mal die ...

    Im Ernst: Dieser Beitrag hätte vor fünf Jahren vielleicht noch gepasst. Heute ist die Mannschaft von Bayern München durchsetzt mit deutschen Nationalspielern und deutsche Spieler sind im Ausland so begehrt wie seit mindestens 20 Jahren nicht mehr. Das Gegenteil ist also richtig. Oder wollten Sie sich nur einen kleinen Spaß machen und provozieren. Das wäre Ihnen dann allerdings gelungen.

    "Der deutsche Fußball ist im internationalen Vergleich eher als mittelmäßig einzustufen. Bayern München hat mit deutschem Fußball nur noch wenig zu tun"
    -----------------------------------------------------
    mit deutschem Fußball nur noch wenig zu tun.... also auch mit der Mittelmäßigkeit. Das unterstreicht also, dass es die Bayern schaffen könnten.

    • dacapo
    • 15. April 2013 22:13 Uhr

    ....... sie darf nicht durch Denkfehler oder falschen Einschätzungen geschehen. Nur ein kleiner Hinweis: eingebürgerte Spieler. Das war wohl nichts. Oder doch deutsches überhebliches Nationalistentum?

    • siar
    • 13. April 2013 13:04 Uhr

    ist am 23. April nicht 23. Mai.

    Nur ein kleiner Hinweis.

    • Socke9
    • 13. April 2013 13:06 Uhr

    Lieber Stefan,

    das Hinspiel zwischen Barca und Bayern findet natürlich am 23. April, nicht Mai statt :)

  2. Also ich zähle mit Lahm, Schweinsteiger, Kroos, Müller und Neuer immerhin fünf deutsche Spieler, die in dieser Saison eigentlich immer zu den Stammspielern beim FC Bayern gehören. Dazu kam noch Badstuber vor seiner Verletzung, das wären dann mehr als 50 Prozent deutsche Spieler in der Startelf. Davon können gerade einige englische Vereine nur träumen.

    11 Leserempfehlungen
  3. ...von jemandem mit dem Nick 'vita-european' das Wort von der 'ausländischen Herkunft' zu lesen. Oder beziehen Sie sich auf Tunesien und die Türkei?

    Mesut Özil wurde übrigens in Gelsenkirchen geboren und Sami Khedira wuchs in Fellbach-Oeffingen auf. Letzterer hat eine 'deutsche' Mutter, ebenso wie auch Mario Gomez.

    Unsinn ist auch, daß 'deutsche' Spieler nicht nachgefragt würden. Für Lahm, Müller, Schweinsteiger, Götze, Reuss, etc. würden sich auch 'ausländische' Arbeitgeber finden.

    15 Leserempfehlungen
  4. Zitat aus Posting Nr. 1: Zudem werden kaum noch deutsche Spieler von ausländischen Clubs nachgefragt. Ausnahmen sind dann höchstens noch in Deutschland eingebürgerte Spieler mit ausländischer Herkunft.

    Selten so etwas Dummes gelesen. Wenn sie auf die beiden Spieler von Real Madrid anspielen. Özil ist in Gelsenkirchen geboren, somit nicht ausländischer Herkunft. Seit wann sind die Eltern eines Spielers von Relevanz. Khedira ist in Stuttgart geboren. Übrigens, seine Mutter ist Deutsche.

    Und die beiden Spieler Podolski und Klose sind als Kinder nach Deutschland gekommen und hier sowohl gesellschaftlich als auch sportlich sozialisiert worden.

    Was soll also das dumme Geschwätz. Nach Ihrer Auffassung kann man die sportlichen Leistungen von Ländern wie den USA oder Australien dann auch nicht ernst nehmen. Das sind ja von wenigen Ausnahmen abgesehen alles Sportler ausländischer Herkunft.

    So etwas erweckt bei mir nur Fassungslosigkeit.

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    • bayert
    • 13. April 2013 13:22 Uhr

    standen u.a. Oddo, Lell, Breno, Demichelis, Ottl und Butt auf dem Platz. Da hinkt der Vergleich ein bisschen.

    3 Leserempfehlungen
    • Mr. Mo
    • 13. April 2013 13:35 Uhr

    Ist 'ne tolle Schlagzeile, klar. Fortsetzung des Duells der Nationalmannschaften in der Champions League.

    Der Vergleich hinkt allerdings an allen Ecken und Enden. Wenn man eine einigermaßen hohe Übereinstimmungen finden will, dann vielleicht bei Cruyffs/Guardiolas/Vilanovas Barcelona und der Roja von del Bosque. Allerdings gibt es auch zwischen den beiden einige Unterschiede im Spielsystem und der taktischen Anlage. Mourinhos Madrid hat mit der Roja dagegen in diesen Punkten ziemlich wenig zu tun. Auch die Übereinstimmungen von Klopps Dortmund und Heynckes' Bayern München mit der deutschen Nationalmannschaft Löws sind nur partiell. Alle sechs Trainer (plus die beiden "alten" bei Barca) haben ihre eigene taktische Handschrift und die Stammspieler ihre eigenen individuellen Stärken und Schwächen. Nur Barca spielt z.B. regelmäßig ohne "echte" Neun. Weder hat Spanien Spieler wie Dani Alves, Khedira (!), Ronaldo oder Messi, noch Deutschland solche wie van Buyten, Dante, Lewandowski oder Mandzukic.

    Von daher ist es aus meiner Sicht ziemlich oberflächlich gedacht, von den anstehenden vier Spielen ein Rezept für Spiele der deutschen gegen die spanische Nationalmannschaft zu erwarten. Wenn man sich tiefer einliest, stößt man schnell auf wichtige Unterschiede, die sich z.B. im Personal widerspiegeln. Auf die ausländischen Spieler in den Reihen aller vier Mannschaften -- vielfach Schlüsselspieler -- ist ja schon von anderen Kritkern hingewiesen worden.

    6 Leserempfehlungen
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    Danke Mr. Mo,
    dass Sie die wesentlichen Fakten unter Aufzählung und namentlicher Nennung der Schlüsselprotagonisten nennen.
    Unterm Strich: Vereinsfußball =nicht Nationalmannschaft.

    • Siru
    • 13. April 2013 20:22 Uhr

    Im Spiel der beiden FCB's stehen sich die beiden Mannschaften gegenüber, die sowohl personell das Rückgrat der jeweiligen NM bilden, als auch in der taktischen Ausrichtung sehr ähnlich agieren. Daher halte ich den Vergleich absolut für legitim.

    Zur taktischen Ausrichtung der deutschen NM ist allerdings einschränkend zu sagen, dass sie sich an den Bayern des letzten Jahres orientiert, und genau das ist für mich der spannendste Punkt bei den kommenden Duellen und evtl. Auswirkungen auf die NM. Die Bayern haben nämlich ein wesentliches Element in ihr Spiel integriert, und das ist das aggressive Pressing bereits am Strafraum des Gegners. Und genau dieses zusätzliche Element macht die Bayern so erfolgreich.

    Die deutsche NM ist z.Zt. Offensiv das Mass der Dinge, m.M.n. stärker als Spanien oder Argentinien. Die Defizite liegen hinten. Wenn ich mir jetzt vorstelle, die deutsche Mannschaft hätte im HF gegen Italien mit dem aggressiven Pressing gespielt, das die Bayern heute zeigen (und der BVB schon seit 2Jahren), dann glaube ich nicht, das dann das Spiel verloren gegangen wäre.

    Deshalb sollte Jogi sich die Spiele gut anschauen und (hoffentlich) seine Lehren daraus ziehen.

    "...Dani Alves, Khedira (!), Ronaldo oder Messi, ..."

    Alves und Khedira kriegt Spanien schon adäquat kompensiert, wenn es drauf ankommt. Der mit Abstand beste Rechtsverteidiger bei der WM 2010 war bspw. Sergio Ramos (mittlerweile ja zum Innenverteidiger umfunktioniert). Khedira? Bitte. Da haben die Spanier mit einem Busquets eine deutlich spielstärkere Alternative. Und einen Ronaldo würden die wahrscheinlich nicht einmal nehmen, wenn er Spanier wäre, schlicht weil er weder von der Spielanlage, noch charakterlich in die Truppe passt . Messi ist natürlich eine andere Hausnummer.

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  • Quelle Tagesspiegel
  • Schlagworte Joachim Löw | Bundesliga | Fußball | ZDF | Borussia Dortmund | FC Barcelona
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