Uli Hoeneß : "Wasser predigen und Wein saufen"

Er soll Millionen in der Schweiz vor dem Finanzamt versteckt haben. Stimmt das, wird Uli Hoeneß den FC Bayern nicht so führen können wie bisher, kommentiert O. Fritsch.
Präsident des FC Bayern München Uli Hoeneß am Spielfeldrand (Archiv) © Friso Gentsch/dpa

Die Reise nach Hannover hat er geschwänzt, am Dienstag will Uli Hoeneß gegen den FC Barcelona wieder ins Stadion kommen. Alleine, dass sich die Frage nach seiner Anwesenheit zum Duell der Giganten gestellt hat, belegt die Dimension des jüngsten Falls, des Steuerfalls Uli Hoeneß.

Der Präsident des FC Bayern hat nach Angaben des Focus, dessen Herausgeber im Verwaltungsrat des Klubs sitzt, sich selbst der Steuerhinterziehung angezeigt und einen millionenschweren Abschlag gezahlt. Die Behörden sollen sein Haus am Tegernsee durchsucht haben – trotz Selbstanzeige, was genauso außergewöhnlich anmutet wie die Tatsache, dass die Selbstanzeige öffentlich geworden ist.

Das am Wochenende kursierende Gerücht, dass Hoeneß einen Betrag von mehr als 500 Millionen Euro angehäuft habe, hat sich wohl als falsch herausgestellt. Doch als unzweifelhaft dürfte gelten, dass der Bayern-Präsident dem deutschen Finanzamt einen siebenstelligen Eurobetrag an Zinsgewinn vorenthalten hatte.

Pflichten, Disziplin, Kaufmannsethik

Trotzdem dürfte Hoeneß wegen seiner Selbstanzeige gute Chancen auf einen Freispruch haben. Die Sache hat aber nicht nur eine juristische Seite, denn sie betrifft den seit über zwei Jahrzehnten wichtigsten und mächtigsten Mann im deutschen Fußball. Hoeneß kämpfte zwar auch mal mit unsauberen Mitteln, etwa beim geheimen Deal mit dem Rechtehändler Leo Kirch vor rund zehn Jahren. Doch selbst auf viele Kritiker wirkte Hoeneß integer und rechtschaffen.

Auf Moral legte Hoeneß großen Wert, sie war sein Instrument. Zuletzt wollte er mehr sein als ein Fußballpräsident, sprach in Talkshows und auf Wirtschaftskongressen von sozialen Pflichten, Disziplin, Kaufmannsethik. Mit seiner Glaubwürdigkeit ließ sich für Finanzprodukte werben. Hoeneß wünschten sich viele Leute als Politiker, er war eine Art Schattenbundespräsident, ein Gesprächspartner Angela Merkels. Im Herbst 2012 sagte er bei Günther Jauch über mögliche Steuererhöhungen: "Davon haben wir gar nichts! Am Ende gehen die Reichen nach Österreich und in die Schweiz." Er sagte auch: "Wein saufen und Wasser predigen, bringt uns nicht weiter."

In diesem Stil führte er auch seinen Verein, beide sind gemeinsam berühmt geworden. Hoeneß war der FC Bayern, der FC Bayern war Hoeneß. Der Privatmann lässt sich nur schwer vom Präsidenten trennen. Er stand für Solidität, er stand für das Festgeldkonto. Vom Turbokapitalismus der Scheichs und Russen in England und Frankreich grenzte er sich genauso ab wie von der Verschwendungssucht spanischer oder italienischer Vereine. Ein Mann mit Fallhöhe.

Wie tief der wohlmeinende Patriarch nun fällt, ist noch offen. Weiter führen will Hoeneß die Bayern als Präsident jedenfalls. An einen Rücktritt denke er nicht, sagte er der Sport Bild. Doch wird er nicht in dem Stil führen können wie bisher, als Verfechter konservativer Werte, als Saubermann. Es dürfte ihm schwer fallen, "den Saustall" (Hoeneß) des Fifa-Präsidenten Joseph Blatter zu kritisieren. Er dürfte unglaubwürdiger wirken, wenn er vom Uefa-Präsidenten Michel Platini Strafe für diejenigen fordert, die gegen Financial Fairplay verstoßen. Und bei der Debatte um solidarische Verteilung von TV-Geld könnten ihn einige Konkurrenten aus der Bundesliga, zumindest die Sauberen, an ein Konto in der Schweiz erinnern.

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Kommentare

149 Kommentare Seite 1 von 21 Kommentieren

Vielleicht hilft die Original-Quelle etwas weiter

aus der zahlreiche Medienvertreter offenbar sensationsheischend abgekupfert haben, angereichert z.T. mit "astronomischer" Phantasie. (Ich frage mich, in wieviel Stunden die Milliardenhöhe Steuerschuld erreicht sein wird)

Zu Ihrem Punkt 2...."Noch am Mittwoch hatte Hoeneß auf Nachfrage der AZ entschieden dementiert, dass gegen ihn in Steuersachen ermittelt wird. Auch dass Fahnder sein Haus am Tegernsee schon im Januar durchsucht hätten, hat der Bayern-Präsident bestritten...."
http://www.abendzeitung-m...

Sichere Geldanlage in der Schweiz

In Deutschland gab es schon mal Devisenbewirtschaftung. So um 1936.

Also: ich halte die Amoralität einer Geldanlage in der Schweiz für nicht gegeben, sondern es ist eher die Notwendigkeit einer Geldanlage, wenn die eigene Währung (Euro) seit 2002 gegen den Schweizer Franken fast 100 % an Wert verloren hat. Einkünfte aus Zinsen, Dividenden und Spekulationsgewinne werden in der Schweiz für deutsche Staatsbürger mit dem gleichen Quellensteuersatz versteuert wie in Deutschland. Schweizer zahlen mehr. Ich sehe ab 2009 keine Steuerhinterziehung, wie sie hier allenthalben in den Medien suggeriert wird.

Das kann dann nur Kapitaleinkünfte vor 2009 betreffen, die davor in Deutschland noch der Kapitalertragssteuer unterlagen, einer so ungerechten Steuer, dass man sie abgeschafft hat, weil sich alle Bürger aller Schichten davor drückten. Ein Staat kann unmoralische Steuern erheben. Das BVG hat dazu einiges in Richtung der Regierungen gesagt.

Die Selbstanzeige beim Finanzamt mit strafbefreiender Wirkung unterliegt dem Steuergeheimnis. Dass der "Focus" mit dieser Information haussieren geht, ist wirklich sehr befremdlich und setzt einen Rechtsbruch voraus. Hier müsste die Staatsanwaltschaft ermitteln.

Die Informationen scheinen aber aus der Staatsanwaltschaft München an die Öffentlichkeit gelangt zu sein. Das wiederum ist schon sehr merkwürdig, da die Staatsanwaltschaft bei Selbstanzeige beim Finanzamt nicht eingeschaltet wird. § 353b StGB Verletzung des Dienstgeheimnisses?

So könnte es passen:

Zu 1.: Laut Focus-Chefredakteur Sonntag Abend bei G. Jauch ist die Redaktion selbst auf den Fall gestoßen und ist eher gegen als mit Markwort damit raus gekommen. Man kann's zwar kaum glauben, aber vielleicht doch ein Stück integrer investigativer Journalismus? und dazu noch eine Portion: besser der Focus als andere, für den Focus wie auch für Hoeneß?

Zu 2.: wenn die Behörden Zweifel haben müssen, dass die Selbstanzeige aus freien Stücken geschah - und das wird ja diskutiert - , müssen sie auch Zweifel haben, dass Unterlagen nicht beiseite geschafft werden, und dann müssen sie durchsuchen.

Zu 3.: Er wird jetzt als Zocker beschrieben, Spiegel Online berichtet, er habe sich ein Bild der "bulls and bears" auf den Grund seines swimming pools malen lassen. Hier lässt sich viel Geld machen, gerade von denen, die viel einsetzen und bewegen können. Es kann viele Motive für die Hinterziehung geben, auch noch wenig diskutierte wie:
- Spielsucht (vgl. die Beschreibungen auf Spiegel Online, Hoeneß als Spielernatur);
- Er wollte den FC Bayern schützen, der ja auch von der Reputation des Festgeldkontos lebt und zehrt in der Branche, da hätte ein prall gefülltes Spiel- und Zockerkonto in der Schweiz des Mister FC Bayern nicht gut dazu ausgesehen. Vielleicht hat Hoeneß der Diskretion des Finanzamtes nicht vertraut. Und die Zinsen wahrscheinlich eh nicht als versteuerungsnotwendig angesehen, politisch betrachtet.