Für Fußballfans zählen an Spieltagen nur zwei Orte: die Theke und – frei nach BVB-Legende Adi Preißler – auf'm Platz. An der Theke brutzelt die Wurst und fließt das Bier. Hier treffen früher oder später die Fans beider Mannschaften aufeinander. Wer wissen will, wie die Stimmung ist und was die Fans bewegt, muss also an der Theke vorbeischauen.

 Auf'm Platz, das ist schon eine andere Sache. Fußballspieler haben die schlechte Angewohnheit, nicht immer so zu spielen wie von Fans und Trainer erwartet. Zum Glück, wie das Spiel von Borussia Dortmund gegen den FC Bayern bewies.

 

Wer am letzten Samstagnachmittag schon etwas früher den Weg zum Dortmunder Signal Iduna Park geschafft hat – und das waren viele – musste sich wundern: War das hier wirklich das Spitzenspiel der Fußballbundesliga oder nicht doch eher das Frühlingsfest in Recklinghausen?

Auf'm Vorplatz vermischten sich gelbe und rote Trikots zu einer frühlingshaften Farbenpracht. Im Biergarten neben dem Stadion fachsimpelten Pöhlerkappenträger mit Filzhütlern in brinkhoff'scher Bierseligkeit und auf dem Rasen vor den Westfalenhallen sonnten sich kalkweiße Männerbäuche. Vom angeblichen Hass zwischen Dortmund- und Bayernfans keine Spur.

Vielleicht benötigten einfach alle eine Pause nach diesen turbulenten Wochen. Wochen, in denen die gemeinsame Geschichte des BVB und des FC Bayern um mehr als nur ein Kapitel länger wurde: Die alles überstrahlende Rekordsaison der Münchner, das Duell im DFB-Pokal, die Hoeneß-Steueraffäre, der Wechsel von Mario Götze, das Gezänke um Robert Lewandowski – lange war die Atmosphäre zwischen beiden Vereinen nicht mehr so vergiftet.

Dann folgte das Champions-League-Halbfinale und mit den Siegen Dortmunds und Bayerns kehrte etwas Vergessenes zurück: Demut. Bloß nicht zu viel Druck aufbauen vor dem Finale in Wembley, hieß die Devise. Das Duell in der Bundesliga habe "null Einfluss auf das Endspiel", sagte Bayerntrainer Jupp Heynckes. Und Jürgen Klopp mutmaßte sogar, dass seine Jungs richtig Haue bekommen könnten – was dann aber auch nicht weiter schlimm sei. Es geht ja in der Liga um nix mehr. War die Generalprobe also nur ein Spiel um die Goldene Ananas? Bloß Täuschung statt Taktik?

Bayern B+ gegen Dortmund A-

Argwöhnisch registrierten die Fans an der Theke die Aufstellungen beider Teams. Heynckes stellte die Mannschaft gleich auf acht Positionen um: Lahm, Schweinsteiger, Dante, Ribéry, Robben und Mandžukić standen gar nicht erst im Aufgebot, auf der Bank saßen dagegen Pierre-Emil Höjbjerg, Vladimir Rankovic und Tobias Weihrauch.

Dortmund zeigte sich weniger experimentierfreudig. Außer Mats Hummels, Lukas Piszczek und dem verletzten Mario Götze ließ Jürgen Klopp eine größtenteils eingespielte Mannschaft auflaufen.

Die ersten Minuten gehörten den Gästen. Der BVB überließ den Bayern zunächst das Spiel, ehe Kevin Großkreutz nach knapp zehn Minuten zum 1:0 traf. Spätestens jetzt merkte nicht nur Bayern-Torwart Manuel Neuer, der bei dem Treffer nicht gut aussah: So einfach wie vor zwei Wochen in Hannover, wo Bayerns B-Elf mit 6:1 gewann, würde es in Dortmund wohl nicht werden.

Dafür sorgten mittlerweile auch die Fans. "Alle sprechen vom deutschen Finale. Wir nicht. Wir sind Bayern. Scheiß BVB!" stand auf einem Plakat aus dem Gästeblock. Auf der anderen Seite mokierten die Schwarz-Gelben die Steuereskapaden – und den zukünftigen Bayernspieler Mario Götze. Hielten sich die Fans im Spiel gegen Madrid noch zurück, huschte diesmal pünktlich zum Anpfiff ein großes "Verpiss dich, Götze!"-Banner über die Südtribüne.