Arjen Robben nach dem Sieg in Wembley © Alex Livesey/Getty Images Sport

Das Tor, das Arjen Robbens Karriere veredelt, ja vielleicht sogar gerettet hat, war eine Solo-Nummer. Zwischen zwei Verteidigern erspähte Robben eine Lücke, durch die er elegant wie ein Pfeil hindurch schoss. Hummels' langes Bein übersprang er. Subotic ließ er kniend zurück. Weidenfeller erwischte er auf dem falschen Fuß. Dann schickte Robben den Ball auf einen Spaziergang. Als ob sie die Dortmunder verhöhnte, kullerte die Kugel ins Tor.

Die Saison, in der der FC Bayern durch seinen Kollektivgeist zur besten Mannschaft Europas wurde, vollendete ein Spieler, der als Egoist gilt. Oder galt. Denn der FC Bayern hat auch deshalb die Champions League gewonnen, weil er es geschafft hat, dass sich auch Robben dem Teamgeist verschrieb. So weit das für ihn möglich ist.

Früher wirkte Robben, als wären Verteidigen oder Zurücklaufen für ihn zu viel verlangt. Wenn der Angriff ohne ihn lief, war er beleidigt. "Aleinikow" war sein Spitzname in der Mannschaft. Franck Ribéry drückte Robben in der Halbzeit einmal die Faust ins Gesicht, große Empörung soll das im Team nicht ausgelöst haben. Der Spiegel beschrieb Robben vor einem Jahr als "Zumutung für Fans und Mitspieler".

In dieser Saison jedoch ist vieles anders bei den Bayern, davon hat sich auch Robben anstecken lassen. Er schoss nicht mehr so viele Tore, doch man sah ihn oft in der eigenen Spielhälfte, man sah ihn rennen und grätschen. Gegen Dortmund half er einmal mit Thomas Müller, Franck Ribéry und dem Verteidiger Philipp Lahm, zwei Dortmunder Angreifer zu bedrängen. Auch in den Begegnungen mit Barcelona war er in vielen Szenen eher ein Abwehrspieler. Robben nimmt das Wort "Mannschaftssport" häufiger in den Mund als früher. Auch wenn er immer noch gerne ein "Ich" anfügt . Als er sein Tor auf der Pressekonferenz beschreiben sollte, fiel das Wörtchen neunmal.

"Oh mein Gott! Oh mein Gott!"

Vor einem Jahr galt Robben noch als das Symbol des Scheiterns. Gegen Dortmund in der Liga und im Champions-League-Finale gegen Chelsea verschoss er je einen Elfmeter, es war nicht sein einziger Fehler in diesen entscheidenden Spielen. Wenige Tage nach dem verlorenen Finale dahoam pfiffen ihn viele Bayernfans in der Münchner Arena bei einem Testspiel gegen Holland aus.

Diesen Hintergrund muss man kennen, um zu verstehen, warum Robbens Jubel nach seinem Siegtor eher nach Wahnsinn als nach Freude aussah. Er rannte um sein Leben, kniff die Augen zusammen, biss die Zähne aufeinander und stieß mehrmals ein heftiges: "Oh mein Gott!" hervor. Später krümmte er sich am Boden. Im Champions-League-Finale von Wembley, beim wichtigsten Sieg der Bayern seit 2001, wurde der Loser aus dem Vorjahr zum "Man of the Match" gewählt.

"Als ich den Schlusspfiff hörte, ging mir fast die ganze Karriere durch den Kopf", sagte Robben auf der Pressekonferenz, nachdem ihm Alex Ferguson den Pokal für den besten Spieler überreichte. Mit den Bayern hatte Robben zwei Champions-League-Finals verloren, im Endspiel der WM 2010 gegen Spanien vergab er eine große Chance, Holland in Führung zu bringen. Auch gegen Dortmund scheiterte er in der ersten Halbzeit in zwei Eins-gegen-Eins-Situationen.